Dual ist meine Wahl
06.05.2012
Pro:
2 Top - Abschlüsse, hervorragende Ausbildung, Praxisbezug, Aufstiegschancen, Ausbildungsvergütung
Kontra:
phasenweise sehr stressig, wenig Freizeit
Empfehlenswert:
Ja
 Dynie89
Über sich:
Ich bin kooperativer Mechatronikstudent vom Niederrhein. Mein großes Hobby ist Technik, speziell die...
Mitglied seit:14.04.2012
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Meine Erfahrungen des dualen Mechatronik-Studiums bei der Firma Siemens AG an der Westfälischen Hochschule
Aktuell: Für mich ist nun die Ausbildung zum technischen Zeichner (neuerdings Produkt-Designer) vorbei und ich bin ausschließlich Vollzeitstudent im 4. Regelsemester bzw. 6. kooperativen Semester. In einem Jahr (also 2 Semestern) werde ich meine Bachelor-Arbeit schreiben. Viele aus meinem Freundeskreis und der Schule haben sich längst gegen ihren anfänglichen „Traumstudiengang“ entschieden und wählten um, während ich die richtige Entscheidung traf. Doch nun zunächst zurück auf Anfang:
Präambel: Mein Weg zum Maschinenbau ist einer dieser Wege gewesen, die sich einem plötzlich auftun, und einen nicht mehr loslassen wollen. Doch: Als man mich noch vor dem Abitur fragte, was ich mal werden möchte, hatte ich keine eindeutige Antwort: „… irgendwas mit Technik vielleicht, oder doch was anderes“. „Schließlich habe ich noch so viel Zeit, mich zu entscheiden.“ Aber die Zeit läuft zum Schluss sehr schnell!
Zeitverlauf:
In der Oberstufe: Vorbereitend auf mein vages Ziel verschaffte ich mir zwei Jahre vorm Abitur durch unterschiedlichste Praktika, Besuche von Ausbildungs- und Jobbörsen und Universitätsveranstaltungen einen groben Überblick, was der Arbeitsmarkt und die Universitäten an Studiengängen boten. Schnell schloss ich Uninteressantes aus und fokussierte mich auf den „Rest“. Zwar wusste ich immer noch nicht, was genau aber wie ich studieren möchte. Es sollte nicht zu theorielastig sein, da ich das, was ich gerade gelernt habe, gerne schnell in die Tat umsetzen und anwenden will. Konnte das nur eine Ausbildung bieten?Ein Jahr vor dem Abitur, als sich jeder auf Studiengang- und Ausbildungsplatzsuche begab, erfuhr ich von einem Freund, dass dessen Bruder ein duales Maschinenbaustudium bei der Siemens AG absolviert, was die Ausbildung zum technischen Zeichner und das Studium des Mechatronikers beinhaltet. Dieses duale System war mir bis dahin fremd. Nach Recherchen im Internet, durch Literatur und in Gesprächen mit dem besagten Bruder und einem persönlichen Besuch bei der Firma wusste ich, was ich machen will! Und schnell wurden mir die ersten Vorteile eines kooperativen Studiums klar: Am Ende hat man zwei qualifizierte Abschlüsse: den der 2 ½-jährigen Ausbildung und den des vierjährigen Studiums. Zudem erhalte ich eine Ausbildungsvergütung und die Erstattung der Studienbeiträge vom Unternehmen.
Abiturphase: So bewarb ich mich für die Teilnahme am Einstellungstest und wurde mit sechs anderen Jugendlichen von über 60 Bewerbern angenommen. Besonders günstig ist dabei die Lage des Ausbildungsbetriebs und der Fachhochschule, alles in Bocholt, so dass ich zu Hause weiter wohnen kann. Kein Stress mit Studentenzimmer- oder WG-Suche, Kosten und Fahrzeiten.
Einstieg ins kooperative Studium – FH und Ausbildung: Der neue Lebensabschnitt startete mit dem Studium. Beginnend mit Vorkursen und Einführungsveranstaltungen, konnte man dabei gleichzeitig ältere Studenten (wichtige Kontakte für kommende Semester!) und die Professoren näher kennenlernen. Insgesamt ist der Kontakt zu den Professoren direkt, persönlich und schnell aufgebaut. Daran schlossen die regulären Vorlesungen nahtlos an. Im Ausbildungsbetrieb wurden uns in der Ausbildung parallel die Grundlagen des technischen Zeichnens beigebracht (am Zeichenbrett als auch mit computergestützter Konstruktion CAD). Das Ausbilderteam steht uns dabei immer bei Fragen und Problemen helfend zur Seite, was das Ganze stressfreier macht. Auch bei außerbetrieblichen Dingen hat man stets ein offenes Ohr für uns. Später, im Rahmen eines betrieblichen Praktikums, lernten wir in kurzen Zeitabschnitten die unterschiedlichen Abteilungen kennen. Ein weiterer Vorteil, dass die für das Studium relevanten Praktika direkt im eigenen Betrieb durchgeführt werden. Das erspart die sonst bei Universitäten übliche aufwändige Suche nach Praktikumsstellen.
Allgemeines zum kooperativen System: In der Regel laufen Ausbildung und Studium quasi parallel. Entweder im Wochen- oder Monatswechsel Betrieb und Fachhochschule oder zwei Tage die Woche FH und die restliche Zeit Betrieb. Die Ausbildung selbst schließt mit der IHK-Prüfung nach 2 ½ Jahren ab, während das duale Bachelor-Studium insgesamt über vier Jahre (nicht wie üblich drei Jahre) läuft. Grundsätzlich ist man im Betrieb und nur für die Zeiten des Studiums an der FH, was z. B. heißt, dass man morgens an der FH studiert und nachmittags wieder im Betrieb ausgebildet wird (oder umgekehrt). Statt Semesterferien gibt es normalen tariflichen Urlaub und das Gehalt ist ebenfalls nach Tarifbereich gegliedert. Man verdient die Zeit über wie ein normaler Auszubildender
Das kooperative Studentenleben Der Bereich Freizeit reduziert sich enorm, denn eine duale Ausbildung bedeutet, dass man sowohl in der betrieblichen Ausbildung als auch im Studium zu 100, nein zu 200 % dabei sein muss. Zwar ist diese Doppelbelastung durch den hohen Lernaufwand auf beiden Seiten (Fachhochschule – Betrieb) bekannt, geschenkt wird einem dennoch nichts. Man schreibt die gleichen Klausuren wie jeder andere Student und ebenso die IHK-Prüfungen wie jeder Auszubildende. Wenn man beides mit guten Noten abschließen will, das sollte jedem vor Aufnahme eines dualen Studiums klar sein, sitzt man mehr vor den Büchern als in der Disco. Zum Ausgleich ist es dennoch wichtig weiterhin soziale Kontakte zu pflegen, einem Hobby nachzugehen oder einfach den Stress beim Radfahren abzubauen. Hierfür ist immer noch Zeit.
Ein Koop ist selten allein: Dennoch: Viele Betriebe stellen kooperative Auszubildende des gleichen oder artverwandten Studiengangs ein, sodass sich über FH-Kontakte schnell Lerngruppen für Klausuren und Projekte bilden. Teamfähigkeit ist von Vorteil, um sich privat wie freundschaftlich zusammenzufinden, was das gemeinsame Lernen für die FH und IHK deutlich vereinfacht und eine lockere Atmosphäre schafft. Auf der anderen Seite – so habe ich es erfahren - ist die Unterstützung im Ausbildungsbetrieb überaus groß, wenn einem z.B. arbeitsfreie Zeiten zur Klausurvorbereitung eingeräumt werden. Alle Kolleginnen und Kollegen sind überaus zuvorkommend und hilfsbereit, denn sie vertreten die Auffassung „Wir waren auch froh, dass uns einer während der Ausbildung an die Hand nahm!“.
Mit der Theorie in die Praxis: Nach dem betrieblichen Praktikum in der Montage und Fertigung wurden wir in der Konstruktion eingesetzt. Hier arbeiten wir immer in der vorlesungsfreien Zeit. Dabei zahlte es sich sehr schnell aus, die Theorie der Vorlesungen im Hinterkopf zu haben. So gewinnt man eine bessere Vorstellung davon, wie sich z.B. Werkstoffe im Maschinenbau unter den verschiedenen Gegebenheiten verhalten. Damit fällt es einem leichter, den Gesprächen mit Konstrukteuren zu folgen und mitzureden; ein weiterer Vorteil des dualen Systems, die Verknüpfung von Theorie und Praxis.
Vorteile: - fundierte und hochqualifizierte Ausbildung/Studium - gut strukturierter Zeitablauf - direkter Bezug zur Praxis - Praktia werden im Betrieb gemacht, keine zusätzlichen Bewerbungen - hervorragende Aufstiegschancen - Ausbildungsvergütung während des gesamten Studiums
Nachteile: - kein "Studentenleben" im Sinne von Partynächten, Schwänzen von Veranstaltungen, Semesterferien, etc. - doppelte Belastung durch Studium und Ausbildung - Leistungsdruck, gute Noten bringen zu müssen
Empfehlung: Als Resümee kann ich jedem, der schnell Zugang in den zukünftigen Beruf finden will, ein duales Studium empfehlen. Das kooperative System, das bereits viele Firmen und Behörden anbieten, sichert einem nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung und des Studiums oft sogar einen Arbeitsplatz, was ein weiterer Vorteil ist. Zudem lernt man den Betrieb und der Betrieb einen selbst schnell kennen, was die weitere Zusammenarbeit deutlich erleichtert. Der Weg dorthin ist zwar nicht leicht, was das Verhältnis Lernen und Freizeit betrifft, aber man ist anderen stets einen Schritt voraus. So besitzt man zwei angesehene Abschlüsse und kann ggf. bei sehr guten Leistungen von der Firma aus ggf. noch den Masterabschluss machen.
Ich hoffe, meine Ausführungen waren hilfreich und wünsche euch für die Zukunft viel Erfolg, dass ihr den richtigen Weg einschlagt, vielleicht sogar auch dual! Ein letzter Tipp: Informiert euch sehr frühzeitig, stattet den Betrieben im Voraus einen persönlichen Besuch ab, stellt viele Fragen und seid euch im Klaren, was euch wahrscheinlich bis zur Rente beruflich Spaß machen könnte. Doch wenn ihr einmal Fuß gefasst habt und ordentliche Leistungen abliefert, stehen euch in dieser globalisierten Welt alle Türen offen. Nur erkennen sollte man sie und einen Blick hineinwagen.
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04.06.2012 19:45
Meine Schwester hat auch dual studiert und kaum Zeit für sich gehabt. Aber jetzt ist sie fertig und top qualifiziert :)
06.05.2012 15:02
bh