EJMB 2003

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... Es geht mir hierbei um den Spot für das EJMB 2003, das EUROPÄISCHE JAHR DER MENSCHEN MIT BEHINDERUNG. ***** DER SPOT Man sieht zunächst einen Rundblick in ein sehr exklusives Restaurant. Die Stimmung ist gedämpft elegant und auch die Kleidung und das Auftreten der Menschen lässt ... Bericht lesen





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Das Europäische Jahr der Menschen mit Behinderung
Erfahrungsbericht von larshermanns über EJMB 2003
30.12.2003


Produktbewertung des Autors:   


Pro: sehr anschaulich gemachter Spot  |  weckt Sympathie und Verständnis  |  absolut glaubhaft und überzeugend
Kontra: leider gibt es immer noch sehr viele Mitmenschen, die für Behinderte keinerlei Verständnis aufbringen !

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Liebe Leserinnen und Leser,

heute möchte ich auf einen Fernseh-Werbespot eingehen, den ich für besonders gelungen halte, und dessen Inhalt man auf jeden Fall an die breite Öffentlichkeit tragen sollte. Es geht mir hierbei um den Spot für das EJMB 2003, das EUROPÄISCHE JAHR DER MENSCHEN MIT BEHINDERUNG.

***** DER SPOT

Man sieht zunächst einen Rundblick in ein sehr exklusives Restaurant. Die Stimmung ist gedämpft elegant und auch die Kleidung und das Auftreten der Menschen lässt vermuten, dass es sich wirklich um eine gehobene Klientel zu handeln scheint.
Dabei wandert der Blick jedoch immer aus der Sicht einer bestimmten Person durch den Raum, so dass man genau das sieht, was der Betrachter auch sieht.

Man sieht, wie der Betrachter einem offensichtlichen Ehepaar um die vierzig die Karte zeigt, was mit recht skeptischen, fast schon verächtlichen Blicken gedankt wird. Man kann nun also davon ausgehen, dass es sich um die Sicht des Obers handelt.

Nun bewegen wir uns in Richtung Küche und sehen, wie der Betrachter kurz das Glas einer Bedienung auf Sauberkeit überprüft und wohlwollend auf das Tablett zurück stellt. Dies lässt nun wieder den Schluss zu, dass es sich vermutlich nicht nur um den Ober generell, sondern vermutlich gar um den Chefkellner persönlich zu handeln scheint, dessen Blicke wir hier verfolgen.

In der Küche angekommen, sehen wir, wie der Betrachter noch ein wenig Petersilie als Garnitur auf einem Teller anrichtet. Die Portion des Essens lässt erneut erahnen, dass es sich um ein Feinschmecker-Restaurant zu handeln scheint.
Diese Geste wird mit einem wohlwollenden Blick einer Küchenbediensteten registriert, die darüber sehr erfreut zu sein schien. Wieder ein Zeichen dafür, dass es sich bei dem Betrachter um eine höhere Fachkraft des Restaurants zu handeln scheint.

Nun führt uns der Weg wieder zurück in den Gastraum. Wir sehen nun erstmals, wie unser Betrachter sich kurz vor einem Spiegel die Krawatte zurecht rückt. Leider kann man ihn nur sehr verschwommen erkennen. Aber man kann dennoch genügend erkennen, um einen gewissen Verdacht in einem aufkommen zu lassen.

Zurück bei dem zuvor erwähnten Paar, wird dem Betrachter wieder mit etwas skeptischen Blicken begegnet. Doch nun kommt auch endlich die Auflösung für all diese Reaktionen.
Unser Betrachter öffnet eine Flasche Rotwein und prüft anhand des Korkens, ob man diesen Wein empfehlen kann. Diese Geste wird nun sehr wohl wollend zur Kenntnis genommen. Und wir sehen nun erstmals aus der Sicht der Gäste, um wen es sich bei dem Betrachter handelt. Es handelt sich um einen Mann mit Down-Syndrom.

Zum Abschluss dreht sich der Ober noch einmal zur Kamera, professionell mir einem Handtuch über den Arm geschlagen und der Rotweinflasche in der Hand. Dazu noch der einprägsame Text:

NICHT ABSERVIEREN! GLEICHSTELLUNG DURCHSETZEN!

***** MEINE MEINUNG UND FAZIT

Dieser Bericht berührt mich aus verschiedenen Gründen immer wieder.

Ich habe schon seit vielen Jahren (seit meiner frühen Kindheit) Bekanntschaften mit geistig und/oder körperlich behinderten Menschen. Viele Kontakte kamen durch meine Eltern zustande, in deren Bekanntenkreis gelegentlich behinderte Menschen vorkamen. Mein jüngerer Bruder und ich haben dann mit diesen behinderten Kindern gespielt, wie mit jedem anderen Kind auch. Damals war uns dies nicht wirklich bewusst, doch hat es uns gar nicht erst zu falschen Verständnissen kommen lassen können. Es hat uns nicht interessiert... und das tut es auch heute nicht.

Leider ist es in der Gesellschaft oftmals so, dass behinderte Menschen ausgegrenzt werden. Gleichgültig, ob es sich um physische oder psychische Erkrankungen handelt. Das Down-Syndrom ist dabei die wohl noch bekannteste Erkrankung, die fälschlicherweise hin und wieder immer noch als „Mongoloismus“ bezeichnet wird.

Dieser Werbespot hat mich daher besonders bewegt, weil er sehr deutlich klar macht, dass es sich bei behinderten Menschen nicht zwangsläufig um „Spinner“ handeln muss. Oftmals sind bei diesen Menschen die Fähigkeiten nicht so gut ausgebildet, wie bei den nicht behinderten Mitmenschen. Dennoch verfügen sie immer wieder über beachtenswerte Fähigkeiten, die es einfach nur zu fördern gilt. Und dies wird in diesem Werbespot eben sehr deutlich sichtbar. Dieser Mann versteht offensichtlich sehr viel von seinem Beruf und überzeugt davon letztendlich sogar die Gäste des Restaurants!

Ich bin mir bis heute noch nicht ganz sicher, weshalb vielen Menschen mit Behinderung (ich meine damit die geistige Behinderung) oftmals dermaßen feindselig und manchmal gar aggressiv begegnet wird.
Liegt es an der Tatsache, dass sie manchmal etwas anders aussehen?
Liegt es an der Tatsache, dass sie Emotionen überdeutlich zeigen, statt sie – wie wir es oft tun – zu verstecken?
Haben wir angst, dass diese Erkrankung ansteckend sein könnte?
Diese Fragen wird jeder für sich selbst beantworten müssen. Berührungsängste sind jedoch das letzte, was diese Menschen brauchen. Und eben das ist es, was hier ganz klar als Botschaft an uns vermittelt werden soll. Wir sollen sie nicht abservieren, wir sollen sie nicht abschieben! Sie sind Menschen wie Du und ich, die eine Chance verdient haben. Und sie sind mit Sicherheit wesentlich liebevollere Kollegen, als so mancher „normaler“ Mitmensch. Gerade die Menschen mit Down-Syndrom sind mir bisher stets ehr freundlich und hilfsbereit begegnet. Ich kenne sie wirklich nur als Mitmenschen mit einem großen Bedürfnis, ihre Emotionen zu zeigen. So kommt es eben auch, dass sie oftmals lauthals lachen, wenn sie einen sehen oder mit einem reden. Das ist kein Zeichen von Dummheit, sondern schlicht und ergreifend von Freude. Allerdings muss man sich schon ein wenig mit diesem Thema auseinander setzen und sich mit diesen Mitmenschen befassen, um meine Argumentationen verstehen zu können.

Bei uns im Wetteraukreis war es früher üblich, dass man zur Konfirmantenfreizeit fuhr und dabei einen kurzen Stopp in einer Behindertenwerkstatt einlegte. Mir ist heute zwar nicht mehr bekannt, wo diese lag, doch meine Eindrücke von dieser Einrichtung werde ich mein Leben lang nicht vergessen können.

Geistig behinderte Menschen (die allermeisten mit dem bekannten Down-Syndrom) haben dort mit uns Konfirmanten einige Stunden zusammen gebastelt und allerlei Dinge hergestellt, die später offensichtlich verkauft werden sollten. Nach anfänglichen Berührungsängsten, haben plötzlich alle begeistert mitgearbeitet und bestimmt eine Menge mehr an Verständnis und Mitgefühl mitgenommen. Man muss einfach erlebt haben, wie diese Menschen auf einen reagieren. Es ist einfach zu schwer, dies in Worte zu fassen.

Dieser Werbespot für das EJMB 2003 hat mich wieder an diese Zeit erinnert. Denken wir nun an manche Nachrichten, bei denen Jugendliche Behinderte verprügelt haben, nur weil sie eben behindert sind (egal, ob geistig oder körperlich), so sollten wir uns eben besinnen und darüber nachdenken, um welch liebenswerten Mitmenschen es sich in der Regel handelt!

Ein Bekannter hat vor vielen Jahren einen geistig behinderten Jungen adoptiert. Dieser Junge ist immer mit uns nach Südfrankreich gefahren, wo unsere Gemeinde eine Partnerstadt hat. Damals dürfte der Junge wohl 10 Jahre alt gewesen sein, als ich ihn kennen gelernt hatte. Dies liegt nun 16 Jahre zurück. Heute ist er ein junger Mann, der trotz Behinderung seinen Weg geht. Und das, obwohl er immer auf seine Eltern angewiesen sein wird. Dieses Ehepaar verdient mehr als meine bloße Anerkennung! Sie lieben diesen Jungen/Mann, als ob er ihr eigener, leiblicher Sohn wäre! Und dies war ein weiterer Grund, weshalb ich für dieses Thema sehr früh sensibilisiert wurde.

Dieser Werbespot ist daher sehr stark mit Emotionen behaftet, die beim Betrachter unterschiedlich zutage treten werden. Ich hoffe jedoch, dass alle, die diesen Spot sehen, einmal mehr darüber nachdenken, welche Botschaft dahinter steckt.

***** BEMERKUNG

Ich hoffe, dass ich Euch diesen Werbespot ein wenig näher bringen konnte, und dass vielleicht der eine oder andere ein wenig darüber nachdenkt, was hinter dieser Botschaft steckt.
Sollte diesem bericht über den Fernsehwerbespot vom EJMB 2003 noch irgendetwas Wichtiges fehlen, so lasst es mich doch bitte bei den Kommentaren wissen. Natürlich freue ich mich aber auch immer wieder über jeden weiteren, freundlichen Eintrag.
Vielen Dank an Ciao, das mir diese Kategorie freigeschaltet hat!

Vielen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren!!!

© 2003 Lars Hermanns   

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