Elizabethtown

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Warum schwimmen Lachse gegen den Strom?

5  14.11.2005

Pro:
Schauspieler, Thematik, Mischung aus Drama und Komödie, Crowes lockere Erzählweise, schöne Bilder, Soundtrack

Kontra:
Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig

Empfehlenswert: Ja 

SVoigt2000

Über sich: "Die Tat ist alles, nichts der Ruhm", Goethe "Faust"

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Erfahrungsberichte:806

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 87 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Es stand mal wieder Kino auf dem Freizeit-Programm. Dieses Mal haben meine Freunde und ich uns für "Elizabethtown" entschieden, einen Film, der vom Trailer her ein schönes Drama mit guten jungen Schauspielern werden sollte. Also genau nach meinem Geschmack ... oder?

-----STORY:-----
Drew (Orlando Bloom) designt Sportschuhe und hat seinem Arbeitgeber gerade einen Milliardenflop eingehandelt und wird gefeuert. Als ihn dann auch noch seine Freundin Ellen (Jessica Biel) verlässt, beschließt er, seinem Leben ein Ende zu bereiten. Doch dann klingelt das Telefon...

Drews Schwester Heather (Judy Greer) teilt ihm mit, ihr Vater Mitch (Tim Devitt) wäre verstorben und er, Drew, müsse nun nach Elizabethtown, in Kentucky, fliegen, um dort die Trauerfeier zu organisieren und den Leichnam einäschern zu lassen. Während des Fluges lernt Drew die Stewardess Claire (Kirsten Dunst) kennen. Sie gibt ihm ihre Telefonnummer und so entwickelt sich ganz langsam eine kleine Romanze...

In Elizabethtown angekommen, lernt Drew aber auch seine Verwandtschaft kennen, zu denen er jahrelang keinen Kontakt hatte. Die Verwandten sind nämlich immer noch sauer auf Drews Mutter Hollie (Susan Sarandon), weil sie ihnen angeblich Mitch weggenommen hat. Drew wird aber herzlichst aufgenommen und sogar verehrt, weil sein riesiger Flop im Beruf noch nicht bis Elizabethtown vorgedrungen ist und man glaubt, Drew wäre immer noch ein Star unter den Schuhdesignern...


-----KOMMENTAR:-----
Zuerst einmal muss ich sagen, dass der Film an einigen Stellen, besonders am Anfang, eher merkwürdig ist. Das fängt bei dem Selbstmordversuch Drews an. Extra dafür hat er sich nämlich aus einem Küchenmesser und einem Hometrainer-Fahrrad und viel Finesse eine Tötungsmaschine der besonderen Art gebaut. Das Ganze wirkt schon sehr abstrus.

Außerdem sind einige Charaktere doch sehr merkwürdig und gewöhnungsbedürftig. Stellenweise kamen mir einige Personen karikaturhaft-überzeichnet vor, genau wie die Spielweise einiger Schauspieler. Aber das sorgte gleichzeitig auch für eine gewisse Komik.

Spätestens wenn Drew aber in Elizabethtown ankommt, normalisiert der Film sich sozusagen und profitiert dann von seinen jungen und frischen Schauspielern. Orlando Bloom ("Herr der Ringe"-Trilogie, "Fluch der Karibik", "Königreich der Himmel") spielt hier wohl seine bisher beste Rolle und kann zeigen, dass er wirklich über schauspielerische Qualitäten verfügt. Besonders seine Mimik in einigen Szenen war sehr sehenswert, aber auch sein restliches Spiel ist nicht zu verachten. Gleiches gilt für Kirsten Dunst ("Mona Lisas Lächeln", "Spiderman 1 + 2"). Die Beiden bereichern den Film wirklich.

Über Susan Sarandon ("Rocky Horror Picture Show", "Der Klient", "Darf ich bitten?", "Alfie") muss nicht mehr viel gesagt werden. Sie ist eine sehr gute Schauspielern - nicht erst seit heute oder gestern. Sie hat zwar nicht wirklich eine Hauptrolle, darf aber am Ende, auf der Trauerfeier für ihren Mann, eine wirklich tolle Rede halten und steppt für ihren Mann dann noch zu seinem Lieblingslied - großes, rührendes Kino.

Aber der Film an sich kommt auch jung und frisch daher, genau wie die Schauspieler. Die Erzählweise von Regisseur Cameron Crowe ("Vanilla Sky", "Almost Famous", "Jerry Maguire") hat etwas Lockeres, das sehr angenehm ist und bei dem eigentlich traurigen Grundthema des Filmes - der Tod des Vaters - auch nötig ist. Man hat eigentlich ein Problem, den Film zu einem bestimmten Genre zuzuordnen, was es schon fast zu einem kleinen Wunder macht, dass er überhaupt in die Kinos kommt. Denn: Was sich nicht zuordnen lässt, das lässt sich auch nicht promoten. Da hat der Film wohl großes Glück gehabt, dass viele bekannte Schauspieler daran mitwirkten, denn der Film hat es verdient, gezeigt zu werden. Für mich persönlich ist der Film ein komisches Drama, denn Crowe schafft es immer wieder, gerade rechtzeitig, bevor die Traurigkeit zu groß wird, etwas Komisches einzubauen - und umgekehrt.

Wie Nah Trauer und Freude in "Elizabethtown" beieinander liegen wird wohl in dem Hotel am deutlichsten, in dem Drew absteigt. Er bekommt das letzte Zimmer auf einer Etage, auf der ansonsten eine Hochzeitsgesellschaft wohnt und laut feiernd durch den Flur stürmt. Überall hängen Luftballons und alle sind glücklich - nur Drews Stimmung passt da nicht rein.

Trotzdem ist Drew noch nicht wirklich soweit, um seinen Vater zu trauern. Das kommt erst nach den Feierlichkeiten, als er mit dem Auto von Elizabethtown nach Hause fährt, wie Claire es ihm geraten hat. Dafür hat sie ihm extra eine Karte gebastelt - mit Routen, Sehenswürdigkeiten und dem passenden Soundtrack dazu auf CD. Und so fährt Drew, die Urne seines Vaters auf dem Beifahrersitz, und beginnt irgendwann mit seinem Vater zu sprechen, den er eigentlich nicht gut kannte. Er weint, er lacht und erlebt die große Traurigkeit, von der Claire wollte, dass er sie erlebt. Das Rührendste ist dann aber wohl, dass Drew beginnt, die Asche seines Vaters überall da zu verstreuen, wo er es für richtig hält: In einem Fluss, der zum Mississippi führt, vor dem Hotel, in dem Martin Luther King erschossen wurde u.s.w.

Trotzdem gibt es natürlich auch komische, schöne und sogar romantische Szenen. Da wäre vor allem das Kennenlernen von Drew und Claire zu nennen - das wohl beste Kennenlernen, das ich bisher in einem Film gesehen habe. Sie gibt ihm ihre Telefonnummer und er ruft an, als er in seinem Hotel ist. Dann reden die Beiden die ganze Nacht durch, um dann zu beschließen, sich zu treffen und den Sonnenaufgang gemeinsam zu bestaunen. Wirklich sehr schön...

Abschließend muss ich einfach auch den Soundtrack des Filmes erwähnen, der ein weiteres Highlight darstellt. Neben etwas neueren Songs, die man so aus dem Radio kennt, aber auch älteren Blues-Songs. Ein absolut großartige Soundtrack, der den Film perfekt unterstützt und die jeweiligen Stimmungen perfekt einfängt, wiedergibt und dem Zuschauer noch besser zugänglich macht.


-----FAZIT:-----
Ein unglaublich toller Film, mit unglaublich guten Schauspielern und einer unglaublichen Mischung aus Humor und Dramatik. Mal möchte man mit Drew mittanzen (mit einem Arm in der Höhe) und mal möchte man einfach nur weinen. Und am Ende steht die Antwort auf meine Überschrift:


Warum schwimmen Lachse gegen den Strom und schlagen sich dabei sogar blutig? Für Sex natürlich ... und um zu leben.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Julian33

Julian33

06.03.2006 17:25

Ein echt toller Bericht zu einem echt tollen Film. Insbesondere das mit den Lachsen am Ende gibt dem ganzen noch so einen netten Lacher :-). Ein wirklich in sich schlüssiger und gut formulierter Erfahrungsbericht.

faja2004

faja2004

15.01.2006 21:49

Ebenfalls ein wunderbar ausführlich und fesselnd geschriebener Bericht. Ich muss sagen, dass du mich neugierig gemacht hast und ich es kaum erwarten kann, dass es den film endlich in der videothek gibt.

little_maryann

little_maryann

22.11.2005 13:39

Toll beschrieben

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  1. Julian33
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