23 - Nichts ist so wie es scheint

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23 - Nichts ist so wie es scheint

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Agieren sie immernoch im Untergrund...die Illuminaten?

5  12.05.2010

Pro:
Story beruht auf wahren Begebenheiten / tolle Darsteller / eindringlich erzählt !

Kontra:
-

Empfehlenswert: Ja 

Mausimausmaus

Über sich: *** 26.07.2010 ***

Mitglied seit:26.10.2003

Erfahrungsberichte:2647

Vertrauende:301

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 113 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Willkommen bei Mausimausmaus

Auch wenn man primär im Hier und Jetzt lebt, sollte man sich doch ein wenig für die Vergangenheit interessieren und so stieß ich auf einen Film, der sich mit Ereignissen befasst, die zeitlich in den 1980er Jahren anzusiedeln sind: dem so genannten KGB-Hack, für den zwei Jugendliche aus Hannover verantwortlich waren. Der Titel lautet:

23 - Nichts ist so wie es scheint

Randdaten

  • Originaltitel: 23 – Nichts ist so wie es scheint
  • Produktionsland: Deutschland
  • Originalsprache: deutsch
  • Erscheinungsjahr: 1998
  • Länge: 99 Minuten
  • Altersfreigabe: FSK 12
  • Regie: Hans-Christian Schmid
  • Drehbuch: Michael Gutmann, Hans-Christian Schmid
  • Produktion: Jakob Claussen, Thomas Wöbke
  • Musik: Norbert Jürgen Schneider
  • Kamera: Klaus Eichhammer
Darsteller/innen

  • August Diehl: Karl Koch
  • Fabian Busch: David
  • Dieter Landuris: Pepe
  • Jan-Gregor Kremp: Lupo
  • Stephan Kampwirth: Maiwald
  • Lilly Marie Tschörtner: Beate
  • Patrick Joswig: Alex
  • Peter Fitz: Brückner
Preis

Ich habe diese DVD bei www.buch.de bestellt und 7,99 €uro bezahlt.

Handlung

Die Bundesrepublik Deutschland ist in den 1980er Jahren geprägt von der Trennung zwischen Ost und West, der Friedensbewegung, Anti-Atomkraft-Demos und der Endphase des Kalten Krieges. Karl Koch (August Diehl) aus Hannover kommt aus schwierigen familiären Verhältnissen: Seine Mutter starb als er noch ein Kind war, sein Vater schlägt sich mit Alkoholproblemen herum, erkrankt schliesslich an einem Gehirnumor, der auch sein Leben frühzeitig beendet. Karl bleibt nur der grosse Batzen Geld, den er ihm vermacht hat. Der 19jährige fühlt sich allein gelassen, beginnt die Welt um ihn herum mißtrauisch zu beäugen und flüchtet sich in die Welt der Computer, deren Siegeszug durch die Haushalte damals erst begann. Inspiriert durch die intensive Lektüre der "Illuminatus" - Büchern entwickelt Karl die Idee einer Verschwörungstheorie, in der die Zahl "23" eine alles verbindende Rolle spielt. Er hackt sich in die weltweiten Datennetze, um politische und wirtschaftliche Zusammenhänge zu finden, die sich mit seiner Verschwörungstheorie decken. Durch falsche Freunde, die ihn nicht nur mit immer neuen Aufträgen, sondern auch mit Drogen versorgen, verfällt er nach und nach in einen Wahl. Er kann Fiktion und Realität nicht mehr auseinander halten und ahnt nicht, dass er selbst zu einem Werkzeug politischer Macht geworden ist...
Test und Bewertung

Im Fokus der auf wahren Begebenheiten basierenden deutschen Produktion von Hans-Christian Schmid mit dem Titel "23 - Nichts ist so wie es scheint" stehen die KGB-Hacks in den Jahren 1985 bis 1989 sowie im speziellen die Persönlichkeit Karl Kochs, einer der jungen Männer, die diese zu verantworten hatten. Wer meint, dass es sich hier um einen Streifen für Freaks handelt, der mit Begriffen aus der PC-Welt nur so gespickt ist, der irrt: Ziel ist es die Selbstzerstörung eines Schülers zu schildern und zwar so authentisch wie möglich. Unglückliche Umstände sorgten dafür, dass aus Interesse und Leidenschaft gefährlicher Ernst wurde: Unter dem Pseudonym "Hagbard-Celine" hackte sich Karl Koch im Auftrag des KGB, vertreten durch einen Kontakt namens "Serge" in zahlreiche westliche Computersysteme und spähte Daten aus - er wurde dafür großzügig entlohnt. Er gab jedoch an, dass es nie sein Ziel gewesen sei sich durch den Einsatz seiner Fähigkeiten materiell zu bereichern - er wolle lediglich einen Beitrag dazu leisten, dass Informationen allen zugänglich gemacht werden, denn nur so könne ein Machtmißbrauch durch einzelne Personen oder Gruppen eingedämmt werden. Analysiert man die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation, so läßt sich folgendes feststellen. Der Siegeszug der Computer, die weltweite Vernetzung und die "Geburt" einer Informationsgesellschaft - in den 1980er Jahren noch Zukunftsmusik - hat zwar zweifellos stattgefunden, doch noch zu einer gerechteren Verteilung der Macht hat dies nicht nicht geführt - ganz im Gegenteil.

Der junge Hacker hat sich im Prinzip geopfert ohne es zu ahnen, denn anfänglich wirkte er wie der Prototyp eines westdeutschen Jugendlichen in den 1980er Jahren: Unzufrieden und rebellisch. Unterstützt wird dieses Bild durch eine entsprechende musikalische Untermalung, denn die Songauswahl kann sich sehen lassen. Erwähnt seien da z.B. "Child in time" von Deep Purple, "Rauchhaussong" von Ton Steine Scherben oder "Eithies" von Killing Joke - gezielt in bestimmten Stadien von Karls Entwicklung eingesetzt. Diese ist traurig bis tragisch und wird sehr eindringlich geschildert, was nicht zuletzt dem Talent des mir bis dato unbekannten Schauspielers August Diehl geschuldet ist. Man ahnt spätestens nach der Hälfte des Films, dass Karls immer mehr zunehmender Drogenkonsum, die vielen Parties, das nächtelange Sitzen vor dem PC und die Angst vor einer Entlarvung seiner Aktivitäten ihn in eine Sackgasse führen, körperlich wie psychisch. Der Film, dessen Titel etwas reisserisch klingt und vielleicht andere Erwartungen schürt, lebt nicht von Nervenkitzel und Thrill, sondern von Aufklärung, Authentizität und der Stimmung einer Generation - das wird deutlich, fasziniert und regt zum Nachdenken an. Ergänzend kann man sich die auf der DVD befindlichen Extras (Interaktive Menüs, Szenenanwahl, Textinfos, Making of, hinter den Kulissen) zu Gemüte führen. Kein Muss, aber auch nicht uninteressant.

Der echte Karl Koch ging übrigens - das schildert auch der Film - gänzlich straffrei aus und wurde in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen, da er sich bereit erklärte beim Verfassungsschutz auszusagen. Pepe und Lupo wurden festgenommen und in einem Prozess, welcher von der Öffentlichkeit mit grossem Interesse begleitet wurde, zu Bewährungsstrafen zwischen 2 Jahren und 14 Monaten verurteilt. Karl Koch verbrachte aufgrund seiner Drogenabhängigkeit und seines kritischen Geisteszustandes einige Zeit in der Psychiatrie ehe er wieder ins Leben entlassen werden konnte. Zuletzt übte er einen Halbtagsjob als Fahrer aus. Am 23. Mai 1989 kehrte er von einer Dienstfahrt nicht zurück - eine Woche später fand man seine verkohlte Leiche in einem Birkenwald neben der Bundesstraße nach Wolfsburg. Ob es sich um Freitod durch Selbstverbrennung oder um Mord handelte, konnte nie restlos aufgeklärt werden. Karl Koch wurde nur 23 Jahre alt.

Auch wenn die Frage, ob unsere Welt von Geheimbünden beherrscht wird, unbeantwortet bleibt: "23 - Nichts ist so wie es scheint" ist für mich einer der besten deutschen Filme, hat zu Recht 1999 den deutschen Filmpreis erhalten und verdient auch in meiner Bewertung sowohl fünf Sterne als auch eine Weiterempfehlung.

Vielen Dank für Eure Lesungen, Bewertungen und Kommentare!

Eure Mausimausmaus
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mozarteum

mozarteum

22.06.2010 21:29

der würde mir wohl auch gefallen ... lg detlef :-)

Engelherz

Engelherz

25.05.2010 01:19

Spannend!! Möchte ich auch ansehen!! :-))

geistreich

geistreich

20.05.2010 19:16

Ich denke, das mit der Verschwörungstheorie ist hier eher psychologisch zu erklären: Ist es nicht ein "Symptom" der Schizophrenie (die ja auch durch Drogen und soziale Umstände ausgelöst werden kann), dass solche Menschen am Ende überall nur noch Verschwörungen sehen? Dennoch irgendwie faszinierend und die Spannung sicherlich steigernd, wie hier offenbar beide Themen miteinander verknüpft wurden. Allein schon aus diesen Gründen ist der Film bestimmt sehenswert. LG Karin

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