Eine Handvoll Glück / Barbara Noack

Eine Handvoll Glück / Barbara Noack

ISBN: 9783404126804 - Verlag: Bastei Lübbe mehr

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... Nachsatz ----------- Zu der Geschichte „Eine Handvoll Glück“ gibt es ein Fortsetzungsbuch mit dem Titel „Ein Stück vom Leben“. Wieviel Luise von Jolas Leben erfährt und miterlebt, wird dort geschildert. Barbara Noack: Eine Handvoll Glück (1984) Ullstein-Verlag ISBN: 354820385X (leider ... Bericht lesen





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Eine Handvoll Glück. 3. Auflage. - Barbara Noack
Seiten: 120, Gebundene Ausgabe, München, Langen Müller Verlag.
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Luise und Jolande
Erfahrungsbericht von kroetenfieber über Eine Handvoll Glück / Barbara Noack
18.06.2003


Produktbewertung des Autors:   

Niveau durchschnittlich 
Unterhaltungswert durchschnittlich 
Spannung durchschnittlich spannend 
Wie ergreifend ist die Story? ergreifend 

Pro: kein Herz - Schmerz, Charaktere kommen gut zur Geltung
Kontra: nichts

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht


Man taucht bei diesem Buch in die Geschichte zweier Mädchen ein, die ihre Kindheit und Jugend vor und während des zweiten Weltkrieges verbringen mußten. Die Zeit, in der sie lebten, hatten sie sich nicht ausgesucht, doch sind sie nicht verbittert. Es geht um zwei Freundinnen, die viel miteinander erleben. Diese beiden grundverschiedenen Mädchen kommen aus unterschiedlichen Verhältnissen, was ich weniger auf arm oder reich beziehe, sondern eher darauf, in was für einer Art von Familie sie aufwachsen. Die beiden Mädchen selbst sind ebenfalls sehr verschieden, raffen sich aber immer wieder zusammen und verbringen viel Zeit miteinander - mit kleineren oder größeren zeitlichen Abständen dazwischen.

Die Geschichte
-----------------

Luise und Jola gehen in Berlin in die gleiche Klasse und haben zunächst nichts miteinander zu tun. Luise hat zwei Freundinnen, die „anerkannt“ sind, fühlt sich nach einiger Zeit jedoch zu Jola hingezogen, die eine Art Außenseiterin innerhalb der Klasse ist. Der Zufall hilft nach: Jola wird krank und Luise von ihrer Lehrerin beauftragt, Jola zu Hause aufzusuchen, um ihr Unterrichtsmaterial nach Hause zu bringen. Jolas Zuhause ist grundverschieden von ihrem eigenen: Jolas Stiefvater, der Kunstkritiker ist, steht nur sehr selten vor der Mittagszeit auf, die Wohnung ist ein mehr oder weniger geordnetes Chaos, und Luise fühlt sich irgendwie wohl dort. Jola hingegen lebt dort, ist jedoch nicht davon angetan, in einem solchen Familienleben aufzuwachsen und entschließt sich mit zwölf Jahren, zu ihrem leiblichen Vater zu ziehen.

Luise weiß selten, was sie möchte und gerät oft in Situationen, bei denen sie sich erst hinterher fragt, ob sie sich richtig verhalten hatte und das getan hatte, was gut für sie gewesen wäre. Jola ist sehr zielgerichtet und weiß so gut wie immer, was sie will. Sogar bei der Auswahl ihres Verlobten ist sie extrem zielgerichtet - der oder keiner. Doch bis es so weit ist, erlebten Luise und Jola viel in der Vorkriegszeit und während des Krieges. Es ereignet sich viel durch die schwierige Zeit. Zwar machen beide Abitur, aber sie können aufgrund der Kriegszeit nicht studieren. Sie müssen sich durchkämpfen wie alle anderen Zivilisten. Luise lernt Jolas Familie sehr gut kennen und Jola Luises Familie. Die beiden Mädchen teilen sich (gezwungenermaßen) für bestimmte Zeiten ein Zimmer, die eine wohnt bei der anderen Familie und die Umstände bringen sie immer wieder zusammen - nicht nur ihre Freundschaft zueinander. Das Buch endet mit dem Ende ihrer Jugend und der Kapitulation Deutschlands. Ein „richtiges“ Ende in dem Sinne, das Luises und Jolas Leben betrifft, gibt es nicht.


Mein Eindruck
------------------
Barbara Noack erzählt die Geschichte von Luise Hartwig, die eng mit der Geschichte ihrer Freundin Jola Genthin verbunden ist. Eigentlich ist es die Geschichte beider Mädchen zu mehr oder weniger gleichen Teilen, doch wird sie aus der Sicht von Luise geschildert. Dennoch wird nicht darauf verzichtet zu beschreiben, wie Jola und andere Menschen über Luise denken. Durch Dialoge wird dies geschickt mit eingestrickt. Man hat bald das Gefühl, Luise und Jola zu kennen oder zumindest, sie erlebt zu haben, sie beobachtet zu haben. Auch wenn man selbst den Zweiten Weltkrieg oder einen anderen Krieg miterleben mußte, so kann man sich einiges davon vorstellen - natürlich nur darauf bezogen, wie zwei Menschen und ihre Mitmenschen den Krieg als „Daheimgebliebene“ erlebt haben.

Die Ich-Form, die Barbara Noack gewählt hat, paßt sehr gut in diese Geschichte. Zwar erzählt dadurch Luise ihre Jugendzeit, doch hat man das Gefühl, jemand, der die beiden Mädchen gekannt hatte, würde einem ihre gemeinsame Zeit erzählen. Barbara Noack versteht es, ohne Herz und Schmerz, eine fiktive Geschichte zu erzählen, die Charaktere so einzigartig schlicht und dennoch sehr passend zu schildern, daß es eine Freude ist, weiterzulesen. Das Zeitgeschehen spielt natürlich eine Rolle. Im Krieg sieht man einfach zu, daß man überlebt, aber dennoch hat man als Heranwachsende neben dem anstrengenden und ereignisreichen (Vor-)Kriegs-Leben dieselben Probleme wie andere Jugendliche auch: Verliebtheit, zu damaliger Zeit wenig Aufklärung, schöne und streitbeladene Zeiten mit der Freundin, Familienereignisse usw. Auch zu der damaligen Zeit gab es so viele verschiedene Menschen und Charaktere, die sich so und so verhalten - Barbara Noack schildert einfach nur deren Wirken und Leben.

Das Buch liest sich wunderbar. Ein bißchen Berlinerisch fließt hier und dort mit ein, ist aber gut zu lesen und läßt einen nicht vergessen, daß die Geschichte in Berlin spielt. Der klare, einfache Stil, in dem Luise ihre Gefühle, ihre Erlebnisse und ihre Enttäuschungen beschreibt, gefällt mir außerordentlich gut. Der folgende Ausschnitt soll dies verdeutlichen:


Leseprobe
------------
Er lag auf dem Sofa in seinem Arbeitszimmer, kurzgeschoren, weitergegerbt und so hager, daß sein alter, brauner Bademantel an ihm wirkte wie von einem Dicken ausgeborgt. Unsere Verblüffung war gegenseitig.
Barris kniff die Augen zusammen, um mich besser über den Flackenschein der Adventskerzen auf dem Tisch erkennen zu können. „He, Fräulein - wollen Sie zu mir?“
Erkannte er mich wirklich nicht mehr, oder tat er nur so?
„Ich bin Luise, Herr Barris.“ Und stellte die Tüte mit dem Kompott, das ich für ihn mitgebracht hatte, auf den Tisch, um ihm die Hand zu geben.
Barris zog mich nah an sich heran, hielt mich einen Augenblick herzlich fest, schob mich zurück. „Du hast dich verändert, Luischen.“
„Wurde auch Zeit“, sagte ich.
„Komm, huck dich her - erzähl mir - hast du einen Freund?“
Und ehe ich antworten konnte: „Natierlich hast du einen. Man sieht’s dir an. Ich kann’s nur noch nicht fassen, die kleine pummelige Luise von damals - und jetzt“ Wir haben uns ja ewig nicht gesehn.“
„Nicht nur mein alter Freund Barris, das ganze, großzügig ramponierte Milieu nahm mich in seine Arme. Es war wie Heimkommen in Kinderzeiten.
„Sie haben sich auch ganz schön verändert“, sagte ich.
„Ja, nicht wahr? Ich bin ieberhaupt nicht mehr mein Typ.“
„Aber wenn die Haare wieder wachsen?“
„Es sind nicht nur die Haare, Schätzchen,“ versicherte Barris.
Ehe er weitersprechen konnte, bummerte es an der Wohnungstür.
„Das wird Jola sein“, sagte ich. „Wir sind nicht zusammen gekommen, weil sie noch vorher in Berlin zu tun hatte.“

(Das Berlinerisch kommt manchmal in einzelnen Worten („natierlich“, „ieberhaupt“ usw.) vor, an anderen Stellen auch in ganzen Sätzen.)


Fazit
------
Dieses Buch ist eines der besten, die ich bisher von Barbara Noack gelesen habe. Natürlich ist es nicht jedermanns Sache, eine Geschichte zu lesen, die im 2. Weltkrieg spielt (nicht immer hat man Lust zu dem Thema), aber mir hat es sehr gefallen. Es ist kein Herz-Schmerz-Buch, es gibt keine Oberflächlichkeit. Vielmehr ist es eine Erzählung, in der man auch eigene Gedanken wiedererkennt, die man gehabt haben mag, als man in der Pubertät „zu sich selbst“ fand. Es geht auch nicht nur um diesen Aspekt, sondern um das Berliner Milieu, um die Familien, um die Erlebnisse vieler Menschen um sie herum und darum, daß Luisa und Jola versucht haben, in der schlechten Zeit das beste aus ihrer Jugend zu machen - sie haben einfach gelebt und viel (miteinander) erlebt - jede auf ihre eigene Art.


Nachsatz
-----------
Zu der Geschichte „Eine Handvoll Glück“ gibt es ein Fortsetzungsbuch mit dem Titel „Ein Stück vom Leben“. Wieviel Luise von Jolas Leben erfährt und miterlebt, wird dort geschildert.


Barbara Noack:
Eine Handvoll Glück (1984)
Ullstein-Verlag
ISBN: 354820385X
(leider nur noch gebraucht erhältlich)
284 Seiten


© kroetenfieber

   

weitere Erfahrungsberichte
Die Andere
Bewertung für Eine Handvoll Glück / Barbara Noack von pamelap

Pro: Ein Stück vom Leben, eine Handvoll Glück
Kontra: eben nur ein Stück, nur eine Handvoll...

Ja, zugegeben: der Buchtitel hört sich ein bisschen kitschig an. Der Name der Autorin passt ganz gut dazu: „Eine Handvoll Glück“ von Barbara Noack. Das klingt so ein wenig nach Mädchenroman, mit Herzschmerz, mit Internat und Pferden und Freund ... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die ...
sehr hilfreich

24.06.2002

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Zwei Menschen sehen sich wieder
Bewertung für Ein Stück vom Leben / Barbara Noack von  kroetenfieber

Pro: insgesamt gut
Kontra: die ersten 20 Seiten erleben m.E. einen "Stilbruch"

...Das Leben der beiden Mädchen Jolande Genthin und Luise Hartwig aus Barbara Noacks Buch ?Eine Handvoll Glück? geht mit dem Ende ihrer Jugend weiter. Sie (über)leben in der Nachkriegszeit, und zunächst gemeinsam. Später sind sie für lange Zeit getrennt. In ?Ein Stück vom Leben? geht es hauptsächlich um die Nachkriegszeit und damit um die Zeit des Hungers und zunächst um die Besatzungszeit in Deutschland. Auch in diesem Buch versteht es die Autorin, die Schicksale der beiden inzwischen zu Frauen gewordenen Figuren in interessantem Stil ohne Effekthascherei zu schildern. Dennoch ist ?Ein Stück vom Leben? m.E. nicht ganz so gelungen wie ?Eine Handvoll Glück?. Barbara Noack ------------- Die Autorin ist gebürtige Berlinern, wuchs in ihrer Heimatstadt auf, studierte an der Universität, in Kunstakademien und in einer Moderschule. Sie... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als hilfreich

hilfreich
01.01.1970
Picayune und ihr "Kater"
Bewertung für ... und flogen achtkantig aus dem Paradies / Barbara Noack von  kroetenfieber

Pro: Idee ist gut
Kontra: geringer Unterhaltunswert

...Barbara Noack hat viele Bücher geschrieben, und bei vielen Büchern bleibt es wohl nicht aus, daß das eine oder andere nicht sehr herausragend ist. Dazu zähle ich das Buch mit dem Titel ?...und flogen achtkantig aus dem Paradies?. Es soll laut Beschreibung auf der hinteren Seite des Buches ein ?Roman einer bittersüßen Illusion, einer Liebe in Moll? sein. Zwar geht es um Illusionen der Hauptfigur in diesem Buch, doch hat es mich nicht sonderlich unterhalten. ?Liebe in Moll? hört sich nach Poesie an, doch wirkt dieser Ausdruck für diese Geschichte schräg und einfach nicht passend. An Barbara Noacks Bücher ?Eine Handvoll Glück? oder ?Jennys Geschichte?, die in meinen Augen sehr lesenswert sind, kommt diese Geschichte nicht im entferntesten heran. Barbara Noack ------------- Die Autorin ist gebürtige Berlinern, wuchs in ihrer... Bericht lesen

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hilfreich
01.01.1970


... und flogen achtkantig aus dem Paradies / Barbara Noack

Haupteigenschaften

EAN: 9783404126804

ISBN: 3404126807

Autor: Barbara Noack

Autor Nachname: Noack

Autor Vorname: Barbara

Autor Name invertiert: Noack, Barbara

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