Eiskalte Engel

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Liebe!?

4  15.02.2006

Pro:
Gelungene Satire, Soundtrack, Darsteller, Vielseitigkeit !

Kontra:
(Klischees) !

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

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Über sich: Neben ciao.de erscheinen meine Kritiken zumeist auch auf folgenden Seiten: kino.de, ofdb.de. Für wei...

Mitglied seit:13.01.2006

Erfahrungsberichte:155

Vertrauende:12

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 39 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Liebe - eine Worthülse, die voller romantischer Assoziationen steckt. Die Gesellschaft lehrt uns, dass die feste Bindung etwas ist, was uns stark macht und Befriedigung gibt. Beizeiten mag das stimmen, aber ist es nicht auch anmaßend, wenn man vorschreibt, was falsch und richtig ist? Kann die frische Abwechslung im Liebesleben nicht ebenso befriedigen? Partnerschaft ist doch letztendlich genauso Selbstzweck wie die gedankliche Trophäensammlung der Errungenschaften - oder? Unabhängigkeit in der Liebe - warum nicht!? Schöner, leidenschaftlicher, perfider - der Effekt ist die größte Befriedigung. Oh ja, böse Worte im Dunstkreis gesellschaftlicher Normen.

Wie eiskalt Engel sein können, zeigt uns Roger Kumbles "Cruel Intentions". Kathryn (Sarah Michelle Gellar) und Sebastian (Ryan Philippe) sind Stiefgeschwister, aber Seelenverwandte - opportunistisch, niederträchtig, zynisch und überaus egoistisch. Sie sind Selbstdarsteller, die ihre Egodepots mit dem Leid anderer auffrischen. Intrigante Spielchen und Wetten, zynische Tagebuchanträge - das perfide Leben kann so schön sein. Partner sind Schall und Rauch - Sex ist Sport und auf Spaß reduziert. Ja, ihnen geht es gut, aber irgendwann stellen sie sich auch Fragen, deren Antworten erst gefunden werden müssen. Eine Antwort für Sebastian ist die prüde Annette (Reese Witherspoon). Erst ist sie eine Wette, die offen bekennende jungfräuliche Tochter des neuen Rektors. Der Nutzen für das Image ist höher als der Aufwand. Letztendlich ist Annette aber weit mehr als nur ein Spiel - der gedankliche Anstoß für eine andere Seite, die der Protagonist bisher nicht kannte. Gefühle, Sorgen, Zuneigung - Sebastian empfindet mehr als ihm sein bisheriges Denkschema zugesteht. Die etwas andere Befriedigung!?

"Cruel Intentions" ist eine herrliche Satire über die Liebe in allen Erscheinungsformen. Stilistisch eingebettet im Teenie Milieu, greift man auf den ersten Blick Klischees auf. Reich und schön - Gemeinheit aus Langeweile. Kumbles Werk ist allerdings im Wesentlichen nicht kritisch auf bestimmte Gesellschaftsschichten ausgerichtet, auch wenn es zunächst den Anschein hat. Letztendlich ist die Dekadenz beider Protagonisten, die vorher auf ihre zynische Art wunderbar lebten, sogar eine Folgeerscheinung der "echten" Gefühle. "Cruel Intentions" zeigt, dass Liebe Ansichtssache ist - und auch Selbstzweck sein kann. Liebe als Vorwand bzw. Instrument für Spaß oder eben auch als Bedürfnis im Sinne von Zuneigung, Romantik und fester Bindung. Sebastian erlebt beides - er tanzt auf der Rasierklinge und muss sich entscheiden, ob er mit Annette auf Wolke Sieben schweben möchte oder gemeinsam mit Kathryn den Teufel tanzen lässt. Er entscheidet sich für das, was ihm mehr Befriedigung gibt. Beides hat seine Reize und hier unterscheidet sich "Cruel Intentions" vom Genre-Standard. Das pointierte Ende mag dramatisch und auf den ersten Blick moralisch sein, aber die Auswirkungen der partnerschaftlichen Gefühle sind fatal - es gibt keine Gewinner. Zu Beginn waren die Hauptpersonen augenscheinlich glücklicher mit ihrem bisherigen Dasein. Alle Charaktere haben ihre himmlischen bzw. diabolischen Reize - die Darsteller spielen auf unterschiedliche Art und Weise leidenschaftlich. Ist "Cruel Intentions" nihilistisch und menschenfeindlich!? Wie auch immer, jedenfalls ist der Film aufrichtig, alles andere als einseitig und weitaus realistischer als schnulzige Romanzen. Die Daseinsberichtung des Traums von der märchenhaften Liebe, ist unbestritten, aber Sarkasmus ist beizeiten durchaus erfrischend.

So ist "Cruel Intentions" nicht noch irgendein Teeniefilm, sondern eine mitunter bitterböse Satire. Untermalt mit einem hervorragenden Soundtrack, nutzt Regisseur Roger Kumble den stilistischen Teenie-Rahmen, um über die Liebe zu philosophieren. Love it or hate it!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Milsch

Milsch

22.02.2006 12:46

Ich bin geneigt, Dich für ein Doppelaccount von JerryMaguire zu halten...

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15.02.2006 20:32

@ Katia23 Welche Aspekte!? Ein bisschen konkreter solltest du schon sein!

23Skeebob

23Skeebob

15.02.2006 17:03

völlig andere Herangehensweise an den Film, die noch dazu sehr fundiert geschrieben ist. Bestnote.

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