Eger/Cheb

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Erfahrungsbericht über "Eger/Cheb"

veröffentlicht 11.05.2006 | SabineG1959
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Ihr Lieben, ich wünsche Euch allen eine scholne Adventszeit frohe Weihnachten und einen guten Rutsch :)
Ausgezeichnet
Pro einmaliges Projekt zwischen Deutschland und Tschechien
Kontra nix
sehr hilfreich

"Grenzenlose Gartenschau Cheb/Eger"

Gasse in Eger mit Nikolauskirche

Gasse in Eger mit Nikolauskirche

Dieses Jahr findet die Landesgartenschau in Bayern als Grenzenlose Gartenschau in Marktredwitz und Eger/Cheb statt mit den Außenstellen in Waldsassen und Konnersreuth. In Waldsassen gibt es eine Sonderausstellung im Klostergarten zur Medizin von Hildegard von Bingen, Kneipp und östliche Medizin. In Konnersreuth gibt es den Resl-Garten zu Therese Neumann, deren Seligsprechungsprozess gerade läuft.

Nun aber zurück zum eigentlichen Thema: Eger/Cheb

Als passionierte Eisenbahnfahrerin komme ich natürlich wieder mit dem Zug in Eger/Cheb an und mache mich von hier aus auf den Weg durch die Stadt zum Gartenschaugelände am Egerufer. Eger/Cheb liegt böhmischen Teil Tschechiens, nicht weit von der bayrischen Grenze. Es liegt an der Eger, die in Tschechien Ohre mit umgedrehtem ^ auf dem r heißt. Das wird dann so ähnlich wie Orsche ausgesprochen.

Die Eger entspringt im Fichtelgebirge ca. 6 km von Weißenstadt entfernt, wird als Weißenstädter See aufgestaut (s. meinen Bericht über Weißenstadt) und fließt dann über Röslau, meine jetzige Heimatstadt Marktleuthen und Hohenberg nach Tschechien, wo sie gleich nach der Grenze aufgestaut wird. Der See heißt dann Skalka. Die Staumauer endet nicht weit vom Gartenschaugelände ein paar Schritte egeraufwärts. Die erste Stadt an der Eger nach der Grenze ist dann also unser Eger. In Tschechien, später dann mündet die Eger in die Elbe. Sehenswerte Orte an der Eger sind u.a. Elbogen/Loket und Karlsbad/Karlovy Vary.

Das Egerland war schon "immer" mit Deutschland verbunden, insbesondere mit der Stadt Marktredwitz, die 1339 als Pfand an Waldsassen ging und von da nur ein Jahr später an die Stadt Eger verkauft wurde. Erst 1816, nach dem Ende der napoleonischen Kriege 1806 wurde Marktredwitz gegen andere Ländereien ausgetauscht und kam nach Bayern.

Bis 1918 gehörte Böhmen zur Österreich-Ungarischen Monarchie, im Jahre 1918 wurde die Tschechische Republik, die Tschechoslowakei, gegründet. Nach der Wende trennten sich die Tschechen und Slowaken und bildeten jeweils eigene Staaten, wobei Böhmen mit der Hauptstadt Prag nun zu Tschechien gehört.

Nachdem im 6. Jahrhundert das Fichtelgebirge von Slawen besiedelt worden war und sich erst nach und nach die Franken und "Bayern" hier niederließen, wurden im 13. Jahrhundert die Deutschen von den böhmischen Königen nach Böhmen gerufen, um dort das Land aufzubauen. Die hiesigen Höfe reichten nicht mehr für die wachsende Bevölkerung, und im Osten lockten besondere Vergünstigungen für diejenigen, die dort die Wälder roden und Ackerbau betreiben wollten. Durch diese Sonderrechte der deutschen Siedler entstand so etwas wie eine deutschstämmige und deutschsprachige Oberschicht gegenüber den ursprünglichen Einwohnern, der slawischstämmigen Bevölkerung, die sich für diese Benachteiligungen am Ende der 2. Weltkrieges bitter rächte mit den brutalen Vertreibungen der Deutschstämmigen, die ja bis 1918 keine deutschen sondern österreichische Staatsbürger waren.

Trotz all dieser Probleme, die auf beiden Seiten vielfach zu Hass auf die andere Seite führten, bemüht man sich jetzt u.a. im Rahmen der Euregio Egrensis um eine gute Zusammenarbeit, um Freundschaft und Frieden der beiden Völker. Die Grenzenlose Gartenschau ist ein Beitrag dazu, das Festival Mitte Europa, das jedes Jahr im Sommer stattfindet und auch die Gartenschau begleitet, ein weiterer.

Die Euregio Egrensis fördert die Zusammenarbeit der deutsch-tschechischen Grenzregionen inklusive der grenznahen Gebiete Sachsens und Thüringens auf kulturellem, wirtschaftlichem und sportlichem Gebiet. In den Kindergärten gibt es z.B. Programme zur Förderung der jeweils auf der anderen Seite der Grenze gesprochenen Sprache etc.

Nun aber wirklich zurück zu Eger/Cheb:

Vom Bahnhof aus geht man ganz geradeaus über mehrere größere Straßen, bis man automatisch in der Fußgängerzone in der Innenstadt ankommt. Nach rechts sieht man bald eine kleine Gasse, wo die Stände der vietnamesischen Textilien- und Schuhverkäufer zu sehen sind. Dort ist auch ein bewachter kleiner Parkplatz, wo man sein Auto abstellen kann und es auch wieder findet. Trotzdem würde ich niemandem raten, mit einer Edelkarosse nach Tschechien zu fahren… Der Parkplatz für die Gartenschau liegt auf der anderen Egerseite und ist wohl hoffentlich vom Autobahndreieck Marktredwitz, Falkenau/Sokolov und Franzensbad aus beschildert. Laut meiner Karte befindet sich dort ein riesiger Parkplatz mit Zugang zum Gartenschaugelände.

Als Fußgänger und Bahnfahrer kommen wir allerdings von der anderen Seite und genießen erstmal die schöne und geschichtsträchtige Altstadt von Eger/Cheb. Wir befinden uns nun auf dem Markt mit den vielen historischen Häusern aus allen möglichen Geschichtsepochen. Wo Schiller und Goethe und andere erlauchte Personen bei ihren Eger-Aufenthalten gewohnt haben, ist an den Schildern an den jeweiligen Häusern ersichtlich.

Geradeaus erblickt man zwei Fassaden mit einer engen Gasse dazwischen, dies ist das berühmt Stöckl/Spalicek. Diese mittelalterlichen Häuser wurden ab dem 13. Jahrhundert anstelle der Krämerbuden und Fleischläden gebaut und heißen wegen ihrer schmalen und hohen Form Stöckl. Der frühere Egerer Dialekt, der ab 1918 durch die tschechische Sprache ersetzt wurde, findet sich noch ähnlich erhalten in den bayrischen bzw. fränkischen und Oberpfälzer Grenzgebieten zu Tschechien.

Besonders auffällig ist das barocke Rathaus auf dem Markt, das ursprünglich dreiflügelig geplant aber nie fertig geworden ist, da der Stadt inzwischen das Geld ausging, weil die böhmischen Könige den böhmischen Hauptsitz von Eger nach Prag verlegten und Eger dadurch an Bedeutung und entsprechend auch Einnahmen verlor.

Interessant ist noch das Pachelbelhaus, das heute ein Heimatmuseum ist und wo im 30-jährigen Krieg Wallenstein ermordet wurde.

Ein besonderes Schmuckstück ist das Gablerhaus kurz vor der Gasse, die zur Kirche des Heiligen Michael führt und Kurze Gasse heißt, mit seinem Rokokoschmuck und dem schönen, vergoldeten Marienrelief über dem Eingang. Dieses Haus gehörte den Jesuiten. Gleich rechts daneben befindet sich das Schirndinger Haus, dessen Innenhof mit seinen Arkaden aus der Rennaissancezeit oft auf Postkarten abgebildet wird.

An der Kirche vorbei, die ich vor längerer Zeit mal besichtigt hatte und als ziemlich dunkel in Erinnerung habe, geht es wieder nach links zu einer weiteren Gasse. Von dort aus kann man die Eger und eine Brücke darüber sehen, und es sind auch nur noch ein paar Schritte bis zur Burg, der alten Kaiserpfalz, die man erst Anfang des 20. Jahrhunderts (ab 1911) wieder ausgegraben und restauriert hat. Sie stammt aus dem 9.-11. Jahrhundert und beherrschte das gesamte Gebiet von der Quelle der Eger, die von den Kelten Agara genannt wurde, und wurde später zur Kaiserpfalz und öfters umgebaut und modernisiert. Bis 1714 war Eger Freie Reichsstadt und unterstand damit direkt dem Kaiser, was mit einigen Privilegien verbunden war und zur wirtschaftlichen Blüte der Stadt beitrug. Nach dem Ende der napoleonischen Kriege wurde Eger wirtschaftlich modernisiert und war auch im 19. Jahrhundert noch eine bedeutende Handelsstadt innerhalb Böhmens, hatte aber nicht mehr die internationale Bedeutung wie früher.

Die Burg ist nun Teil der Gartenschau und kann auch besichtigt werden. Vom Burghof aus kann hat man einen wunderschönen Blick auf das romantische Egertal, wo die Gartenschau stattfindet. Hier in diesem Bereich finden auch die vielen Veranstaltungen statt, die die Gartenschau begleiten, u.a. singt Karel Gott hier am 28. Mai um 18 Uhr. Alle Konzerte, Aufführungen etc. sind im Eintrittspreis der Gartenschau enthalten - es wird wohl alles rappelvoll werden …

Wir gehen weiter außen um das Gelände herum und gelangen bei einer nahen Gasse zum Kloster der Karmeliterinnen und der Franziskaner, die sich beide gegenüber liegen. Im linken Kloster wurde ein Klostergarten extra zur Gartenschau neu bepflanzt oder angelegt. Noch ein paar Schritte weiter gelangt man zum nächsten Eingang der Gartenschau. Die entsprechenden Eintrittskarten zeigt man hier vor, wenn an eingelassen werden will. Wer noch keine hat, kann sie im nahen Theater kaufen.

Hier betritt man einen wunderschönen Park, der u.a. den ehemaligen Burg- bzw. Wallgraben umfasst und von wunderschönen alten Bäumen bestanden ist. Von hier aus ist es nicht weit bis zum Spielplatz für die Kinder.

Wir gehen aber erst einmal weiter um das Gelände außen herum zu einem Jugendheim Jugendlichen, die in dem Heim ihre Freizeit verbringen, lernen dort einiges über die Natur, kümmern sich um Tiere etc. Das Gelände gehört zur Gartenschau und kann man ansehen.

Gegenüber an den Tennisplätzen vorbei sind wir einen Berg hinab gestiegen - durch die Matsche - und auf einem Weg mit offiziellem Eingang gelandet. Von hier aus sind wir an der Eger entlang durch das Gartenschaugelände gegangen und haben uns alles angesehen, was bis dahin fertig war. Die Lage ist einfach einmalig, da die Eger hier an dieser Stelle durch ein ganz romantisches, enges Tal fließt. Da, wo es sich wieder weitet, sind die Hauptausstellungsbereiche, die man schon von der Terrasse der Burg aus sehen konnte, nach rechts biegt der Weg in den Wallgraben ab, den wir vorher schon von oben gesehen hatten, den mit dem schönen Baumbestand.

Auf der linken Seite direkt am Egerufer findet man eine Kleingartenanlage mit Datschen, vorher noch eine Brücke ans andere Egerufer, wo man alte Industriedenkmäler besichtigen kann. Nach den Datschen gelangt man an ein russisches Haus mit Gastronomie. Im Hauptteil findet man auch die Gärten des Westens, in Marktredwitz gibt es analog oder spiegelbildlich dazu die Gärten des Ostens. Die Gärten des Westens zeigen, wie sich die Menschen im Osten, die Gärten Englands, Frankreichs, Irlands, Spaniens, Italiens, Skandinaviens und einen Alpengarten vorstellen.
Außerdem werden Egers Partnerstädte Rheden in NL und Nizni Tagil in Russland gärtnerisch dargestellt. Und einen bayrischen Kräutergarten gibt es ebenfalls.

Unterhalb der Burg befindet sich die Bühne für die Konzerte und Aufführungen, außerdem ein Haupteingang und -ausgang, in dessen Nähe man allerdings nicht parken kann. Hier verkehrt nur der Shuttlebus zur Stadt und vor allem zum und vom Bahnhof.

Da es viele verschiedene Angebote zur Gartenschau gibt, bitte ich Euch, die Preise hier http://www.gartenschau2006.de/site.asp?sitzungsid=408840398471477307156&sprachenid=1 zu entnehmen und hier, bitte. http://www.gartenschau2006.de/site.asp?sitzungsid=408840398471477307156&sprachenid=1. Dort erhaltet Ihr auch weitere Informationen zu allem weiteren Wissenswerten. Wer vielleicht länger bleiben will, kann sich auch auf http://www.marktleuthen.de/deutsch.htm über preisgünstige Übernachtungen informieren. Dass es hier ganz besonders schön ist, habe ich ja nun schon oft erzählt … :)

Ich würde mich freuen, Euch in diese wunderschöne Gegend locken zu können, habe auch meinen Gästeführerlehrgang erfolgreich beendet - konnte daher also schon im Rahmen der Ausbildung das noch unfertige Gelände ansehen! - und würde mich riesig freuen, Euch alles Schöne und Sehenswerte hier zu zeigen. Alles Liebe und hoffentlich bis bald, Sabine :)


Nachtrag vom 21. Mai 2006: heute war ich auf dem Egerer Gartenschaugelände, wo es uns leider verboten wurde, Fotos von der Gartenschau vor der Eröffnung am 24. Mai zu veröffentlichen, also gibt es nur solchen von der Stadt und dem nahen Stausee. Ich hoffe, sie gefallen Euch, alles Liebe von Sabine :)

PS: weitere Bilder zur Landesgartenschau: http://sabine.informationen-bilder.de/Gartenschau.htm

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Zilina veröffentlicht 30.09.2014
    SH + LG Zilina
  • Baerchen2571 veröffentlicht 27.06.2010
    irgendwann komm ich auch mal her! Liebe Grüße
  • arbeitsmaus veröffentlicht 24.11.2006
    Bin in Gedanken mal wieder mit dir gewandert. Super anschaulich berichtet. LG Traudel
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Produktdaten : Eger/Cheb

Produktbeschreibung des Herstellers

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