Düsseldorf Hauptbahnhof

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Düsseldorf Hauptbahnhof

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Erfahrungsbericht über "Düsseldorf Hauptbahnhof"

veröffentlicht 14.01.2005 | SabineG1959
Mitglied seit : 16.10.2004
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Über sich :
Ihr Lieben, ich wünsche Euch allen eine scholne Adventszeit frohe Weihnachten und einen guten Rutsch :)
Sehr gut
Pro meine Heimat
Kontra es zieht tierisch im Winter auf dem Hauptgang
sehr hilfreich

"Düsseldorf HBF - mehr als nur ein Bahnhof :)"

Düsseldorf HBF bei Nacht in der Weihnachtszeit

Düsseldorf HBF bei Nacht in der Weihnachtszeit

Heute will ich Euch mal von meinem Heimatbahnhof erzählen, von wo aus ich mich auf gemacht habe in die weite Welt. Da Ich den größten Teil meines Lebens in und um Düsseldorf herum verbracht habe, hat der Bahnhof immer schon eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Ich war schon immer gern unterwegs.

Als mein Bruder 3 war und ich 6, da haben wir vor einer Dampflok gestanden – ja da staunt Ihr! In meiner Kindheit waren Dampflokzüge noch ein ganz reguläres Verkehrs mittel. Jedenfalls gibt es noch ein Foto mit meinem Bruder vor der Dampflok. Der Lokführer wollte meinem kleinen Bruder die Lok zeigen, aber dieser hatte – klein wie er war – Angst vor dem dampfenden und schnaufenden Ungetüm. Und Klein-Sabine, die ja nur ein Mädchen war, guckte sehnsüchtig zum Lokführer empor. Ach, wie gern wär’ ich in die Lok geklettert … aber … ich war ja nur ein Mädchen und wurde deshalb mal wieder total übersehen … *schnief* (Naja, 40 Jahre später habe ich es denn nachgeholt auf dem Müngstener Brückenfest in Solingen Ohligs, s. Bericht über die Müngstener Brücke)

Als ich zehn Jahre alt war, durfte ich das erste Mal allein mit dem Zug zu meiner Oma fahren, eine Weg, den ich im Schlaf kannte, weil wir ja oft genug dahin gefahren waren. Also fuhr ich mit der Straßenbahn – alleine! – zum Bahnhof. Damals fuhr ein von einer Diesellok gezogener Zug nach Remscheid. Die Strecke über die Müngstener Brücke ist bis heute nicht elektrifiziert, aber heutzutage muss man in Solingen umsteigen, damals konnte man direkt durchfahren, und dann musste ich noch ein Stück mit dem Bus fahren. Ich war wahnsinnig stolz, dass ich das alleine geschafft hatte.

Aber jetzt geht es ja um Düsseldorf. Der Bahnhof damals war düster und endete an einer Mauer bei Gleis 18. Anfang der 80er Jahre – meine ich – wurde er dann modernisiert. Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich von Wuppertal aus jeden Tag durch die Baustele zur Arbeit gehen, und der Bahnhof hatte alle paar Tage ein neues Gesicht. Er wurde irgendwann fertig, als ich schon nicht mehr dort wohnte, also Mitte der 80er Jahre.

Man hat die rote Fassade der 50er Jahre stehen lassen, aber innen alles modernisiert und einen hinteren Ausgang angelegt. Wo früher Wiesen und Halden und eine hässliche Mauer waren, gibt es heute einen schönen Platz, den Bertha-von-Suttner-Platz mit modernen Brunnen, Cafès, Bücherei, Gerichtsgebäuden etc. und seitlich davon Zufahrten zum Bahnhof und Parkhäuser.

Hauptein- und ausgang ist nach wie vor die andere Seite zur Konrad-Adenauer-Straße, wo die Busse und Straßenbahnen halten und wo es zur Stadt geht. Hier findet man auch die Haupttaxistände, die Hauptpost, das Hauptkino etc. Hier geht es ziemlich hektisch zu im Gegensatz zur Beschaulichkeit auf der anderen Seite.

Da ich die letzten 18 Jahre in einer Kleinstadt nahe Düsseldorf gewohnt habe, bin ich also weder von der einen noch von der anderen Seite in den Bahnhof gekommen, sondern auf Gleis 11 ziemlich in der Mitte des Bahnhofs. Vom Bahnsteig aus gibt es mehrere Möglichkeiten, den Bahnhof zu verlassen. Treppen und Rolltreppen führen nach unten zum Hauptgang mit Lebensmittelgeschäften, Drogeriemarkt, Buch- und Zeitschriftenladen, Tabakläden, Western Union Bank etc. und diversen Cafés und Imbissständen und natürlich dem Reisecenter und einem Reisebüro, das sich im Center befindet.

Am andern Ende des Bahnsteigs führt eine Treppe hinunter in einen neben Gang, den roten Gang, der mit einem roten Fußboden ausgelegt ist, von den meisten Bahnsteigen führt auch ein Fahrstuhl hinunter. Hier auf diesem Gang findet man vor allem Fahrpläne, Plakate, Uhren und ganz am Ende kurz vor dem Haupteingang einen kleinen Bäcker mit Stehimbiss. Obwohl die Bahnpolizei sehr aktiv ist und man den Bahnhof doch ziemlich „aufgeräumt“ hat, gibt es doch immer mal wieder in den Ecken in der Türe Leute, die dort hemmungslos Drogen dealen oder sich ein leckeres Menü mit Silber- oder Goldpapierchen oder so kochen … also nicht unbedingt der Ausgang für Kinder …

Es gibt zwei Verbindungsgänge zwischen dem Hauptgang und dem roten Gang. Der eine befindet sich gleich neben dem kleinen Bäcker. Dort in dem Gang findet man die Bahnhofsmission, ein Spielcasino im Miniformat, die Gepäckaufbewahrung und Telefone.

Der andere Verbindungsgang befindet sich in Höhe von Gleis 13/14. Auch hier gibt es viele Telefone und am Ende das Highlight: eine elektrische Eisenbahn. Die Züge fahren nach Einwurf von entsprechendem Kleingeld, je mehr man fahren lassen will, umso teurer wird’s – ist ja logisch … Es fing mal bei 50 Pfennig an, aber die modernen Preise kenne ich nicht, da ich zu Eurozeiten meine Kinder nicht mehr damit zu amüsieren brauchte …

Gleich rechts um die Ecke befinden sich die Toiletten, die ich bereits in meinem WC-Führer unter der Rubrik „Texte, die die Welt nicht braucht“ beschrieben habe. Also noch mal ganz kurz: Eintritt durch das Drehkreuz kostet ein 50-Cent-Stück, die Toiletten sind nicht mehr ganz neu, aber die Damen dort eigentlich immer sehr nett. Die in der U-Bahn sehen appetitlicher aus …

Und da sind wir dann auch schon beim Thema U-Bahn. Im Hauptgang gibt es drei Eingänge zur U-Bahn, die unter dem Bahnhof fährt und wo man auch in die berühmt-berüchtigte Altstadt kommt, ebenso zum Opernhaus, das gleich gegenüber von der Altstadt ist.

Bevor man endlich aus dem Bahnhof raus kommt, landet man in der Bahnhofshalle, wo es den Servicepoint, zu deutsch die Information, gibt. Wenn man sich umdreht, erblickt man über sich die riesige Anzeigetafel, wo alle Züge angezeigt werden, links die Züge, rechts die S-Bahnen. Auch in der Halle gibt es ein Café, oft diverse Werbeveranstaltungen und außerdem einen kleinen Würstchenstand und einen Riesenfernsehbildschirm. Bei diversen Großereignissen stehen sich da die Leute die Füße platt und renken sich die Hälse aus, um alles mitzubekommen.

Neben der Würstchenbude geht es dann zum schönsten Teil des ganzen Bahnhofs, dem Markt. Rechts gibt es einen Bäcker mit leckerem Brot und den leckersten Rosinenschnecken von ganz Düsseldorf. Die Preise haben es in sich – aber es lohnt sich … Ziemlich mittig am Eingang des Marchès gibt es einen Stand mit internationalen Snacks zum Mitnehmen, und davor steht öfters mal ein Softeisverkäufer.

Über ein paar Treppenstufen oder eine Rampe für Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer gelangt man in das Innere des Marktes. Links finden wir ein kleines und feines und entsprechend teures Lebensmittelgeschäft, rechts einen Stehcafé mit Gebäck und belegten Brötchen aus der Bäckerei ein paar Stufen tiefer. Noch ein paar Schritte weiter gibt es einen Obststand mit frischem Obst.

In der Mitte des Raumes laden Tische und bequeme Stühle zum Sitzen ein. Es gibt eine Bar mit frisch gepressten Säften, einen weiteren Stand mit Gebäck und diversen Kaffeesorten und hinter allem noch eine nette und teure Schlemmerabteilung, um die ich wegen der gesalzenen Preise lieber einen Riesenbogen mache und gemacht habe, es sieht aber alles super lecker aus, und gemütliche Sitzgruppen zum bequemen Verzehr gibt es ja auch.

Ich bin von Sternzeichen Fische, und einen Fisch zieht es ja immer ans Wasser. Was macht nun also Fischlein Sabine am Bahnhof zu Kaffee oder Cappuccino oder Saft und leckeren Rosinenschnecken? Das Besondere in dieser Halle, die so voll ist, dass sie gar nicht unbedingt nach Halle wirkt, sind die beiden (oder sogar drei?) riesigen Wassersäulen, in denen ganz beruhigend Wasser runter läuft – ohne Ton, leider kein Wasserrauschen dabei wie ein Wasserfall. An der einen Säule steht eine dieser Sitzgruppen, hinter einer anderen ist so ziemlich die einzige Uhr versteckt, die es in dieser Halle gibt. Im Bahnhof selbst gibt es viele, aber eben nicht in der Markthalle, da habe ich nur die eine gefunden. Und das mir, die nie eine Uhr trägt!

Außerdem ist mir die schöne Dekoration ganz oben direkt unter der Decke aufgefallen, also nicht als Deckenschmuck, sondern eher als Abschluss der Mauer bis ungefähr zur Decke aufgefallen. Passend zur Jahreszeit gibt es dort immer ganz liebevoll gestaltete Kulissen, so eine Art naive Malerei.

In dieser Markthalle habe ich jedenfalls schon viele Kaffees getrunken und dabei auch schon einiges erlebt. An Ostern saß ich mal mit einer Freundin hier –eigentlich wollten wir auf der Rheinpromenade Kaffee trinken gehen, aber je näher wir nach Düsseldorf kamen, umso heftiger regnete es, und Ostersonntag hat ja alles geschlossen. Also fiel die Rheinpromenade, wo es nur Open-Air-Cafés gibt, buchstäblich ins Wasser, und wir saßen da mit einem Stapel Prospekte aus dem Reisecenter und erfuhren da so einiges über billiges Reisen, u.a. dass man auch als EU-Rentnerin die Seniorenbahncard mit 50% Fahrpreisermäßigung zum halben Preis erhält. Ruckzuck hatte ich also eine Bahncard 50 und damit das Problem gelöst, wie ich günstig zu meinem damaligen Freund gelangen konnte.

Ein Jahr später hatten wir dasselbe Vorhaben mit demselben Ergebnis: es regnete. Also wieder keine Rheinpromenade sondern Bahnhof. Aber unseren Kaffee tranken wir diesmal nicht im Bahnhof. Da wir beide ein Tickte besaßen, mit dem wir am Wochenende durch den ganzen Verkehrsverbund fahren konnten, suchten wir uns einen Zug mit Bistrowagen aus – die Kaffeepreise im Zug entsprechen denen auf der Rheinpromenade – und tranken unserer Kaffee mit wundervoller Aussicht bis ans Ende der Gültigkeit unserer Fahrkarte – und dann das gleiche wieder zurück, allerdings dann ohne Bistrowagen – leider ….

Und das Beste passierte kurz vor meinem endgültigen Weggang. Sabine quatscht ja mit Gott und der Welt, immer nett, immer freundlich, und so geschah es dann. Sie kam ins Gespräch mit einem netten türkischen Mitarbeiter, der ihr ab und an mal ihren Cappuccino oder Saft ausgab. Und so kam man ins Gespräch wegen der entführten Tochter und dem Problem, ob es wirklich so schlimm ist, dass ich einer anderen Mutter geholfen hatte, ihre Kids aus der Türkei zu holen – ich hätte das so nie machen können, weil der Vater meiner Tochter nicht so naiv gewesen ist wie dieser andere Mann – jedenfalls wusste ich, dass die türkischen Behörden von der Sache mit dieser anderen Mutter wussten und dass ich damit ein Verbrechen gegen die türkische Staatssicherheit begangen hatte. Ich war von mehreren Leuten gewarnt worden, bloß nicht in die Türkei zu reisen, wenn ich nicht unbedingt im Gefängnis landen wollte. Und dieser nette Mitarbeiter kannte nun jemanden, der wiederum jemanden kannte, der der Sache nachgehen wollte und herausfinden wollte, ob nun wirklich etwas gegen mich vorliegt oder nicht. Da man ja über die türkischen Telefonleitungen und über den Postweg keine vertraulichen Informationen weiter geben darf, da das ja alles kontrolliert und durchleuchtet und abgehört werden kann, musste ich also warten, bis dieser Mensch aus der Türkei mal gerade nicht in der Türkei war, um seine Nachforschungsergebnisse ungestraft weitergeben zu können. Und was war? Ich bin tatsächlich eine Kriminelle. Sobald ich die türkische Grenze übertrete, freut man sich dort, dass ich freiwillig komme, um meine Strafe abzusitzen oder so …

Und so wurde ein harmloser Bahnhof doch noch zu einem Krimi *g*

Wozu Bahnhöfe doch alles gut sind!?!

Ich freue mich, dass Ihr bis hierher durchgehalten habt und danke fürs Lesen usw. Leider habe ich diesmal keine Fotos … werde aber noch welche suchen … und ahbe welche gefunden auf der Seite http://www.railfaneurope.net/pix/de/station/Duesseldorf/pix.html

Alles Liebe von Sabine :)


PS: ich sehe gerade bei den Fragen unten, was ich vielleicht noch erwähnen sollte.

Shopping: teuer aber alles da

Parken: keine Ahnung, da ich kein Auto ahbe, aber es gibt aj die erwähnten Parkhäuser auf der Rückseite, am Haupteingang ist Parken und Leute abhoolen definitiv nicht enpfehlenswert

Warteatmosphäre: auf den meisten Bahnsteigen, vor allem den Fernbahnsteigen, gibt es Kaffeestände mit Gebäck und Erfrischungsgetränken zu akzeptablen Preisen,also billiger als im Zug selber, von der Firma Crobag wie der kleine Stand im roten Gang auch

Behindertenfreundlichkeit: auf den ersten Blick entdecke ich da keine Mängel. Rampen, Aufzüge, WC - alles ist da - wo es evtl. haken könnte, merkt man dann ja erst im Ernstfall, und den habe ich zum Glück noch nicht getestet.

Nicht auf allen B ahnsteigen gibt es Wartehäuschen, aber der Bahnhof ist ja überdacht, und es gibt Sitzgelegenheiten

Ticketkauf: es gibt viele Automaten und das Reisecenter, aber zu Stoßzeiten muss man mit Warteschlangen rechnen, auch an den Automaten

Empfehlenswert: klaro - Düsseldorf ist das Tor zur Welt *g*, Züge fahren bis Budapest, Italien, Norddeutschland, Berlin, also in alle Richtungen, und wem das nicht reicht: die Anbindung an den Flughafen ist supergut per S-Bahnen, Regionalzügen und Fernzügen, wovon auch so einige am Flughafen halten.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Zilina veröffentlicht 30.09.2014
    Da mußte ich beruflich viele Jahre lang hin, also durch , aber ich finde er hat sich gemacht. LG Zilina
  • helmut.agnesson veröffentlicht 27.07.2005
    und das schönste am düsseldorfer hauptahnhof ist de dm-markt
  • CaBe veröffentlicht 18.01.2005
    Eine sehr schöne Sache, mal über so was Alltägliches zu schreiben. Ich wusste gar nicht, ciao dafür eine Rubrik hat. Seit drei Monaten bin ich Berufspendler und sammle auch so meine Eindrücke von einem Hauptbahnhof. Vielleicht wird ja auch mal ein Bericht draus. Übrigens: Dampfloks kenne ich auch noch zu gut aus meiner Kindheit. Aufgewachsen in S-H gab es alternativ auch bestenfalls Dieselloks. Strom hat die Bahn dort an der Westküste immer noch nicht. Tschüß sacht CaBe
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