Historischer Kriminalroman
17. Mai 2003
(4. Apr 2004)
Pro:
spannend, unterhaltsam, detailliert, man lernt etwas über das Leben in New York Ende des 19 . Jahrhunderts
Kontra:
selten aber dennoch manchmal etwas langatmig
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
mehr
 princesse
Über sich:
"Wer nichts zu verbergen hat, der hat bereits alles verloren." Juli Zeh --- http://www.yo...
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New York 1897: Zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten von Amerika droht ein Krieg auszubrechen, Kriegstreiber auf beiden Seiten geben keine Ruhe. In diesen heiklen Zeiten wird ausgerechnet das Kleinkind eines spanischen Diplomatenehepaars entführt. Der Vater lehnt jede polizeiliche oder anderweitige Ermittlung ab, sodass sich die Mutter in ihrer Verzweiflung heimlich an die Privatdetektivin Sara Howard wendet. Sara Howard hat sich auf Ermittlungen für Frauen spezialisiert, was von ihren KlientInnen auch rege in Anspruch genommen wird, allerdings eher, um Ehemänner zu überwachen. Somit ist dieser Fall etwas Besonderes und Sara reaktiviert einen kleinen, erlesenen Zirkel von Hobby-Ermittlern, welche bereits schon einmal erfolgreich ein Verbrechen aufgedeckt haben (1), als sie zusammen den Serienmörder John Beecham zur Strecke brachten. Da wäre zum einen der Psychiater Dr. Kreisler, ein Intimus von Theodore Roosevelt, dann Cyrus, der ein Mitarbeiter Dr. Kreislers ist, Mr. Moore von der "Times", die Brüder Isaacson, zwei aussergewöhnlich fähige und intelligente Polizisten und nicht zuletzt Stevie Taggert, der dreizehnjährige Kleinkriminelle, den Dr. Kreisler in seinem Hause aufgenommen und so von der Strasse geholt hatte. Stevie ist auch jener, der uns die eng beschriebene
637 Seiten lange Geschichte aus seiner Sicht erzählt, wir bekommen nichts anderes zu lesen als das was Stevie sah, hörte und erlebte. Den Freunden ist bald klar, dass das Kind Ana von einer gefährlichen Frau entführt worden ist, die nicht daran denkt, Lösegeld zu fordern, sondern es für eine Weile behalten und für es sorgen will. Libby Hatch, so heisst die Entführerin, erweist sich im Zuge der Ermittlungen als raffiniert, verschlagen, charmant, verführerisch und gemeingefährlich. Immer mehr Leichen entdeckt die Truppe um Doktor Kreisler, der Weg Libby's scheint damit gepflastert zu sein. Und noch hat kein Gericht sie irgend eines Verbrechens angeklagt. Nach dem Willen unserer Detektive soll sich dieses baldmöglichst ändern, natürlich immer mit dem Gedanken bei der kleinen Ana, die sich weiter in den Fängen des Engels der Finsternis befindet. Aber sie hatten nicht mit der Macht gerechnet, welche Libby hinter sich weiss, allen voran eine üble und gefährliche Strassenbande, die Dusters, welche Libby allen Ungemach vom Halse halten, sogar die Polizei traut sich nicht in das Viertel. Dieser Kriminalroman besticht durch seine Sprache, welche der Ende des 19. Jahrhundert recht genau entspricht, er ist sehr lebendig und dennoch detailgetreu und ausführlich geschrieben, was kein Widerspruch sein muss, wie Carr bewiesen hat. Sehr interessant waren auch die Versuche des Doktors sowie Sara's, ein Profil einer unbekannten Täterin zu erstellen, mit den damalig zur Verfügung stehenden Kenntnissen und Mittel. Heute nennt man dies "Profiling", damals wurden solche Methoden eher belächelt statt breit unterstützt.
Das Buch ist derart spannend und interessant geschrieben, dass es mir immer wieder schwer fiel, das Buch wegzulegen zwischendrin, aber über 600 Seiten, ziemlich eng beschrieben, kann kaum einer in einem Zuge lesen, zumal das Buch (meines ist gebunden) ja auch einigermassen Gewicht (an Kilo) hat (2). Und zum "in einem Zuge durchzulesen" ist dann der Stil wiederum zu anstrengend, weil Carr doch sehr ins Detail geht und Stevie aber wirklich alles erzählen und den Leser zudem an seinen Gedanken teilhaben lässt. Aber nach einer kleinen Pause habe ich jedesmal gerne und voller Spannung weitergelesen. Carr ist hiermit ein hervorragender historischer Krimi gelungen.
Ich habe leider sein erstes Buch "Die Einkreisung" nicht gelesen, offenbar wäre dies von Vorteil, da einem die Protagonisten dann schon am Anfang vertraut gewesen wären, so zumindestens kann man es nachlesen in den meisten Rezensionen. Auch wird gesagt, das erste Buch sei besser als dieses, den Vergleich kann ich leider noch nicht ziehen, ich werde diese Bildungslücke aber bald schliessen, denke ich. Ich kaufte das Buch auf Anraten eines guten Freundes, das war ein wirklich guter Tipp.
Der Autor: Caleb Carr ist in der Lower East Side von Manhatten aufgewachsen, wo er immer noch lebt. Er studierte Geschichte an der New York University. Sein erster Roman »Die Einkreisung« wurde ein internationaler Erfolg. Caleb Carr arbeitet als Journalist für verschiedene Zeitungen und das Fernsehen, er schreibt zunehmend auch für Film und Theater. »Der Engel der Finsternis« ist sein zweiter Roman. Nach einem Foto auf dem Umschlag zu urteilen kann er noch nicht sehr alt sein, höchstens 35, mag man einem sogenannten Autoren-Porträt glauben, wurde er bereits 1955 geboren. Also entweder ein altes Foto oder der Mann hat sich verdammt gut gehalten. (1) siehe auch "The Alienist" / dt. "Die Einkreisung" vom gleichen Autor, welches als sein Estlingswerk erschienen ist.
(2) gerade heute habe ich beim "Kaufhof" auf einem Bücherwühltisch diverse Exemplare dieses Roamns als Taschenbuch egsehen, für 2,99 Euro. Engel der Finsternis / The Angel of Darkness / 1997 in englisch erschienen/ 1999 bei Heyne in deutsch. Übersetzt von K. Schatzhauser, 639 Seiten gebunden, ca. Euro 9,00, ISBN 3-453-13848-1
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08.04.2004 08:41
Fünf Sterne hätte ich ihm nicht gegeben, aber vier sicherlich; und "Die Einkreisung" ist, meiner bescheidenen Meinung nach, noch etwas besser. Vielleicht stört mich im "Engel der Finsternis" auch nur das ein wenig zu häufige Auftreten prominenter Zeitgenossen. Aber Dein Beitrag ist wieder einmal sipertgut. Wenn Du dir das "welche" noch abgewöhnst, muß es doch BHs nur so regnen...
31.05.2003 11:54
jau, ein super-buch! wenn dir das gefallen hat, musste unbedingt noch "die einkreisung" lesen.. aber das hast du ja eh vor, wenn ich richtig gelesen hab.. ;-) greets müsli
30.05.2003 17:18
...*lol*...der Film kommt ja auch bald- abba ich glaub, den guckste Dir nich an...