Hoffnung, Trauer, Wut.
25.08.2009
Pro:
nichts
Kontra:
alles
Empfehlenswert:
Nein
 renol
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:118
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 221 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als besonders hilfreich bewertet
Ich habe diesen Bericht nicht geschrieben um Mitleid zu erhaschen oder bedauert zu werden, ich bin mir sicher das es vielen Eltern so geht die ein drogenabhängiges Kind haben. Wer dies glaubt, den bitte ich diese Seite zu verlassen. Quelle www.dieterwunderlich.de Unter dem Begriff Drogenmissbrauch versteht man den Konsum von Substanzen, die einen Rauschzustand oder Halluzinationen erzeugen, aufputschend wirken und/oder den Konsumenten in eine euphorische Stimmung versetzen. Auch der übermäßige Genuss von Nikotin und Alkohol fällt unter den Begriff Drogenmissbrauch. Im engeren Sinn ist damit jedoch der fast ausschließlich illegale Konsum von Rauschgiften gemeint: Opiate (Opium, Morphium, Heroin), euphorisierende Substanzen wie Kokain oder Khat, Designerdrogen (Ecstasy, Speed) und Halluzinogene wie Cannabis (Haschisch, Marihuana), Meskalin, LSD, Liquid Exstasy. Zitat Ende Alexander, geboren am 20 Dezember 1987. Alexander ist mein Sohn und drogenabhängig.
Oft habe ich mich gefragt warum gerade mein Kind an Drogen kommen musste, die Antwort darauf habe ich bis heute nicht gefunden und ich werde sie auch nicht finden. Mein Sohn war 13 Jahre alt als er das erste Mal mit Alkohol in Kontakt kam, bald darauf fing er an zu kiffen. Soll man sich Sorgen machen? Ja, ich habe mir sehr große Sorgen gemacht, für mich ist und bleibt Hasch die Einstiegsdroge. Alexander kam betrunken und völlig zugekifft nach Hause, schwänzte immer häufiger die Schule und schlief den ganzen Tag. Wir redeten auf ihn ein, versuchten ihn davon zu überzeugen, dass er sich selbst einen sehr großen gesundheitlichen Schaden zufügen würde, aber alles Reden hat überhaupt nichts gebracht. Wir bemerkten nicht sofort, dass mein Sohn mit 14 Jahren bereits an weitere Drogen geraten war und diese reichlich konsumierte. Schlaflose Nächte, Ratlosigkeit und Selbstvorwürfe machten sich in meinem Leben breit. Was soll man denn nur mit solch einem Kind machen? Die Hilfe, die ich bei unserem Jugendamt erhofft hatte blieb leider aus und so mussten wir versuchen selbst Wege aus diesem Dilemma zu finden. Alexander wurde 15, schaffte die Schule nicht und wurde von uns fast schon unter Zwang in einer für solche Kinder passenden Schule untergebracht. Mit Hängen und würgen erreichte er noch den Hauptschulabschluss. Wir waren froh, dass er nun wenigstens diesen Abschluss hat, wobei mit den Noten ein Ausbildungsplatz zu finden sich mit Sicherheit als sehr schwierig herausstellen wird. Die Bestätigung kam in der Tat sehr schnell. Da Alexander erst einmal clean sein muss
Bilder von Drogenabhängigkeit
um überhaupt wieder an einem geregelten Leben oder besser gesagt Alltag teilnehmen zu können, haben wir ihn in eine Klinik zur Entgiftung gebracht. Ich muss allerdings sagen, dass dies auch der Wunsch von meinem Sohn war, wir haben ihn nicht gezwungen. 3 Monate später hatte er die Entgiftung und eine Kurzzeittherapie erfolgreich beendet. Mein geschiedener Mann und ich versuchten jetzt mit Vitamin B einen Ausbildungsplatz für Alexander zu finden, dabei mussten wir berücksichtigen, dass er Spaß und Interesse für einen Beruf hat. Alexander wollte gern den Beruf des Zimmermanns erlernen, da der beste Freund seines Vaters eine Zimmerei hat, wurde er dort als Auszubildender eingestellt. Also ein Ausbildungsplatz nur mit Beziehung, mit seinem schlechten Zeugnis hätte Ales keinen Ausbildungsplatz in der freien Wirtschaft gefunden. Wir waren guter Hoffnung, dass doch noch alles gut wird. Falsch, schon nach sehr kurzer Zeit fing Alex wieder an zu trinken, kiffte und nahm alles was berauschend wirkt zu sich. Immer wieder drückte sein Meister die Augen zu, natürlich auch für uns, aber Alex blieb aus der Schule weg, kam nicht zur Arbeit und schmiss schließlich nach einem Jahr die Ausbildung. Der Fahrstuhl fuhr immer schneller abwärts, wir konnten nur zuschauen.
Wieder Therapie, diesmal sollte es eine Langzeittherapie in Lübeck-Travemünde sein, ich setzte ganz große Hoffnungen in diese Therapie. Vielleicht finde Alex jetzt den Weg aus den Drogen. Die Therapie sollt 6 Monate dauern, eine lange Zeit. Zweifel ob Alex dies durchstehen würde machten sich in meinem Kopf breit. Nach 3 Monaten würde Alex rückfällig und musste die Therapie verlassen. Alex zog zu seinem Vater, ich war wieder einmal Hoffnung, dass alles noch gut wird. Ich wurde sehr schnell eines Besseren belehrt. Die Drogen hatten Alex so sehr im Griff, dass er nicht davor zurück scheute seinen Vater und dessen Frau zu beklauen. Geld, Schmuck, einfach alles was Geld brachte klaute er und versetzte den Wert in Drogen um. Jetzt musste Alex gehen, er flog bei seinem Vater raus und zog in ein betreutes Wohnheim für Drogen- und alkoholabhängige. Heulend und jammernd kam er immer wieder bei uns an, wir gaben wie immer nach und unterstützen ihn bei der Suche nach einer eigenen Wohnung. Natürlich kam immer wieder die Frage auf warum wir überhaupt noch helfen. Er ist unser Sohn, das war die Antwort.
Relativ schnell fanden wir eine kleine Wohnung in Hamburg, wobei mir bei dem Gedanken Hamburg auch nicht besonders wohl war, die Drogenszene ist bekannt. Würde er da nicht gleich wieder an der Quelle sitzen? Wund wieder einmal schien alles ganz normal zu sein, Alex ging arbeiten und machte uns eine heile Welt vor. Genau er machte uns diese heile Welt nur vor. Bis zur Hochzeit meiner Tochter ging alles relativ gut, doch dann kam der nächste Rückfall, aber nicht nur das. Wir bekamen heraus, dass er seit Monaten keine Miete gezahlt hat und auch den weiteren Verpflichtungen nicht mehr nach kam. Für uns war der Zeitpunkt gekommen jetzt nicht mehr zu helfen, sondern Alex einfach mal auf die Nase fallen zu lassen. Er verlor seine Wohnung, hatte keine Arbeit und rettete sich in HarzIV. Bis dato war mir so rein gar nicht klar wie das alles weiter gehen sollte. Okay dachte ich, raus aus der alten Umgebung und ab nach Schenefeld zu mir und meinem Lebensgefährten. Wieder einmal sortierten wir Alex sein Leben, nahmen ihn ins Gebet und erklärten ihm ganz genau was wir von ihm erwarten. Alex bemühte sich um einen Arbeitsplatz und fand auch sehr schnell etwas, sogar in der Nähe. Und wieder schien alles so einigermaßen in Ordnung. Alex lebte 2 Monate bei uns, als er ein augenscheinlich nettes Mädchen mit nach Hause brachte. Ich setzte ganz große Hoffnung in sie, vielleicht wird das die Wende in seinem Leben. Nein, auch diesmal sollte es anders kommen, seine Freundin animierte ihn Schenefeld und seinen Arbeitsplatz zu verlassen, weil der Weg für sie immer zu weit war. Oh man dachte ich nur, hoffentlich entscheidet er sich gegen diese Aktion. Sie hatte so viel Einfluss auf Alex, er ging und zog zunächst zu seinem Cousin. Die kleine hatte ihm von einer gemeinsamen Wohnung erzählt und sie wolle doch mit ihm zusammen bleiben, das alles hat Alex ihr geglaubt. Ganz schnell stellte sich heraus, dass alles gelogen war. Sie hatte längst einen anderen und ließ Alex fallen. Ich gab ihr die Schuld für den schlimmsten Rückfall den ich dann mit meinem Sohn erleben musste. Nach dieser Geschichte tauchte er unter, ich hörte nichts von ihm, da bedeutete aber auch, dass er wieder voll und ganz in seiner Drogenwelt befindet, ab von Realität und normalem Leben.
Oft habe ich zu Hause gesessen und mich gefragt wo er wohl sein könnte. Ist ihm etwas passiert oder lebt er vielleicht gar nicht mehr. Sorgen und Ängste bestimmten lange Zeit mein Leben. Das Telefon klingelt, meine Tochter informiert mich über den Aufenthaltsort meines Sohnes, ich machte mich auf den Weg und sammelte ihn mehr oder weniger ein. Im Auto saß ein völlig kaputter Mensch, der mit meinem Sohn nicht mehr viel Ähnlichkeit hatte. Jetzt sollte es für uns alle der letzte Versuch sein Alex aus dem Drogensumpf zu helfen. Er bekam ein Zimmer bei seiner Schwester und machte auch dort einen kalten Entzug. Mit Hilfe eines Arztes gelang dies nach einigen Wochen. Mein Schwiegersohn legte ein gutes Wort in der Firma wo er selbst tätig war für Alex ein und so bekam er einen neuen Arbeitsplatz. Wir haben jetzt schon so oft versucht den Jungen auf den rechten Weg zu bringen, ehrlich, ich hatte keine große Hoffnung, dass es diesmal das letzte Mal sein könnte.
Juni 2009, meine Tochter und ihr Mann fliegen in Urlaub, da ich die Befürchtung hatte, dass Alex bereits wieder Drogen konsumiert, zog ich für 2 Wochen bei meiner Tochter ein. Wir trafen diese Vorsorge damit er nicht alles verkauft was Geld bringt um seine Sucht zu finanzieren. Kurze Zeit später, meine Tochter war bereits in Urlaub, erfuhr ich das Alex bereits Crack raucht, sein bester Freund informierte mich über die laufenden Dinge. Seinen Arbeitsplatz hatte er bereits wieder verloren, er Griff in die Kasse und flog natürlich sofort raus. Drogenabhängige lügen und betrügen und so versuchte auch mein Sohn mir ganz wunderbare Märchen zu erzählen. Dass ich bereits bestens informiert war, wusste er nicht. Die 2 Wochen bei meiner Tochter haben mich auf den Boden der Tatsachen geholt und mir ganz klar vor Auge geführt, dass ich hier jetzt gar nichts mehr machen kann, Alex hatte sich zu diesem Zeitpunkt für das Leben mit den Drogen entschieden. Meine Tochter kam aus dem Urlaub zurück, teilte ihrem Bruder mit, er möge doch bitte die Wohnung sofort verlassen. Auch meine Tochter war zwischenzeitlich mit den Nerve am Ende. Alex kam bei einem Freund unter und meldete sich wieder einmal Wochen lang bei keinem von uns. Wir hörten von Bekannten und Freunden was Alex treibt und wie weit er wieder einmal unten war. Der Tag X kam, er rief mich an und bat um Hilfe, meine Antwort darauf war kurz und hart. Ruf mich an wenn Du Dich entschieden hast eine Langzeittherapie zu machen, ich fahre Dich dann ins Krankenhaus, ansonsten hast Du von mir nichts zu erwarten.
Das mag für Außenstehende sehr hart klingen, aber wenn man seit vielen Jahren so etwas mit macht und immer wieder aufs tiefste enttäuscht wird, beklaut, betrogen und belogen wird, geht es irgend wann einfach nicht mehr. Mein Sohn rief mich 3 Tage später auf meinem Handy an und bat mich ihn ins Krankenhaus zu fahren, dies tat ich, ich hatte es versprochen. Dort befindet er sich auch heute noch. Manchmal erinnere ich mich daran wie er aussah als ich ihn dort abgeliefert hatte, er war mir so fremd, eine Beziehung zu meinem Sohn oder er zu mir konnte ich nicht mehr spüren. Ich hatte ihn vor vielen Monaten schon verloren, das wurde mir klar. Ich wünsche mir, dass mein Sohn nicht vor mir geht, das wäre wohl das Schlimmste was einer Mutter passieren kann.
Ich bedanke mich für das Interesse an meinem Bericht, ein Danke an alle die lesen und bewerten. Liebe Grüße
@renol
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22.12.2009 17:51
BH von mir! Was ich hier besonders schlimm finde, ist, dass er diesen Drogenkonsum scheinbar 'nur' aus reiner Langeweile begonnen hat. Die durchaus schöne Welt, die er hatte, war ihm wohl zu fad. Du hast hier keinerlei Schuld, er ist hier ganz allein für sein jetziges Leben verantwortlich. Das soll nicht heißen, dass es gute und schlechte Geründe für Drogenkonsum gibt, aber sich aus Langeweile das Leben zu verbauen ist schon sehr blöd. Ich habe in meinem Leben viel Schlimmes und so gut wie nie Schönes erlebt, trotzdem nehme ich keine Drogen und werde sie nie nehmen. (Ich weiß natürlich nicht, ob dein Sohn Gleichschlimmes oder Schlimmeres als ich erlebt hat, Verzeihung, sofern ich ihm Unrecht tu'). Ich hätte mir ein unbeschwertes Leben mit allen Chancen, wie dein Sohn es hatte, bevor er Drogen nahm, wirklich gewünscht, denn ich habe das leider nicht und werde es nie haben. Trotzdem viel Glück ihm bei Entzug und dir bei deinem weiteren Leben . LG
09.11.2009 13:25
ich kann deine Gefühle wie Hoffnung, Trauer, Wut und sicherlich auch eine große Verzweiflung gut nachvollziehen. Auch ich habe in dieser Beziehung viele Erfahrungen machen müssen und habe mich nun dazu entschieden darüber einen Erfahrungsbericht zu schreiben. Dir wünsche ich viel Kraft und Stärke und deinem Sohn natürlich von ganzem Herzen, dass er sich doch noch für sein Leben entscheidet und die Therapie durchhält....glg
25.10.2009 12:26
ich wünsche dir dass die Langzeittherapie den gewünschten Erfolg bringt und dein Sohn von den Drogen wegkommt. LG Katrin