Du bist nicht wie andere Mütter / Angelika Schrobsdorff

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Eine Ode an die Mütter-WElt

3  22.04.2012

Pro:
Idee, Cover

Kontra:
Stil, Darstellung der  Mutter, fehlende Fotos

CyberQueeny

Über sich: «♥»20.08.11, 23.14 JACK«♥» 1:1 Lese den letzten Bericht auf Seite 1 gegen! http://sa...

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Eine Ode an die Mütter-Welt

Hallo lieber Leser, liebe Leserin.

Wer mich kennt, weiß, dass mein heutiger Bericht sich wieder mit einem Buch befassen wird. Ich bin und bleibe eine Leseratte, die nicht ohne ein Buch sein kann. Mein heutiges Buch habe ich mir 2008 in einem Überraschungspaket ersteigert, und da mich solche biographischen Schicksale des zweiten Weltkrieges sehr interessieren, wanderte es immer wieder ungelesen ins Regal zurück. Schließlich wollte ich erst einmal den Schund hinter mich bringen, um mich dann den interessanten Werken zu widmen. So war ich schon immer. Das Beste zum Schluss.

Bei 250-300 Büchern im Jahr sind jedoch auch meine Anforderungen nicht mehr so gering wie früher. Eine Biographie muss, um meinen Geschmack zu treffen, ein interessante Person mit interessanten Hintergrund oder Schicksal präsentieren.

Diese Anforderung hat das Buch schon erfüllt, denn durch meine Mutter, Baujahr 1938, fasziniert mich das Leben vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg. Doch nun genug der einleitenden Worte, begleitet mich in das Leben von Else.
Buchdaten

Autor: Angelika Schrobsdorff
Titel: Du bist nicht wie andere Mütter
Verlag: dtv
Erschienen: 1994
ISBN-10: 3423119160
ISBN-13: 9783423119160
Seiten: 556
Kosten: 9,90€
Leseinformationen

Genre: Biographie
Niveau: durchschnittlich
Leserschaft: Erwachsene
Lesedauer: 2 Tage
Autor/in

Angelika Schrobsdorff wurde am 24. Dezember 1927 in Freiburg im Breisgau geboren, musste 1939 mit ihrer jüdischen Mutter aus Berlin nach Sofia emigrieren und kehrte 1947 nach Deutschland zurück. 1971 heiratete sie in Jerusalem Claude Lanzmann, wohnte danach in Paris und München und beschloss 1983, nach Israel auszuwandern. (Quelle: Buchangabe)
Optischer Eindruck

Dtv ist bekannt für seine klassischen Cover. In diesem Fall sind einige Frauen zum Tee verabredet, die vom Stil her an die 20er Jahre erinnern. Passt also zu der Biographie.
Zitierter Klappentext

Die Teile, die sie benutzt, sind Briefe, Fotoalben, Erinnerungen
Bilder
Du bist nicht wie andere Mütter / Angelika Schrobsdorff DSCN1107 - Du bist nicht wie andere Mütter / Angel
Mein Exemplar
von Freunden und für die spätere Zeit gemeinsam gelebtes Leben. Begonnen hat alles voller Harmonie in einem begüterten jüdischen Geschäftshaus im Berlin des Jahrhundertbeginns. Else Kirschner, sprühend vor Charme, mit dunklen Locken und leuchtenden Augen, liebte die rührend um sie besorgten Eltern, und sie liebte das Leben, das ihr Jahre des Wohlstands bescherte, angefüllt mit Theater und Konzerten, Ferien im Sommerhaus am See und großen Leidenschaften.

Doch die Nazis setzen dem ein jähes Ende. Else, inzwischen mit dem preußischen Junker Erich Schrobsdorff verheiratet, flieht mit ihren beiden Töchtern nach Bulgarien ... Voller Leidenschaft, aber ohne Pathos, voller Mitgefühl und Bewunderung und dennoch mit kritischem Blick erzählt Angelika Schrobsdorff von den beiden Leben ihrer Mutter. (Quelle: Klappentext)

In eigenen Worten

Geboren 1893, erlebt Else als Tochter eines jüdischen Elternpaares die erste große Liebe kennen, die Ängste des ersten und zweiten Weltkrieg fühlen, und das Glück von Kindern schätzen. Exil, Entbehrungen und Flucht stehen an der Tagesordnung. Ein beeindruckendes Leben und ein Stück deutsche Geschichte, wie ihre Tochter findet, und aus diesem Grund hält sie die Geschichte ihrer Mutter für die Nachwelt fest.
Leseprobe

http://www.amazon.de/bist-nicht-andre-Mütter-leidenschaftlichen/dp/product-description/3423119160/ref=dp_proddesc_0?ie=UTF8&n=299956&s=books&qid=1333281192&sr=8-1
Sarahs Meinung

Heute, am 30. Juni, ihrem Geburtstag, habe ich das schmale, hohe Büchlein aus meiner Truhe der Vergangenheit geholt. (Zitat S. 9)

Mit diesen Worten beginnt die Biographie über die Else, die Mutter der Autorin, die am 30.Juni 1893 das Licht der Welt erblickte. Es sind einleitende Worte, die eine gute Einstimmung auf vergangene Zeiten hervorruft. 98 Jahre später hält ihre Tochter diese Lebensgeschichte fest. Ein Buch ganz nach meinem Geschmack, da mich das Deutschland von 1880-1950 stark interessiert. Liebe, zwei Kriege und der frühe Tod am 5. Juni 1949 machten mich neugierig.

Bevor ich mit meiner richtigen Rezi beginne, möchte ich vorab noch etwas klarstellen. Eine andere Rezi, die das Buch kritisierte, wurde scharf angegangen, weil er das Buch als Zeitverschwendung angesehen hat. Aus diesem Grund möchte ich noch einmal klarstellen, dass ich Zeitbelege rund um den zweiten Weltkrieg faszinierend finde, da meine Mutter in dieser Zeit geboren ist. Ihr Opa war im KZ, sie selbst wurde ausgebombt, Mangelernährung und Krankheiten wegen kalter Winter waren an der Tagesordnung. Sie, aber auch meine Oma, die bis 2007 gelebt hat, haben mir viel erzählt, und für mich sind solche Bücher einfach ein Stück Verständnis und Teilnahme an Zeit. Sie bringt mich meiner Mutter näher. Dementsprechend fällt es mir nie leicht ein solches Buch negativ zu bewerten, auch wenn einige wenig zu sagen haben und mit wenig Inhalt versuchen Geld zu machen, sind es für mich wichtige Zeitbelege. Trotzdem kann ich ehrlich sagen, dass mich dieses Buch sehr enttäuscht hat.

Das Buch beginnt mit dem Buch, welches die Autorin aus der Truhe nimmt, um das Leben ihrer Mutter zu rekonstruieren. Das anfängliche Gefühl einer Einleitung wird schnell verunsichert und bald darauf zerstört, denn nach diesen einführenden Sätzen, beginnt die Autorin abgehackt, gestückelt, wie bei einem Puzzle, die Geschichte zu erzählen. Sie erzählt es aus ihrer Sicht als indirekt beteiligte Erzählerin, die aus Briefen, Anekdoten, Belegen, Andenken und Gedichten ein Ganzes bildet. Später fließen eigene Erinnerungen mit ein, die jedoch vor ihrer Geburt nicht möglich sind. Bruchstückhaft geht es voran. Mir ist klar, dass über eine Person, die früh verstorben ist, nur so berichtet werden kann, da ihre eigenen Erinnerungen mit gestorben sind, aber dadurch hatte ich arge Probleme mich in die Person hineinzuversetzen. Zumal schon auf Seite 23 Else 19 Jahre alt ist und ihre erste große Liebe trifft. Ihre Kindheit, die sie zu dem Charakter geprägt hat, der sie später ausgemacht hat, ist so blass geschildert, dass sie mir bis zum Schluss fremd blieb. Bei 556 Seiten hätte ich mir einen ausführlicheren Einstieg und eine bessere Schilderung der Kindheit gewünscht.

Auch so empfand ich das Schicksal der Mutter als nichts Besonderes. Ja, es war hart, voller Entbehrungen und sicherlich nicht angenehm. Jüdisch zu sein in der Zeit des Nazi-Regimes ist und bleibt erschreckend. Dementsprechend fand ich es schon interessant, ihren Weg zu begleiten. Im Vergleich zu bekannten Schicksalen wie zum Beispiel Martin Gray, Anne Frank oder Sophie Scholl ist es eben nichts Besonderes. Ich habe zahlreiche Bücher mit diesem Hintergrund gelesen und finde Schicksale trotz Flucht und Exil unbedeutend, wenn diese Personen sich sogar eine Dienstbotin leisten können. Auf der anderen Seite verstehe ich, dass eine Tochter, die von ihrer Mutter sozusagen durch den Krieg gebracht wurde, dieses Schicksal etwas Besonderes ist. Die gelieferten Fakten, Informationen und Begebenheiten finde ich ebenfalls interessant, anschaulich und ergreifend, aber in Kombination mit einer Frau, die für mich alles andere als verständlich eingeführt wurde und im Vergleich zu zahlreichen anderen Schicksalen „so gut“ weggekommen ist, war ich eher enttäuscht. Bei anderen Werken hätte ich gedacht, hier will eine Person mit seinem Schicksal einfach auf den Zug aufspringen und Geld verdienen. Da es sich jedoch um ein Denkmal der eigenen Mutter handelt und es sich nicht nur mit dem zweiten Weltkrieg, sondern auch dem ersten Weltkrieg befasst, weiß ich, dass dies nicht der Fall ist. Die Autorin hat auf ihre Art und Weise versucht, die dramatischen Seiten des Nazi-Wahns für die Nachwelt festzuhalten. Schließlich ist jedes Schicksal aus dieser Zeit ein Beleg und wichtig. Ich persönlich bin jedoch ein Mensch, der eben durch Mutter und Oma vieles Erfahren hat, und aus diesem Grund ärgere ich mich immer über solche Zeitbelege, die im Grunde nur am Rand haben leiden müssen. Viele mussten fliehe, aber ich finde durch die Masse an Büchern, die es inzwischen gibt, solche Schicksale für die Nachwelt einfach wichtiger, die wirklich etwas zu sagen haben. Zum Beispiel weil sie im KZ waren oder ähnliches. Es gibt einfach zu viele solcher Biographien und die Mehrheit stöhnt auf, wenn wieder über ein solches Buch berichtet wird. Dementsprechend sind ernste Schicksale, die das gesamte Ausmaß im KZ, Ghetto oder einem Versteck weitaus wichtiger für die Nachwelt.

Sicherlich hätte mir das Buch besser gefallen, wenn mir der gewählte Stil der Autorin besser gefallen hätte oder ihre Mutter einfach eingangs besser beschrieben worden wäre. Viele Handlungen und Gedanken waren daher auch im Verlauf für mich schwerer Verständlich. Zudem bin ich eine Leseratte, die gerne auf das eine oder andere Foto stößt, und auch dies ist hier nicht der Fall. Trotzdem finde ich das Buch wichtig, und kann es empfehlen. Allerdings bekommt es von mir lediglich drei Sterne. Interessant, aber andere biographische Werke sind aufklärender.
Abschließendes Fazit

Interessante, biographische Geschichte einer jüdischen Mutter von 1893-1949.

Pro: Idee,Cover
Contra: Stil, Darstellung der Mutter, fehlende Fotos
Empfehlung: Bedingt

~*~ Danke ~*~ fürs ~*~ Bewerten ~*~ Lesen ~*~ Kommentieren ~*~


© Eure CQ für Sarahs Bücherwelt
Verwendete Zitate werden ausgewählt und eingebaut um den Stil, Spannungsanteil, Detailreichtum oder ähnliches aufzuzeigen. Sie gehören nach wie vor dem rechtlichen Eigentümer und dienen lediglich der Unterstützung meiner Rezension.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
t.schlumpf

t.schlumpf

03.07.2012 01:19

So da bin ich wieder ;o)

ciao2002

ciao2002

08.05.2012 22:12

Ich habe das Buch kurz nach dem Tod meiner eigenen Mutter gelesen. Anfangs tat ich mich schwer damit. Am Ende fand ich, dass es ein sehr gutes, sehr eindrückliches Buch war.

Cosmay

Cosmay

25.04.2012 12:22

Reizt mich vom Thema her bedingt, aber die Umsetzung scheint ja ohnehin nicht sonderlich gülden zu sein...

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