Sex, Drugs 'n Death
31.08.2008
Pro:
Sommer, Sonne, Sonnenschein . . .
Kontra:
. . . reichen hier nicht ganz aus für einen gelungenen Horrortrip
Empfehlenswert:
Ja
 MissVega
Über sich:
Textil-Tourette! Köln-Stammi am 12.05.2012. Und die Miss mittendrin. ;-)
Mitglied seit:28.02.2007
Erfahrungsberichte:495
Vertrauende:104
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 86 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Fantasy Filmfest #9. Starttermin Großbritannien: 18.07.2008, über deutschen Starttermin und DVD-Release ist noch nichts bekannt. Bei einem Donkey Punch handelt es sich nicht, wie Einige vielleicht annehmen mögen, um einen Cocktail. Nun, zumindest die Erklärung ist ein wenig delikat. Bei einem Donkey Punch handelt es sich um einen leichten Schlag in den Nacken des gerade anwesenden weiblichen Sexualpartners, während dieser sozusagen von hinten genommen wird. Soll angeblich im Augenblick des Orgasmus denselbigen bei der Frau intensivieren. Wer diesen Film gesehen hat, wird das aber definitiv nie ausprobieren. Nun gut, vor dem entscheidenden Eselsschlag gibt's aber noch ein wenig Handlung, und die geht so:
Regisseur und Drehbuchautor Oliver Blackburn legt mit diesem britischen Horrorthriller sein Spielfilmdebüt vor. Und es hätte weitaus schlimmer kommen können, wirklich. "Donkey Punch" ist cool, locker und recht spannend. Zwar ist die Geschichte recht vorhersehbar, aber zumindest kann man Wetten darauf abschließen, mit wem der Bodycount beginnt und endet. Und der Film schafft es sogar, ein prima Urlaubsfeeling zu vermitteln, selbstredend nur in der ersten Hälfte. Also, alles in allem gar nicht mal so schlecht. Ok, here we go: Lisa, Tammi und Kim (Sian Breckin, Nichola Burley und Jaime Winstone, die alle über britische TV-Serien-Erfahrung verfügen) sind dem tristen Alltag in Leeds entflohen und haben gerade ihren Urlaub auf Mallorca begonnen. Und sie erfüllen die Vorurteile gegenüber Engländern im Urlaub ganz vortrefflich: sie trinken Wodka pur, fangen schon mit der Party an, wenn die Sonne noch im Zenit steht und sind einem schnellen Abenteuer nie abgeneigt. Beste Voraussetzungen also für Josh, Marcus und Bluey (Julian Morris, Jay Taylor und Tom Burke, alle ebenfalls bekannt durch britische Serien), die die drei Chicks in einer der vielen Bars treffen, sie auf ihre Yacht einzuladen, also, die Yacht, auf die sie gerade aufpassen oder so ähnlich. Sorry, da hat mich mein Englisch verlassen, da in der von mir gesehenen englischen Originalfassung alle in einem wirklich schwer zu verstehenden Slang-Vorort-Cockney-Washassugesagt-Englisch reden, so dass selbst meinen hochkonzentrierten Ohren da das ein oder andere Wort durch die Lappen gegangen ist. Tut aber für die Story auch nichts zur Sache, dient eh nur dem Locationwechsel. An Bord befindet sich noch Josh's Bruder Sean (Robert Boulter), der den Maschinisten gibt.
Und schon geht's los mit der Party. Erst Alkohol, dann Ecstasy, dann Sex. Alles wirklich hübsch in Szene gesetzt auf der beeindruckenden Yacht bei schönstem Sonnenschein. (Fast) jeder macht mit jedem rum, bis sich letztendlich fünf Leute nach unten ins Schlafzimmer begeben. Kim und Marcus betreiben Doktorspiele, ebenso Bluey und Lisa, Josh sitzt seltsamerweise dabei und guckt zu. Bis… ja, bis er dann Bluey ablösen darf, der ihn anfeuert, bei Lisa den vorher diskutierten Donkey Punch anzuwenden. Hätte man dem kleinen, niedlichen Josh gar nicht zugetraut, dass er so nen Schlag bei Frauen hat… einen tödlichen nämlich. Ein schrecklicher Unfall, Lisa ist tot. Was nun folgt ist eine nicht immer ganz logische Ingangsetzung der verschiedensten Maßnahmen, um wieder Herr der Situation zu werden. Nach dem ersten Schock legt Josh eine erstaunliche Kaltblütigkeit an den Tag, um seine Haut zu retten. Die Jungs reden den verstörten Mädchen ein, es sei besser, Lisa im Meer zu versenken. Nachdem die Mädels aber ihren ersten Schock überwunden haben und langsam zu begreifen beginnen, dass auch sie letztendlich genau da landen könnten, wo Lisa bereits ist, starten sie durch. Durch Streitereien, Missverständnisse, Unfälle und Kaltblütigkeit geschieht nun ein Mord nach dem anderen, bis letztendlich nur noch… ja, wer eigentlich, übrig bleibt? Eine lange, blutige Nacht auf See nimmt ihren Lauf. Blackwell gelingt es bestens, die Sommer- und Urlaubsstimmung einzufangen. Er hat sich dafür ein paar schöne Locations ausgesucht und glaubwürdige Charaktere geschaffen, die die im Drehbuch vorgesehenen Emotionen prima transportieren. Hübsche Mädchen, attraktive Jungs, Sommer, Urlaub, Party, eine Yacht, baden im offenen Meer, wildes Geknutsche und Sex… was will man mehr? Doch von einer Sekunde auf die andere kippt die Stimmung und "Donkey Punch" wird zum perfiden Horrortrip, bei dem nur noch eins zählt: Überleben. Und hier, in der zweiten Hälfte des Films, liegen dann auch die Schwächen. Zu abenteuerlich gestalten sich die nun folgenden Storywendungen, zu unglaubwürdig wirkt die ganze Situation. Kombiniert mit ein paar unnötigen Regiefehlern (die Mädels gehen abends los zum Partymachen, die Sonne scheint aber noch. Sie scheint auch nach diversen Bar-Besuchen noch und dann immer noch, als sie schon längst auf der Yacht sind. Wann sind die denn losgegangen? Um 15.00?; Und warum hat Tammi nasse Haare, noch bevor sie überhaupt im Wasser war?), muss man hier dann schon ab und an den Verstand ruhen lassen, um dem Geschehen noch etwas abzugewinnen. Und auch hier haben wir wieder das Problem des richtigen Tempos. Zu lang sind teilweise die Einstellungen, und auch mehr Musik hätte dem Film gut getan, da der Score alles in allem recht annehmbar ist. Irgendwann dann ist alles, was auf dem Boot als Mordwaffe ge- und missbraucht werden kann, verwendet worden und es sind auch kaum noch Opfer da, die es umzubringen gilt.
Also, wir haben hier einen netten kleinen Party-Horrorthriller, der durch überaus hübsche junge Menschen, einen eingängigen Soundtrack und tolle Locations besticht. Zieht man in der zweiten Hälfte einige Unglaubwürdigkeiten und kleinere Logiklöcher wieder ab, hat man immer noch einen annehmbaren Schocker light, bei dem es zum Glück maximal sieben Menschen umzulegen gilt, mehr teilweise unsinnige Storytwists würde der Film auch nicht vertragen. Tragisch, wie ein schöner Urlaub so schnell zum Horrortrip mutieren kann, obwohl doch alle eigentlich nur eines wollten: Spaß. Den hat der Zuschauer leider nicht durchgängig, somit drei von fünf geworfenen Ankern, die hoffentlich kein menschliches Ziel treffen.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Verwandte Tags für Donkey Punch
|
|
18.09.2008 20:12
Naja, nichts wirklich Neues oder? Trotzdem werd ich mir den früher oder später ansehen... (ist wie eine Sucht!! *lach*)
02.09.2008 23:58
Da kann ich mich Sab nur anschließen, der Film klingt wirklich etwas seltsam, und wer mir in den Nacken schlägt, der kann froh sein, wenn er in einem Stück die Nacht überlebt ;-)
02.09.2008 20:44
Wie immer vortrefflich rezensiert, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich jemals in den "Genuss" dieses Films komme, ist eher gering...