Erfahrungsbericht über

Don Carlos / Friedrich Schiller

Gesamtbewertung (12): Gesamtbewertung Don Carlos / Friedrich Schiller

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SCHILLER-JAHR: Geben Sie Gedankenfreiheit

5  20.10.2005

Pro:
Packende Geschichte, spannend und fesselnd von Seite 1 an, Wucht von Schillers Dramen, Winteressante Personenkonstellationen

Kontra:
Nicht so einfach, den ganzen Intrigen zu folgen

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

mehr


SVoigt2000

Über sich: "Die Tat ist alles, nichts der Ruhm", Goethe "Faust"

Mitglied seit:08.01.2000

Erfahrungsberichte:806

Vertrauende:129

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 75 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Gerade habe ich Schillers "Don Karlos" bereits zum zweiten Mal durchgelesen und möchte nun auch mal darüber berichten. Schillers Dramen schätze ich sehr, wie einige vielleicht schon wissen. Aber ist "Don Karlos" auch so gut?

-----HANDLUNG:-----
1556 wird Philipp II. König von Spanien. Er herrscht über ein riesiges Reich. Spanien erstreckt sich über ganz Europa und die Inquisition wütet schrecklich. Das Niederländische Flandern droht aufzubegehren und Philipp möchte dagegen mit harter Hand vorgehen. Dies kann der Marquis von Posa nicht zulassen und versucht seinen Freund, Don Karlos - Philipps Sohn - davon zu überzeugen, er möge nach Flandern reisen um dort die Ordnung herzustellen. Karlos ist in Flandern sehr geschätzt, weil er menschlich vorgeht - was man von Philipp und dem Herzog von Alba nicht behaupten kann. Und ausgerechnet Alba soll nach Flandern geschickt werden...

Damit aber nicht genug. Karlos liebt unglücklich. Er ist ausgerechnet in seine Stiefmutter verliebt, mit der er eine Liebesbeziehung hatte, bevor sein Vater sie ihm vor der Nase weggeschnappt und geehelicht hat. Allerdings behandelt Philipp seine Frau nicht so, wie sie es verdient hätte und so versucht Karlos immer wieder, die unmögliche Liebe wieder aufflammen zu lassen - ein Unterfangen, dass nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch noch höchst gefährlich ist.


-----FRIEDRICH SCHILLER:-----
Friedrich Schiller wurde 1759 in Marbach am Neckar geboren. 1773 musste er in die Militärakademie, wo er zunächst Rechtswissenschaften studierte. Später brach er das Studium allerdings ab und fing an Medizin zu studieren. 1780 schloss er das Studium ab und wurde Militärarzt.

Ein Jahr später schloss er die Arbeit an "Die Räuber" ab. Das Stück sollte dann 1782 in Mannheim uraufgeführt werden. Schiller hatte allerdings vom Herzog keine Erlaubnis, Stuttgart zu verlassen. Er tat es trotzdem. Legendär floh er von Stuttgart nach Mannheim und bekam so persönlich den großen Erfolg seiner "Räuber" mit. Das Publikum brach in lauten Jubel aus. Weniger gejubelt hat der Herzog, dem Schillers Flucht nicht gefiel und der ihn darum 14 Tage ins Gefängnis steckte und ihm bis auf Weiteres das Schreiben verbot.

Danach reiste Schiller wieder nach Mannheim und arbeitete dort als Theaterdichter. 1783 erkrankte er dann allerdings an Malaria. Dies sollte aber nicht seine einzige schwere Krankheit bleiben. 1791 erkrankte er an Tuberkulose. Diese Krankheit lies ihn danach nicht mehr los und vermutlich starb er auch daran.

1789 bekam Schiller eine Professur in Jena als Philosoph, lehrte dort aber als Historiker. Die Stelle bekam er wohl durch Goethe, der erstmal keine Konkurenz in Weimar dulden wollte. Später aber, das weiss wohl jedes Kind, freundeten Schiller und Goethe sich an und tauschten sich über ihre Werke aus. So ist zum Beispiel Schillers Drängen und Aufmuntern zu verdanken, dass Goethe den "Faust" weiter schrieb. Vorher aber, 1790, heiratete Schiller Charlotte von Lengefeld, mit der er später mehrere Kinder hatte.

Wieder in Weimar arbeitete er an vielen großen Werken der deutschen Literatur und hatte, wie bereits gesagt, ein gutes Verhältnis zu Goethe. 1802 bekam Schiller das Adelsdiplom überreicht, wodurch er nun "von Schiller" hieß. Am 9. Mai 1805 starb Schiller an einer Lungenentzündung, die wohl durch die Tuberkuloseerkrankung hervor gerufen wurde.

Weitere Werke: Die Räuber, Kabale und Liebe, Don Carlos, Wallenstein, Wilhelm Tell, Maria Stuart, Das Lied von der Glocke, Ode an die Freude...


-----ZAHLEN, DATEN, FAKTEN:-----
Titel: Don Karlos
Autor: Friedrich Schiller
Verlag: Reclam, Stuttgart
Erschienen: 2001
Seiten: 220


-----KOMMENTAR:-----
Hier ist Schiller wirklich ein großer Wurf gelungen. Bereits auf den ersten Seiten wird man direkt in die Handlung hinein gezogen und wird von ihr gefangen genommen. Denn der Konflikt Karlos' - die eigene Stiefmutter, die Frau des eigenen Vaters, zu lieben - ist zu fesselnd und spannend, als dass man gelangweilt sein könnte. Hinzu kommen dann bald auch die Konflikte um Flandern, die die Handlung auf eine historische, politische und natürlich auch religiös-geschichtliche Ebene bringen.

All das vermengt Schiller sehr geschickt zu einem Drama, das seinen Namen zurecht trägt. "Don Karlos" ist dramatisch, spannend, verzwickt und hat auch die Wucht und Energie, die ich bei Schillers Dramen so mag. Verzwickt wird die Geschichte aber auch, da natürlich eine Menge Intrigen gesponnen werden. Da sind so viele Personen, die irgendwelche Ziele verfolgen und erreichen wollen, dass es schon stellenweise ganz schön schwer ist, noch folgen zu können. Trotzdem - oder auch deswegen - will man den "Don Karlos" gar nicht mehr zur Seite legen und unbedingt immer weiter und weiter lesen, um endlich zu erfahren, wie die Geschichte endet - und das bei einem mit 220 Seiten nicht gerade kurzen Drama. Aber die Fragen sind einfach zu spannend: Wird Flandern befreit? Kann Karlos die verbotene Liebe zu seiner Stiefmutter leben?

Damit aber nicht genug. Auch beim "Don Karlos" finden sich wieder Sätze, die überall zitiert werden, nachdenkenswert sind und die man sich merken kann. Vor allem wäre da natürlich Posas Ausruf vor dem König zu nennen: "Geben Sie Gedankenfreiheit" (3. Akt, 10. Auftritt; S. 126 in der oben genannten Ausgabe). Aber auch Karlos' schwärmerische Reden über die Liebe zu seiner Stiefmutter sind gespickt mit großen Sätzen.

Bei dem Gedankenfreiheit-Zitat wäre man auch wieder beim großen Schiller-Thema - der Freiheit. In all seinen Dramen geht es in irgendeiner Form um Freiheit und Unterdrückung. Das ist hier natürlich auch so - sogar in mehrfacher Hinsicht. Zum einen wäre da die Gedanken- und Religionsfreiheit und zum anderen, eng daran geknüpft, die Befreiung von Flandern. Diese Bestrebungen nach Freiheit gipfeln dann immer wieder, wie so oft bei Schiller, in diesen überall zitierten Sätzen, wie zum Beispiel Posas: "Geben Sie Gedankenfreiheit."

Dazu passen dann auch Charaktere wie der Marquis von Posa, dem irgendwann bescheinigt wird, sein Herz würde nicht für sich oder einen anderen Menschen, sondern für die gesamte Menschheit schlagen. Er ist schon der heimliche Star dieses Dramas, weil er wirklich für Flandern kämpft und unbedingt dessen Freiheit will und dafür dann am spanischen Hof einige Intrigen spinnen muss und sogar seinen Freund Karlos nicht in alles einweihen kann.

Interessant ist auch hier, dass Schiller sich wieder eines historischen Stoffes bedient hat. Das war ja schon bei "Wilhelm Tell" der Fall, genau wie bei "Maria Stuart" und vielen weiteren Schiller-Dramen. Philipp II. gab es wirklich, genau wie dessen Ehe mit Elisabeth von Valois und deren voriger Verlobung mit Don Carlos und so weiter. Schiller stutzt die historischen Ereignisse aber so, dass in seinem Drama an wenigen Tagen geschieht, was in Wirklichkeit Jahre dauerte. Aber dieses Recht hat der Autor.

Abschließend kann ich noch sagen, dass mich das Drama beim Lesen auch hier und da an Shakespeares "Macbeth" erinnerte. Besonders deutlich wird das einmal in der Psychologie Philipps. Es wird gesagt, dass er Angst vor Karlos hat, weil er selbst, Philipp, seinen Vater vom Thron verdrängte und nun fürchtet, ihm könntes Gleiches passieren. Dieses Phänomen gibt es ja auch bei Macbeth, der, nachdem er den König ermorderte und selbst zum König gekrönt wurde, in jedem Menschen einen potentiellen Mörder sieht und darum ein schreckliches Blutbad anrichtet.


-----FAZIT:-----
Ein sehr gutes und lesenswertes Drama von Friedrich Schiller, das die Leser schon nach den ersten Seiten in seinen Bann zieht und danach auch nicht mehr los lässt. Eines meiner liebsten Schiller-Dramen.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Lieschen89

Lieschen89

14.10.2007 17:34

Das muss ich auch gerade in meinem Deutschleistungskurs lesen. Ich finde es sehr schwer, aber nicht umbedingt schlecht. LG Lisa

SusiG

SusiG

25.12.2005 19:06

Don Karlos (schreibt man nicht Carlos?) habe ich mal im Schloss-Theater bei den Sommerfestspielen gesehen, Hat mir sehr gut gefallen. bh von mir! LG Susi

JennyN

JennyN

19.11.2005 19:04

Wir lesen jetzt "Die Räuber". Letztes Jahr in der 10. Klasse habe ich ein 2 Stündiges Referat über Schiller gehalten, wir haben Plakate gemacht und jeder musste Gedichte vortragen. Seitdem finde ich Schiller klasse und musste auch Deutsch unbedingt als Leistungsfach wählen. Schiller ist einfach nur cool!!!!

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