Die Geister, die er nicht rief
22. Dez 2000
Pro:
gut ist, dass es einmal ein Weihnachtsmärchen der anderen Art ist
Kontra:
leider beginnt es zunächst sehr düster
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
mehr
 veronique
Über sich:
Ich bin 1957 in einer kleinen Gemeinde in der nördlichen Oberpfalz geboren und seit 1980 verheiratet...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 32 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Vor vielen Jahren bestellte ich mir ein Buch aus dem Parkland Verlag Stuttgart. „Charles Dickens - Weihnachtserzählungen“. Den Inhalt kannte ich eigentlich nicht, aber Weihnachtserzählungen - so dachte ich mir - das hört sich gut an. Ich begann zu blättern und fand eine, eigentlich bekannte Weihnachtserzählung: „Ein Weihnachtslied in Prosa - Ein Weihnachtsmärchen“:
Der reiche und krankhaft geizige Mr. Scrooge hasst alle, alles und vor allem verabscheut er ein Ereignis, für das er so gar kein Verständnis aufbringen kann: Weihnachten. Allein bei Klang dieses Namens erschaudert er. Hetzerei, Völlerei und falsch verstandene Nächstenliebe, das nur zum sinnlosen Geldausgeben Nütze ist - so urteilt er über das in seinen Augen leider schon wieder bevorstehende Fest.
In seiner Bürostube ist es finster und ungeheizt. Scrooge hat kein Verständnis dafür, dass sein einziger Mitarbeiter auch noch über die Feiertage frei haben möchte. Widerwillig gibt er ihm aber ein paar lächerliche Tage Urlaub. Dann ist Scrooge alleine - einer einsamen Weihnachtszeit entgebensehend. Doch er sollte nicht lange alleine bleiben, denn noch in dieser
Nacht besucht ihn ein Geist, der ihm eine schreckliche Neuigkeit mitteilt. Weihnachtsgeister werden ihn besuchen und mit diesen darf er einmal so richtig Weihnachten feiern. Es dauert auch gar nicht lange und schon steht der erste vor seinem Bett. Es ist der Geist der vergangenen Weihnacht. Mit ihm streift Scrooge durch seine Jugend und gesteht, dass dieser ausgelassen feiernde junge Mann kein anderer als er selber ist. War er, als er noch jung war wohl ein begeisterter Freund dieses Weihnachtsfestes? Er freut sich, alte Bekannte wieder zu sehen und zeigt zum ersten Mal wieder einen kleinen Hauch von Freude. Doch so ganz echt hat er sich aber noch nicht gewandelt - beim Verlassen des ersten Geistes ist Scrooge nur müde, mehr aber auch nicht.
Es wird vielleicht eine Stunde vergangen sein, als er wieder sehr unsanft aus seinem Schlaf gerissen wird. Der zweite Geist mahnt Scrooge aufzustehen. Scrooge ist aber schon mehr oder weniger nicht mehr der alte. Ohne Widerrede lässt er sich auf eine erneute Reise mitnehmen und er erlebt Weihnachten Heute. Im Hause seines Angestellten wird ein kärgliches aber friedvolles und harmonisches Weihnachten gefeiert, ohne dass ein übergroßer Gabentisch das Zimmer schmückt. Er hört die Leute über ihn reden - aber kein böses Wort kommt über die Lippen des unterbezahlten Bürodieners. Er spürt nur Dankbarkeit und Freude. Auch bei seinem Neffen ist es nicht viel anders und so beginnt Scrooges langsam umzudenken. Er ertappt sich dabei, wie er dem Geist noch einmal nachsieht, bevor dieser verschwindet. Was wird wohl der letzte Geist mit ihm vorhaben? Ein wenig ängstlich sieht er dem Besuch entgegen. Scrooge erlebt nun Weihnachten in der Zukunft. Er liegt bereits auf der Totenbahre, verlassen von allen Freunden. Sein Reichtum wird unter Trödlern verhökert und er muss erkennen, dass all sein Geiz und sein Hass der Erfolg seiner sinnlosen Dickköpfigkeit ist.
Nun beschließt er, aus sich einen anderen Menschen zu machen. Heute noch soll auch für ihn und für alle die er kennt und nun lieben gelernt hat, das Fest zum größten Ereignis des Jahres werden. Schon macht er sich auf den Weg... Natürlich ist es ein Märchen. Ein Weihnachtsmärchen. Wenn da nicht doch eine kleine Botschaft wäre: Der Geiz, der Hass und die Ablehnung allem gegenüber, was Menschen Freude macht, wirkt zerstörerisch. Düster beginnt das Märchen und man kann kaum glauben, dass aus dem Menschenhasser ein Menschenfreund werden soll. Nur langsam - spätestens beim letzten Geist spüren wir Mitleid mit diesem eigentlich reichen Mann, der in seinem Herzen der ärmste ist.
Charles Dickens hat dieses Märchen mit einer gewissen Spannung geschrieben, die uns aber auch nachdenklich machen sollte - nicht nur aus den oben erwähnten Gründen. Die Trennung zwischen arm und reich (auch im Herzen) ist nicht nur an Weihnachten leider oft schmerzlich spürbar. Ich fand diese Geschichte in diesem alten Weihnachtsbuch mit vielen anderen Erzählungen von Charles Dickens. Doch ist und war es gerade dieses Märchen, das ich eigentlich regelmäßig zu Weihnachten lese oder auszugsweise auch der Familie vorlese.
Frei nach Ch. Dickens wurde dieses Märchen oft verfilmt, unter anderem wurde es auch bekannt durch die „Muppets“, die dem Inhalt im wesentlichen folgen. Charles Dickens würde sich höchstens im Grabe umdrehen, wenn er seine Figuren als Puppen wiederfinden würde (aber nur vielleicht - sicher hätte er aber auch seinen Spaß daran gehabt).
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30.12.2000 19:25
Dickens gehört zweifellos zu den Autoren der "Weltliteratur", dessen Erzählungen sozialkritisch Mißstände aufzeigen, die zeitlos und somit heute immer noch aktuell sind. Deine Schilderung ist sehr ausführlich und läßt die Erinnerung an die frühere Lektüre wieder erstehen. Guten Rutsch ins neue Jahr... Betterwise..
29.12.2000 17:51
Entschuldige aber die Meinung über Culters wurde mir von einem Freund per E-Mail zugeschickt. Die restlichen hatte ich in Word geschrieben und dann eingefügt das mit deiner Meinung habe ich natürlich sofort geändert. Ciao MyMeinung2000
22.12.2000 22:26
Echt klasse, ich kenne die Geschichte. Zumindest habe ich sie mal vor langer Zeit gehört, und finde es toll sie mal wieder ins Gedächtniss zurück zu bekommen.