Erfahrungsbericht über

Elsas Blaubeeren - Roman / Marion Boginski

Gesamtbewertung (1): Gesamtbewertung Elsas Blaubeeren - Roman / Marion Boginski

 

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Bavaria pflückt Blaubeeren

5  11.08.2009

Pro:
die Denkanstösse, der Schreibstil, die Geschichte

Kontra:
für einige sicher der unkonventionelle Schreibstil

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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Bavaria123

Über sich: * *☼ ☼~ * * Würde gern meine 6 Buchberichte wieder zurück bekommen... ☆"˜...

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 291 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Zu meinem Geburtstag hatte ich eine ganze Menge Bücher geschenkt bekommen. Als zweites habe ich den Roman „Elsas Blaubeeren“ gelesen.


Das Buch
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Elsas Blaubeeren
Ein Bild vom Cover füge ich bei (wenn es funktioniert)

erschienen im Aufbau Verlag
Februar 2009
218 Seiten
Preis 18.95 Euro

ISBN 978-3-351-03261-6

Die Autorin
=========

Die war für mich mal wieder eine Unbekannte.
Marion Boginski wurde im Jahr 1959 geboren. Sie lebt heute in Eberswalde.
Bisher veröffentlichte sie diverse Kurzgeschichten in Zeitschriften und Anthologien.
2008 erhielt sie den Ehm-Welk-Literaturpreis.

Die Geschichte
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Oma Elsa und Opa Richard hatten in den dreißiger Jahren ein Haus bei Berlin gebaut.
Nach dem Ende des Krieges wurde eine Mauer um die Siedlung gezogen, in der es stand und russische Offiziersfamilien dort einquartiert. Somit blieb es ein naheliegender und doch unerreichbarer Ort nicht nur für Elsa und Richard, sondern für die ganze Familie.
Nach dem Fall der Grenzmauer bekam die Familie das Haus nach 52 Jahren zurück. Allerdings lebten Elsa und Richard nicht mehr und das Haus war völlig verwahrlost.
Clara, eine der beiden Enkelinnen, renoviert mit ihrem Mann das Haus und zieht, unter dem Neid ihrer fünf Jahre jüngeren Schwester dort ein.
Aber Clara bietet immer dann Unterschlupf in dem Haus, wenn ihre Schwester mal wieder von einem Mann verlassen wird. Allerdings nur für einen Zeitraum von zweieinhalb Tagen.
Dieses Mal, am Heiligen Abend, ist aber auch Claras Mann verschwunden.
So verlängern sich die zweieinhalb Tage….


Eine Kostprobe
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Seite 7

Heilig Abend und Regen. Das passte nicht zusammen.
Drei Stunden später fand ich, es passte doch. Passte für Leute mit nicht ausgepackten Geschenken unter dem Tannenbaum. Leute wie mich.
Pausenlos bewegten sich die Scheibenwischer meines Autos, so dass ich nur schemenhaft die Siedlung wahrnahm, in die ich einbog. Maik saß schweigend neben mir, wie meist seit er sich in der Pubertät befand, als bedeutete Pubertät Schweigen. Wenn er sprach, sagte er ja und nein und weiß nicht und vielleicht.
Im Moment hörte ich nur ein Brummen, als ich sagte: Besser wir sind bei Tante Clara als allein zu Haus.
Ich fuhr an Häusern, Gärten und Zäunen vorbei, die mich jedes mal daran erinnerten, dass die Siedlung vor ein paar Jahren noch völlig anders ausgesehen hatte, eingezäunt von einer grauen Betonmauer, und am Zufahrtsweg in einem Betonhäuschen ein Soldat mit einer Kalaschnikow. Dahinter Frauen und Männer und Kinder, die russisch sprachen und russisch feierten und russisch spielten.
Nachdem der Soldat mit seiner Kalaschnikow fort war aus dem Wachhäuschen und die Frauen und Männer und Kinder auch, blieben Häuserreste und Möbelreste und Essensreste.

Meine Meinung
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Da ich die Autorin vor diesem Buch nicht kannte, wusste ich auch gar nicht, was da mit diesem Buch auf mich zu kommen würde. Wer allerdings ein Koch- oder Backbuch erwartet, der sollte sich auf etwas ganz anderes gefasst machen.

Bei den ersten Seiten bemerkt man jedoch schon einen ganz besonderen Schreibstil. Wobei es nicht unbedingt einer ist, der jedem Leser gefallen wird. Die Autorin formuliert ihre Sätze so, dass man zunächst meint, sie seien sehr einfach geschrieben, vor allem weil sich einige Wiederholungen bemerkbar machen. Und sie schreibt das Buch aus der Sichtweise der jüngeren Schwester – in einer „ich-Form“ also, die ebenfalls nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen dürfte. Zudem hängt besonders die jüngere Schwester immer wieder Gedanken nach, die sie und den Leser in die Vergangenheit führen. Auch dieses Hin- und Her ist nicht gerade ein unumstrittenes Stilmittel. Zudem ist die Elsa, die dem Buch den Titel geschenkt hat, gar nicht mehr am Leben. Und doch oder gerade wegen all dieser unkonventionellen Dinge hat Marion Boginski es geschafft, mich von der ersten Seite an das Buch zu fesseln.

Der genaue Ort des Geschehens bleibt genauso im Unklaren, wie auch der präzise Zeitpunkt. Aber das stört mich nicht. Die Geschichte ist in sich eigentlich zeitlos, wenn sie eben auch örtlich schon an die ehemalige DDR gebunden ist. Wer aber meint, hier wird die Geschichte des Staates aufgearbeitet, der liegt fehl. Das ist nicht das Ansinnen der Autorin. Und deshalb spielt der genaue Ort eben auch keine wirkliche Rolle. Irgendwo in der Nähe von Berlin wird dieses Haus stehen, um das es zum Teil geht.

Es wird in diesem Buch die Geschichte einer fast alltäglichen Familie erzählt, die sich allenfalls nur insofern von anderen unterscheidet, als dass die deutsche Kriegs- und Nachkriegszeit in den Biografien ihrer Mitglieder noch eindeutigere Spuren hinterlassen hat. Letztlich sind es vier Generationen, die hier mitwirken. Im Mittelpunkt stehen aber die beiden Schwestern, die so ungleich sind. Eigentlich ist die jüngere diejenige, die von ihren Männern immer wieder verlassen wird und bei der älteren für ein paar Tage Unterschlupf sucht. Doch dieses Mal ist auch der Mann der immer so beherrscht wirkenden Clara verschwunden und so wird aus den eigentlich nur gestatteten zweieinhalb Tagen eine ganze Reihe von Monaten, die die beiden mehr oder weniger miteinander verbringen. Sie bearbeiten dabei zunächst ganz unbemerkt für beide ihre eigenen Probleme und Differenzen und entledigen sich dabei aber auch einer ziemlich unaufgearbeiteten und fast erdrückenden Familiengeschichte. Und dabei darf man als Leser noch einiges als kleine Denkanstösse für das eigene Leben erwarten. So stellt sie beispielsweise fest, das ein „Angeln verboten“ –Schild an einem Gewässer eigentlich niemanden davon abhält, aus diesem dann doch zu fischen. Ein wahrheitsgetreues „See verseucht“- Schild wäre da sicher angebrachter, aber das gibt es nicht. Oder das das Leben einem Riesenrad gleicht. Mal ist man oben und mal ganz unten. Hilfreich finde ich auch den Gedanken, eine Beleidigung, die einem bildlich vor die Füße geworfen wird, nicht aufheben zu müssen. Es sind so einige Kleinigkeiten, die mich wirklich beeindruckt haben. Manchmal ist es eine einfache Wortspielerei und manchmal eben einfach eine ungewohnte Art der Sichtweise. Wobei der Humor nicht auf der Strecke bleibt.

Ganz zum Ende des Buches hin könnte man ein wenig darüber hadern, dass dann die Beziehungsgeschichten von Clara und auch ihrer Schwester ein wenig zu viel an Raum einnehmen, aber so richtig störend ist das eigentlich nicht.

Mir hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen. Ich empfehle mit allen Sternen gern weiter, allerdings nur an die Leser, die gegen den angesprochenen unkonventionellen Stil der Autorin nichts einzuwenden haben.

Vielen Dank für das Lesen, Kommentieren und Bewerten, Bavaria

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
dik1609

dik1609

24.09.2014 20:45

SH

antjeeule

antjeeule

16.07.2014 07:43

Kann ich mir als Urlaubslektüre gut vorstellen. Gute Rezension!

meinemiamaria

meinemiamaria

29.05.2014 14:09

Wenn sich der unkonventionelle Stil gut lesen läßt .....

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