20 BIG MOVIES (04): ONE FLEW OVER THE CUCKOOS NEST
27.07.2004
Pro:
* * * Ein Meisterwerk * * *
Kontra:
-
Empfehlenswert:
Ja
 Milsch
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:192
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 54 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
„You are no crazier than the average asshole...“ –McMurphy
1. DIE STORY =========== Patrick McMurphy ist ein harmloser, arbeitsscheuer Taugenichts, der immer wieder wegen kleiner und mittlerer Vergehen ins Gefängnis kommt. Da keinerlei Besserung in Sicht ist, will man ihn nach seinem jüngsten Vergehen, der sexuellen Belästigung einer Minderjährigen, statt in den Knast zur Beobachtung in eine Nervenklinik bringen. McMurphy macht mit, denn er wittert die Chance, statt Arbeitsdienst hier eine ruhige Kugel zu schieben.
Auf seiner Station führt McMurphy erstmal Kartenspiele und die Zigarettenwährung ein und bringt den anderen Insassen Basketball bei. Schon bald erregt er damit den Unmut der strengen Stationsschwester Ratched, die sehr auf die Einhaltung eingeübter Regeln und die Befolgung ihrer Anordnungen achtet. McMurphy begehrt immer mehr auf und seine Aktionen werden zunehmend gewagter: so organisiert er auch schon mal einen kollektiven Angelausflug mit Damenbegleitung. Aber Ratched hält dagegen, wissend, dass sie am längeren Hebel sitzt: zwar wird McMurphy geistige Gesundheit bescheinigt, doch eine gewisse Gefährdung für sich und andere nicht ausgeschlossen, und auf Ratcheds Wunsch verbleibt er auf ihrer Station. McMurphy entschliesst sich zur Flucht nach Kanada, gemeinsam mit dem Chief, einem hünenhaften und vermeintlich taubstummen Indianer. Er besticht die Nachtwache und organisiert auf seiner Station eine Abschiedsparty, bei der er Billy, einen sexuell gehemmten Stotterer, mit einem Mädchen zusammenbringt. Als Ratched Billy erwischt und zutiefst demütigt, eskaliert die Situation...
2. DIE REGIE =========== Der tschechische Regisseur Milos Forman war der Wunschkandidat von Kirk Douglas, der die Filmrechte besass und den Streifen später von seinem Sohn Michael produzieren liess. Forman, der zuvor erst einen Fim in den USA und ansonsten nur in seiner Heimat gedreht hatte, sagte zu und schaffte mit diesem Werk seinen Durchbruch in den Staaten.
Formans Leistung bei diesem Film besteht vor allem in der grossartigen Besetzung der Hauptrollen und seinem Einfluss auf das Skript, welches er vor Drehbeginn neu schreiben liess. Vor allem durch die Änderung der Erzählperspektive (vom Chief zum neutralen Beobachter) und des Endes (von der allgemeinen Flucht zum resignierten Verbleib in der Klinik) gewinnt der Film sicherlich an Intensität. 3. DIE SCHAUSPIELER ====================
Mehr als die Leistung des Regisseurs erhält dieser Film seine grosse Klasse durch die beiden hervorragenden Hauptdarsteller, die beide zurecht mit dem Oscar ausgezeichnet wurden. Jack Nicholson ist geradezu die klassische Idealbesetzung des grossmäuligen Leichtfusses, der im Leben nichts zustandebringt und sich mit seiner unbekümmerten Art schliesslich mehr und mehr in eine Sackgasse manövriert. Marlon Brando und sogar Burt Reynolds sollen für die Rolle im Gespräch gewesen sein, doch es ist schwer vorstellbar, dass ein anderer diese Figur besser gespielt hätte.
Eine Überraschung war Louise Fletcher in ihrer ersten grossen Hauptrolle. Nachdem alle Wunschkandidatinnen von Forman abgesagt hatten und Fletcher sich monatelang um die Rolle bemüht hatte, engagierte Forman sie schliesslich eine Woche vor Drehbeginn. Kaum zu glauben, dass Forman während des Castings mit ihrer Interpretation der Schwester Ratched unzufrieden war: sie gibt die herrische, dominante und im Grunde sexuell frustierte Stationsschwester absolut beeindruckend. Leider konnte sie mit ihren späteren Rollen nie mehr an ihren ersten grossen Erfolg anknüpfen. 4. DAS BUCH ============
Das Drehbuch von Bo Goldman und Lawrence Hauben basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ken Kesey aus dem Jahr 1962. Kesey hatte zeitweise in einer psychiatrischen Klinik gearbeitet und seine Erlebnisse in dem Buch verarbeitet. Er schrieb auch die erste Version des Drehbuchs zum Film, die jedoch von Forman abgelehnt wurde. Die Änderungen in der Adaption von Goldman/Hauben waren so umfangreich, dass Kesey die Authorisierung des Skriptes verweigerte und sogar die Produktionsfirma verklagte. 5. DIE MUSIK ===========
Die Originalmusik zum Film stammt von Jack Nitzsche.
========== MEINE WERTUNG ================ „Einer flog über das Kuckucksnest“ ist nicht so sehr ein Film über das Schicksal von psychisch Kranken als vielmehr eine Parabel über Unterdrückung und Machtmissbrauch in der Gesellschaft. Die Insassen sind die klassischen Aussenseiter der Gesellschaft, und McMurphy – ein lebensfroher, liebenswerter Verlierer – ist ihr tragischer Held. Auf der anderen Seite steht die Unterdrückerin Ratched, die ihre Machtposition kennt und auskostet. Sie wird nicht vom inhaltlich Richtigen angetrieben, sondern von dem Wunsch, ihren Willen durchzusetzen und den Patienten aufzuzwingen.
Die Situation der verschiedenen Patienten wird natürlich angerissen, vor allem die Geschichte des jungen Billy und des grossen Chiefs spielen auch für die Gesamthandlung eine Rolle. Doch primär spielt sich ein menschlicher und charakterlicher Konflikt zwischen McMurphy und Ratched ab. Es ist ein Duell zweier Persönlichkeiten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Und ein Duell zweier grossartiger Schauspieler, die in ihren Rollen aufgehen. Der unermüdlich optimistische, kämpferische Nicholson und die steife, eiskalte Louise Fletcher bestreiten hier eine ganz grosse Meisterleistung.
Und auch das gehört zur Botschaft des Films: während mehr und mehr klar wird, dass die Patienten einschliesslich McMurphy eigentlich harmlose Spinner sind, bleiben die schlimmsten und gefährlichsten psychischen Defizite auf der Station den Ärzten verborgen, nämlich jene von Stationsleiterin Ratched selbst. ********************
> Wussten Sie schon, dass... ...dies seit 41 Jahren der erste Film war, der wieder alle vier grossen Oscar-Kategorien gewinnen konnte (Bester Schauspieler, beste Schauspielerin, bester Film und beste Regie – das gelang zuletzt 1935 „It Happened One Night“)?
...der Film in einer echten Psychiatrie gedreht wurde (Oregon State Mental Hospital) und einige der Statisten echte Patienten waren? ...Jack Nicholson angeblich während der Elektroschock-Szene auf eigenen Wunsch echte Stromstösse bekam?
> Facts And Figures Originaltitel: One Flew Over The Cuckoo’s Nest Deutscher Titel: Einer flog über das Kuckucksnest Länge: 133 min Veröffentlicht: USA 1975 FSK: ab 16 Regie: Milos Forman Buch: Bo Goldman, Lawrence Hauben Darsteller: Jack Nicholson, Louise Fletcher
Anmerkung: Der Schreibfehler im Berichtstitel (CUCKOOS NEST) erklärt sich durch die erzwungene Beschränkung auf 50 Zeichen.
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03.08.2006 15:40
"(von der allgemeinen Flucht zum resignierten Verbleib in der Klinik)" - aha. dann hat kesey in seinem script also sein eigenes buch verstümmelt. seltsam. das buch ist übrigens sehr lesenswert. erzählperspektive: chief bromden; das funktioniert literarisch hervorragend, wäre auf den film aber wohl kaum übertragbar gewesen. den empfand ich allerdings als sehr nah am buch, in dem was gezeigt wird; allerdings geht die vorlage noch über das hinaus, was forman thematisiert hat (+ hintergrundgeschichte des chief + seine [gar nicht so] ver-rückten theorien). die grundaussage ist in buch und film sicherlich die gleiche, oder zumindest eine ähnliche; aber im buch kommt mcmurphy dennoch weniger heldenhaft rüber. etwas unfair ist es, nur die hauptdarsteller zu würdigen; ich fand den film bis in die nebenrollen perfekt besetzt, habe selten so ein authentisches ensemble genossen. // als gimmick hier noch ein lesetipp; es handelt sich dabei um ein interessantes buch über keseys trips mit den merry pranksters, einem ausgemusterten autobus und reichlich lsd: http://www.ciao.de/The_Electric_Kool_Aid_Acid_Test_Wolfe_Tom__2287571
29.11.2004 21:19
jack nicholson ließ sich echte stromstöße geben? neue interessante info. ebenso die infos zu den schauspielern, die eventuell auch für nicholsons rolle im gespräch waren. bestimmt gut, aber nö das musste so sein. die idealbesetzung.
09.10.2004 21:31
Den Film selbst habe ich noch nie segehen, allerdings bin ich gerade dabei das Buch dazu zu lesen, ist wirklich sehr unterhaltsam