Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
27 Löcher; Übungsbereich; abwechslungsreiche Plätze; Grünpflege; Aussichten und Umgebung; schönes Clubhaus; gute Erreichbarkeit; Preise i . O . ; freundlich |
| Kontra: |
hohes Spieleraufkommen; Wartezeiten; Fairways phasenweise in indifferentem Pflegezustand |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Der für den Beginn des Frühjahrs im März 2002 gewählte Urlaubsort Port el Kantaoui an der Küste des tunesischen Festlands hatte natürlich auch ganz zufällig, in direkter Nähe zum Hotel, einen grossen Golfplatz zu bieten, dem ein gewisser, positiver, Ruf voraneilt. Sich widersprechende Aussagen in den einschlägigen Informationsquellen liessen nicht direkt zu, mir die schlüssige Aussage zu liefern, ob es sich um einen 27-Loch oder doch eher um einen 36-Loch Platz handeln sollte. Doch vor Ort, auf der eher als grosses Golfareal zu bezeichnenden Fläche im Nordwesten des Städtchens, zeigte sich, dass beide Aussagen einen gewissen Wahrheitsgehalt beinhalten sollten.
Der ursprüngliche Platz, designt von der US-Firma „golfplan“ unter der Federführung von Ronald W.Fream, hatte 27 Spielbahnen zu bieten, wurde erweitert und bot, nach der Eröffnung des Ausbaus im Jahr 2001, wahrhaftig 36 perfekt in die umgebende Landschaft integrierte Löcher. Doch führten extreme Regenfälle im Herbst 2001 dazu, dass etliche Fairways und Grüns so stark absanken und in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass ein erneutes Aufbauen diverser Spielbahnen nötig wurde. Durch intensiven Einsatz war die neuerliche Eröffnung des dann wieder 36 Spielbahnen umfassenden Platzes für den Juni 2002 angedacht. In der Zwischenzeit waren eben nur 27 Löcher verfügbar, was ich so deutlich anführe, da die Bezeichnungen der einzelnen Spielbahnen in diesem Bericht, wie ich sie im März 2002 vorfand, nicht den (hoffentlich) jetzt wieder Aktuellen entsprechen.
Bei der Anfahrt durch den die Einfahrt überspannenden Schriftzug fällt der übergrosse Golfball, der von mächtigen Golfschlägern gehalten wird, mitten auf der vorgelagerten Kreisverkehrsinsel schon ins Auge. Schon dies spiegelt die Anziehungskraft und Bedeutung des Golfplatzes für den Tourismus in diesem Ort wieder. Ströme von Golfspielern aus meist kühleren, überwiegend europäischen Gefilden, fallen in den Monaten März bis Mai hier ein, um sich in angenehmem Klima gründlich auf die folgende, heimische Saison vorbereiten zu können. Unüblich und selten ist es hier, mit dem eigenen Auto bzw. Mietwagen anzureisen, üblich jedoch die Anfahrt per Taxi zu einem innerörtlichen Pauschalpreis von 2 tD (1 tD [tunes. Dinar] entsprach im März 2002 ca. 0,79 EUR), auf den sich wohl die Fahrer geeinigt haben müssen. Deshalb findet man auf dem Clubparkplatz, neben einigen Kutschen, auch fast nur gelbe Taxen mit auf Fahrgäste lauernden Fahrern.
Nach der Ankunft zeigt ein umherschweifender Blick aber schon die schöne, landschaftliche Lage dieses Kurses und vermittelt einen ersten Eindruck über die Ausmasse des Platzes sowie des Übungsareals.
>> CLUBHAUS
Vorherrschend ist die typisch maurische Optik dieses abwechslungsreich geschnittenen Gebäudes, das natürlich auch die in Port el Kantaoui dominierende Farbe „grün“, in Kombination zum frischen Weiss, in Form von glänzenden Dachziegeln und Markisen beinhaltet. Die automatisch öffnende Glaseingangstür und das grosszügige Ausmass vom ReceptionDesk, an dem zwei bis drei nette Damen auf golfende Kundschaft warten, bildet den ersten positiven Eindruck. Im Vorraum wurde mitgedacht und eine Abstellmöglichkeit für Golfbags geschaffen. Sollte kein zu grosser Ansturm an der Rezeption herrschen, was am Vormittag eines Tages im März eher selten vorkommt, sind die Angestellten die Ruhe selbst und erklären bereitwillig alle offenen Fragen zum Golfplatz und zu den Einrichtungen. Neben der Barzahlung des Greenfee’s und evtl. Nebenkosten ist auch die Möglichkeit der Begleichung mittels einer der üblichen Kreditkarten gegeben. Vorab gebuchte Startzeiten sind penibel im unabdingbaren Computer verzeichnet, doch ist es, sollte der Platz nicht komplett überfüllt sein, auch auf freundliche Nachfrage hin möglich, nur 9 Löcher zu spielen – dies allerdings erst am späteren Nachmittag. Nach einem Handicap-Nachweis wurde während meiner Anwesenheit am Desk bei niemandem gefragt. Nach der Bezahlung der gewünschten Leistungen (Greenfee, Trolley, ... , u.s.w.) erhält der Spieler, analog der Verfahrensweise im Golfclub der tun. Insel Djerba (.. gleicher Besitzer!), eine Art Laufzettel, auf dem im Anschluss vom Caddiemaster (Trolley, Buggy, „menschlicher“ Caddie, ...) bzw. vom Starter an einem der drei 1.Abschläge per Signatur die Richtigkeit bestätigt wird. Eventuell wird während der Runde oder aber speziell auf der DrivingRange nach diesem Zettel gefragt, um die korrekte Zahlung zu prüfen – also gilt es, diesen nicht achtlos wegzuwerfen.
Neben der Rezeption ist ein kleiner ProShop untergebracht, der zwar freundlich bewirtschaftet wird, aber nur die essentiellsten Dinge vorhält. Die Produktpalette umfasst überwiegend golftouristische Andenken (Schlägertücher, Poloshirts, Pullunder, Logobälle,..., jeweils mit dem Logo des Kantaoui Golf Courses), die allerdings zu nicht überteuerten Preisen offeriert werden.
Das Restaurant und ein vorgelagerter Raum mit einigen Sitzgruppen ist schlicht, aber landestypisch nett, eingerichtet. Die Speise- und Getränkekarte umfasst deutlich mehr, als andernorts angeboten wird und bietet somit genügend Auswahl zwischen einem Snack oder auch einem ausgewachsenen Menü. Von der grossen, in drei Ebenen angelegten, Clubterrasse lässt sich hervorragend das nördliche Umfeld der Anlage überblicken. Die PuttingGreens, die Bahnen 8 und 9 des roten sowie das Grün der Bahn 9 des blauen Kurses lassen sich perfekt einsehen und reissen so manchen Terrassenbesucher zu „klugen“ Kommentaren hin.
Die Preise halten sich, bezogen auf die Gesamtheit des Ortes, in Grenzen. Einige Beispiele: 1 Fl. Celtia (lokales, mildes und erfrischendes Bier) zu 2,100 tD; 1 Fl. Mineralwasser (0,75 l) zu 1 tD; Cappucchino zu 0,900 tD; tunes. Salat zu 3,800 tD; versch. Sandwiches (gross) zu 3,500 tD.
Eine Treppe führt vom Parterre des Clubhauses zum Untergeschoss, das auf einer Ebene mit dem Ausgang zum Platzbereich liegt. Dort finden sich zahlreiche, mietbare Spinde, die allerdings ein Verwahren einer Komplettausrüstung nicht möglich machen. Gesamte Ausrüstungen sind jedoch problemlos in der Halle des Caddiemasters zu lagern – vorteilhaft, wenn man hier täglich oder zumindest häufiger spielt. Einige Duschen und gepflegte, weil stetig wiederkehrend gesäuberte, Sanitäreinrichtungen sind hier ebenfalls zu finden.
>> ÜBUNGSEINRICHTUNGEN
Farbenfroh sowie sehr gut gepflegt, bedingt durch zahlreiche Blumenanpflanzungen, Palmen und diverse Steinskulpturen, stellt sich der dem Clubhaus direkt nachgelagerte Übungsbereich im El Kantaoui GC dar, der auch ausgiebig von den Gästen sowie den Golftrainern mit seinen Schülern genutzt wird.
Zur Verfügung stehen, neben der obligatorischen, von einer Hecke geschützen, DrivingRange mit ausreichender Breite und Länge (ca. 250m) ohne Abschlagmatten, ingesamt üppige 3 PuttingGreens und 3 PitchingGreens. Zwei der rel. grossflächigen PuttingGreens mit einer nahezu einem kurzflorigen Teppich gleichenden Oberfläche liegen, leicht erhöht angelegt, direkt vor der Clubhausterrasse, was natürlich dazu führt, beim Üben fast immer unter Beobachtung zu stehen. Eines der PitchinGreens ist von mehreren Bunkern umrahmt, um auch diese Art von Schlägen üben zu können. Nachteilig ist hier nur anzumerken, dass diese Greens direkt am Zaun zur Hauptstrasse und dem besagten Kreisverkehr liegen – unglücklich getroffene Bälle könnten durchaus einmal den Weg dorthin nehmen.
>> DER PLATZ
Auch zu diesem Platz gebe ich nur Eindrücke einzelner, mir besonders auffällig scheinender, Spielbahnen wieder ... von denen dieser zweischneidige Kurs (Parklandcourse/ Seacourse) jedoch einige zu bieten hat. Zu bedenken gebe ich allerdings das in der Einleitung genannte, d.h., die Bezeichnungen (Nummern und Farben) geben den Stand des Platzlayouts vom März 2002 wieder.
Im Grundsatz sind im El Kantaoui GC drei 9-Loch Kurse bespielbar gewesen, die durch unterschiedliche Farbkennzeichnungen zu unterscheiden waren. Der „rote“ Kurs, auch Teil des Gesamtprojekts „Sea Course“, der vom Clubhaus ausgehend in Richtung des Meeres verläuft (4 Spielbahnen verlaufen in Strandnähe) und das Spiel am Deutlichsten durch die Seewinde beeinflussen kann. Der „gelbe“ Kurs, der Richtung Norden landeinwärts verläuft und einige Über- bzw. Unterquerungen diverser Strassen nötig macht und um ein Villenviertel herum angelegt ist. Und abschliessend der in meinen Augen interessanteste und schwerste Part ... der „blaue“ Kurs, Teil des Projekts „Panorama Course“, der etappenweise dieser Bezeichnung wahrlich alle Ehre macht und im unteren Teil ebenfalls an eine Villenregion angrenzt.
Bahn 2 (rot)
Gleich an der zweiten Spielbahn wartet ein interessantes PAR5 (Herren: 489 m) darauf, bezwungen zu werden. Von der Abschlagfläche ausgehend ist der Ball durch eine optisch schmal wirkende Allee aus Bäumen und Büschen zu spielen, in Drivereichweite links wartet ein Fairwaybunker. Der weitere Bahnverlauf ist von hier erst nicht zu erkennen, das das Fairway rechts abknickt. Vom Optimalfall ausgehend sollte der 2. Schlag schnurgerade erfolgen, um dann mit dem Dritten das im weiteren Verlauf links positionierte Grün anspielen zu können. Dieses beinhaltet, neben reichlicher Strukturierung und üppigen Ausmasses, einige Schwierigkeiten in Form von allseits umgebenden Bunkern und kleinen Hügeln. Notfalls ist hier ein Vorlegen mit dem 3.Schlag die bessere Lösung.
Bahn 5 (rot)
Ein auf einem Hügel erhöht angelegter Abschlag dieses PAR4 (H: 343 m) mit Blick auf die sich am Strand räkelnden Sonnenhungrigen und Spaziergänger ruft in Erinnerung, dass man sich ja im Urlaub befindet. Ein gut getroffener TeeShot lässt den Ball rollend nach der Landung noch weitere Meter gutmachen, da es spürbar bergab geht. Hüten sollte man sich davor, die Pflanzenansammlung zur Linken als Landezone zu wählen ... das Suchen und Finden des Balles könnte zur Tagesbeschäftigung ausarten.
Der 2.Schlag erfolgt, oft publikumswirksam von den am angrenzenden Zaun stehenden Urlaubern beobachtet, meist über eine frontal vor dem Grün stehende Riesenpalme auf das stark erhöhte und zudem noch mit Bunkern im hinteren Bereich geschützten Grün. Dieses Grün ist oft in Form von Fotos in den einschlägigen Golfführern/Reiseführern mit dem blauen Meer im Hintergrund abgebildet.
Bahn 6 (rot)
Ebensolch öffentliches Interesse der meist nichtgolfenden Touristen (..die es sporadisch auch hier gibt..) erweckt die 6. Spielbahn (PAR5, H: 500 m), die im weiteren Verlauf parallel zu einer durch einen Zaun getrennten Strasse verläuft. Vom erhöhten Abschlag, mit dem Meer im Rücken, ist der Weg geradezu durch eine Palmenansammlung in der Landezone empfehlenswerter als eine Lage im unübersichtlichen Gestrüpp zur Linken des Faiways.
Das Grün ist fast als monströs und sehr fotogen zu bezeichnen, umrahmt von einer deutlichen Anzahl von mit strahlend weissem Sand gefüllten Bunkern. Die Oberflächen der Grüns sind auch in diesem Bereich des Platzes jeglicher Kritik erhaben, sind nach einigen Tagen Trockenheit jedoch sehr hart.
Bahn 9 (rot)
Diese Bahn (PAR4, H: 372 m, Stroke Index 2) stellt „das“ Loch schlechthin auf dem roten Kurs dar, bietet es doch reichlich Challenge und genügend Spielraum, sich eine eigene Strategie zu schmieden. Von der Abschlagfläche ausgehend sieht man das im weiteren Bahnverlauf links abknickende Fairway. Hier gilt es, den 1. Schlag möglichst weit zur linken Seite des Fairways zu platzieren, ohne jedoch die die Sicht versperrenden Bäume zu berühren oder gar den lauernden Fairwaybunker in Driveentfernung zu seinem Ziel zu erklären.
Denn der zweite Schlag auf dieser 9.Bahn ist der wahrlich interessante, gilt es doch, einen mit Pilzfontänen gezierten Ausläufer des hier angelegten Teiches zu überspielen, um das ohne viel Spielraum dahinter postierte Grün zu erreichen. Vorsichtige Naturen werden sicher vorziehen, den 2.Schlag möglichst nahe an dieses unvermeidbare Wasserhindernis zu legen, um mit einem kurzen Eisen und zittrigen Händen den Ball mit dem 3.Schlag möglichst in die Nähe der Fahne zu bringen. Zu überqueren ist dieser Teich dann in der Folge nur mittels einer nett angelegten Holzbrücke.
Bahn 2 (gelb)
Nicht umsonst bekam dieses PAR3 den Stroke Index von 1 zugeordnet, denn mit reichlichen 230 Metern Länge ist es sicher nicht jedem Spieler vergönnt, vom Abschlag aus das Grün „in regular“ zu erreichen. Zudem stellen sich diesem Vorhaben rechts vom Abschlag eine Baumgruppe sowie ein nach rechts abfallendes Fairway und weiterhin ein Zaun zur Linken, als Begrenzung zur parallel verlaufenden Strasse und gleichzeitiger Ausgrenze, entgegen.
Bahn 6 (gelb)
Auf dem Abschlag dieser Spielbahn (PAR4, H: 249 m, SI 4), der auf der anderen Strassenseite zu finden ist, kommt man sich recht eingeengt vor, da hinter und links der Fläche ein Zaun zur Abgrenzung des Platzes verläuft. Die Länge der Spielbahn ist für ein PAR4 recht moderat, vergleicht man es beispielsweise mit der vorgenannten Bahn 2, doch verläuft das leicht fallende Fairway in einer leichten Rechts-/Linkskurve, was das Grün, auch verhindert durch ein geradezu stehendes Häuschen und die rechts stehenden Bäume, nicht einsehbar macht. Der zweite Schlag sollte nicht mit zuviel Übermut erfolgen, denn sonst schiesst man, im wahrsten Sinne des Wortes, über das Ziel hinaus und hat dann mit weiteren Unwegsamkeiten und einem ausserordentlich schwierigen Stand zu kämpfen. Denn direkt hinter diesem fast planen Plateaugrün fällt das Gelände extrem ab und einige Meter weiter lauert auch schon wieder ein Drahtzaun, der gleichzeitig die hintere Ausgrenze darstellt.
Bahn 9 (gelb)
Auf der farbigen Bahnlayouttafel, die an jedem Abschlag des Platzes zu finden ist, sieht man nur lapidar einen weissen Punkt mit der Beschriftung „220 m“, der, leicht rechts auf dem Fairway angeordnet, den optimalen Landepunkt für den Abschlag markieren soll. Zum Grün wären es von dort aus nur noch rund 150 m, die es an diesem PAR4 zu überwinden gelten würde ... wäre da nicht das hier längste, parallel zu einer Spielbahn verlaufende, Wasserhindernis, das eigentlich nur mentale Probleme bereiten sollte. Durch einen kleinen Linksknick am Ende der Bahn schmiegt sich das nur von einem Bunker zur Rechten verteidigte Grün doch näher an das Wasser als gewünscht.
Bahn 3 (blau)
An diesem PAR3 (H: 142 m) zeigt sich der blaue Kurs wieder von seiner wiederholt frischen Seite, ist doch der gesamte Abschlagbereich umgeben von bunten Blumenanpflanzungen, schattenspendenden Bäumen und Steingebilden. Hier gilt es nur, den rechten Bereich vor dem Grün mit seiner immensen Bunkerlandschaft zu meiden, soll der Schlag sogleich auf dem relativ grossflächigen, aber deutlich ondulierten, Green zum Liegen kommen.
Bahn 4 (blau)
401 Meter stehen vor dem Spieler, die überwunden werden müssen, um den Ball mit dem 4.Schlag im Loch zu versenken. Keine leichte Aufgabe, da hier das (papiermässig) zweitschwerste Loch der blue nine mit einem 90 Grad Dogleg nach links und einer grossen Bunkeransammlung links im Knickpunkt (Landezone) auf die Bezwingung wartet. Das zwar weiterhin breit angelegte, aber deutlich strukturierte Fairway führt in Richtung eines länglichen Grüns, das eher schmale Kontur hat und zusätzlich umgebende Bunker als Erschwernis vorweist.
Bahn 6 (blau)
Um diese Spielbahn zu erreichen, muss nach Beendigung der 5. Bahn per Tunnel eine Strasse unterquert werden. Es erwartet den Ankömmling eine neue Welt ... eine optisch gänzlich andere Landschaftsstruktur lässt die Spieler beim Erreichen des 6. Abschlages meist kurz innehalten, um sich umzusehen. Nicht ohne Grund ist hier häufiger eine Kleinfamilie zu finden, die zu üppigen Preisen (2 tD für einen kleinen Plastikbecher) eine Erfrischung in Form von gepresstem Orangensaft offeriert. Eine aus viel sattem Grün, Bäumen und steilen Steinhängen geprägte Talmulde will im ersten Moment so gar nicht in das übrige Erscheinungsbild der Landschaft passen und ... fasziniert in gewisser Weise jeden.
Dieses PAR4 in Angriff zu nehmen, kostet einige Überwindung, da vom spürbar erhöhten Abschlag diagonal in Richtung des Fairways geschlagen werden muss, ohne jedoch die frontale Riesenpalme zu treffen und ohne den Ball rechts in den steinigen Felshang zu buchsieren ... weiterspielen nahezu unmöglich. Das Grün versteckt sich geschickt hinter einer Rechtsbiegung und ist vorab nicht einsehbar. Eine gewisse Erfahrung von einer vorherigen Runde kann hier nur von Vorteil sein.
Bahn 8 (blau)
Shocking ... und zugleich als höchst imposant wie auch interessant erlebt der Spieler den Abschlag der 8. Bahn (PAR3, H: 175 m), die nur über eine steile Treppe erreichbar ist. Hier mehrere Schläger als Wahlmöglichkeit und einen Ersatzball mit hinauf zu nehmen ist eine Pflichtübung, da im unteren Bereich noch nicht erkennbar ist, wie sich die Windverhältnisse oben auf dem Klippenrand darstellen. Im neuen 36-Loch Platzlayout existiert diese Spielbahn in dieser Form leider nicht mehr, da der Verlauf dann ein anderer ist. Doch die riesigen, weissen Buchstaben „Kantaoui Golf Course“, die am steinigen Steilhang à la Hollywood, unterhalb des Abschlags, angebracht sind, werden wohl weiterhin nicht zu übersehen sein.
Oft ist es hier eher ein Holz, das bei frontalem Gegenwind zum Einsatz kommen wird, um das so weit unten und fast winzig erscheinde Grün zu erreichen. Einen Slice oder eine Unterschätzung der seitlichen Winde sollte man hier eher meiden, da sonst der Ball für immer im rechts angelegten Teich sein neues Domizil finden wird. Unabhängig vom Ergebnis des Schlages bleibt dieser Rundumblick über das nördliche Port el Kantaoui und das Meer von hier oben in positiver Erinnerung.
Bahn 9 (blau)
Das Abschlussloch des blauen Kurses, wieder erreichbar auf dem Rückweg durch besagten Tunnel, einem PAR5 mit 555 m (H), stellt sich nicht nur theoretisch als das Schwerste (SI 1) heraus. Vom erhöhten Abschlag aus geht es spürbar bergab auf ein autobahnförmig breit wirkendes Fairway. Der zweite Schlag, schon optisch eingeengt durch eine Baumallee, sollte gut geplant sein, da von dessen Landezone aus der mutige Spieler auf direkter Linie das erhöhte Grün vor dem Clubhausbereich angreifen wird ... die schnurstraks über einen Ausläufer des zentral angelegten Gewässers führt.
>> FAZIT
Ein, auch durch die grosse Zahl von Spielbahnen bedingt, sehr abwechslungsreich zu bespielender Platz, der z.T. deutlich gegensätzliche Landschafts- und Spielbedingungen aufweist. In verschiedenen Teilen macht sich der Seewind deutlich bemerkbar und muss in die Spielstrategie mit einbezogen werden. Der Zustand der Fairways ist grösstenteils als gut zu bezeichnen, obwohl stellenweise mangelnde Bewässerung bzw. Pflege grössere vertrocknete bzw. kahle Stellen sichtbar werden lässt und z.T. die Grashöhen uneinheitlich sind. Die, eher harten, aber nicht sehr schnellen, Grüns weisen jedoch fast gänzlich einen Topzustand vor. Harken an den Bunkern sind Mangelware, würden aber wohl durch die mir aufgefallende Ignoranz mancher Spieler sowieso nicht genutzt werden.
Nachteil in den Hochsaisonmonaten des Frühjahrs ist die verständlich hohe Zahl an Spielern, die sich auf diesem natürlich zentral gelegenen Platzes einfinden, was zeitweise zu längeren Wartezeiten führt - unabhängig davon, ob man feste Startzeiten gebucht hat oder nicht. Trinkgelder wirken manchmal eben Wunder ...
Das Clubhaus lädt zum Verweilen ein, hat ein angenehm tunesisches Flair und, wenn auch manchmal hektisches, aber zumindest freundliches Bedienpersonal.
Das zu zahlende (18-Loch) GreenFee ist als preis-/leistungsgerecht einzustufen, in der Nebensaison natürlich durch die hohen Tagestemperaturen spürbar niedriger.
Ein insgesamt empfehlenswertes Golfresort in schöner Umgebung, in dem auch häufigeres Spiel Spass macht und nicht langweilig wird.
>> DATEN (Stand: 03.2002)
3x 9-Loch-Platz mit freier Möglichkeit der Kombination untereinander (.. wenn es die Zeitstruktur zulässt)
Kurs „rot“: Herren Länge (mittlere Abschläge): 3060 m / PAR 36 / CR und Slope n.bekannt
Kurs „gelb“: Herren Länge (mittlere Abschläge): 2835 m / PAR 36 / CR und Slope n.bekannt
Kurs „blau“: Herren Länge (mittlere Abschläge): 3123 m / PAR 36 / CR und Slope n.bekannt
>Preise
18-Loch-GreenFee: 35 tD (ca. 27,65 EUR) im Juni, Juli, August
18-Loch-GreenFee: 45 tD (ca. 35,55 EUR) übrige Zeit
Trolley (18-Loch): 5 tD (ca. 3,95 EUR) ; E-Cart (18-Loch): 35 tD (ca. 27,65 EUR)
DrivingRange Benutzung: 5 tD (ca. 3,95 EUR) … wird zeitweise kontrolliert
DrivingRange Token (Ballmaschine): 2 tD (ca. 1,58 EUR) für ca. 25 Bälle
>Anschrift
El Kantaoui Golf Course
Port el Kantaoui (Tunesien)
Tel.: 206.3.348.756
Fax: 206.3.348.755
eMail: Portelkantaoui@email.ati.tn
Homepage: keine
© TK 25/06/2002 [... alle Medien und eigene Internetpräsenzen!]
P.S.: Eine Legende für golferisch weniger geschulte Leser habe ich nicht erneut eingefügt, da ich dies schon in meinem letzten Bericht über den Flamingo GolfCourse/Monastir tat.