... Ein goldener Kneifer auf der Nase des Toten spottete des Todes in einer grotesken Eleganz ..."
Nichts außer diesem Kneifer trägt die Leiche, die der spießige Architekt Thipps Lord Peter Wimsey in seinem Bad präsentiert.
Dass der Tote durchs ausreichend große Fenster dorthin geschafft wurde, ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von Clandestina über Ein Toter zu wenig / Dorothy L. Sayers 17.04.2001
Produktbewertung des Autors:
Niveau
anspruchsvoll
Unterhaltungswert
hoch
Spannung
ziemlich spannend
Wie ergreifend ist die Story?
nicht ergreifend
Pro:
Skurriler Krimi, sehr geistreich
Kontra:
nichts
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
"Der Tote in der Badewanne war ein großer,kräftiger Mann von etwa fünfzig Jahren. Sein dichtes schwarzes, natürlich gewelltes Haar war von Meisterhand geschnitten und gescheitelt und strömte einen leichten Veilchenduft aus ... Ein goldener Kneifer auf der Nase des Toten spottete des Todes in einer grotesken Eleganz ..." Nichts außer diesem Kneifer trägt die Leiche, die der spießige Architekt Thipps Lord Peter Wimsey in seinem Bad präsentiert.
Dass der Tote durchs ausreichend große Fenster dorthin geschafft wurde, unterliegt keinem Zweifel. Doch wer ist er? Könnte es sich bei ihm um den millionenschweren Finanzmann Sir Reuben Levy handeln, der auf rätselhafte Weise verschwunden ist? Wohl kaum, denn bei näherer Untersuchung zeigt sich, dass der Tote - Schwielen an den Händen erweisen es - schwere körperliche Arbeit verichtet hatte. Und : "Der Mann wurde rasiert, nachdem er schon tot war ... Das ist echtes Kunstwerk, eine runde Sache."
Im Haus des verschwundenen Levy macht Lord Peter merkwürdige Entdeckungen: Offenbar ist der Mann, der in seinem Bett schlief, jemand anderer gewesen. Dieser andere hatte rote Haare. Nun besucht Lord Peter mehrere rothaarige Herren, die mit dem Verschwundenen zu tun hatten. Auch der Spur des Kneifers geht er nach: er gehörte einem älteren Anwalt, der ihn in der Bahn verloren hatte.
Einer der Höhepunkte des Romans ist die Schilderung der Gerichtsverhandlung, bei der allerlei skurrile Details von schrulligen Personen vorgetragen werden. Einer der Zeugen ist der Chirurg Sir Julian Freke. Nein, ihm fehle keine Leiche aus seinem Seziersaal. Niemand scheint also den Toten zu vermissen. Und Sir Reuben ist immer noch nicht aufgetaucht.
Wie die beiden Fälle miteinander zusammenhängen, das wird auf höchst vergnügliche Weise schließlich aufgedeckt. "Whose Body?" erschien erstmals 1923 und gilt als Markstein in der Geschichte der Detektivliteratur. Dorothy Sayers führt hier ihren Detektiv Lord Peter Wimsey zum ersten Mal vor und begründete damit ihren Ruhm als Kriminalautorin. Und gerade dieses Buch zeigt sie gleich in Höchstform: Skurriler Mord, phantasievollerTäter, exzentrischer Detektiv, unterhaltsame Milieuschilderung.
Es ist ein Buch, das man gerne auch zweimal zur Hand nimmt, dann nämlich werden die Andeutungen nachvollziehbar, die es dem aufmerksamen Leser schon beim ersten Mal ermöglichen könnten, selbst den Fall aufzuklären, noch vor Lord Peter.