Elektra

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... *** Daten zum Film *** Elektra USA 2005 Länge: 96 Minuten FSK ab 12 Regisseur: Rob Bowman Drehbuch: Zak Penn, Stuart Zicherman, Raven Metzner Musik: Christophe Beck Darsteller: Elektra - Jennifer Garner Mark Miller - Goran Visnjic Abby Miller - Kristen Prout Kirigi ... Bericht lesen





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1-6 von 7 Erfahrungsberichten    
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Upps, Story vergesssen...
Erfahrungsbericht von johannes.kaufmann über Elektra
04.06.2007


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Man muß das Elend nur 96 Minuten ertragen
Kontra: Story, Musik, Figuren etc .  pp .

Empfehlenswert? nein 

Kompletter Erfahrungsbericht

Oder: Wenn Du glaubst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Ninja her


Gestern abend konnte ich einfach nicht mehr. Nach wochenlangem Büffeln für mein Examen brauchte ich einfach mal eine Pause. Also nahm ich mir vor, bei einem anspruchslosen Film ein wenig zu entspannen. Hätte ich gewußt, daß Elekra es schafft, mit ihrem Martial-Arts-Rumgerolle noch unter den niedrigsten Niveau-Ansprüchen lässig hinwegzutauchen, hätte ich vielleicht doch lieber "Grundbegriffe der Soziolinguistik" weitergelesen.


*** Daten zum Film ***

Elektra
USA 2005
Länge: 96 Minuten
FSK ab 12
Regisseur: Rob Bowman
Drehbuch: Zak Penn, Stuart Zicherman, Raven Metzner
Musik: Christophe Beck
Darsteller:
Elektra - Jennifer Garner
Mark Miller - Goran Visnjic
Abby Miller - Kristen Prout
Kirigi - Will Yun Lee
Roshi - Cary-Hiroyuki Tagawa
Stick- Terence Stamp
Diverse Bösewichte, deren Erwähnung sich nicht lohnt


*** "Story" ***

Muß man in Anführungszeichen setzen, denn ich befürchte den Handlungsstrang hat einer der Drehbuchautoren beim Telephonieren mal nebenbei auf einen Zettel gekritzelt: Nach einer kurzen Exposition, in der Elektra als gnadenlose Auftragsmörderin präsentiert wird ("Sie können sie nicht aufhalten. Keiner kann sie aufhalten!"), bekommt die Heldin einen weiteren Auftrag. Der Ort wird ihr genannt, nicht aber die Zielperson. Also lungert sie ein paar Tage auf einer Insel herum und freundet sich dabei mit einem jungen Mädchen und dessen Vater an (Abby und Mark Miller). Natürlich stellen sich die beiden kurz darauf als die Zielpersonen heraus, und da die knallharte Profikillerin schon mit der mutterlosen Kleinfamilie lecker gegessen hat, ist der Auftrag für sie nicht mehr ausführbar. Stattdessen tötet sie die Ersatzmörder, die aufgrund ihres Versagen geschickt werden. Damit ist eigentlich auch schon der Rest des Filmes erzählt: Eine obskure Organisation namens "die Hand" will den Vater töten und das Mädchen entführen, das sich als Wunderkind entpuppt. Elektra versucht, das zu verhindern. Zwischendurch tauchen immer mal wieder Ninjas auf, mal schwarz - die sind gemein, mal weiß - die sind nett. Es gibt nämlich auch eine weitere Organisation, die für das gute kämpf und blablabla...


*** Stärken ***

hm... einmal wird Jennifer Garner direkt auf den Hintern gefilmt. Aber ob das eine Stärke ist?

Einige Effekte sind ganz gut, beispielsweise während die böse Typhoid, deren Superkraft in der Verbreitung von Krankheit und Verfall liegt, Elektra ihren tödlichen Kuß verpaßt. Gleichzeitig sieht man die Pflanzen um die Superheldin (und die Schurkin) herum in Zeitlupe verdorren. In dieser Szene ist sogar die Musik in Ordnung.


*** Schwächen ***

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Da wären schon einmal die * Figuren und ihre Darsteller *.

Von Charakteren kann man nicht sprechen, denn so etwas haben die nicht - lediglich verschiedene Superkräfte und Kampfstile. Aber spätestens seit Matrix II wissen wir ja, daß man einen Menschen erst richtig kennenlernt, wenn man mit ihm kämpft.

Die Handlungen der Figuren sind zumeist vollkommen unmotiviert oder aber nicht nachvollziehbar. Das fängt damit an, daß Elektra schon nach einem kurzen "Gespräch" mit den Millers nicht mehr in der Lage ist, diese zu töten und erreicht seinen Höhepunkt im Kuß zwischen Elektra und Mark etwa in der Mitte des Films. Bis dahin hatte Mark ihr lediglich beim Leute Töten zugeschaut, mehr nicht. Der Kuß ist absolut unverständlich, ebenso wie die Begeisterung der kleinen Abby für eine mordende Soziopathin, die es während des ganzen Films kaum schafft, einen einzigen vollständigen Satz von sich zu geben. "Sie ist meine Freundin", sagt Abby, nachdem Elektra gerade vor ihren Augen zwei Ninjas erlegt hat. Scheint so, als wäre die Kleine nicht sehr pingelig bei der Auswahl ihrer Freunde.

Zu den Darstellern ist eigentlich nichts zu sagen. Jennifer Garner ist ganz hübsch - mehr aber auch nicht. Letztlich besteht der Film hauptsächlich aus Kampfszenen, unterbrochen von kurzen sinnlosen Dialogen. Keiner der Schauspieler hat da die Möglichkeit, sein (eventuell vorhandenes) Talent zu präsentieren. Zumindest ist mir aber niemand negativ aufgefallen.

* Musik *

Im Soundtrack des Film sind eigentlich nur zwei Stile vertreten. Wenn nichts passiert und sich die Protagonisten in dialogähnlicher Kommunikation befinden (nur ähnlich, denn bei echten Dialogen, ist das, was der andere sagt, von Belang), klimpert in enervierender Eintönigkeit ein Klavier vor sich hin. Springen dann plötzlich mal wieder ein paar Ninjas ins Bild, beginnt aufgeregtes und ebenso nerviges Getrommel. Insgesamt wird man als Zuschauer derart dumm eingeschätzt, daß die Musik in jeder Szene mit der Brechstange darauf hinweist, wie die Szene zu interpretieren ist. Oh Trommeln, gleich wird gekämpft. Klavier... jetzt wird "geredet".

* Peinliche Albernheiten und Klischees *

Dazu gehören einmal die Waffen wie beispielsweise ein Bogen mit Zielfernrohr oder eine automatische Armbrust, die aussieht wie ein Revolver, oder die Keule eines der Schurken. Das Schöne an den Waffen bei Elektra ist, daß sie immer da sind, wenn man sie braucht, auch wenn sie gerade weggeworfen wurden. Plötzlich haben die Darsteller sie wieder in der Hand. Das war so auffällig, das es mir einer Erwähnung wert schien.

Ninjas sind an sich schon meistens albern, aber die Elektra-Ninja lassen sich auch noch farblich schön den Lagern gut und böse zuordnen. Vielleicht gibt's ja auch Sammelninjas. Die schwarzen haben auch tolle Tricks auf Lager. Einer bricht sich zum Beispiel selbst das Genick - ohne die Hände zu benutzen!

Alle können kämpfen. Im ganzen Film taucht nur eine einzige Person auf, die keine Kampftechniken beherrscht: Elektras Agent McCabe. Der stirbt aber auch ziemlich zeitig. Ansonsten gibt es da schwarze Martial-Arts-Ninjas, eine Martial-Arts-Elektra, diverse böse Martial-Arts-Japaner, weiße Martial-Arts-Ninjas, einen alten, blinden Martial-Arts-Lehrer (der ist natürlich der beste von allen) und zu allem Überfluß ein Martial-Arts-Mädchen. Das ist nämlich das große Geheimnis des Films: Abby kann auch kämpfen.

Und nun der Höhepunkt: Der weise alte Sensei. Ein Martial-Arts-Film ohne einen solchen Lehrmeister wäre wahrscheinlich unvorstellbar. Aber seit kurzem brauchen nun wohl auch Superhelden in ihrer Vergangenheit einen geheimnisvollen Lehrmeister, der sich immer mal wieder in Form von Flashbacks ins Geschehen einmischt. Elektras Lehrmeister Stick greift sogar als Deus ex machina selbst in die Handlung ein. Dabei versammelt er in seiner Figur so ziemlich alle Klischees, die einem zu diesem Stereotyp einfallen. Natürlich ist er alt, natürlich ist er grauhaarig, natürlich ist er weisheitsinkontinent: Er kann seine schlauen Sprüche einfach nicht halten und muß sie ständig verheißungsschwanger in den Raum werfen. Zu allem Überfluß ist er auch noch blind, was ihm wiederum die Möglichkeit gibt, das unendlich abgegriffene Klischee vom blinden Seher einzubringen. Das ist bekanntlich ca. 2500 Jahre alt und kommt unter anderem in Sophokles' "Antigone" in der Gestalt des Teresias vor. Naja, immerhin ist "Elektra" ja der Titel einer anderen von Sophokles' Tragödien, aber den Drehbuchautoren deshalb eine humanistische Bildung zu unterstellen, wäre wohl übertrieben. Sonst gäbe Stick nicht solch bescheuerte Weisheiten von sich wie: "Ich bin blind, und ich sehe mehr als Du, weil ich nicht hinschaue". Der Rest des Dialoges ist kaum zu unterbieten: Elektra: "Ihr sprecht in Rätseln, alter Mann" (natürlich gebührt einem Meister wie ihm die Anrede im pluralis maiestatis). Stick: "Das schärft den Geist des Schülers". Ja, und es schädigt den Geist des Zuschauers.

Übrigens muß an dieser Stelle auf den Film "Mystery Men" verwiesen werden, in dem eine herrliche Parodie auf die Figur des weisen Lehrers auftritt: die "Sphynx", dessen Superkraft daraus besteht, daß er unglaublich mysteriös ist und Sprüche von sich gibt, deren Weisheit ihresgleichen sucht: "Wer das Training in Frage stellt, trainiert nur, Fragen zu stellen" oder "Wer an seiner Power zweifelt, powered nur seine Zweifel". Das Training ist wichtig, denn "wenn du einen Hammer auf dem Kopf balancieren kannst, werden deine Feinde kopflos und verlieren die Balance". Leider ist Stick, die Sphynx in "Elektra", durchaus ernst gemeint.

Oh, fast hätte ich's vergessen: Stick ist so weise, daß er natürlich alles von Anfang an geplant. Die gesamte erste Stunde des Films wurde von ihm so inszeniert, damit Elektra sich am Schluß für die gute Seite der Macht entscheidet und den Oberbösewicht killt. Wieder ein abgegriffenes Klischee. Die "Ich-habe-alles-von-Anfang-an-geplant"-Überraschung ist so ziemlich die plumpeste Erklärung dafür, daß "alles so kommen mußte, wie es kam", die es gibt. Eigentlich hätte Elektra am Schluß nur noch aufwachen und sagen müssen: "Puh, das war alles nur geträumt", dann hätte man auch noch das letzte Verbrechen des Geschichten-Versauens begangen.

*** Fazit ***

An "Elektra" ist nichts, aber auch gar nichts zu empfehlen. Am liebsten würde ich von den Verantwortlichen die 96 Minuten Lebenszeit, die mit geraubt wurden, zurückverlangen. Die Werbeunterbrechungen (ja, ich habe den Film im TV gesehen) zähle ich nicht mit, denn die waren die Höhepunkte des Abends.
Die Darsteller sind farb- und leblos, trotz Elektras wenig dezent am Computer nachgeröteten Outfits. Eine Story habe ich nicht ausmachen können. Tatsächlich besteht der Film lediglich aus Elektras Versuch, Abby und ihren Vater gegen die Schergen der "Hand" zu verteidigen. Die Drehbuchautoren haben sich nicht einmal dazu herabgelassen, dem Zuschauer zu erklären, was die Bösewichte eigentlich von dem Kind wollen, wie sie auf sie aufmerksam geworden sind oder gar, was für eine Organisation die "Hand" überhaupt ist. Obwohl, es sind Japaner, das dürfte bei dem Versuch, ein kleines Mädchen zu entführen, als Erklärung wahrscheinlich ausreichen. ;)
Vielleicht wurde aber auch so viel offen gelassen, um Anknüpfungspunkte für eine Fortsetzung zu haben. Da kann man nur hoffen, daß es niemals dazu kommen wird. Denn wenn man sich für hirnloses Rumgekloppe in bunten Kostümen interessiert, kann man sich auch Power Rangers anschauen.    
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