Dieser Erfahrungsbericht wurde von 56 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ein weiteres Buch aus der Tauschtelefonbörse sieht schon von außen so aus, als ob es aus der Zeit stammt, wo jeder zweite Satz mit „Ich zündete mir eine Zigarette an“ anfing. Es heißt Ein Zwilling zuviel und ist vom Autor Michael Avallone.
Zum Äußeren:
Vorne drauf 2 schwarzweiß Zwillinge, Schicksen mit auftoupierten 70erJahre Frisuren, die sich gegenseitig mit einer Pistole bedrohen, dazu Autor, Titel und Verlag Bastei Lübbe.
Rückseite: Michael Avallone ist der Schöpfer des berühmten Pirvatdetektivs Ed Noon. Aufregend wie New York, Ed Noons Heimatstadt, sind seine rasanten Fälle, die in den USA und in zahlreichen europäischen Ländern in Millionenauflage erscheinen.
June Wexler brachte die erste Leiche gleich mi in mein Office und überzeugte mich davon, daß an ihrem Gerede von den wiederholten Mordanschläge etwas dran sein mußte. Nebenbei bemerkt, Freunde: June war eine umwerfende Puppe. Doch als ich dann ihre Schwester April kennenlernte, sah ich mich gezwungen, meine Vorstellungen von Frauen auf der Stelle zu revidieren. June und April waren Zwillinge. In wenigen Tagen wurden sie einundzwanzig. Ein Millionenerbe wartete auf sie. Und ein Testament mit einer teuflischen Klausel. Geld genug für beide. Aber eine von ihnen schien unersättlich zu sein. Ich biß mir fast die Zähne aus an der Frage: April oder June. Dt. Erstveröffentlichung, DM 2,80
Zum Innenleben:
Amerikanischer Titel: The spitting image, Copyright 1953 by Michael Avallone, Lizenzausgabe 1974 Bastai Lübbel, Titelfoto: Universal-Film
Mitwirkende Personen …ihre Jobs und ihre Hobbys Ed Noon … Privatdetektiv – will das Rätsel der Zwillinge lösen und fängt dabei Feuer April Wexler – Dame von Welt – gibt vor sich nichts aus Männern zu machen …. Bull und Doggie …. Ganoven – Spezialität Kidnapping und Brandstiftung Und einige von ihnen müssen sich frühzeitig zur Ruhe setzen Der Roman beginnt dann mit Kapitel 1 auf Seite 7 und endet auf Seite 158. Es folgen noch 2 Seiten Werbung.
Zum Roman:
Ed Noon ist ein gutistuierter Privatdetektiv. Als eines Tages die gut aussehende June Wexler –und nebenbei Millionenerbin- in sein Büro kommt und ihm eine Geschichten von ihrem aufdringlichen Chauffeur Anton auftischt, ahnt er bereits das da irgendwas faul ist. Was wenig später klar wird: Während sie da ist, kommt Anton in das Büro und wenig später ein Unbekannter und eröffnet das Feuer. Anton stirbt beim Schußwechsel, doch es bleibt die Frage: Wem galten die tödlichen Kugeln?
Bei der Recherche trifft Ed auch die bezaubernde Zwillingsschwester April. Obwohl die kühl und abweisend ist, inspiriert sie ihn noch mehr als June. Doch als June von den versuchten Mordanschlägen auf sie hört, wird die Sache knifflig. Nicht zuletzt als der Familienanwalt Randall Crandell von einer besonderen Klausel im Testament berichtet: Beide Frauen werden in 3 Tagen 21 und werden dann ihr 2 Millionenerbe antreten. Aber weil ihr alter Herr irgendwie nicht ganz dicht ist, gibt es eine Zusatzklausel: Nur eine kann erben! Wenn beide zum 21ten Geburtstag noch leben, erhält eine Krebsstiftung das ganze Erbe!
Somit gibt es einige Parteien die einen Grund hätten, das nur eine der Schwestern den 21ten Geburtstag erlebt. Für Ed beginnt eine mörderische Jagd die nicht dadurch einfacher wird, das beide Schwester ihn unabhängig voneinander anheuern, es geschehen weitere merkwürdige Dinge und es tauchen noch mehr Gangster auf. Das einzige was klar ist: Es wird noch mehr Leichen geben….
Textprobe:
(der Anfang des Romans, die ersten Zeilen): Sie stürzte in mein Büro wie die ersten fünf Takte von „Tiger Rag“. Atemlos und gehetzt. Sie hielt sich nicht damit auf, die Tür hinter sich zu schließen; und die Worte sprudelten aus ihrem Mund, bevor ich noch die Beine vom Schreibtisch nehmen und mir die Puppe noch genauer ansehen konnte. „Sie sind Ed Noon. – Helfen Sie mir. – Sie müssen mich beschützen!“ Ich hob beruhigend die Hand. „Nun mal hübsch der Reihe nach, Schwester.“ „Oh, ich dachte nicht, daß…“
Sie brach ab und holte tief Luft. Ihre Wangen waren gerötet, und ihr Atem kam stoßweise. Sie mußte gerannt sein. Wie auf der Flucht.
Meine Meinung:
Wie erwartet: Die Atmosphäre ist wie ein guter alter Film Noir. Da ist der coole und smarte Privatdetektiv a’la Humphrey Bogart und da ist die aufreizende „hilflose Puppe“ a’la Greta Garbo oder Marlene Dietrich. Und hinter der Dame sind die bösen Jungs mit den schweren Kanonen her. Jerry Cotton läßt grüßen. Aber im besten Sinne.
Ed Noon war mir vorher kein Begriff, aber ich glaube wer schon mal Jerry Cotton oder Simon Chandler gelesen hat, kennt den Typ. Ed läßt sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen, aber wenn es geht eine hilfsbedürftigen Klienten zu helfen, sei es vor bösen Kerlen, oder der Kälte im Laken, ist er zur Stelle.
Dienstbeflissen kann er natürlich keine im Regen stehen lassen. Aber hier hat er es direkt mit 2 hübschen schwerreichen extrem unterschiedlichen Schwester zu tun. Und wie der Familienanwalt Crandell offenbart, haben beide einen guten Grund sich gegenseitig umzubringen.
Also wer steckt hinter der geheimnisvollen Mordanschlagserie. Die leichtlebige June, oder die undurchsichtige April, oder steckt am Ende noch was ganz anderes dahinter?
Wahnsinnig originell ist die Story nicht, muß sie aber nicht. Sie ist von der ersten Seite an spannend. Sehr unmoralisch und gradlinig. Hier dürfen die Kerle noch echte Kerle sein und die Frauen dürfen mehr als nur ihren hübschen Körper herzeigen.
Ständig bekommen wir als Leser neue Anhaltspunkte, was wirklich geschehen sein könnte, aber bis zur Auflösung muß man wirklich bis fast zur letzten Seite warten. Und auch die ist nicht wahnsinnig originell, aber spannend und plausibel genug, das man diesen kleinen aber feinen Krimi in einem durchliest.
Fazit:
Kein Meisterwerk, aber ein schöner schneller schnörkelloser Krimi mit einem sehr sympathischen, weil unmoralischen, Helden, der am Ende zwar nicht das bekommt was er will, der aber uns Leser schön an die Hand genommen hat und kurzweilig unterhalten hat. Im besten Sinne des Wortes smarte Klolektüre, weil es so ein dünnes Buch ist und extrem leicht zu lesen ist, sehr verständlich, schön unterkapitelt, so das man es mal schön zur Seite legen kann. Von mir gerne 4 von 5 Sternen und eine feine Lektüre zum nebenbei lesen.
Dieser Bericht wurde auf www.egotester.de zuerst veröffentlicht
Bilder von Ed Noon: Ein Zwilling zuviel / Michael Avallone
23.06.2012 20:18
Wenn du 20 Berichte an einem Tag postest, kann ich leider nicht 20 mal B.H. geben. Deshalb nur S.H. VLG - Olaf
29.05.2012 23:00
Nicht schlecht - BH + LG immomaus65
16.05.2012 19:28
sh