EURO - die neue Währung

Erfahrungsbericht über

EURO - die neue Währung

Gesamtbewertung (139): Gesamtbewertung EURO - die neue Währung

 


Kleingeld und Schlangen vor den Kassen

2  15.12.2001

Pro:
-  -  -

Kontra:
-  -  -

Empfehlenswert: Ja 

Weltenmeister

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Erfahrungsberichte:191

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Ich werde hier nicht über das Pro und Kontra des Euro als Währung reden. Aber eine Währung besteht auch aus Münzen und Scheinen, die - als Objekte - von alltäglicher Bedeutung sind. Viele haben wohl schon die Entwürfe dieser Objekte gesehen, aber nur wenige hatten sie bislang tatsächlich in der Hand. Nun, zwei Wochen vor der Einführung, gibt es mit den Starterkits (ein weder deutscher noch in diesem Sinne europäischer Name, denn es ist keine englischsprachige Nation daran beteiligt) die erste Möglichkeit, zumindest die Münzen einmal selbst in der Hand zu halten.

Das erste, was mir auffällt, ist ihr Glanz. Gut, sie sind neu, frisch aus der Prägeanstalt, da muß das wohl sein. Aber dieser Glanz ist auch dadurch irritierend, daß er bei allen Münzen trotz der unterschiedlichen Materialien gleich ist und derart blended, daß ich nicht zu erkennen vermag, was eine Münze wert sein soll. Im grellen Tageslicht wirken sie alle gleich, obwohl bei genauerer Betrachtung im Halbschatten die Centwerte rotkupferfarben, die Zehner eher goldfarben und die Eurostücke eher silberfarben strahlen, letztere mit einer Einlassung vom Goldenen der Zehner.

Im Alltagsgebrauch wird man die Münzen aber ohnehin eher im Dunkelnen haben, zum Beispiel im Portemonnaie. Also würfele ich mal eine Handvoll der Münzen zusammen und halte sie in der halbgeschlossenen Hand. Nun kann ich eigentlich keine Farbe mehr differenzieren, allesamt wirken sie leicht goldfarben. Das erscheint mir etwas unpraktisch.

Später werde ich einen Test im Kunstlicht machen. Dabei kann ich die Centwerte besser als rötlich erkennen, während der Rest nicht mehr auseinander zu halten ist. Es gibt aber folgende Münzen: 1, 2, 5, 10, 20 und 50 Cent sowie 1 und 2 Euro. Mit dieser Neueinführung hätte man auch einen großen Wurf machen können, denke ich, was die Handhabung betrifft. Der erste Eindruck sagt eher, daß dies nicht gelungen ist.

Während ich die Münzen einzeln in der Hand halte, fällt mir auf, daß sie schwerer zu sein scheinen als die entsprechenden Stücke in unserer alter Währung. Jetzt versuche ich einen genaueren Blick, möchte wissen, welche Münze was ist. Hier stört mich nun der Glanz, aber auch der Umstand, daß die Prägung weniger tief zu sein scheinen. Mit Mühe nur kann ich die etwas abgehobenen Ziffern auf den Münzen erkennen. Eher kann ich all die Verzierungen erkennen, die auf der Vorderseite noch eingeprägt sind. Besonders schlimm wird dies bei den beiden Euro-Münzen, da hier die Ziffer über die Grenze von silber- zu goldfarbener Oberfläche hinweg geht.

Münzen erkennt man an verschiedenen Aspekten ihrer Erscheinung. Zunächst die Größe und Farbe, dann Gewicht und Kennzeichnung, schließlich auch an Dicke und dem Rand. Die Farbe nützte mir bislang wenig. Wie sieht es mit der Größe aus? Ich ordne sie der Reihe nach an, es ergibt sich: 1, 2, 10, 5, 20 cent, es folgt die 1 Euro, dann erst die 50 Cent und schließlich als größte die 2 Euro. Also kann ich mir der Größe allein auch nichts anfangen, da sie offensichtlich nicht den Wert widerspiegelt. Mehr noch: außer dem 1 Cent-Stück sind die anderen Münzabstufungen in der Größe nur minimal, mit den geringsten Differenzen zwischen dem 5 und 20 Cent-Stück sowie dem 50 Cent-Stück und der 1 Euro-Münze.

Aus einer Vorabinformation weiß ich, daß die Münzen unterschiedlich dick sein sollen. Das war mir bislang noch gar nicht aufgefallen, außer daß die Cent-Stücke etwas dünner wirken, was aber auch schon an ihren Rändern liegen könnte. Außerdem hieß es dort auch, daß die beiden Euro-Münzen eine Ausnahme darstellen würden. Und in der Tat, die Reihenfolge von unten nach den 10 Cent scheint hier kurioserweise 2 Euro, 20 Cent, 1 Euro und 50 Cent als dickste zu sein. Damit wird diese Vorabinformation zu beschönigenden Lüge, denn die Dicke sagt herzlich wenig über die entscheidenden Werte. Allerdings spielt sie sowieso kaum eine Rolle, denn die Unterschiede sind viel zu gering, um sie ohne einen genauen Vergleich erspüren zu können.

Durch den Umgang mit den Münzen in der Hand fällt mir nun noch intensiver ihr Rand auf. Zuvor stach mir schon die 20-Cent-Münze ins Auge, denn sie hat nicht nur einen geriffelten Rand wie die anderen größeren Münzen, sondern acht regelrechte, ziemlich unschöne Einkerbungen. Immerhin: dadurch wird sie zur besterkennbaren bislang. Die 1, 2 und 5 Centsücke haben einen glatten, sogar leicht abgerundeten Rand. Daran traue ich mir zu, sie in Zukunft am ehesten zu erkennen. Dazu kommen dann die Größenunterschiede, so daß ich bei diesen Winzlingen im Wert die geringsten Probleme sehe.

Die fünf anderen Münzen haben eine Form von Riffelung, grob bei den Centstücken, fein bei den Euros. 10 Cent und 50 Cent unterscheiden sich nicht in der Form der Riffelung. Dadurch, daß die 20 Cent-Münze abweicht kann man wohl leicht lernen, sie zu unterscheiden. Bei genauerer Betrachtung fällt auf, daß auch die 1 Euro-Münze in acht Segmente aufgeteilt ist. Riffelung und glatter Rand wechseln sich hier ab, doch ist das durch die Feinheit der Rillen kaum spürbar. Beim 2 Euro geht die Riffelung ganz herum. Aber Moment mal! Warum sieht das so unsauber aus? Irgend wer hat da noch etwas eingestanzt. Man kann es eigentlich nicht erkennen, durch die geringe Tiefe, einer unsauberen Ausarbeitung und die vielen Rillen. Es sind Buchstaben, oder? Ja, sicher! Mit Mühe und mehr Raten komme ich dahinter, daß sich hier das wiederfindet, was bei unserem 5-Mark-Stück gegeben war: Einigkeit und Recht und Freiheit soll es heißen. Nanu? Das ist doch ein deutscher Spruch, urdeutsch gewissermaßen und hymenmäßig verewigt. Was hat das denn auf einer Euromünze zu suchen?

Die Vorderseiten der Münzen zeigen mir ihren Wert. Wie schon gesagt, ist das eher schlechter erkennbar. Daneben kann ich bei den kupferfarbenen Münzen eine Globusansicht auf Europa zentriert erkennen. Die goldfarbenen zeigen, in senkrechten Linien mit Sternchen eingebettet und deswegen schon schwieriger zu entziffern, Westeuropa wie auf einer Karte. Rechts unten neben den Wertangaben befindet sich ein Krümel, seltsam isoliert. Was ist das? Ein Punkt, ein Mini-Euro-Zeichen? Ich bemerkte ihn sogar erst dadurch, daß ich an Schmutz dachte und ihn wegzukratzen versuchte. Ich weiß nicht, was die verrückten Designer sich hier dachten, jedoch, als ich nach einigen Stunden die Münzen noch einmal anschaute für diesen Bericht, begann ich zu glauben, dies könnte ein winziger Teil der Europakarte sein, irgend ein Teil im Nahen oder Mittleren Osten. Was soll das?

Im Starterkit sind drei 50er; einer zeigt bei mir noch mehr Unebenheiten, aber das scheinen tatsächlich Kratzer und Oberflächenfehler zu sein. Vertrauen in die neue Währung, die so flüchtig entworfen und geprägt wurde? Bei den beiden Euro-Münzen sieht man, größer nun, wieder die Karte von Westeuropa, dieses Mal an der anderen Seite. Und hier fällt mir dann das auf, was schon bei den anderen Stücken seltsam war: Griechenland ist kaum zu erkennen, liegt gewissermaßen außerhalb der Karte als angedeutete Verunreinigung. Denkt man so über diese Bundesgenossen?

Damit ist man schon am Ende mit den oberflächlichen Unterscheidungsmerkmalen. Denn die Rückseiten sind ja alle national verschieden! Die deutschen Münzen weisen drei verschiedene Motive auf, geordnet nach ihrem Oberflächenmaterial. Die kupferfarbenen zeigen das übliche Blatt, die goldfarbenen das Brandenburger Tor, die gemischten Euro den Bundesadler in einem Kreis von zwölf Sternen. Die zwölf Sterne, auch Elemente der Vorderseite in den Verzierungen mit den Linien, symbolisieren wohl die zwölf an dieser Währung beteiligten Staaten. Das ist schon wieder irritierend, denn was macht man, wenn wirklich weitere Nationen sich beteiligen wollen? Wieder neue Münzen herstellen?

Diese nationalen Unterschiede in den Rückseiten, deutlicher wohl noch bei den erst ab Stichtag erhältlichen Scheinen, inklusive dem seltsamen Rand der 2 Euro-Münze sind das genaue Gegenteil dessen, was man mit der Währung eigentlich beabsichtigt. Eine Währung überall - das heißt für mich nicht, daß man die Münzen und Scheine in Betonung altem Nationalstolzes jeweils anders gestaltet. Nun wird irgend wann eine Durchmischung stattfinden, denn die Stücke sind, unabhängig von ihrer Rückseite, in allen beteiligten Nationen als Währung gültig - das mildert zwar dies, verstärkt aber die Unterscheidungsprobleme. Von Schwierigkeiten, Fälschungen von Laien zu erkennen, gar nicht zu reden. Ist das nun ein griechischer oder portugiesischer 200-Euro-Schein oder hat sich hier ein Fälscher einen Witz erlaubt? Ach ja, vielleicht hat es der eine oder andere nicht bemerkt, deswegen will ich es hier noch einmal als Herausstellung wiederholen: die Rückseiten der Münzen tragen - anders als bei den Scheinen - keinerlei Wertangabe. Die Folgen kann man sich gut vorstellen: man wird im Normalfall jede Münze wenden müssen, bevor man sie ausgibt (in Abwandlung und zwangsweiser Anwendung eines Sprichwortes).

Bei den alten deutschen Münzen konnte ich mal "stolz" darauf sein, sie anhand von Durchmesser, Dicke, Gewicht und sogar am Klang nach dem Fallen auf einen harten Untergrund im Dunkeln zu unterscheiden. Bei den Euros brauche ich das erst gar nicht zu probieren. Am ehesten geht es sogar noch am Klang, wenn auch die Unterschiede minimaler sind als bei den gewohnten deutschen. Damit sehe ich es voraus: nicht nur lange Schlangen vor den Kassen in den ersten Wochen nach der Umstellung, sondern auch darüber hinaus. Vorallem alte oder sehbehinderte Menschen werden aufgeschmissen sein. Die Ränder sind zwar nützlich, aber in dieser Form, wie ich aus Erfahrung weiß, gerade nur von Blinden verwendbar. Meiner 85-jährigen Großmutter mit ihren Arthritisfingern brauche ich erst gar nicht den Unterschied zu erklären zu versuchen.

Durch die Beobachtungen hatte ich die einzelnen Münzen öfters in der Hand. Und siehe da: sie verloren ihren Glanz, wurden matt. Bemerkenswert war allerdings das Tempo, am schlimmsten beim 10-Centstück: ein wenig Reiben zwischen zwei Fingern genügte. Die neuen Münzen wirken jetzt schon bei mir nicht mehr neu. Bei den deutschen Münzen alter Prägung gelang mir dies gar nicht oder erst sehr viel später. Schlimmer noch, es scheint keine "harte" Währung zu sein, denn ein bißchen Klimpern hinterließ auf den meisten Stücken Spuren. Meine 50er haben Kratzer und Schleifspuren, jetzt schon. Der verblassende Glanz hat zumindest für die Erkennbarkeit günstigere Folgen, denn die geringen Profilränder, etwa der Ziffern, treten so klarer hervor.

Zu den Scheinen kann ich natürlich noch nichts sagen. Ihr Entwurf wirkt nicht sehr hübsch. Man hat mit der Dominanz einer Farbe ein Unterscheidungskriterium geliefert, wobei man benachbarten Noten starke Kontrastfarben gab. Wie das in der Praxis funktioniert, muß sich erst noch erweisen. Für mich wirken sie, in ihrer Ungewohnheit, noch ziemlich leer mit ihrem weißen Abschnitt bzw. reichlich bunt und unübersichtlich im Rest. Dazu sind sie unterschiedlich groß, in der Länge - dieses Mal tatsächlich in der Wertreihenfolge aufsteigend - jeweils knappe sieben Millimeter. Bezogen auf die einzelnen Längen der Scheine sind das rund fünf Prozent - das könnte zur Unterscheidung nach Eingewöhnung genügen. In der Höhe gibt es nur fünf Größen, die 100, 200 und 500 Euro-Scheine sind in diesem Aspekt identisch - was irgendwie inkonsequent scheint. Witzig ist das Copyright-Zeichen auf jeder.

Fazit dieses ersten Eindrucks: die Münzen sind nicht gerade schön (wie auch die Scheine), sie sind aber vorallem schwer unterscheidbar und man hat beim Entwurf anscheinend fast alles getan, hier dem Normalbürger das Leben schwer zu machen. Ausnahme sind die Ränder, jedoch wurden sie nicht nur in Zusammenarbeit mit Blindenverbänden erarbeitet, sondern richten sich eben nur an Blinde, nicht aber dem "gewöhnlichen" Sehbehinderten. Die Entwürfe sind irgend wie typisch künstlerisch und weltfremd, etwa so wie auf Briefmarken seit langem, wo nicht Philatelisten sich häufiger schon fragten, was da dargestellt sein soll. Man hätte mit der neuen Währung hier viele Verbesserungen angehen können, doch man hat den großen Wurf so ziemlich verpaßt. Die nationalen Unterschiede in den Rückseiten ist eine Form von Gegenkarikatur der hinter dem Euro stehenden Idee und schlicht blamabel, stellen aber mit ihren fehlenden Werangaben für den Konsumenten, der auch mal in einem Supermarkt mit Bargeld bezahlt, die größte Herausforderung dar.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
supercooldave

supercooldave

28.03.2002 12:37

Cooler Bericht, ein sh von mir !!! Mit freundlichen Grüßen supercooldave

FrancanNicole

FrancanNicole

18.01.2002 16:51

Hi! Dein Bericht ist wirklich gut! Wenn du mehr pros und contras zum Thema Euro haben willst, dann schau doch einfach mal bei mir vorbei! Ich habe auch einen Bericht dazu verfasst! LG Nicole

stemhager

stemhager

08.01.2002 00:45

irgendwie fehlt eigentlich nur noch eine spektrographische Analyse, oder ist Dir die zu aufwendig? Warum ziehen eigentlich immer alle über alles Neue her???

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