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Mein Weg aus dem Drogensumpf

1  15.07.2011

Pro:
aus heutiger Sicht NICHTS  !  !  !

Kontra:
ALLES  !  !  !

Empfehlenswert: Nein 

roland1974

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Mitglied seit:15.07.2011

Erfahrungsberichte:1

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Hallo zusammen - das ist mein erster Bericht hier im Forum, war allerdings schon oft als Leser hier.


Meine Story beginnt als ich 17 Jahre alt war: Damals war ich mit nem Freund (Chris) in der Stadt. Er traf einen Bekannten (John) der Geld für seine Fahrradreparatur brauchte. Er hatte allerdings nur ein Stück Hasch dabei. Chris kaufte ihm das Piece ab. Zu Hause bei Chris angekommen, rauchten wir etwas davon-allerdings habe ich beim ersten Mal nicht wirklich viel davon gemerkt. Das Ganze ging dann so weiter, und irgendwann bemerkte auch ich die Wirkung. Ich empfand das Ganze als sehr angenehm, und ich wollte dieses Gefühl immer öfter haben. Irgendwann fragte ich Chris, ob es nicht möglich wäre, dass er mich mit John bekannt macht, und ich mir mal selbst was kaufen könne.

Als ich mich mit John anfreundete, und wir beinahe täglich kifften, war das für mich der Anfang einer langen, leider viel zu langen „Drogenkarriere“ – wenn ich DAS nur damals gewusst hätte !!

Mit dem Kiffen möchte ich mich nicht lange aufhalten, auch wenn es mich die Ganze Zeit begleitet hat. Der nächste Schritt war dann schon gleich ziemlich heftig. Wir besuchten nach einigen Monaten eine alte Bekannte von John – die Tina. Tina war damals auf Heroin. Da Tina nichts mehr hatte, fragte er Sie, wann Sie wieder H bekommen würde – Sie meinte am Wochenende. Am Samstag fuhren wir zu ihr. Als wir ankamen waren noch einige Leute da-unter anderem ihr Ehemann der gerade auf der Flucht war. Dieser hatte das H mitgebracht. Da alle immer nur von H sprachen, und ich damals echt nicht wusste was H sein sollte, da damals die Aufklärung noch nicht so gut war wie heute und ich mich nicht mit ner Nachfrage blamieren wollte, fragte ich, ob ich das Zeug auch mal probieren könne. Aus heutiger Sicht behaupte ich jedoch, dass ich es irgendwann aber trotzdem probierte hätte – auch wenn ich vielleicht damals noch die Finder davon gelassen hätte, wenn ich gewusst hätte, dass sich hinter dem H das Wort Heroin versteckt. Ja ja: hätte hätte hätte.

Das erste Mal Heroinsniffen war für mich eigentlich nicht so toll – ich hab den restlichen Abend nur gekotzt. Allerdings ist das Kotzen unter H nicht so unangenehm. Als ich den nächsten Tag wieder zu John kam hatte er noch ein Pack mit Heroin daheim, und ich wollte es noch mal probieren. Diesmal war es total angenehm – dieses warme Gefühl war wieder da, und alles war soooo leicht. Ich fühlte mich damit wie der König. Dieses Gefühl war so toll, dass es mir egal war, dass es sich um Heroin handelte, was ich da dann natürlich schon wusste.

Bei den meisten Konsumenten dauert es oft Wochen bis sie richtig drauf kommen, da sie das Gift oft erst nur am Wochenende nehmen – aber nicht bei mir. Das Ganze ging sehr schnell. So oft es ging nahm ich Heroin, und wenn es keins gab holten wir uns von Tina Codeinsaft, da sie damals schon substituiert wurde. Der Saft wirkt ähnlich wie H, da Codein im Körper zu Morphin umgewandelt wird.

Der erste Schuss:

Irgendwann reicht einem der Kick vom Sniffen und vom Codein nicht mehr, also kam es wie es kommen musste: Der erste Schuss Heroin folgte. Jeder der diese Erfahrung schon mal gemacht hat weiß, es ist der absolute Hammer – auch wenn ich mich heute kaum noch an das Gefühl erinnern kann, da mein letzter Schuss schon 14 !!! Jahre her ist.

Aber bis zu diesem letzten Schuss folgten noch einige Jahre in den denen ich mir alles in die Venen drückte was man spritzen konnte – alles in die Nase zog was man lediglich schnupfen konnte und alles an Drogen schluckte, was man sich nicht spritzen oder nicht schnupfen konnte.
Wirklich alles von Heroin über Kokain, Speed, LSD, Ecstasy, Pilze, Hasch, Gras, Benzos (Valium, Flunis etc.), Codein etc. was halt der Markt so hergab.
Wirkliche dauerhafte Probleme machten mir aber damals nur die Opiate.

In dieser Zeit brauchte ich natürlich sehr viel Geld. Als ich irgendwann an die ec-Karte und die dazugehörige PIN meiner Mutter kam, wurde aus der ganzen Story ein Selbstläufer. Auf einmal hatte ich in Tina und ihrem jetzigen neuen Freund Rolf zwei ganz tolle „Freunde“. Ich hatte das Geld und sie die guten Connections. Da meine Eltern ziemlich viel Geld haben, und ich die Karte nach dem Abheben immer wieder zurück brachte merkten sie erst von den insgesamt über 20.000,- DM als irgendwann jemand von der Bank anrief, und sie über die hohen Kontobewegungen informierte.
Als mich meine Eltern darauf ansprachen, sagte ich, dass wohl jemand mit besonderen Kenntnissen ihr Konto angezapft haben müsse. Das glaubten sie mir allerdings nur so lange, bis die von der Bank meinten, dass das gar nicht geht. Schließlich gestand ich alles. Als ich meinen Eltern die Geschichte erzählte waren sie natürlich sehr enttäuscht, und meinten ich solle eine Entziehung mit städt. BKH machen. Bevor ich allerdings dort landete entzog ich zu Hause einige Tage vom Codein und Heroin.
Mit ziemlich hohen Dosen Mareen = Doxepin versetzte ich mich eine Art Dauerdelirium. Nach circa einer Woche war Termin im BKH – dort blieb ich nochmals circa sieben bis zehn Tage bevor mich meine Mutter dort abholte. Jippie ich war clean !! Damals war ich jedoch nicht in der Lage diesen Zustand in Freiheit und ohne Drogen länger als zwei Stunden durchzuhalten. Daheim angekommen setzte ich mich ins Auto und eine Stunde später war ich schon wieder drauf.
Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass ich damals einfach noch lange noch nicht soweit war. Ich war ein grüner Junge, der den Alltag einfach nur dicht überstehen konnte.

Das Ganze mit dem Codein ging noch ne ganze Zeit so weiter, mittlerweile wurde ich auch schon mit Codein substituiert – dazu nahm ich regelmäßig Diazepam (Valium) und Flunitrazepam (Rohypnol). Heroin gab’s nur noch selten, da natürlich jetzt nichts mehr ging mit Geld klauen. Andere Drogen waren jetzt auch nicht mehr so interessant.

Das neue Gift – Methadon:

Da mich meine Eltern jetzt natürlich besonders beobachteten, viel ihnen auf, dass ich immer noch drauf war. Sie sprachen mit meinem Haus- und Substiarzt der eine viel bessere (seine Worte) Ersatzdroge für mich hatte – METHADON. Metha muss man im Gegensatz zum Codein nur 1x täglich nehmen, und die Beeinträchtigung ist auch geringer. Bis auf die Schwitzerei und die Benommenheit hatte er auch recht. Er stellte mich schließlich auf Methadon ein – dieser Dreck sollte mich die nächsten circa sechs bis sieben Jahre (bis zum April 2003) begleiten. Während dieser Zeit hatte ich zwei Freundinnen, welche beide nicht drauf waren. Zu Beginn der ersten Freundin hörte ich komplett mit dem Junken auf, wurde „nur noch“ substituiert. Vor den Mädls konnte ich meine Methadonsucht jeweils lange verheimlichen.
Während der zweiten Freundin kam dann allerdings zum Methadon ne weitere –sehr gefährliche - Droge dazu – nämlich Alkohol.
Das war bis dahin das Einzige was mich kaum interessierte. Das sollte sich allerdings in den nächsten Jahren ändern. Neben Alkohol und Methadon nahm ich ab circa 2000 bis April 2003 noch ein Benzodiazepin dazu – und zwar Clobazam.

Von diesen drei Stoffen machte ich dann im April 2003 erneut einen Entzug. Während dieses Klinikaufenthalts wurde ich allerdings nur vom Methadon warm entzogen, so dass dieser Entzug ziemlich schwer wurde – allerdings nichts zu dem was mich später (2011) noch erwarten sollte.
In diesem Krankenhaus wurde ich dann auf eine damals ziemlich neue Droge umgestellt – nämlich Subutex.
Das ging auch gut bis ich bei einem Milligramm Subutex angekommen war. Zu dieser Zeit kamen neue total krasse Leute in die Klinik. Als mein Zimmerkollege und ich nach einiger Zeit total genervt vom Entzug und den Leuten waren sind wir getürmt.
Am nächsten Tag stand ich beim Arzt auf der Matte – dieser Arzt hat mich mit Subutex weiter substituiert und zwar nicht mit einem Milligramm, sondern mit 4 Milligramm. Diese Dosis konnte ich jedoch nicht lange halten. Heute weiß ich leider nicht mehr wie es ging, aber nach einiger Zeit war ich auf 10mg Subutex angekommen. Eines Tages fand ich bei meiner Mutter ne rosa Tablette – auf der Rückseite stand Alprazolam 0,5mg. Alprazolam und Subutex begleiteten mich bis April 2011, dazu kam noch jede Menge Alkohol. Vom Subutex waren es die ganzen Jahre 10mg vom Alprazolam (Tafil) schwankend zwischen 4mg und 10mg am Tag.

Meine Familie:

In diesem Durcheinander lernte ich im Juni 2004 meine jetzige Ehefrau (Manuela) kennen. Obwohl ich wusste, dass dieses Mädchen meine große Liebe war, schaffte ich es trotzdem nicht von den Drogen loszukommen – im Gegenteil – meine eingeklemmte Situation machte mich immer fertiger und der Alkohol wurde immer mehr. Das Ganze wurde erst richtig schlimm, als im Mai 2007 unser gemeinsamer Sohn zur Welt kam und ich merkte, dass ich der Sache nicht gewachsen war. Im Jahr 2009 trennten sich Manuela und ich. Jeder von uns zog in eine eigene Wohnung in unterschiedlichen Städten. Diese Trennung dauerte nicht lange, obwohl ich mich nicht wirklich langfristig besserte.

So jetzt der letzte Teil – der HOFFENTLICH letzte Entzug:

Am 05. April 2011 ging ich noch mal ins Krankenhaus – Entzug jetzt von 10mg Subutex, 5mg Alprazolam und in Maßen Alkohol. Nur kurz: DIESER ENTZUG WAR ABSOLUT KRASS !!! Bis zum 24. April war ich im Krankenhaus – am 18.04. bekam ich dort meine letzte Droge. Von 25.04. – bis 15.05.2011 umsorgten mich Manuela und mein jetzt 4-jähriger Sohn. In der Zeit in der ich aus der Klinik war, bis 15.05., war vor allem der Benzoentzug (Alprazolam) das Schlimmste. Auch wenn ich von dieser Zeit gar nichts weiß, so hat mir Manuela erzählt, dass ich phantasiert habe und teilweise wirklich krasse Sachen (im Schlaf auf den Balkon gehen, Bilder von der Wand reißen etc.) gemacht habe. Außerdem wurde in der Klinik eine vom Entzug ausgelöste Depression diagnostiziert. Dafür nahm ich vom 15.04. bis vor 10 Tagen Cipralex. Dieses Antidepressivum konnte ich Gott sei Dank ohne Probleme von heute auf morgen komplett absetzen. Außerdem mache ich noch eine Psychotherapie bei nem Arzt in der Nähe.

Auch wenn ich weiß, dass man nach so kurzer Zeit noch nicht mit Sicherheit sagen kann, dass man es geschafft hat, so bin ich mir jedoch so sicher wie noch nie, dass die ganzen Jahre reichen, und ich jetzt mit fast 37 Jahren ein neues Leben beginnen will.

So, dass war meine Geschichte – danke fürs lesen, und allen die noch drauf sind, wünsche ich alles Gute, und hoffe, dass Ihr es schafft !!!

Dieser Text war für mich nötig, um die Sache wenigsten etwas zu verarbeiten.

Mein besonderer Dank geht an:

Manuela (wir haben am 17.06.2011 geheiratet)
Benjamin (unseren Sohn, der trotz allem gesund und lustig ist)
meinen Eltern mit Bruder
und allen die mich unterstützt haben.

ICH LIEBE EUCH !!!


Roland

PS: Alle Namen wurden von mir geändert.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
t.schlumpf

t.schlumpf

23.09.2011 07:08

et voila ;o)

tapio-maunzi

tapio-maunzi

19.07.2011 23:35

Wünsche dir wirklich Erfolg und Kraft

maus1980

maus1980

18.07.2011 10:59

spontan viel mir das Lied "Dieser Weg wird kein leichter sein..." ein :o) Drücke dir fest die Daumen dass du nun ein neues, drogenfreies Leben starten kannst!! Grüsse

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