Rosamunde Pilcher im Vampire-Milieu: blutleer und langweilig
13.06.2011 (12.10.2011)
Pro:
glücklicherweise hab ich kein Geld dafür ausgegeben
Kontra:
langweilig, unlogisch, pathetisch
Empfehlenswert:
Nein
 Feldhamster1984
Über sich:
Mitglied seit:06.03.2005
Erfahrungsberichte:149
Vertrauende:6
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 42 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
=Allgemeines:= Die gläubige Mormonin Stephenie Meyer hat mit der Saga rund um Bella und Edward einen Meilenstein in der "Young Adult"-Literatur geschaffen. Die Liebe zwischen dem gutaussehenden Vampir Edward und der menschlichen (Isa)bella Swan riss nicht nur Leser zu Begeisterungsstürmen hin, sondern führte auch unweigerlich zur Verfilmung der Saga. Mit "Twilight", "New Dawn", "Eclipse" und "Breaking Dawn" wurden Robert Pattinson und Kristen Stewart zu reichen jungen Stars, die die Jugendzeitschriften beherrschen und mit ihrer Beziehung Stoff für genug "Inside"-Stories liefern.
Der Glaube Stephenie Meyers hat nach ihrer eigenen Aussage große Auswirkungen auf ihr Leben und Wirken. =Trivia:=
Kristen Stewart hatte kurz vor den Dreharbeiten die Dreharbeiten zu "The Runaways" abgeschlossen. In diesem Film spielt sie Joan Jett, die später, zusammen mit den "Blackhearts" einen Hit hatte mit "I love Rock´n´Roll". Da Stewarts Haare zu kurz für Bellas Auftritte waren, diente eine Perrücke als Ersatz, was man in einigen Szenen sieht. Jackson Rathborne, der den Jasper spielt, gibt Bryce Dallas Howard als eine seiner Lieblingsschauspielerinnen an. Im Film spielt sie Victoria und ersetzt damit Rachelle Lefevre.
Ein Schmankerl an Trivia für Musikfreunde: Der "Kalte Mann", der in den Erzählungen der Quileute auftaucht, wird von Peter Murphy gespielt, der, bevor er eine Solokarriere einschlug, mit der Grupe "Bauhaus" erfolgreich war. Eines ihrer bekanntesten Stücke heißt "Bela Lugosi´s Dead" und zitiert damit einen der berühmtesten Dracula-Darsteller. Peter Murphy taucht nur selten als Schauspieler auf - z.B. auch in "Begierde" mit Catherine Deneuve und David Bowie, in dem es auch um Vampire geht. =Ausstattung:=
Zwei DVDs, eine enthält den Film sowie kleine Specials, die andere das Bonusmaterial. Die Kritik zum Bonusmaterial wird nachgeliefert sobald die DVD sich meiner erbarmt und abgespielt werden kann. =Sprachen:= Englisch/Deutsch
=Inhalt:= Edward versucht noch immer, Bella zur Heirat zu überreden, während sie andererseits versucht, ihn zu mehr Intimität zu überreden. Beides schlägt fehl. Derweil werden im nicht so weit entfernten Seattle geheimnisvolle Morde gemeldet und die Cullens argwöhnen schnell, dass jemand dort versucht, eine "Armee" aus neugeborenen Vampiren (also frisch gebissen und verwandelt) aufzustellen. Auch wenn Alice nichts von Victoria fühlen bzw. erkennen kann, drängt sich der Verdacht auf, dass sie dahintersteckt. Doch auch die Volturi, die für Bellas Verwandlung ein Ultimatum gesetzt haben, könnten dahinterstecken.
Schnell zeigt sich, dass beides stimmt - Victoria hat tatsächlich eine Armee aufgestellt um Bella zu töten und für den Tod ihres Geliebten, James, im ersten Teil der Saga, Rache zu nehmen. Die Volturi sind darüber informiert, schauen aber lieber zu als einzugreifen - nicht zuletzt weil sie nur gewinnen können. Entweder der Cullanclan samt Bella wird vernichtet oder sie überleben und die Armee ist vernichtet. Es kommt zum Kampf, die Cullens siegen und Bella willigt ein, Edward zu heiraten. Jacob, der beim Kampf schwer verletzt wird, bittet um Zeit um mit Bellas Entscheidung fertig zu werden, denn auch er liebt sie. Zwar sind er und Edward im Laufe der Geschichte zu einer Art Waffenstillstand gekommen, dennoch hasst Jacob den Gedanken, dass Bella zum Vampir wird - aber eben das will sie.
=Kritik zur DVD:= Ton und Bild sind in Ordnung, doch oft eher unscharf, manche Töne sind eher nuschelig, manche Bilder sehr verschwommen, was auch in der Farbwahl (endlos viel Grün usw.) liegen kann. Allgemein ist es eher befriedigend denn überragend.
=Kritik zum Film:= Ich weiß, sämtliche "Bella und Edward und Jacob"-Freunde werden mich lynchen dafür, aber: "Eclipse" war schon als Buch eine absolute Gurke, als Film ist es noch schlimmer. Auf YouTube gibt es eine, dezent gesagt, Satire auf "Twilight", die sich "Twilight in 1 minute" nennt. In dieser wird sehr schön die Schwäche des Filmes herausgearbeitet und am Schluss sagt das Mädchen, das "Bella" darstellt: This movie does not even have a plot! (Deutsch: Dieser Film hat nicht einmal eine Handlung).
Ich weiß wirklich nicht, was schlimmer ist in dem Film: Pattinsons ewig gequälter Gesichtsausdruck, Stewarts fast zu 100% halb geöffneter Rosamunde-Pilcher-artiger atemloser Schmollmund und ihre weit geöffnete Rehaugen, das wie aus einem Pilcherfilm gestohlene, pathetische Gerede oder die Logiklöcher. Alles zusammen, dazu noch schnulzige Musik, eine Farbauswahl, die einen danach jegliches Grün hassen lässt und die schlecht animinierten CGI-Wölfe (das Rudel), die an "Fuchur, den Glücksdrachen" aus der "Unendlichen Geschichte" erinnern, machen den Film zu einem absoluten Beispiel für "grottenschlecht". Dabei hätte der Film trotz der miesen Handlung etwas werden können. Aber wenn man Edward noch glauben mag, dass er in einem anderen Jahrhundert gelebt hat, stellt sich bei Bella die Frage, wieso zum Geier sie es nicht schafft, einen Satz zu sagen, der entfernt nach einem Mädchen aus dem heutigen Jahrhundert klingt. "Ich habe Verlust, Angst und Tod erlebt" (sinngemäß) und ähnlicher Pathos - das klingt so hochgestochen, so melodramatisch als hätte man es frisch aus "Vom Winde verweht" gestohlen. Auch das blasse Make-Up wirkt dermaßen künstlich, dass man versucht ist zu rufen: Holt euch Tips bei Gothis, ok?
Die Wölfe, die ja doch bedrohlich wirken sollen, wirken wie eine vergrößerte Version eines Schoßhündchens und wenn Bella neben dem Wolf Jacob steht, dann ist das so unfreiwillig komisch, dass einem wenigstens noch zum Lachen ist. Dabei haben es die Regiesseure nicht einmal geschafft, die CGI-Effekte so in die Szenen einzublenden, dass es realistisch wirkt. Das wird am deutlichsten, wenn Jacob, Edward und Bella in einer schneebedeckten Landschaft stehen, wo ab und zu eine Schneeflocke heranweht. Weht! Nein, Bellas und Edwards Haare bewegen sich kaum in der Szene, geschweige denn findet ein wenig Rauhreif oder Schnee seinen Weg auf ihre Kleidung. Wobei die Kleidung allein schon belustigend ist - denn kurz vorher war Bella noch fast erfrierend im Zelt und konnte nur durch Jacobs Wärme gerettet werden (was natürlich den eiskalten Edward nicht gerade freute). jetzt aber turnt sie ohne Mützchen, Handschuhe, Schal etc. durch die Gegend, die Fingerchen sind gut durchblutet, nur ein Leibchen und ein Karohemd halten die Kälte ab (das Hemdchen ist natürlich offen) und Bellas Lippen sind rosig, ganz im Gegensatz zu den Ohren. Ähm... Schnee? Kälte? Wind? Kalte Finger, rote Ohre, rote Nase, blasse Lippen? Nicht in diesem Film. Das ewige Hin-und-Her zwischen Jacob und Edward ermüdet, Bellas "ich liebe euch beide, aber Edward mehr" ist einfach erbärmlich langweilig und dass sie, nur damit Jacob nicht für sie kämpft, ihn dann um einen Kuss anfleht usw. hinterlässt Fassungslosigkeit.
Jane Volturi darf zweimal wieder ihre Grausamkeit beweisen und ansonsten ähnlich leb- und lieblos agieren wie Bryce Dallas Howard, die im Gegensatz zu Rachelle Lefecre keinerlei Leidenschaft rüberbringt, fast kindlich-puppenhaft wirkt ihr Gesicht manchmal. Und die Musik, die penetrant jede dramatische Szene untermalen muss, tut ihr Übriges, um diesen Film zur Qual werden zu lassen. Ich kann wirklich jedem nur davon abraten, sich dieses Machwerk anzusehen, denn es ist einfach grottenschlecht und taugt nicht einmal zum Einschlafen. Bei "Twilight" ist es für mich wie mit "Vom Winde verweht" - manchmal sollte man eine Geschichte ruhig offen enden lassen, statt auf Teufelkommraus Fortsetzungen zu schreiben. Die "Twilight"-Reihe ist ein Beispiel dafür, wie jede Folge schlechter wird bis dann "New Dawn" endgültig zum Rohrkrepierer wird. Glücklicherweise gibt es mittlerweile andere Vampirreihen, die einen den keusch-altmodischen-gequält-schmachtenden Edward ebenso vergessen lassen wie die dauerschmachtende und ihre Hasenzähne und Rehaugen zeigende Bella Swan.
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15.06.2011 07:18
Absolut klasse, ich habe mich grad köstlich amüsiert. Und ich bin Twilight-Fan! :) Ich steh auf die Bücher, muss aber zugeben dass ich das 3. auch ziemlich schwach fand. Und es gibt wirklich keine große Handlung, ich dachte am Schluss "Toll, jetzt sind wir genau da wo wir angefangen haben". Trotzdem haben mich die Bücher im Sturm erobert und ich fand sie sehr schön - ich glaube ich war da einfach schnulzensüchtig (ich war frisch getrennt). Die Filme find ich durchwachsen, den 1. fand ich gut. Den 2. ganz furchtbar. Den 3. wieder ganz okay. Aber generell blutleer und zuviel Werbefilm-Ästhetik. Das mit dem Bauhaus-Typ wusste ich nicht; Bela Lugosi´s Dead ist mein Lieblingslied von denen, aber nur weil ich son Bela-Fan bin :) dein Verriss ist jedenfalls absolut herrlich, köstlich und leider ziemlich zutreffend. Der geschürzte Mund von Bella regt mich auch jedes Mal auf. Danke dafür, zu früher Stunde. Viele Grüße, Ky
14.06.2011 08:45
Gekonnt vorgestellt, seziert und bewertet :)
13.06.2011 22:25
jawoll, der bericht rennt bei mir offene türen ein. ich habe noch nicht einen film aus dieser schmalz-reihe gesehen, aber GENAU SO habe ich mir das vorgestellt, nachdem ich die trailer gesehen hatte. gurss hans