Notwendiger Schritt, aber nicht um jeden Preis!
19.09.2002
Pro:
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Kontra:
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Empfehlenswert:
Ja
 Mannerman
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Hallo Lieber Cafehaus-SitzerInnen, Was bewegt mich ueber die EU-Osterweiterung zu schreiben? - Nun, gute Frage, ich will es mal so beantworten: Ich bin ein politisch sehr interessierter Mensch und verfolge die (Un-)Taten der EU und vieler anderer Organisationen und Laendern sehr genau. Da ich die letzten 4 Jahre ziemlich viel im "Ostblock" unterwegs war und ich auch dort zum Teil gelebt habe, weiss ich welche Zustaende in manch dieser Laendern herrschen.Um das ganze zu praezisieren: Ich habe Laender wie Polen, Ungarn, Tschechien und Slowenien besucht, habe fast 4 Monate in der Ukraine gelebt und bin derzeit in Russland "stationiert". Nun zum eigentlichen Thema: ***************************Meiner Meinung nach ist eine Erweiterung der Europaeischen Union in Richtung Sueden und Osten unumgaenglich, doch mir persoenlich ist es wichtig, dass das ganze nicht um jeden Preis geschieht. Ich nehme gerne Ungarn als Beispiel, da es ein Land ist, das an ein EU-Mitglied grenzt (Oesterreich) und daher schon sehr "westlichen" Einfluss erfahren hat. Wenn man die (zum Teil) gut restaurierten Strassen in Budapest so entlang schlendert, dann koennte man meinen, dass man sich in Wien befindet. Das Strassenbild bessert sich von Tag zu Tag, und die Mittelschicht hat schon mehr als nur Einzug gehalten. Doch wenn man Budapest verlaesst und mehr Richtung Osten faehrt, dann merkt man doch noch sehr stark, dass man sich in einem ehemaligen kommunistischen Land befindet. Die Strassen und Autos sind schlechter und die Bevoelkerung (vor allem am Land) ist noch sehr arm.Daher frage ich mich: Ist es sinnvoll Laender, die noch mit wirtschaftlichen, politischen, sozialen und vor allem infrastrukturellen (gibts das Wort?) Problemen kaempfen, in eine Organisation aufzunehmen, die sich selber noch nicht strukturell im Griff hat. Ich meine damit besonders interne organisatorische Probleme der EU wie die zukuenftige Aufteilung der Sitzeverteilung im europaeischen Parlament und aehnliches. Ist es nicht besser zuerst die bestehende Organisation zu optimieren um moegliche Probleme bei einer Erweiterung von vorn hinein abzublocken? Mir ist nach wie vor unklar warum Politiker wie Herr Chirac oder Herr Schroeder diese Erweiterung mit allen Mitteln voranpeitschen wollen. Eine so grosse Reform kann doch nicht ein 100m Lauf sein, ganz im Gegenteil, es sollte ein Marathon sein, der etappenweise bestritten werden soll, denn bei einem Scheitern zahlen wir als Buerger der EU den Preis und Politiker wie Chirac werden sich von jeder Verantwortung entziehen. Eine weitere wichtige Frage fuer mich: Und wohin fuehrt diese EU-Erweiterung? Haben wir in zehn Jahren Mitglieder wie Tuerkei, Georgien, Ukraine oder Weissrussland? Meiner Meinung nach ist ein Land wie die Ukraine nicht im Stande in den naechsten 20 Jahren Mitglied der EU zu werden. Die sozialen, politischen und vor allem wirtschaftlichen sind einfach zu gross und es wird Jahre dauern bis sich eine Stabilisierung einstellt. Die noetigen Reformen fehlen und Praesident Kutchma macht auch keine Anstalten irgendetwas in diese Richtung zu unternehmen. Daher mein kurzes Fazit: Grundsaetzlich bin ich fuer die EU-Ost-Erweiterung, doch nicht zu jedem Preis. Wenn die Zeit reif ist, dann sollen neue Laender in die Union aufegnommen werden, doch wenn ein Land wie die Ukraine Mitglied wird, dann muss ich Asyl in den Vereinigten Staaten beantragen, denn das waere der Anfang vom Ende der Union. MfG, Mannerman
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02.05.2004 00:09
ich bin für die Osterweiterung, sicher nicht um jeden Preis, wie du richtig sagst; aber Länder wie Polen, Tschechien und Ungarn z.B. sind nun mal Europa, sie wurden ja nur politisch abgetrennt davon. Ich denke die Probleme, die sicherlich entstehen werden, sind lösbar...
28.09.2002 18:44
Viele extrem linke, aber wirtschaftlich (sorry) dumme Menschen haben gerade das Argument, dass sich diese Länder gut entwickeln würden, wenn sie erstmal schnell in die EU aufgenommen werden. Das ist völliger Quatsch. Aus dem Grund (und aus anderen) bin ich auch gegen die Mitgliedschaft der Türkei in der EU- Zumindest in den nächsten 50 Jahren. Wenn ich mit Leuten rede, die Staaten aus "menschlichen" Gründen aufnehmen wollen sage ich immer "Man kann aus 2 halb vollen Eimern keine 2 vollen Eimer zaubern".
27.09.2002 23:35
Hallo! Tja, sogar mir als EU-phoriker (und bestimmt kein FPÖ Wähler) kommen da auch so die Zweifel auf... Ich denke, dass die Osterweiterung zu sehr vorangetrieben wird und dass es dafür einfach noch zu früh ist. Zwar wären die neuen Nettozahler sicherlich willkommen, jedoch haben die selbst noch genügend Probleme, die vielleicht zuerst in den Griff bekommen werden sollten. Was mich jedoch beunruhigt ist, dass die Wirtschaft dermassen auf die Erweiterung pocht. Sicherlich aus einem wichtigen Grund - billige Arbeitskräfte!! In den letzten Jahren hat man ja in grossem Umfang Produktionsstätten in den Osten verlegt, da trotz Zoll eine Fertigung im Osten billiger kam. Sogar gewinnbringende Betriebe wurden stillgelegt bzw. in den Osten übersiedelt (Stichwort Semperit). Bei der Rekordarbeitslosigkeit in der EU sind das erschreckende Tendenzen, die durch die Erweiterung weiter verstärkt und völlig unkontrollierbar werden. Was machen denn dann all die Leute im Westen, deren Arbeitsplätze 'abgewandert' sind? Von den kulturellen Unterschieden will ich gar nicht erst anfangen. Vor 10 Jahren gerade mal dem Kommunismus entronnen - wie soll denn da ein Gefühl für die Idee Europa, welche in den letzten 50 Jahren aufkommen? Vor allem Rumänien und Bulgarien sind noch weit entfernt, in jeder nur erdenklicher Hinsicht. In 20 - 30 Jahren ist ein Beitritt vielleicht diskutabel, aber 2004 bzw. 08 der programmierte Untergang der EU. Die Politik ist diesbezüglich anscheinend zu blauäugig und zu idealistisch, aber letztlich wird die EU an diesen Ländern zerbrechen. Deutschland hat nach 10 Jahren die Integration der DDR wirtschaftlich noch nicht verkraftet. Auf Biegen und Brechen, um jeden Preis musste die Wiedervereinigung ja stattfinden, nur damit ein dicker Politiker in die Geschichte eingeht. Und in dieser Hudlerei hat man gravierende Fehler gemacht. Jetzt aber will man die selben Fehler - aber gleich im ganz grossen Stil - nocheinmal machen. Na gute Nacht! LG, M:)