Überraschungsei
21.01.2005
Pro:
Tine Wittler; gute Ideen; hat auch in mir ein wenig die Liebe zum Heimwerken geweckt (an der Umsetzung mangelt es bei mir aber noch)
Kontra:
Konzentration auf IKEA - Einrichtung
Empfehlenswert:
Ja
 schneeweisschen
Über sich:
Ich schreibe hier nur noch, wenn mir etwas wirklich sehr am Herzen liegt - sei es positiver oder neg...
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____________________________________________ Obwohl – oder vielleicht gerade weil – ich kaum Talent und noch weniger Elan habe, um meine eigene Wohnung renovierungstechnisch auf Vordermann zu bringen, liebe ich es, anderen Leuten beim Renovieren zuzuschauen. Da es nicht besonders fair wäre, sich gemütlich mit einer Tasse Cappuccino und einer Butterstulle auf Nachbars Baustelle auf einen Klappstuhl zu setzen und genüsslich die Renovierungsarbeiten zu beobachten, greife ich wochentags vormittags um 11 Uhr lieber zur Fernbedienung und schaue mir auf RTL an, wie Tine Wittler anderen Leuten eben diese verhasste Aufgabe abnimmt. Tine Wittler ____________________________________________Diese auf ihre Art bezaubernde junge Dame habe ich ganz schnell in mein Herz aufgenommen. Sie ist fürchterlich gut gelaunt, fürchterlich spontan, fürchterlich schlagfertig und fürchterlich einfallsreich. All das mag ich so an ihr. Die 1973 geborene Westfälin wird auch als Allround-Talent bezeichnet. Während ihres Studiums in Kultur- und Kommunikationswissenschaften (in Lüneburg und Großbritannien) verdiente sie ihr Geld als Barfrau und DJ, war außerdem freie Autorin für den NDR. Drei Bücher hat Tine Wittler bisher geschrieben: „Die Prinzessin und der Horst“, „Horst go Home“ und „Parallelwelt“. Ich kenne nur den ersten Roman, den ich schon allein aufgrund des herrlichen Titels unbedingt lesen musste, leider war ich ein wenig enttäuscht – aber das ist ein anderes Thema und wird an anderer Stelle sicher noch einmal zur Sprache kommen. Eine ihrer, nach eigener Aussage, schönsten Zeiten, erlebte sie als Fernsehredakteurin für Pro7 und RTL2. Dort war sie unter anderem für die Talkshow „Andreas Türk“ und für „Bravo TV“ verantwortlich, solche Sendungen also, die jeder sich halbwegs als intellektuell ansehende Mensch in die unterste Unterhaltungsschublade steckt. Dennoch, es hat ihr Spaß gemacht, und dementsprechend schwer hat es sie getroffen, als sie im Jahr 2003 aufgrund eines Stellenabbaus bei den Privatsendern ihren Job verlor. Zwei Monate war sie arbeitslos, verarbeitete ihren Frust in „Parallelwelt“. Dann meldete sich RTL bei ihr, und damit wurde einer meiner Lieblingssendungen der Weg zum Erfolg geebnet: Einsatz in 4 Wänden – Die Sendung _____________________________________________________ Das Vorbild für diese Sendung kommt – wie sollte es auch anders sein –
Bilder von Einsatz in vier Wänden
aus dem englischsprachigen Raum. Sowohl in den USA als auch in Großbritannien erfreuen sich derlei Einrichtungsshows schon seit einigen Jahren großer Beliebtheit. In Großbritannien ist der Hype um solche Sendungen laut Aussage eines Freundes wohl besonders groß, weil dort Häuser meistens inklusive der kompletten Einrichtung verkauft werden und die Verkäufer somit großes Interesse an einem geschmackvollen Ambiente haben, weil es viel mehr Geld bringt. In Deutschland funktioniert das Konzept auch, allerdings eine Nummer kleiner. Beim „Einsatz in 4 Wänden“ nehmen sich Tine und ihr Team pro Sendung (die inklusive Werbung eine halbe Stunde dauert) nur ein Zimmer vor. Die Kandidaten bewerben sich beim Sender und bekommen, wenn ihnen das Glück hold ist, eine Gratisrenovierung inkl. neuer Möbel und Dekorationen und Entsorgung der alten Einrichtung vom Sender geschenkt. Oftmals stehen die Kandidaten mitten im Chaos, weil sie ihrer „Problemzimmer“ nicht mehr Herr werden. Seien es Platzprobleme, ungemütliche und hässliche Einrichtungsgegenstände oder schlichtweg der Zahn der Zeit, der an Wänden und Möbelstücken frisst, Tine findet immer eine Lösung. Und Deutschland ist so begeistert von ihrer Kreativität, dass „Einsatz in 4 Wänden“ im letzten Jahr den Deutschen Fernsehpreis einheimste. Und ich bin der festen Überzeugung, dass das mit einer anderen Moderatorin nicht geklappt hätte. Sonja Kraus versucht sich auf Pro7 mit überraschend viel handwerklichem Talent an einem ähnlichen Konzept, für mich fehlt aber bei ihr das gewisse Etwas, das Tine Wittler ausstrahlt. Tine hat eine etwas burschikose, aber sehr sympathische Art, mit ihren „Männern“ – mindestens zwei Handwerker sind während der Sendung immer an ihrer Seite - und auch den Kanditaten umzugehen. Sie ist frech, ziemlich witzig, fordert viel, packt aber auch selbst mit an. Mag sein, dass es Leute gibt, denen ihr fröhlicher Charakter auf die Nerven geht, ich mag sie genau deswegen. Ganz spontan könnte man Tine für eine Innenarchitektin halten, so routiniert geht sie an die Planung heran. Hantiert mit maßstabsgetreuen Plänen und wirft Farbennamen wie B147 in den Raum. Sie hat ein für Frauen doch eher untypisches Augenmaß, malt sich im Kopf aus, was wie und wo geht und macht sich dann mit Pep an die Umsetzung ihrer Ideen. Und am Ende sieht es dann in der Regel wirklich toll aus, was sie fabriziert hat. Natürlich bezieht sie auch die Wünsche der Kandidaten mit ein, klebt für 70er Jahre Fans entsprechende Tapetenstreifen an die Wand und fragt Kinder nach ihren Lieblingsspielsachen. So bekommt ein kleiner Feuerwehrfan dann mal eben ein selbstgebautes Feuerwehrbett. Wer an bestimmten Dingen besonders hängt, darf sie auch behalten und Tine steht dann vor der Herausforderung, diese Liebhaberstücke in ihr Konzept zu integrieren. Selbst wirklich hässliche Erbstücke sehen nach Tines Sanierungsaktion meist wieder ansehnlich aus und passen in die neue Raumoptik. Natürlich kann Tine nicht den Geschmack eines jeden Zuschauers treffen. So manches Mal kann ich mich mit dem Endergebnis nicht anfreunden, aber in fast jeder Sendung sind immer ein paar Tipps und Ideen dabei, die ich gerne aufnehme. Ob ich sie dann auch in die Tat umsetze, ist eine ganz andere Sache. Es wirkt immer ganz einfach, schnell, selbstverständlich, wie da ganz neue Zimmer aus dem Boden gestampft werden. Selbst wenn ich so gute Ideen hätte, würde es bei mir und wohl auch den meisten anderen Zuschauern, an der finanziellen Seite scheitern. Klar, es ist toll, seine kompletten alten Möbel, die ja meistens im Laufe der Zeit bunt zusammengewürfelt angeschafft wurden, auf den Sperrmüll zu werfen und sich alles neu und perfekt aufeinander abgestimmt anzuschaffen. Doch wer kann das schon? Dementsprechend wäre es – wie in einer anderen mir bekannten Sendung üblich – vielleicht auch ganz interessant, am Ende der Sendung einzublenden, wie viel der ganze Renovierungsspaß denn letzten Endes gekostet hat. Ich bin mir aber sicher, dass die meisten Ideen von Tine umsetzbar und bezahlbar sind (man muss ja nicht gleich alles neu machen). Bei der anderen erwähnten Sendung klappt mir mitunter die Kinnlade runter, wenn ich sehe, dass für eine besondere Licht-Dekoration schon mal 3000 Euro bezahlt werden. Ein wenig wird der Zuschauer aber doch übers Ohr gehauen. RTL hinterlässt durch geschicktes Schneiden des Filmmaterials den Eindruck, als würden alle Arbeiten generell im Laufe eines einzigen Tages geschafft: dazu gehören also Ausmessen des Zimmers, Planung der Neugestaltung, komplettes Ausräumen des Zimmers (da dürfen und sollen die Kandidaten auch noch selbst mit Hand anlegen), Kaufen aller Materialien und Möbel - vom Parkettboden über Wandfarbe bis hin zur Dekoration – und natürlich die Fertigstellung des Zimmers. Spätestens bei Einbruch der Dunkelheit dürfen dann die Kandidaten – untermalt von Musik, bei der ich fast jedes Mal heulen könnte, weil ich sie so schön finde – ihr neues Reich in Augenschein nehmen. Geht so natürlich nicht, ist Quatsch, und erst recht, wenn nur drei Personen die Renovierung erledigen. Und seien die Handwerker auch noch so routiniert: die Wandfarbe trocknet nicht innerhalb einer Stunde, so dass dann gleich eventuelle Hängeschränke angebracht werden können. Wer die Sendung regelmäßig sieht, erkennt recht schnell, dass Tine fast alle Einrichtungsgegenstände bei IKEA besorgt. Schon alleine für diese Einkäufe bräuchte Ottonormal-Renovierer mindestens einen halben Tag, selbst dann, wenn er einen großen Bogen um die Kerzen-Sonderangebote macht. Davon abgesehen, dass die Möbel ja auch noch nach Hause transportiert werden müssen. Doch der kleine Zeitraffertrick ist ganz praktisch, somit hat die Sendung viel Tempo und der Zuschauer – insofern er sich selbst mit ähnlichen Renovierungsgedanken trägt – hat nicht das Gefühl, dass das alles ewig dauert und verliert nicht den Spaß an eigenen Ideen. Die IKEA-Einkäufe haben auch eine gewisse Problematik in sich. Wer das IKEA-Design generell nicht mag, wird an der Sendung vermutlich wenig Freude haben. Und trotz des recht großen Sortiments im schwedischen Einrichtungshaus sieht man bei „Einsatz in 4 Wänden“ im Laufe der Zeit immer wieder die gleichen Schränke, Stühle, Kissen und Blumenvasen. Aber gerade angesichts dieser Tatsache ist es immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich die Endergebnisse mitunter sind. Die RTL-Redaktion kann sich vor Anfragen kaum retten, und dennoch gibt es Zeiten, in denen alte Sendungen wiederholt werden. Das sind immer Phasen von drei bis vier Wochen, in denen ich dann meistens auch darauf verzichte, mir alles noch einmal anzuschauen. Wenn dann neue Folgen kommen, freue ich mich umso mehr. „Einsatz in 4 Wänden“ ist – unabhängig vom Endergebnis der Renovierungen – eine meiner Lieblingssendungen, weil sie Unterhaltung, eine sehr sympathische Moderatorin und Ideen für die eigene Wohnung gleichzeitig liefert – drei Dinge auf einmal. Das geht bei Konkurrenzsendungen nun wirklich nicht. Prädikat: Dank Tine besonders sehenswert
Wann und wo? _______________________________________ • werktags jeweils 11:00 und 17:00 Uhr (vormittags Wiederholung vom Vorabend) auf RTL • ab und zu Wiederholungen auf VOXP.S. Falls jemand weiß, ob es sich bei besagter Musik um „Bitter Sweet Symphony“ von The Verve oder worum auch immer handelt, hinterlege bitte sachdienliche Hinweise im Kommentar.
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23.10.2005 11:13
Ein super Bericht zu einer meiner Lieblingsserien! Mußte ziemlich bei deiner Beschreibung, wie man Nachbarn bei Renovierungsarbeiten zuschauen könnte, lachen, wirklich klasse! LG Jenny
19.10.2005 22:27
Genau meine Meinung. Klasse Bericht
07.09.2005 21:28
Ich glaub so ein Einsatz dauert immer 3 Tage. In einer etwas ungeschickt geschnittenen Sendung, erkannte man, daß für EivW drei Tage ein Parkplatz reserviert war. LG Janet