Die Entwickler sollen zur Hölle fahren...
25.04.2002
Pro:
immer noch interessantes Spielprinzip, Autos können geklaut werden, man kann aussteigen
Kontra:
lächerlicher Multiplayermodus, Grafik - Ruckler, unverschämt hoher Schwierigkeitsgrad
Empfehlenswert:
Nein
 harhuettne
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Dieser oder ähnliche Sprüche sind mir beim Spielen von Driver 2 mehrmals über die Lippen gekommen. Die Gründe erfahrt ihr im Verlauf dieses Berichtes. Driver 2 habe ich mir vor Allem aufgrund des Vorgängers gekauft. Es war für mich damals sensationell, riesige Städte komplett befahren zu können. Außerdem hat mir der gesamte Hintergrund und die sehr gut gemachte Undercover-Geschichte gefallen.
Allein schon deswegen und aufgrund der vielen Neuerungen, die der Nachfolger versprach, habe ich mir Driver 2 gekauft, in der Hoffnung, ein Spiel auf dem gleichen oder gar höherem Niveau des Vorgängers zu bekommen. Die Verpackung versprach jedenfalls genau die Neuerungen, die ich mir schon bei Driver gewünscht hatte. Beispielsweise kann man jetzt endlich auch mal aus dem Auto aussteigen und andere Autos klauen oder auf der Straße aufhalten und ähnlich wie bei GTA kapern und den eigentlichen Besitzer rausschmeißen. Ein interessanter Mulitplayermodus wurde ebenfalls versprochen, und ich freute mich schon auf interessante Verfolgungsjagden mit meiner Schwester, mit der ich in letzter Zeit häufiger Playstation- oder N64-Spiele gemeinsam zocke. Beim Spielen stellte ich aber fest, daß dieses Spiel teilweise enorme Macken hat, die durchaus imstande sind, den Spielspaß vollkommen zu ersticken. Doch dazu später mehr. Positiv sind mir anfangs gleich mehrere Dinge aufgefallen. Beispielsweise war ich froh, daß man nicht wie bei Teil 1 erst eine Aufnahmeprüfung einer Gangsterbande bestehen mußte. Meiner Meinung nach war diese Prüfung gemeinsam mit der letzten Präsidenten-Mission das schwerste und frustrierendste an Driver. Man kann hingegen in Driver 2 gleich voll mit den eigentlichen Missionen durchstarten.
Da die Playstation nun mal eine überalterte Konsole mit mittlerweile sehr eingeschränkten grafischen Fähigkeiten ist, hatte ich auch keine grafischen Verbesserungen erwartet, und genauso war es auch. Mehr als in Driver 2 ist für die PS1 einfach technisch nicht möglich. Die Musik hingegen finde ich sehr passend und gut gelungen. Es handelt sich um Musik im Stil der 70er Jahre, sehr funky. Unangenehm aufgefallen sind mir aber extrem häufig auftretende sehr störende Slowdowns. Dieses Ruckeln kann dazu führen, daß man teilweise schwere Fahrfehler macht, da man ohne einen flüssigen Bildaufbau den momentanen Streckenverlauf manchmal nur erahnen kann. Das ist jedoch nur das kleinste Manko an Driver 2, es stört den Gesamteindruck aber schon gewaltig. Es ist mir ein Rätsel, wie die Entwickler solche Probleme überhaupt zustande bringen, wo sie doch offensichtlich noch die gleiche Engine verwenden wie beim ersten Teil, wo solche Ruckler nicht ein einziges Mal aufgetreten sind. Ein weiterer, zwar selten auftretender, aber trotzdem störender Mangel ist das gelegentliche komplette Einfrieren des Bildes für teilweise mehrere Sekunden.
Einmal ist es mir sogar passiert, daß das Spiel komplett angehalten hat, wie bei einem Absturz bei PC-Spielen. Ich bin der Meinung, daß so etwas einfach nicht passieren darf und bei Konsolenspielen noch weniger toleriert wird als bei Spielen für den PC, wo so etwas ja beinahe schon Alltag ist. Tatsache ist aber, daß mir in meiner nun 7jährigen Videospielgeschichte so etwas noch nie passiert ist. Aber gut, das Alles ist meiner Meinung nach noch nicht Grund genug, von einer Empfehlung des Spieles abzusehen. Dafür gibt es aber wahrlich noch genug andere Gründe... Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich der äußerst schwache Mulitplayermodus. Der scheint mir in relativ kurzer Zeit aufgrund von Druck vom Publisher noch schnell hinzugefügt worden zu sein. Ich hatte mich schon darauf gefreut, zu Zweit per Splitscreen die kompletten Städte Chicago, Havanna, Las Vegas und Rio de Janeiro erkunden zu können. Leider ist im Multiplayermodus jede Stadt nur auf 2 Gebiete beschränkt. Diese Gebiete bestehen nur aus ein paar Blocks und sind wirklich ziemlich klein.
Außerdem kann man nur die Stoßstangenansicht wählen, wenn man zu Zweit spielt. Wenn man sein eigenes Auto sehen will - Pech gehabt. Geht nicht. Zwar nur eine Kleinigkeit, trotzdem unschön. Wie der gesamte Multiplayermodus. Er besteht aus einer Verfolgungsjagd (ein Spieler fährt den Ploizeiwagen, der andere ist der Gangster und muß versuchen, ihm zu entkommen). Eigentlich eine ganz nette Idee, da aber der komplette andere Verkehr und auch Fußgänger fehlen, kommt nicht annähernd ein Feeling wie im Einzelspielermodus auf. Die Straßen sind komplett leer. Der Capture the Flag Modus weist die gleichen Beschränkungen auf, ist aber für kurze Zeit ganz unterhaltsam. Die Spieler müssen Fahnen aufsammeln (durch einfaches Überfahren) und in ihre jeweilige Basis fahren. Werden sie dabei unterwegs vom Kontrahenten gerammt, hat der die Fahne. So geht es hin und her, bis ein fest vorgegebenes Zeitlimit abgelaufen ist. Aus Mangel an Abwechslung geht hier das Interesse relativ schnell flöten. Das Checkpointrennen ist nun wirklich nicht spektakulär, wer als erster alle Checkpunkte durchfahren hat, hat gewonnen. Ist genauso simpel und langweilig wie es sich anhört. Macht nicht wirklich Spaß.
Um der Sinnlosigkeit des Multiplayermodus noch die Krone aufzusetzen, wurde ein Spritztour-Modus wie im Einzelspielermodus hinzugefügt. Wäre vielleicht interessant, wenn es Gegenverkehr und Fußgänger gäbe und man die Städte komplett durchfahren könnte, anstatt nur kleine Kartenausschnitte. So ist das einfach nur langweilig und absolut sinnfrei. Macht nicht eine Sekunde lang Spaß. Der gesamte Mulitplayermodus wirkt sehr unausgereift und schnell zusammengeschustert. Für unsere täglichen Mulitplayermatches suchen wir uns in Zukunft wieder Mario Kart 64, Cruis'n World und Ridge Racer Type 4 raus. Die machen wenigstens länger als eine knappe Stunde Spaß. Jetzt möchte ich auf den Undercover-Modus eingehen, den wohl wichtigsten des Spiels. Der ist eigentlich sehr gelungen, es gibt eine in sich geschlossenen Story (Überraschungen bietet sie aber kaum), und die Aufträge sind sehr interessant und spielen sich in vier Städten ab, die komplett befahrbar sind. Meist geht es darum, innerhalb eines Zeitlimits irgendwohin zu fahren und dort eventuell noch irgendetwas zu erledigen, z.B. C4-Sprengsätze zu legen oder Personen abzuholen.
Das Problem ist aber, daß man in eklatanter Weise gegen die Verkehrsregeln verstoßen muß, um die Mission zu beenden, da man einfach nicht die Zeit hat, das Tempolimit und andere Verkehrsregeln einzuhalten. Meist brettert man in Höchstgeschwindigkeit durch die Straßen von Chicago, Havanna, Las Vegas oder Rio. Dabei muß man aber aufpassen, daß man nicht von der Polizei erwischt wird, was aber kaum möglich ist. Man wird immer auf irgendeine Polizeistreife stoßen, die sofort das Blaulicht einschaltet und einen gnadenlos verfolgt und zu rammen versucht. Nicht selten werden sogar Straßensperren errichtet, die es dann zu durchbrechen gilt, was sich manchmal sehr schwer gestaltet. Oft geht das Auto dabei zu Bruch, da man nicht immer einfach um die Sperre herumfahren kann. Meistens muß man die schräg geparkten Polizeiautos aus dem Weg rammen, was den eigenen Wagen natürlich auch in Mitleidenschaft zieht. Wenn der Schadensbalken voll ist, ist das Spiel sofort beendet. Es kommt aber auch oft vor, daß man der Polizei entkommen kann. Dann wird man zwar von jeder Polizeistreife gesucht, aber im zweiten Teil kann man ja einfach das Auto wechseln. Dann wird man von der Polizei nicht mehr gesucht, da diese sich nur auf das Auto beschränkt, mit der das jeweilige Vergehen begangen wurde. So etwas habe ich im ersten Teil vermißt. Einmal von der Polizei gesucht, mußte man von da an vorsichtig vorgehen, um nicht gefunden werden. Jetzt kann man einfach in ein anderes Auto steigen, allerdings nur, wenn man nicht gerade von einem Polizeiwagen verfolgt wird.
Die Steuerung ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen, man kann den Wagen gut kontrolliert um enge Kurven driften lassen, muß aber oft aufpassen, daß das Heck nicht zu weit ausbricht und gegen andere Verkehrsteilnehmer oder sonstige Hindernisse kracht. Die Steuerung kann aber wirklich von jedem beherrscht werden und ist nicht zu schwer geraten. Schwere Unfälle lassen sich leider trotzdem nicht ganz vermeiden, wenn z.B. der Verkehr zu dicht ist und man ständig irgendwelchen Autos, Lastwagen oder Bussen ausweichen muß und schließlich gegen irgendetwas kracht. Solche "Manöver" bremsen den Wagen natürlich stark ab. Teilweise kann es sogar passieren, daß der Wagen bei einem heftigen Frontalzusammenstoß richtiggehend nach hinten zurückkatapultiert wird. Bei ganz schweren Unfällen, wenn man beispielsweise von mehreren Polizeiwagen aus verschiedenen Richtungen heftig gerammt wird, kann das Auto auch mal sehr weit und hoch durch die Luft fliegen. So etwas ist ziemlich spektakulär und kann auf Wunsch gespeichert und aus allen erdenklichen Kameraperspektiven betrachtet werden. Ein nettes Feature, das aus dem ersten Teil übernommen wurde.
Wer den Text bis hier gelesen hat, glaubt wohl, von einem bis auf kleine technische Mängel perfekten und sehr unterhaltsamen Spiel zu lesen. Ich würde das auch gerne bejahen, aber leider ist mir das nicht möglich. Denn obwohl das Spielprinzip sehr unterhaltsam und interessant wirkt, wird es vor allem in den späteren Missionen von einem extrem störenden Mangel beeinträchtigt: Dem viel zu hohen Schwierigkeitsgrad. Ich habe mich beim Spielen von Driver 2 mehr als einmal gefragt, warum mich die Entwickler mit diesem Spiel so fertigzumachen versuchen. Das Zeitlimit ist bei manchen Missionen nämlich so knapp angesetzt, daß das erfolgreiche Bewältigen einer Mission quasi nicht möglich ist. Teilweise ist die Zeitvorgabe so knapp, daß ein kleiner Zusammenstoß und der damit einhergehedene Zeitverlust bereits ausreicht, um die Mission zum Scheitern zu verurteilen. Das fängt schon relativ früh im Spiel an, wird aber gegen Ende immer häufiger. Ich bin der Meinung, daß das Erfolgserlebnis nicht größer ist, wenn der Auftrag extrem unfair und beinahe unmöglich zu erfüllen ist.
Ein happiger Schwierigkeitsgrad mag ja okay sein, aber so etwas wie bei Driver 2 geht einfach viel zu weit. Das Spiel besteht zu gut zwei Dritteln aus Frusterlebnissen, ich habe des Öfteren das Pad einfach wutentbrannt zu Boden geworfen und den Entwicklern alles nur erdenklich schlechte gewünscht. Es ist echt traurig, was für ein Potential bei Driver 2 verschwendet wird. Ich habe im alltäglichen Leben schon Frust und Probleme genug, da möchte ich bei einem Videospiel einfach Spaß haben und abschalten können, was bei Driver 2 definitiv kaum möglich ist. Ich habe eigentlich vorgehabt, den Bericht gestern gleich nach dem Spielen zu schreiben, aber ich war dermaßen wütend, daß ich das lieber gelassen habe. Ich möchte ja nicht in meiner Wut unobjektiv sein. Um jetzt mal zum Ende zu kommen, möchte ich noch kurz auf das Fazit kommen: Driver 2 ist an sich ein sehr gelungenes Spiel, man könnte viel Spaß damit haben, wenn es teilweise nicht so verdammt schwer wäre. Das Spielprinzip, ein Fahrer für eine Gangsterbande zu sein und verschiendenste Aufträge in riesigen Städten zu erledigen, ist an sich sehr reizvoll. Leider sorgt der viel zu hoch angesetzte Schwierigkeitsgrad für häufige Frusterlebnisse.
Ich lasse das Spiel jedenfalls nach dem Durchspielen im Schrank verstauben und wage mich höchstens nochmal an den Spritztour-Modus. Jeder, der den Undercover-Modus durchgespielt hat, atmet auf und ist froh, daß er es endlich hinter sich gebracht hat. Kaum einer tut sich so etwas zweimal an. Vielleicht liefert Reflections einen gelungenen dritten Teil ab, der ein bißchen einfacher ist und anstatt Frust auch etwas mehr Spielspaß birgt. Falls es aber überhaupt keinen dritten Teil gibt, könnte ich damit auch verdammt gut leben...
© 3/2002 (YOPI) & 4/2002 (CIAO) by harhuettne
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26.11.2004 22:06
Schade. Dann muss man sich wohl weiterhin auf gta freuen. Viele Grüße, yas
20.09.2002 17:07
Der Bericht ist echt voll gut gelungen!
27.07.2002 11:08
Deinem Bericht kann ich nur voll und ganz zustimmen...habe die selben Erfahrungen gemacht, leider, denn von der Spielidee einfach super...man liest sich.:Achim