Elizabethtown

Erfahrungsbericht über

Elizabethtown

Gesamtbewertung (12): Gesamtbewertung Elizabethtown

 

Alle Elizabethtown Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


 


Einmal nur die Mitte, bitte!

3  17.05.2006

Pro:
Kirsten Dunst, Mittelteil des Films, Musik

Kontra:
Anfang und Ende des Films

Empfehlenswert: Ja 

IQIQIQ

Über sich: Aha - hier ist also alles beim Alten! - Auf die "Politik" hab ich nach wie vor keinen Bock...

Mitglied seit:22.11.1999

Erfahrungsberichte:720

Vertrauende:142

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 113 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Die Story:
Drew ist verantwortlich dafür, dass die Firma, für die er arbeitet, einen neuen Sportschuh zurückrufen muss, was die Firma 972 Millionen Dollar kosten wird. Nach dem Gespräch mit seinem Vorsitzenden will Drew sich umbringen. Da ruft seine Schwester an und sagt ihm, dass sein Vater tot ist. Er war gerade bei Verwandten in Kentucky und hatte einen Herzinfarkt. Da Drews Familie mit der seines Vaters kaum noch Kontakt hatte, soll Drew dorthin fahren und seine Beerdigung vorbereiten.
Auf dem Flug nach Kentucky lernt Drew die charmante Stewardess Claire kennen.
In Elizabethtown muss Drew sich mit der Familie seines Vaters auseinandersetzen, die ganz andere Pläne für die Beerdigung hat als seine Mutter und seine Schwester in Oregon.
Nach einem langen Telefonat kommen Drew und Claire sich näher und treffen sich wieder. Claire hilft Drew über seine schwere Zeit hinweg, zunächst ohne zu wissen, dass es da noch mehr gibt als den Tod des Vaters. Mit ihrer Hilfe gelingt es Drew, seine Familie mit der seines Vaters zu versöhnen.
Doch als Claire mehr von ihm erwartet, rückt Drew endlich mit seinem geschäftlichen Versagen, denn er hat immer noch vor, sich umzubringen. Claire schickt ihn per Auto zurück nach Oregon, einmal quer durch die USA, mit einer Karte, auf der sie ihm Anweisungen gegeben hat, was er sich anschauen soll ...


Das ist wieder einmal ein Film, an dem sich die Geister scheiden. Ich kenne Leute, die begeistert waren, und andere, die den Film in Grund und Boden verdammen.
Ich mag an sich Romantic Comedys - aber ich stelle auch besonders hohe Ansprüche daran. Deshalb bin ich mit sehr hohen Erwartungen in diesen Film gegangen. Und die wurden leider nicht erfüllt, jedenfalls nicht den ganzen Film hindurch.

Fangen wir einfach mal vorne an:
Dass ich am Anfang nicht richtig in den Film reinkam, zeigt sich schon daran, dass ich die ganze Zeit dasaß und dachte: "Wie, um Himmels willen, kann der Rückruf eines einzigen neuen Schuhtyps eine Firma 972 Millionen Dollar kosten?" Der Rückruf eines Flugzeugtyps, eines Medikaments mit verheerenden Nebenwirkungen, eines innovativen Baustoffs, bei dem die Gebäude nach einem Jahr zusammenbrechen - meinetwegen. Aber bei Schuhen???
Nun ist ja in der Tat Übertreibung ein Stilmittel der Komik, natürlich auch bei einer Romantic Comedy wie dieser - aber sie hat da einen Zweck zu erfüllen, nämlich komisch zu sein! Sind 972 Millionen Dollar lustiger als meinetwegen 20 Millionen Dollar? Nein! Kein Stück!
Dann ging es auch noch gleich mit so unglaubwürdigen Zahlen weiter, als Drew über die Türen zum Büro seines obersten Chefs sinniert und dabei sagt, dass schon der Transport dieser Türen (die von irgendeiner orientalischen Kirche stammen) pro Stück über 700.000 Dollar gekostet hätten. Ich meine: dass Kunstwerke (und dazu könnte man diese Türen zählen) praktisch beliebig viel kosten können, wenn nur jemand bereit ist, den Preis zu zahlen, ist bekannt. Aber der Transport?
Und wieder: Ist das komischer als eine realistische Zahl? Nein, leider nicht!
Sprich: Dieser Anfang war für mich einfach nicht glaubwürdig. Die unrealistischen Zahlen haben bei mir dazu geführt, dass ich dasaß und mir darüber Gedanken machte, statt mich mit Drew zu identifizieren.

Anschließend will Drew sich umbringen. Dass das für mich nicht unbedingt glaubwürdig war, lag sicher daran, dass ich immer noch über den enormen Betrag nachdachte und immer noch nicht daran glaubte, dass die Firma wegen einem einzigen Schuh, der sich als Fehlkonstruktion erwiesen hat, soviel verlieren sollte.
Noch schlimmer ist allerdings die Methode, die er dafür wählt: Ein großes Küchenmesser, das er an seinem Heimtrainer befestigt. Und schon wieder war ich raus aus der Geschichte und stattdessen am Grübeln, ob so eine Selbstmordmethode überhaupt klappen kann ... Und egal ob: Dass hoffentlich keine Kinder den Film sehen und versuchen, sowas nachzumachen (denn Verletzungen gibt es bestimmt).
Wieder dasselbe Problem wie vorher: Ist die Methode glaubwürdig? Nein! Ist sie komisch? Nicht im Geringsten! Sie ist einfach nur blödsinnig.

An dieser Stelle war ich nahe daran, den Film abzustellen. Doch dann wird es plötzlich wirklich besser: Claire ist zwar erst eine ziemliche Nervensäge und ein Plappermaul - aber sie ist das alles durchaus charmant und liebenswert, und ihre Dialogbeiträge sind teilweise ziemlich geistreich und zitierfähig ("man kann mich schwer vergessen, sich aber schwer an mich erinnern"). Und die beginnende Liebesgeschichte mit Drew finde ich auch glaubwürdig.
Die Charakterisierung von Claire ist übrigens ein tolles Beispiel für gelungene Übertreibung als komisches Stilmittel: Sie ist so hilfsbereit, dass sie Drew ausführlich den Weg nach Elizabethtown erklärt, obwohl er viel lieber in Ruhe gelassen werden will. Das ist übertrieben - und es ist komisch! Die Macher des Films können es also doch, wenn sie nur wollen!
Allerdings hat die Sache auch einen Haken: Den Hintergrund mit Drews beruflichem Fiasko muss ich über die schöne Lovestory vergessen - und das kann ich auch prima, weil das in seiner Figur ab jetzt über lange Strecke gar nicht mehr spürbar ist. Der Verlust des Vaters ist immer präsent und gibt der Geschichte eine bittersüße Note. Aber die Schuhgeschichte? Die ist über lange Strecken weg. (Vielleicht: Zum Glück, so unglaubwürdig wie die war.)

Am Ende rückt dann allerdings die Schuhgeschichte wieder in den Vordergrund, denn es braucht ja einen Grund, warum Claire und Drew nicht sofort miteinander glücklich werden können - der Film wäre ja sonst viel zu früh vorbei. Und ab da hat der Film dann auch nicht mehr für mich funktioniert. Drews Reise durch Amerika schien mir endlos, habe mich trotz der schönen Bilder und der guten Musik hier wirklich gelangweilt. Und dass Drew so viel Nachhilfe braucht, um sich für Claire statt den Selbstmord zu entscheiden, macht ihn - sorry - zu einem ziemlich Idioten.


Apropos Bilder und Musik:
Beides ist wunderbar gelungen. Wenn der letzte Teil des Films eine Doku über die Schönheit Amerikas sein sollte - einwandfrei. Nur in dem Film fand ich sie furchtbar. Ich meine: wer zweifelt denn zu dem Zeitpunkt noch, ob Drew und Claire sich kriegen? Wer glaubt ernsthaft, dass Drew sich immer noch umbringen wird? Aber diese Zeit, wo alles längst klar ist, wird gedehnt und gedehnt und gedehnt und mit Bildern und Musik gefüllt - aber kaum noch mit Geschichte. Ich fand das unbefriedigend - gerade bei einem 2-Stunden-Film!
Ähnlich mit der Musik: Sie unterstützt perfekt jede Stimmung und jeden Stimmungswechsel des Films. Im Mittelteil, der für mich funktioniert, ist das toll. Aber an den Stellen, wo der Film nicht funktioniert, nützt das leider auch nichts, um mich bei der Stange zu halten.


Noch einmal aus Drehbuchsicht zum Anfang und Schluss des Films:
Dies ist ja keine reale Geschichte, es ist ein Film. Es gibt also keinen Grund, genau diesen Anfang und diesen Schluss zu wählen - es sei denn, man will es so. Und man sollte es so wollen, wenn es der bestmögliche Anfang und der bestmögliche Schluss des Films ist. Aber das ist hier leider nicht der Fall.
Drew könnte Schuld an etwas Gravierendem UND Glaubwüridgem sein oder sich die Schuld daran geben.
Beispiele: Ein Medikament könnte jemanden umgebracht haben. Dann müsste Claire am Ende eine Versöhnung zwischen Drew und den Angehörigen des Opfers vermitteln oder aller Welt klar machen, dass es nicht Drews Schuld war, oder Drew deutlich machen, dass mehr als das eine Opfer durch sein Medikament überlebt haben.
Oder: Wenn es denn unbedingt Schuhe sein sollen - ein Kind, das Sportler werden wollte, könnte sich durch die Schuhe eine gravierende Verletzung zugezogen haben. Auch dann müsste Claire eine Versöhnung mit dem Kind herbeiführen, dazu beitragen, dass Drew dem Kind eine neue Perspektive bietet und damit beide versöhnen. Oder so etwas in der Art.
Sprich: Die Tragik hinter Drews Entschluss, Selbstmord zu begehen, müsste ebenso greifbar (und keinesfalls unglaubwürdig!) werden wie Claires Lösung für Drews Selbstmordabsicht. So wie das in diesem Film geschieht, bleibt aber beides irgendwie "lala", nicht greifbar, nicht glaubwürdig ...


Zu den Schauspielern:
Orlando Bloom als Drew ist natürlich schön wie immer, aber so ganz überzeugt er mich nicht. Ich weiß nicht, ob es seine Schuld ist oder die der Geschichte, aber in seiner Figur müsste natürlich, wenn es diesen Schuhhintergrund schon gibt, dieser natürlich auch ständig deutlich werden, und das funktioniert für mich nicht.
Kirsten Dunst als Claire hat mich dagegen überzeugt. Ehrlich gesagt, kannte ich vor diesem Film zwar ihr Gesicht, aber ihren Namen hatte ich mir nie gemerkt, dazu war sie mir noch in keiner Rolle genug aufgefallen. Das hat sich mit diesem Film geändert - ihre Figur könnte furchtbar nervig rüberkommen, aber ihr gelingt es, Claire einen unglaublichen Charme zu geben.

Fazit:
Der Film hat eine wunderschöne Liebesgeschichte im Mittelteil, die leider durch den unglaubwürdigen Anfang und den Schluss, der diesen Anfang wieder aufgreift und noch dazu unglaublich breit ausgewalzt wird, ein Stück weit entwertet wird.

Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
mertyrre

mertyrre

19.05.2006 12:53

SH - einen schönen Urlaub wünsche ich dir. LG Mertyrre

KoenigAragorn

KoenigAragorn

19.05.2006 01:25

Eigentlich war ich ja hier, weil ich nen Bericht über den Schriftverkehr mit ciao zu dieser ach so entzückenden Plus-Werbung gesucht hatte - aber da wurde ich 'nur' im GB fündig. Aber da ich schon mal da war, dacht ich mir, schau ich mal nach diesem Film. Wenn ich das so lese, bin ich ja froh, dass ich ihn nicht im Kino gesehen habe. Da hätte mir das Geld für Karte als Verschwendung erschienen - wenn wir schon beim Thema Zahlen sind...

EvilEye

EvilEye

18.05.2006 15:25

hab schon so mancherlei von dem film gehört... bislang konnt ich mich davor drücken, und werde dies wohl auch weiterhin tun ;)

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 637 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (1%):
  1. Paukenfrosch

"sehr hilfreich" von (99%):
  1. Trinity__
  2. Perserkatze1
  3. mblu223
und weiteren 109 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.