Was war denn das, lieber Cameron?
02.12.2007
Pro:
Aussage des Films
Kontra:
Umsetzung, kein Gefühl, Orlando=Fehlbesetzung
Empfehlenswert:
Nein
 sydneyt27
Über sich:
Bin gerade mitten in der Einführungswoche und freu mich schon auf die Vorlesungen... Hoffentlich auc...
Mitglied seit:19.11.2007
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Hi alle zusammen! Ich möchte gerne einige Worte über den Film "Elizabethtown" von Cameron Crowe aus dem Jahre 2005 verlieren. Erstens sei gesagt, dass ich selten einen schlechteren Film gesehen habe als diesen, obwohl ich von Crowe anderes gewohnt war. Da einige meiner Freundinnen jedoch abgöttische Fans von Orlando Bloom sind und sie jegliche negative Kritik über Filme mit ihm als persönlichen Angriff auf sich selbst sehen, schreibe ich für alle Orlando Fans auch eine nette Version, nennen wir sie einfach die "Orlando-Bloom-Fan-Version" auf, damit ich keine Drohbriefe seitens meiner Freunde erhalte...
Erst aber einmal der Inhalt zum Film
Drew Baylor ("Orlando Bloom") hat das, wovon Männer träumen: einen gut bezahlten Job als Turnschuh-Designer und eine wunderschöne junge Freundin. Leider verliert die Firma dank Drews neuestem Entwurf nicht nur fast eine Milliarde, nein, natürlich ist der Job für Drew somit auch weg. Zu allem Überfluss beendet seine Freundin ("Jessica Biel") auch noch die Beziehung. Nach der ersten Filmviertelstunde ist Drew nun schon bereit für den Freitod.
Abgehalten wird er nur von einer noch schlimmeren Nachricht - sein Vater ist gestorben, als dieser zu Besuch bei seinen weit weg lebenden Verwandten war. Nun bittet Drews Mutter ("Susan Sarandon") ihn, den Leichnam des Vaters heimzuführen, da mrs. Baylor keinen allzu guten Kontakt mit der Familie des Ehemannes pflegte. Bald sitzt Drew als Einziger im Flugzeug auf dem Weg zu seinen Verwandten, in dem er die kesse, wenn doch ein wenig durchgeknallte Stewardess Claire ("Kirsten Dunst") kennenlernt.
Der Kontakt zu seiner Verwandtschaft und die aufkeimende Liebesbeziehung zu Claire zeigen Drew, dass das Leben auch schöne Seiten zu bieten hat und so beginnt er langsam, sich aus seiner Lethargie zu befreien.
Kritik (Fan-Version... oder wie ich ihn mir gewünscht hätte...)
Cameron Crowes Film kommt mit wenig Trara, aber dafür mit viel Humor, Feinfühligkeit und Ehrlichkeit daher. "Elizabethtown" erzählt auf typisch crow`sche Weise eine Geschichte von Leben und Tod, Liebe und Trauer. Von Familie und Freunden - eine Story, wie sie das Leben nun mal schreibt und dies alles auf eine so wundervolle Erzählweise, dass man in nahezu jeder einzelnen Sekunde die Leiden des jungen Protagonisten mitempfindet und mitfühlt. Sein Schicksal erfüllt das gesamte Kinopublikum im Nu. "Elizabethtown" ist ein gelungener Genremix aus Drama, Romantik und einer guten Prise Humor. Zu keiner Zeit wirkt der romantische Part des Films schnulzig, da die Beziehung zwischen Drew und Claire durch eine sympathisch-witzige Art mit sehr vielen tiefgründigen und klugen Dialogen dargestellt wurde.
Die Begegnung Drews mit dem Tod und verdrängten Erinnerungen wirft die Frage nach dem Sinn des Lebens auf - und bei allem Witz, allen Running-Gags und satirischer Distanz durchzieht den Film ein roter Faden aus Melancholie. Die Szenen sind wunderschön fotografiert und mit einem herausragenden Soundtrack unterlegt, so dass dieser Film zu einem melodisch wunderbaren Gesamtkunstwerk aufsteigt. "Elizabethtown" bringt Farbe und gute Laune in einen tristen Wintertag und ist somit Wohlfühlkino fürs Herz. Für mich ohne Frage der bemerkenswerteste und vollkommenste Film im Kinojahr 2005!
So..., jetzt aber mal ehrlich. Hier kommt die Version, die ich leider erleben musste und glaubt mir, bei 8 Euro Eintritt hätte ich gerne die Orlando-Fan-Version gesehen Cameron Crowe ist so ein guter Regisseur. Mit "Jerry McGuire" und "Almost Famous" bewies er sich als ein Mann, der Sentimentalität und Komödie wunderbar miteinander verbinden kann. Da er in seinen Filmen oft autobiografische Züge einarbeitet, können wir jederzeit auf echtes Gefühlskino hoffen und zeitgleich einen Film erwarten, der auch didaktische Tendenzen aufweist und uns somit als wunderschöner und lehrreicher Film in Erinnerung bleibt. Aus diesem Grund habe ich mich auch schon so auf "Elizabethtown" gefreut und war sehr gespannt. Gut, sagen wir erst mal nur soviel... meine Erwartungen an Cameron Crowe sind derzeit etwas in den Keller gesunken!
Orlando Bloom hat hier leider noch weniger Ausstrahlung als ein Wesley Snipes in seinen "Blade" Filmen. Nie konnte man seine Gedanken nachvollziehen, nie leidet man mit ihm mit, was wiederum mit der irrwitzigen Situation zu tun hat, in der er sich befindet. Ich persönlich identifiziere mich mit Menschen, die Schlimmes erleben oder Niederlagen erleiden, doch Orlando setzt dank einer Turnschuhniederlage gleich eine ganze Milliarde in den Sand. Dies ist für mich überzogen und gar lächerlich. Nahtlos wird diese Übertreibung in der natürlich anschließenden Trennung seiner Freundin ("Jessica Biel") fortgesetzt, was wiederum seinen Höhepunkt in der anschließenden missglückten und lächerlichen Selbstmordszene findet. Die Romanze zwischen Dunst und Bloom funktionierte noch einigermaßen gut, nicht zuletzt, da Kisten Dunst mit Esprit und Temperament Bloom an die Wand spielt. Als Familiendrama versagt "Elizabethtown" aber auf ganzer Linie. Da gibt es zu viele Nebenplots, die ins leere laufen und den Film unnötig in die Länge ziehen. Traurigstes Beispiel ist ein gegen Ende zur Gedenkfeier eingestreuter, nahezu 10minütiger Stand-up Monolog von Susan Sarandon, der als Deleted Scene vielleicht ganz nett gewesen wäre, im Kontext des Films jedoch untergeht. Klar werden Liebhaber des Films sagen: "Das musste sie doch für ihren toten Gatten noch machen!" - doch bitte nicht auf einer Gedenkfeier, bei der Sarandon dann einen glanzvollen Auftritt als Stepperin hinlegt und somit zum gefeierten Comedystar avanciert. Okay, in Amerika ist halt alles mit Show verbunden. Besonders merkwürdig fand ich die Tatsache, dass Sarandon in nur knapp 5 Tagen das Steppen und viele andere Dinge lernte. Merkwürdig, wie viel sie in der kurzen Zeit noch schaffte...
Das Schlimmste, was an diesem Film jedoch falsch gelaufen ist, ist das Fehlen jeglichen Gefühls. Es geht um Trauer, um Liebe und um die Familie, doch keiner der Schauspieler kann dies überzeugend rüberbringen, zumal diese Tatsache im Drehbuch wohl gänzlich fehlte. Crowes Fehler war es meiner Meinung nach, dass er für "Elizabethtown" zu viele Genrès miteinander vermischte. Drama, Liebe, Komödie und zuletzt auch noch ein Road Trip, den Gipfel dieses Films.
Da fährt Bloom auf jenen "road trip" durch die USA, den ihn Claire als wichtiges Initiationsritual im Leben jedes jungen Amerikaners verordnet hat. Und damit sich die Freiheit der Landstraßen und das Sich-Selbst-Ausgeliefert-Sein nicht etwa zu fad werden, hat sie ihm doch gleich ein fix-und fertiges Reisepaket als Koffer zur Verfügung gestellt. (Hoffentlich auch bald bei uns erhältlich...) Darin ist genau verzeichnet, wann er wohin fahren, was unternehmen und welche Musik der zahlreichen Mix-Cds zu welcher malerischen Landschaft hören soll. (Man bedenke, dass die liebe Claire diesen ganzen Weg zurückgelegt habe musste, um dies zusammenzustellen und das alles in knapp 5 Tagen? Hmm...) Auf diesem Weg erlebt Drew auch tatsächlich die vorgeschriebene, einzigartige Erfahrung, die ein Gespräch mit einem lebenserfahrenen Barkeeper ebenso beinhalten wie einen Besuch im Martin Luther King-Gedenkmuseum oder die endgültige Aussöhnung mit seinem Vater... Bleibt letztlich nur mal wieder die Frage: "WANN HATTE DIE LIEBE CLAIRE ALS BERUFSTÄTIGE FRAU BITTE DIE ZEIT, DIESEN MINUTIÖS UND PENIBEL GEPLANTEN REISEBEGLEITER ANZUFERTIGEN?
Zur Premiere auf verschiedenen Festivals lief "Elizabethtown" in einer (Horror)Langfassung von 138 Minuten. Nach gespaltenen Publikumsreaktionen hat Crowe den Film auf 125 Minuten geschnitten. Geholfen hat es nicht viel. Weniger ist das Problem die Lauflänge, sondern eher die unausgewogene Gewichtung der einzelnen Handlungselemente. Letztlich bleibt nur noch zu sagen, dass "Elizabethtown" aufgrund seiner klischeehaften Familienplots, die schon zu häufig im Fernsehen zu sehen waren und dem Mangel an ehrlichem Gefühl für mich einfach einer der schlechtesten Filme im Kinojahr 2005 und mit Abstand der Schlechteste von Cameron Crowe. So, genug gemeckert... vor kurzem habe ich mir doch tatsächlich diesen Film nocheinmal mit Freundinnen angesehen da ich sichergehen wollte, dass ich vielleicht doch ein wenig zu Unrecht über diesen Film geurteilt habe. Leider habe ich seitdem noch ein viel schlechteres Bild davon. Es ist wie es ist. Wenn ein Film damit beginnt, dass eine Frau, die gerade ihren Mann verloren hat sich nur die Frage stellt, wie sie sich als Witwe denn nun verhalten soll und man noch nicht mal Ansatzweise etwas spürt, dass wie ein Verlust hätte aussehen können, dann kann der Film eigentlich nur besser werden... dem war nicht so. Die Aussage des Films ist (zwar schon oft gesehen) natürlich gut und richtig, doch die Umsetzung... Fehlanzeige.
So, das war es nun endlich von mir und "Elizabethtown". Ich wünsche einen schönen Tag und schon mal im Voraus ein frohes Fest! Liebe Grüße
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07.01.2009 08:48
Super geschrieben und sehr amüsant zu lesen, so traurig schlecht der Film auch war! MIch hat der Film auch total enttäuscht, es kamen in der Tat keine Gefühle rüber, dann gab es diese Längen und Unstimmigkeiten! Wie Kirsten Dunst diesen (zugegebenermaßen genialen) Reiseführer zusammenstellen konnte, ist mir auch ein Rätsel, zumal sie ja wohl eher fliegt als mit dem Auto durch die LAnde zieht. Naja, bleibt mir nur als Fazit: Orlando Bloom funktioniert nur in blond ;-)
02.12.2007 16:34
Den hätte ich mir neulich beinahe gekauft... zum Glück doch nicht. mfG Regan
02.12.2007 15:17
Ein sehr schöne Bericht ..LG Ceylan