Die Geister machen ´s
7. Dez 2005
Pro:
Eine der anrührendsten Weihnachtsgeschichten der Literatur
Kontra:
Eigentlich nichts
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
mehr
 uweBeelitz39
Über sich:
CARPE DIEM !
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C h a r l e s D i c k e n s ist einer der bekanntesten englischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Er wurde 1812 in Landport bei Portsmouth geboren und starb 1870 in Gadshill Place in Rochester. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten seines Vaters musste er frühzeitig seine Schulausbildung unterbrechen und als ungelernter Arbeiter niedrige Hilfsarbeiten verrichten, was ihm für sein späteres Werk unschätzbare Erfahrungen und Einblicke verschaffte. In diesem Werk prangerte er die gesellschaftlichen Missstände und sozialen Ungerechtigkeiten an, ohne jedoch auch in humor- und verständnisvoller Weise die Freuden und Nöte der kleinen Leute, meist im Milieu der Großstadt, zu vergessen. Er erhielt eine erstaunlich große Resonanz auf seine Veröffentlichungen, die zum Teil als Fortsetzungsgeschichten in Zeitungen erschienen, und setzte damit einige soziale Reformen in Gang. Er gilt als einer der ersten Vertreter des sozialen Romans.
Dickens wurde Anwaltsgehilfe, Gerichtsreporter und Parlamentsstenograph, später Journalist des "Morning Chronicle". Er schrieb einige Romane als Fortsetzungsgeschichten für verschiedene Zeitschriften. Bekannt wurde er mit "Pickwick Papers", dem er so bekannte Romane wie "Oliver Twist", "David Copperfield" oder "Hard Times" folgen ließ. E i n W e i h n a c h t s l i e d i n P r o s a
Im Jahre 1843 besuchte Dickens eine der neugegründeten "ragged schools" in London und war tief berührt vom Elend der vernachlässigten Kinder, die dort von engagierten Sozialreformern eine schulische Grundausbildung erhielten. Zeitgleich las er voller Entsetzen einen parlamentarischen Untersuchungsbericht zur Kinderarbeit. Er entschloss sich daraufhin, in seinem nächsten Werk an die Gefühle der Menschen zu appellieren, sich gegenüber diesem Elend, dieser Armut, diesem Hunger nicht zu verschließen. Die vierziger Jahre waren in England ein Jahrzehnt des Hungers, der wirtschaftlichen Depression, der sozialen Unruhe und wurden "hungry forties" genannt. Weihnachten schien für Dickens die richtige Zeit
zu sein, Mitleid für die Armen zu wecken. Das Konzept der Geschichte, die Läuterung eines vergrämten, menschenfeindlichen Geizhalses durch die Geister der Gegenwart, der Vergangenheit und der Zukunft, ist eine der genialsten Ideen des Dichters.
Mit seinem zum Jahresende 1843 erschienenen Werk "A Christmas Carol" (Ein Weihnachtslied in Prosa) hat Dickens einen unerwarteten Erfolg: Schon am Erscheinungstag werden 6000 Exemplare verkauft. Das ist in unseren Harry-Potter-gewohnten Augen eine relativ bescheidene Zahl, doch wurde zur Zeit von Dickens noch anders gerechnet … Innerhalb nur eines Monats wurde dieses kleine Buch fertig gestellt, und Dickens selbst wurde während des Schreibens davon mehr und mehr gefangen genommen. Das Buch wird nicht nur ein großer Verkaufserfolg, es erreicht auch in kürzester Zeit eine nie gekannte Popularität. In England wird es zur meistgelesenen und meistvorgelesenen Weihnachtslektüre; weltweit dürfte es Dickens´ bekanntestes Werk sein. Die Geschichte von der Läuterung des alten Geizhalses Ebenezer Scrooge ist in kurzer Zeit zu einem Stück Weltliteratur geworden.
K u r z i n h a l t
Die Hauptperson dieser Weihnachtsgeschichte, der alte Kaufmann Ebenezer Scrooge, kann als die Symbolfigur der Hartherzigkeit und des Geizes schlechthin bezeichnet werden. Ihm sind Mitleid und Großzügigkeit ein Gräuel. Dieser abstoßende Alte wird in der Weihnachtszeit abends von dem Geist seines vor sieben Jahren verstorbenen Partners Marley besucht, der ihn vor der schrecklichen Ewigkeit nach dem Tode warnt und ihm drei Geister ankündigt. Diese besuchen den Scrooge in den drei aufeinander folgenden Nächten: der Geist der vergangenen, der Geist der diesjährigen und der Geist der zukünftigen Weihnacht. Der erste Geist führt ihn in seine Kindheit, der zweite zum Heim seines armen Schreibers Bob Cratchit und der dritte auf einen verlassenen Friedhof. Der Besuch bei der Familie des Schreibers, die unter armseligsten Verhältnissen ein glückliches Weihnachtsfest feiert, die ohne Groll ist und zufrieden lebt, könnte zum Rührendsten zählen, was Dickens je geschrieben hat. Er trifft mit dieser sentimentalen Darstellung genau die Stimmung, die damals und vielfach auch heute noch in zahlreichen Familien zu Weihnachten herrschte. Es geht zu Herzen, von dieser gütigen, warmherzigen Familie, besonders von dem kleinen, todkranken Tiny Tim zu lesen. Der Gipfel der Rührseligkeit wird erreicht, als diese Familie schließlich auf die Gesundheit des geizigen alten Scrooge trinkt.
Der dritte Geist führt den Alten zu einem zugedeckten Leichnam in einem leeren Zimmer und zu einem vernachlässigten Grab auf einem verlassenen Friedhof. Auf dem verwitterten Grabstein steht der Name Scrooge. Dies ist ein Blick in die zukünftige Weihnacht, und Scrooge zeigt sich stark erschüttert. Er erkundigt sich bei dem Geist, ob es einen Weg gäbe, diesem Schicksal zu entgehen, die Vergangenheit zu tilgen, die Gegenwart zu verändern … S c r o o g e
Die Läuterung des alten Scrooge im "Christmas Carol" wird von äußeren Ereignissen bewirkt und ist nicht als innerer Entwicklungsprozess erkennbar. Gut und Böse schlummern in diesem Menschen, der eine Wandlung vom hartherzigen, geizigen Menschenfeind zum wohltätigen, warmherzigen Freund vollzieht. Die Art seiner Wandlung, das Auftreten der Geister, die ihn heimsuchen und letztlich auch der geschilderte Glaube, dass Liebe auch den schlimmsten Schurken beeinflussen kann, machen Scrooge zu einer Märchenfigur. Er ist in dieser Darstellung eine typische Dickens-Figur, vielleicht vergleichbar mit dem exzentrischen Mr. Pickwick aus "Pickwick Papers". Ein Sonderling, der allein lebt, alt ist oder es zumindest zu sein scheint, ohne sichtbare soziale Bindung, mit verborgener Vergangenheit, und der bei aller Verkrustung seines Lebens dennoch in die Sozialgemeinschaft zurückgeführt werden kann. L e s e p r o b e n , D e u t s c h u n d E n g l i s c h
Aus: 1. Strophe, Marley´s Geist: "Du trägst Fesseln?" fragte Scrooge zitternd; "sag mir warum." "Ich trage die Kette, die ich in meinem Leben geschmiedet habe", antwortete der Geist; "ich habe sie Glied um Glied und Elle um Elle geschmiedet, sie mir aus freien Stücken umgelegt und sie freiwillig getragen. Sind dir ihre Glieder fremd?" Scrooge zitterte immer mehr. "Willst du wissen", fuhr der Geist fort, "wie schwer und lang die starke Kette ist, die du selber trägst? Vor sieben Weihnachtsabenden war sie ebenso schwer und ebenso lang wie diese. Seither hast du noch an ihr gearbeitet; es ist eine gewichtige Kette geworden." Scrooge sah um sich her zu Boden, als erwarte er, sich von fünfzig oder sechzig Klaftern Eisenkette umgeben zu finden; allein er vermochte nichts zu sehen. "Jakob!" rief er bittend, "alter Jakob Marley! Sag mir mehr! Sprich mir Trost zu, Jakob!" "Ich kann keinen geben", versetzte der Geist … A Christmas Carol, Stave I - Marley's Ghost Aus: Christmas Books by Charles Dickens; Collins London, 1954
"You are fettered," said Scrooge, trembling. "Tell me why!" "I wear the chain I forged in life," replied the Ghost. "I made it link by link, and yard by yard; I girded it on of my own free will, and of my own free will I wore it. Is its pattern strange to you?" Scrooge trembled more and more. "Or would you know," pursued the Ghost, "the weight and length of the strong coil you bear yourself? It was full as heavy and long as this, seven Christmas Eves ago. You have laboured on it since. It is a ponderous chain!" Scrooge glanced about him on the floor, in the expectation of finding himself surrounded by some fifty or sixty fathoms of iron cable; but he could see nothing. "Jacob," he said, imploringly. "Old Jacob Marley, tell me more. Speak comfort to me, Jacob!" "I have none to give," the Ghost replied. N o c h w i s s e n s w e r t
ist, dass dieses Werk von Charles Dickens mehr als zwanzigmal verfilmt oder für das Fernsehen arrangiert wurde. Die letzte mir bekannt gewordene Verfilmung in Deutschland stammt aus dem Jahre 1960, als der Bayerische Rundfunk dies für das Deutsche Fernsehen tat. In der Hauptrolle spielte der damals recht bekannte und beliebte Schauspieler Carl Wery den Ebenezer Scrooge und Stefan Schnabel Marley´s Geist. Von neueren deutschen Verfilmungen habe ich leider nichts gehört. Da ich die englischen Schriftsteller am liebsten im Original lese, kann ich auch nicht sagen, in welchem Verlag und zu welchem Preis die deutschen Übersetzungen auf dem Markt sind, doch dürfte dies unschwer über Amazon oder Jokers oder einem ähnlichen Anbieter zu ermitteln sein. Allen Lesern danke ich für ihre Bewertung und evtl. einen Kommentar! Uwe
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01.07.2008 09:32
Weihnachtsgeschichte habe ich in der Version mit Sir Michael Caine gesehen, die Muppets dazu, dann die Version mit George C.Scott und die etwas zu moderne mit Bill Murray, der irgendwie besonders fies war, immer wieder sehenswert und total anrührend, macht Spaß bei deinen Berichten zu schnökern (eben weil da nicht Festplatte XYZ drinne vorkommt..) Toll! Gute Woche noch!
21.12.2006 01:18
Diese Geschichte wird wahrscheinlich am Wochenende wieder angeschaut. Weihnachten ohne Scrooge ist wie Ostern ohne Eier ;o) LG Diana
24.10.2006 15:43
Ja, fast alle Geschichten deiner Berichte kenne ich, aber es ist meist schon fast 30 Jahre her, viele erinnern mich sogar an meine Gymnasialzeit. Gerade deshalb ist es schön, darüber zu lesen.