Earquake - the Loudest Classic - Various

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Earquake - the Loudest Classic - Various

Ginastera; Nielsen; Respighi; Ibe (Komponist) - 1 - CD - Ode - Note 1 - 1. Januar 1996 - 0761195089422

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Erfahrungsbericht über "Earquake - the Loudest Classic - Various"

veröffentlicht 01.05.2007 | dahmane
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http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/janne-teller-zur-last-der-de utschen-geschichte-14221785-p5.html?printPagedArticle=true#pageIndex_5 Zutiefst anrührend ...
Nichts für mich
Pro Lärm
Kontra zu schön, um wahr zu sein, aber leider doch wahr.
sehr hilfreich

""Lauter! Ich kann den Gesang noch verstehen!""

Das selten dämliche Cover

Das selten dämliche Cover


1

Was die Leute von der Heavy Metal - Fraktion können, das können wir schon lange, haben sich vor etwas mehr als zehn Jahren die Jungs von Ondine gesagt (einem feinen kleinen Label aus Finnland, das sich der Verbreitung der skandinavischen Musik verschrieben hat), und daraufhin EARQUAKE produziert. Herausgekommen ist ein veritables Kuriosum.
Die Idee erschien ebenso einleuchtend wie simpel. Vermutlich ist sie an einem Saunaabend entstanden, bevor sich die Herren von Ondine in den See stürzten oder sich im Schnee wälzten: in den Augenblicken überhitzter Mattigkeit hält man vermutlich sogar die eigenen Fürze für Emanationen des Weltgeistes.
Nun hat aber das Eiswasser die Herren nicht wirklich abgekühlt, sondern die wirren Ideen nur, sagen wir, auf Eis gelegt, bis sie der Wodka danach wieder auftauen und neu befeuern konnte.
Machen wir doch mal richtig Lärm, werden sie sich gesagt haben, so richtig megamordsmäßig Lärm. Was die Leute von der Heavy Metal - Fraktion können, das können wir schon lange! Und dann haben sie überlegt, welche Musik aus dem überquellenden Fundus der Klassiker denn den Lärmorgien der U-Musik am nächsten käme.

2

Statt ehrlich zuzugeben, daß nichts, was je ein ernst zu nehmender klassischer Komponist geschrieben hat, dem auch nur annähernd nahe kommt, haben sich die Herren auf die Essentials besonnen: Heavy Metal ist laute Musik mit viel hämmerndem Rhythmus und vermutlich - das legt der Name nahe - metallischen Geräuschen.
Na, haben sie gedacht, das haben wir doch auch.
Das war ein grandioser Fehlschluß. Sie hatten es nicht. Sie hätten es haben können, aber auf einer ganz anderen Ebene. Aber nein. Sie wollten Tanz und Ringelreihen, wie I-Ah sagen würde, und das haben sie bekommen.
Unbestritten - die Komponisten des 20. Jahrhunderts haben nervtötende Tänze geschrieben, die ganz und gar und völlig authentisch aus brutalen Rhythmen leben und daraus, daß harmonische Härten nicht vermieden werden. Aber unter diesen Komponisten scheinen weder Skandinavier noch (was gerade noch zulässig gewesen wäre) Russen gewesen zu sein. Was die ausweislich dieser Sammlung zustande gebracht haben, sind sehr hübsche Tänze, lärmende Ereignisse, zu denen - durchaus und gut herauszuhören - wahrhaftig Kastagnetten gespielt werden, wie in Ginasteras "Malambo" (Track 8). Das klingt, gerade in diesem Zusammenhang, einfach nur abartig.

3

Es gibt Gegenbeispiele in der klassischen Musik. Bei der Uraufführung des "Sacre du Printemps" von Igor Strawinsky standen die Tänzer weinend auf der Bühne, weil sie vor dem Lärm überall (auch unten im Zuschauerraum) den Rhythmus verloren hatten.
Während der Generalprobe zu seiner zweiten Oper, "Elektra", lief Richard Strauss nach vorne und schrie den Dirigenten an: "Lauter! Ich kann den Gesang noch verstehen!"
Aber solche Eruptionen werden Sie hier vergeblich suchen. Zwar steigern sich die Stücke immerhin so weit, daß sich Kastagnetten irgendwann verschwinden, aber dafür spielt man dann das Xylophon. Das klingt nach klappernden Knochen, aber nicht nach Lärm. Und heißt, wahrhaftig, "Kriegstanz" und stammt von dem eher kaltblütigen Erwin Schulhoff, an den man sicher erinnert, weil er 1942 im KZ nicht gestorben ist, das wollen wir nicht sagen, das ist zu hart, sondern umgebracht wurde. Ja..
Wer davon was haben will, muß schon den Regler bis hinten gegen aufdrehen.
Was ja, nebenbei angemerkt, überhaupt das Problem für Hörer der klassischen Musik ist. Sie ist zu differenziert. Will sagen, sie schreitet fast immer einen ungleich größeren dynamischen Raum aus als die U-Musik und gefällt sich dabei auch noch in harmonischen und rhythmischen Absonderlichkeiten, die ganz absichtsvoll den geradlinigen Gang des Geschehens stören. Das ist Kunst.

4

Deutlich wird das bei Track 11, von William Bolcom, "Machine". Es fängt gut an, wie ein überdimensioniertes, gewaltiges Schreibmaschinengehämmer, aber das geht keine 20 Sekunden gut, dann tritt des Gehämmer in den Hintergrund, es entfaltet sich eine saubere motivische Arbeit, und die zerfällt nach 50 Sekunden in sinnlose - auch dramatisch sinnlose - rhythmisierte Melodiefetzen. Nach ziemlich genau zwei Minuten hat sich das Ganze unauffällig totgelaufen, und auch die Reprise vermag daran nichts zu ändern. Und so ist alles. Belanglos. Nicht wirklich laut. Nicht wirklich dramatisch. Und schon gar nicht verstörend.
Zwei Besonderheiten sind allerdings zu vermelden. Wir sind nach 48 Minuten keineswegs so verstört, wie die Macher dieser Scheibe das gerne hätten, ganz gleich, wie weit wir den Hahn aufdrehen. Aber dann kommt, als ein wirklicher Ruhepunkt, eines der schönsten Stücke, das ich kenne, ein Ausschnitt aus Einojuhani Rautavaaras Violinkonzert "Angel of Light", aus dem dritten Satz, der überschrieben ist "Come un sogno", wie ein Traum. Das wirkt hier wirklich so, als wäre, was wir uns erträumen, das einzig wirklich Wirkliche und Vernünftige.

5.

Tja, und dann…
"Hekla", von Jon Leifs. Hekla ist Islands größter Vulkan. Das merkt man. Alle 140 Mitglieder des Orchesters haben darauf bestanden, während der folgenden neun Minuten Ohrenschützer zu tragen. Es fängt ziemlich verhalten an. Aber schließlich und endlich wollen beschäftigt werden: 22 Schlagzeuger. Jawohl. 22 Schlagzeuger, die offenbar auf alles einschlagen, was möglichst eindrucksvoll Lärm macht. Sodann ein Chor menschlicher Brüllaffen. Außerdem Kanoniere, die echte Kanonen abfeuern. Jawohl, verehrtes Publikum, setzen Sie Ihre Ohrschützer nicht auf, echte Kanonen.
Es werden, triumphiert das Booklet, Steine beschlagen, Stahlketten geschmiedet, Ambosse zerschlagen, Stahlplatten verbeult und Sirenen angeworfen. Bei alledem gibt es auch noch Melodien. Jawohl, verehrtes Publikum. wir sind Klassiker. Wir haben auch noch Melodien im Angebot. Ist es nicht der reine Wahnsinn? Sauron dreht durch.
Da wollen wir nicht stören. Ich höre lieber Bela Bartoks Erstes Klavierkonzert. Das ist härter als alle Ambosse und Kanonen zusammen. Und aufregender. Und schöner.


Bei amazon noch gebraucht zu bekommen, bei jpc auch neu, für knapp € 6. Das ist der Spaß wert.

P.S. Die meiste Musik der Heavy Metal - Fraktion mag ich auch nicht. Unterträglich langweilig. Ich bewundere immer noch eine ehemalige ciaoistin, die in einem Bericht schrieb, sie würde die Musik manchmal auf volle Lautstärke drehen und eine Stunde nackt durchs Zimmer tanzen. Da wäre ich gerne das Zimmer.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • himmelssurfer veröffentlicht 16.02.2008
    Klingt überaus scheußlich.
  • Pik7 veröffentlicht 30.05.2007
    Was Du Dir alles so für Scheiß kaufst (obwohl es doch wohl kaum Produkt der Woche war).
  • MaiTai4 veröffentlicht 17.05.2007
    Genial! DAs ist Vergewaltigung der Ohren...ernsthaft abzulehnen...LG Pet
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Produktdaten : Earquake - the Loudest Classic - Various

Produktbeschreibung des Herstellers

Ginastera; Nielsen; Respighi; Ibe (Komponist) - 1 - CD - Ode - Note 1 - 1. Januar 1996 - 0761195089422

Haupteigenschaften

Titel: Earquake - the Loudest Classic

Künstler: Leif Segerstam; Philharmonisches Orchester Helsinki

Komponist: Ginastera; Nielsen; Respighi; Ibe

Genre: Sinfonien

Medium: CD

Set-Inhalt: 1

Veröffentlichungsdatum: 1. Januar 1996

Label: Ode

Vertrieb: Note 1

EAN: 0761195089422

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