Das muß man wirklich gelesen haben
14.12.2000
Pro:
siehe Text
Kontra:
siehe Text
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Wie ergreifend ist die Story?
mehr
 krysia
Über sich:
Mein Motto: es kann nie so schlimm sein, dass es nicht besser werden könnte :o))
Mitglied seit:11.12.2000
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 18 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Wolfgang Borchert wurde am 20.5.1921 in Hamburg geboren und starb am 20.11.1947 an einem Leberleiden in einer Klinik in Basel. Als Buchhändlerlehrling nahm er Schauspielunterricht, aber er konnte den Schauspielerberuf nur kurze Zeit ausüben da er 1941 zum Militärdienst einberufen wurde. Seine Zeit beim Militär ist gekennzeichnet durch Einsätze an der Ostfront und Gefängnisaufenthalte da man ihm Wehrzersetzung vorwarf. (u.a. Göbbels Parodie) Auch erkrankte er während dieser Zeit schwer. 1945 floh er aus französischer Kriegsgefangenschaft nach Hamburg. Dort verbrachte er schwerkrank seine literarisch produktivste Zeit. Im Herbst ’47 ermöglichten ihm Freunde einen Krankenhausaufenthalt in Basel wo er dann auch starb. Er schrieb unter anderem auch “Die Hundeblume”, “An diesem Dienstag” und “Die lange, lang Strasse lang”. Einer der Gründe für seinen Erfolg liegt wohl darin, dass er unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg aktuelle Themen aufgreift. Zum Stück: Im Vorspiel gibt es einen Dialog zwischen einem Beerdigungsunternehmer und einem alten Mann. Während der Unterhaltung stellt sich heraus dass der Beerdigungsunternehmer der Tod selbst ist und der alte Mann der Gott. Der Tod rülpst ständig, weil er so überfressen ist, und Gott ist nur am Jammern weil keiner mehr an ihn glaubt. Beckmann ist ein Heimkehrer nach dem Krieg mit dem steifen Knie und der grotesken Gasmaskenbrille, beschließt seinem Leben ein Ende zu setzen. Sein Leben scheint vorbei zu sein, seine Frau einen anderen Mann hat, er humpelt, er hunger, er ist müde und er hat keinen Platz zum bleiben. Doch die Elbe, in die er sich stürzt, spuckt ihn wieder ans Ufer. Nochmals muß er versuchen, im Leben zurechtzukommen. Aber alle seine Versuche schlagen fehl. Eine Frau findet ihn am Ufer liegen und nimmt ihn mit. Sie gibt ihm die Kleider ihres verschollenen Mannes. Als dieser plötzlich dann doch auftaucht steht Beckmann wieder auf der Strasse. Er will dann seinen ehemaligen Oberst aufsuchen, um ihm die Verantwortung zurückzugeben, die ihm jener im Krieg für einen Spähtrupp aufgeladen hat. Beckmann kann nicht mehr schlafen, da er damals elf Männer verloren hat. Aber der Oberst lacht ihn aus. Ein Kabarettdirektor, bei dem er mit deprimierenden Liedern auf die Leiden des Krieges um Arbeit bittet, schickt Beckmann weg. Keiner will mehr etwas von der Wahrheit wissen. Als er seine Eltern besuchen will muß er erfahren, dass sich die beiden das Leben genommen haben. Er will nun endgültig aufgeben. Sein Weg führt wieder zur Elbe. Sein anderes "Ich" versucht ihn vergebens vom Selbstmord abzuhalten. In einem Traum begegnet er dann einem weinerlichen alten Mann, dem "lieben Gott" und einem Straßenkehrer, dem Tod, den er bittet, eine Tür für ihn offen zu halten; auch seine "Mörder" erscheinen ihm nochmals: der Oberst, der Direktor, Frau Kramer, seine Frau mit ihrem neuen Freund... Als er aus dem Traum erwacht, muß er erkennen, dass er kein Recht auf Selbstmord hat, dass er allein weiterleben muß, verraten wie er ist: keiner hört ihn und keiner gibt ihm mehr Antwort. Das Drama gilt als bedeutendstes Stück der sogenannten Trümmer- und Kahlschlagliteratur nach 1945. Das Stück ist einfach zu lesen, aber sehr emotionsreich. Teilweise ist es ein wenig verwirrend, weil der Leser nicht so genau weiss, ob es Realität ist oder ob Beckmann gerade träumt. Beim zweiten mal lesen ist es dann allerdings schon alles viel klarer. --------------------------- Hab richtig einen Kloß im Hals, weil das wirklich so ergreifend ist!
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18.12.2000 21:23
Habe davon schon gehört....es muss wirklich klasse sein....herrjeee, was sich hier alles schon an Büchern stapelt....*seufz*
17.12.2000 20:58
Das Wunderbarste (und Wunderlichste) an diesem Schauspiel ist vielleicht dies: wir begreifen, wie es ist, draußen vor der Tür zu stehen. Das Traurigste: wie Borchert dieses Elend kultiviert. Das ist eine Form der Selbstverstümmelung, vielleicht autistisch. Die Hölle sind wir selbst, schreibt Sartre.
17.12.2000 15:36
Du hast vollkommen recht, krysia, dieses Werk muss man lesen. Ich hab's mehrmals getan und werde es bald wieder mal hernehmen. An dem Knödel (wie wir in Österreich sagen) ist was dran - bei mir ist es auch im Hals gesteckt!