Erfahrungsbericht über

Driver 2 [PLA] (PSX)

Gesamtbewertung (136): Gesamtbewertung Driver 2 [PLA] (PSX)

 

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Viele gute Ideen verschenkt

2  30.05.2001

Pro:
gute Story, tolle Ideen, viele neue Features,

Kontra:
viele Grafikfehler, schlampige Abfragen, lange Ladezeiten, schlechte Steuerung

Empfehlenswert: Nein 

thetrueodie

Über sich: Eigentlich habe ich nicht mehr so viel Zeit für Ciao. Aber gelegentlich werde ich doch mal rückfälli...

Mitglied seit:14.07.2000

Erfahrungsberichte:156

Vertrauende:37

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 69 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Neue und innovative Spielideen sind am heutigen Spielehorizont selten gesehene Sternschnuppen! Meistens bekommt der Kunde nur den hundersten Aufguss eines altbewährten Spielprinzips untergeschoben, in der Hoffnung, dass ein und dasselbe Spiel mit stetig verbesserten visuellen und auditiven Effekten sich jedes Mal aufs neue gut verkauft.


Taucht dann tatsächlich mal ein neues und halbwegs kreatives Spielkonzept am Firmament auf, so wird es bis zum abwinken kopiert, oder ein schnell hinten drauf gesetzter zweiter Teil verdirbt einem den Spaß an dieser Idee. Das Playstation Spiel 'Driver 2' ist so ein Schnellschuss, obwohl es gut 1.5 Jahre nach dem Original auf den Markt gekommen ist.

Autokurier Tanner kehrt zurück

In Driver 2 geht es, wie auch schon in dessen Vorgänger, um den Autokurier Tanner, der gerne Autofahrten für diverse Gangster, Diebe und Banden ausführt und sich dafür königlich bezahlen lässt. Im Gegensatz zum ersten Teil erhält Tanner dieses Mal nicht einzelne, voneinander unabhängige Missionen, sondern es gibt eine zusammenhängende Geschichte, von welcher Tanner (d.h. der Spieler) die einzelnen Kapitel durchspielen muss.


So muss er zum Beispiel in einer Mission eine verdächtige Person die in einem Auto sitzt und später in einen Zug einsteigt im Auto und dann auch noch zu Fuß verfolgen, ein anderes Mal muss Tanner vor der Polizei in sein Versteck flüchten oder einen Verdächtigen im Auto verfolgen und von der Strasse abdrängen.


Im Gegensatz zu normalen Autorennspielen bietet Driver 2 ebenso wie sein Vorgänger einiges mehr an Abwechslung und Ideenvielfalt. Das Fahren des Wagens ist nicht mehr die einzige Hauptsache in diesem Spiel, sondern man muss immer darauf achten, dass man sein Ziel, jemanden zu verfolgen, bestimmte Orte anzufahren oder innerhalb des Zeitlimits eine Ware abzuliefern, etc. nicht aus den Augen verliert.


Wie schon im ersten Teil ist das natürlich nicht ganz so einfach. Man muss nicht nur die Tücken der Fahrphysik kennen und beherrschen lernen (und die Autos bei Driver sind mitunter extrem eigensinnig!), sondern man muss auch noch rechtzeitig an sein Ziel kommen oder schnell genug hinter jemandem herfahren und zu allem Überfluss tauchen ab und zu ein paar Cops auf, die ein bisschen was dagegen haben, wenn man in ihrer schönen Stadt mit zu hoher Geschwindigkeit durch die Strassen und über rote Ampeln braust.

Keine Chance fürs Flensburger Punktekonto

In dieser Hinsicht unterscheidet sich Driver 2 quasi nur wenig von seinem Vorgänger. Eine große Änderungen des zweiten Teils ist die Möglichkeit aus dem Auto auszusteigen und zu Fuß weiter zu laufen, bzw. sich ein anderes Auto stehlen - entweder ein parkendes oder eines auf der Strasse fährt; dazu muss man aber erst den eigentlichen Fahrer rauswerfen ;-). So kann man nicht nur in normale Amischlitten einsteigen, sondern auch einen gepanzerten Lieferwagen, Polizeiautos oder sogar einen Schulbus kapern und damit durch die Strassen brettern.


Diese Funktion ist sehr praktisch, denn wenn man einmal den eigenen Wagen fast zu Schrott gefahren hat, so kann man sich auf diese Tour einfach einen neuen mopsen. Darüber hinaus wird dann auch das Verkehrssünderkonto automatisch gelöscht und man fährt mit neuem Wagen und weißer Weste weiter - welcher Flensburg-Punktesammler hat sich das nicht schon mal gewünscht!

Des weiteren sind die vier Städte (Chicago, Las Vegas, Rio und Havanna), in denen Driver 2 spielt wesentlich größer und detaillierter geworden und vor allem bestehen sie nicht mehr aus schachbrettartig angeordneten Strassen mit lauter rechten Winkeln, sondern es gibt richtige Kurven, gebogene Abzweigungen, Brücken und Tunnel auf oder unter denen man fahren kann und Gebäude (Parkhäuser, Tiefgaragen, etc.) mit mehreren Ebenen übereinander.

Weitere Neuerungen sind verstecke Autos und Gebäude/ Strecken in den einzelnen Städten. Um diese zu entdecken muss man oft aus dem regulären Kartenbereich heraus fahren oder besondere Aufgaben lösen. So kann man in Chicago bei einem Sportstadion ein Ticket lösen, um somit die Tür zum Stadium zu öffnen. Dort findet man unter der Zuschauertribüne einen schnellen Sportwagen, mit welchen man dann jederzeit durch diese Stadt fahren kann.


Diese versteckten Wägen gibt es jedoch nur im 'Spritztour Modus', also wenn man die Städte ohne irgendwelche Aufgaben oder Storyboards erkunden will. Im eigentlichen Storymodus ist man auf die Autos angewiesen, die einem im jeweiligen Abschnitt angeboten werden. D.h. das fleißige Freispielen dieser versteckten Autos bringt einem nicht wirklich was sondern ist nur eine Privatvergnügen für Zocker.


Zwischen den einzelnen Spielabschnitten lockern kleine Filme und Videosequenzen das Spiel auf und erzählen eine fortlaufende Geschichte um den Undercover Cop Tanner und den hinterhältigen Buchhalter Pink Lenny, der versucht den Gangsterkönig Solomon Caine (seinen Boss) gegen dessen Erzrivalen, den Brasilianischen Gangster Alvaro Vasquez auszuspielen. Diese Animationen sind allesamt sehr realistisch und gut gemacht.


Alles in allem hätte Driver 2 also das Zeug zu einem sofortigen Klassiker auf der Playstation 1 zu werden. Doch diverse Mängel und Fehler im Spiel vermiesen einem den Spielspaß immens!

Grafikfehler, schlampige Abfragen und schlechte Steuerung vermiesen den Spielspaß

Es ist unglaublich, was die Spieleentwickler heutzutage noch aus der doch schon recht betagten Playstation 1 herausholen. 3D Spiele mit toller und schneller Grafik, super realistische Autorennen und schnelle Jump'n'Run Spiele. Doch irgendwann müssen sich auch die besten Spieleentwickler eingestehen, dass die Playstation 1 den Anforderungen der modernen Spiele nicht mehr gewachsen ist. Die Macher von Driver 2, wollten das offenbar noch nicht akzeptieren...


Die Spieleschmiede Reflections, welche Driver 2 entwickelt hat, wollte einfach viel zu viele Features, Extras und Effekte in Driver 2 einbauen. Das ist zwar sehr lobenswert, doch der PS1 sind schlicht und ergreifend Grenzen gesetzt, was die Detailliertheit und Güte der 3D Grafiken angeht. So kommt es, dass die Grafik bei Driver 2 sehr viele Fehler hat:


- ganze Häuserteile sind getrennt voneinander, so dass die Gebäude, Brücken, Wände, etc. oft große Risse haben durch die man den Himmel durchsehen kann. Oder rechteckige Flächen an den Häuserwänden reiben aneinander wie die Kontinente der Erde. Darüber hinaus ist die Grafik in der üblichen 320 * 256 Punkte Auflösung, so dass alles sehr grobkörnig und klotzig wirkt. Verglichen mit modernen PC Autorennen, die man mit Auflösungen von bis zu 1280 * 1024 Bildschirmpunkten (by thetrueodie) spielen kann ist die Grafik von Driver 2 fast schon Vorsintflutlich!


- Die Sichtweite in Driver 2 ist sehr begrenzt. Oft tauchen einzelne Gebäude oder ganze Häuserblocks wenige Meter vor einem wie aus dem Nichts auf und zwingen einen dazu scharf zu bremsen oder enge Kurzen zu fahren


- Die Trefferabfragen bei Driver 2 sind ehrlich gesagt miserabel. Oft wenn man an Laternenpfählen, Wänden oder Gegenständen eng vorbei fahren will kracht man in unsichtbare Barrieren oder wird von der 'Aura' des Gegenstands erfasst und baut zwangsläufig einen Unfall. Bei heißen Verfolgungsjagden oder in engen Strassen ist das ein echtes Problem


- Während die Geräuscheffekte noch ganz gut sind, ist die Musik einfach nur nervig! Sie dudelt völlig uninspiriert vor sich hin und fängt sehr schnell wieder von vorne an. Ab und zu wechselt die Melodie ein wenig, wenn man in andere Stadtviertel kommt, aber am besten dreht man dieses nervige Gepiepse schnell ab.


- Der Schwierigkeitsgrad steigt rasant an. Während die ersten Missionen noch relativ einfach sind werden die einzelnen Level ab der dritten oder vierten Mission sauschwer und sind nur mit mehrfachem Neustart lösbar. Das verdirbt den Spielspass schnell, insbesondere, da die Nachladezeiten sehr lange sind und man oft eine halbe Minute warten muss, bis man einen Level noch einmal spielen kann

Lange Ladezeiten, schlechte Lenkung und fiese Gegner machen einem das Leben schwer

- Überhaupt sind die Ladezeiten bei Driver 2 eine rechte Qual. Da die Städte sehr viel größer sind als in Driver 1 wird oft während des Spiels nachgeladen. Das führt dazu, dass das Spiel für circa 20 Sekunden nur noch in Zeitlupe läuft und die eh schon sehr schwammige Steuerung völlig versagt. Oft wird sogar direkt nach dem Levelanfang noch mal nachgeladen, was oft zum vorzeitigen Ende des Levels durch einen Unfall oder durch das Verlieren des verfolgten Wagens bedingt.


- Die Steuerung des Wagens ist sehr gewöhnungsbedürftig und unpräzise: Wie auch schon in Driver 1 ist es ein rechtes Kunststück, die überaus weich gefederten und sehr eigenwilligen Autos zu steuern und halbwegs zielgenau zu steuern. Im Gegensatz dazu scheinen die gegnerischen Autos wie auf Schienen zu fahren. Diese nehmen die Kurven mit Bravour und ohne auch nur den Anschein von Fliehkräften oder eines ausbrechenden Hecks. Das ist insbesondere dann sehr nervig, wenn man einen Verfolger dicht hinter sich hat und man selbst aus der Kurve fliegt, während der Verfolger einem zielgenau in die Seite fährt.


- Überhaupt sind die Verfolger und Polizisten sehr schwer abzuschütteln. Bei den Polizisten kann man den Schwierigkeitsgrad zwar noch angeben, aber bei den sonstigen Verfolgern nicht. So gibt es zum Beispiel einen Level in dem man immer wieder von verschiedenen Brasilianern verfolgt wird. Dabei entscheidet der Computer per Zufall, welches der anderen Autos auf der Strasse ein Brasilianer ist, der einem dann in die Karre fahren will.

So kann es passieren, dass man schon eine Weile lang einem Wagen vor sich hinterher fährt und dessen Fahrer (bzw. der Computer) sich spontan entscheidend, dass er eigentlich ein Brasilianer ist und dann kehrt macht, um den Spieler das Leben schwer zu machen. Und natürlich taucht dann nicht nur dieser eine Wagen auf, sondern urplötzlich tauchen auf zuvor menschenleerer (wagenleerer) Strasse hinter noch zwei weitere Brasilianer auf, die einen dann in die Zange nehmen. Das ist sehr zermürbend und ärgerlich.

- Wird es Nacht bei Driver 2 oder fängt es an zu Regnen, dann merkt man deutlich, dass die PS1 über ihre natürlichen Grenzen hinaus belastet wird. Denn dann wird das eh schon recht gemütliche Spiel noch eine Spur langsamer und man kurvt in Zeitlupe durch die Strassen von Chicago oder den anderen Städten. Spätestens da sollte man sich überlegen, ob man seine Playstation nicht von diesem Kampf befreit und etwas anderes spielt, oder was sinnvolleres mit seiner Zeit anfängt!

Man sollte gehen, wenn's am schönsten ist

Die Entwickler von Reflections hätten sich ehrlich eingestehen müssen, dass ihre Ideen auf der PS 1 schlicht und ergreifend nicht umsetzbar sind. So haben sie eine Menge kreative Energie und sehr viele innovative Ideen verschenkt und ihre Zeit in ein miserables Spielsystem und eine veraltete Konsole gesteckt.

Man kann nur hoffen, dass es bei Driver 2 ebenso wie beim ersten Teil eine PC Umsetzung geben wird, die nicht an derartige Hardwarebeschränkungen gebunden ist und in welcher die Mängel der PS1 Version ausgemerzt sind. Denn Driver 2 wäre ein sehr spannendes und fesselndes Spiel, wenn es nur nicht für die PS1 entwickelt worden wäre...

Gruß,
Odie

PS: Auf mehrfache Nachfrage hin habe ich mal versucht meinen Bericht durch Unterüberschrifen zu gliedern, wie das in Wochenzeitschriften wie Spiegel, Focus, etc. der Fall ist. Das mag manchen vielleicht im ersten Moment komisch vorkommen, aber ich halte derartige Unterüberschriften für wesentlich sinnvoller als die 'Schulaufsatz-Gliederungen' die man in vielen Ciao Berichten findet.

Letztere unterbrechen den Textfluss und wirken oft sehr ungeschickt, finde ich. Dem entgegen sollen meine Gliederungen unterstützend wirken und den Inhalt hervorheben. Ich bin mal gespannt auf eure Kommentare dazu.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
1.FC.Koeln

1.FC.Koeln

16.02.2003 10:39

ich muss sagen, der erste teil war besser!

WMbarts

WMbarts

17.06.2002 23:11

Sehr guter Bericht.Man liest sich!!

silverblood

silverblood

24.09.2001 20:00

Das hört sich ja nicht so berauschend an, Driver I fand ich ganz ok. Klasse Bericht. Gruß Achim.

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