Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Verbesserung der Sprachkentnisse, man lernt etwas über Kindererziehung und fremde Kulturen |
| Kontra: |
man kann ausgenutzt werden, es gibt meist recht wenig Geld, alles ist unsicher |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
AuPair = Putze?
Hier werde ich über meinen AuPair Aufenthalt in London schreiben, der vom Oktober
2005 bis zum Januar 2006 dauerte. Ich lasse die Namen der Familie bewusst unverändert
weil ich vehindern will, dass noch andere arme Menschen bei diesen Teufeln landen.
Ich möchte noch hin zu fügen, dass ich bereits fließend Englisch konnte. Hätte
ich mit dieser Familie auch noch Sprachprobleme gehabt, wäre ich wohl völlig
verloren gewesen.
Warum AuPair?
Die Frage müßte eigentlich lauten ,,Warum London?". Ich bin ein England und London
Narr und als ich 2005 die elfte Klasse des Gymnasiums nicht schaffte, beschloss ich
,abzuhauen'. Ich war von Kindheit an immer wieder in England und fing mit 15 Jahren
an, auch alleine mit Freundinnen nach London zu fahren.
Ich war und bin regelrecht verliebt in London und es als AuPair zu versuchen erchien
mir als eine praktische und kostengünstige Art, in London zu leben. Ich machte mir die
Hoffnung, dass ich die Schule einfach an den Nagel hängen und dort einen anderen
Weg finden könnte, was aus mir zu machen - der AuPair Job sollte also ein Sprung-
brett sein.
Ich war zu dem Zeitpunkt gerade 18 geworden und hatte auch kein besonders gutes
Verhältnis zu meiner Mutter, weswegen ich auch weg wollte - auch meine Freunde
waren mir nicht mehr wichtig. Ich wollte einfach neu anfangen, und dass in der
Stadt meiner Träume.
Eine Familie finden
Ich entschied, mir auf eigene Faust eine Familie zu suchen und nicht über eine
Organisation. Ich dachte, da durch könnte ich mehr Sicherheit haben da ich die
Familie, bei der ich wohnen würde selber aussuche und nicht einfach irgendwo
,,lande". Ich wollte keine Vermittlungsgebür dafür zahlen, dass ich Entscheidungs-
freiheit verliere.
Ich suchte über www.gumtree.co.uk aufgegebene Anzeigen von Familien, die ein
AuPair suchten. Ich sah nach wie nahe die Gesuche am Zentrum London waren
(denn wenn man zu weit ausserhalb wohnt, sprich Zone 3 oder noch weiter draussen,
zahlt man sich für eine Fahrt in die Stadt dumm und dämlich.
Meine Ansprüche schraubten sich mit jedem Tag runter - mir war die Zahl der
Kinder irgendwann egal, ob sie behindert waren oder nur ein sehr kleines Zimmer
für mich hatten. Mir war der Standort und überhaupt ein eigenes Zimmer am
wichtigsten (Ja, manche Familien erwarten tatsächlich, dass ihr AuPair sich mit
zwei Kindern das Zimmer teilt!).
Schließlich fand ich eine Familie. Eine Frau Namens Ilana Abramovic mailte mir auf
meine AuPair Bewerbung zurück und war interessiert. Sie machte sich zwar
Sorgen, dass ich mit 18 zu jung sein könnte, aber nach dem sie auch mit meiner
Mutter telefoniert hatte, schien sie überzeugt, dass ich es packen könnte.
Meiner Mutter versicherte sie am Telefon, ich bräuchte nur ein wenig im generellen
Haushalt helfen, denn ansonsten gäb es eine Putzfrau und meine absolute Haupt-
aufgabe sei die Betreuung von Sohn Woody, der fast 3 Jahre alt war.
Ein wenig Bügeln, Spühlmaschine ausräumen, wenn keiner da ist für Woody was
kochen - so ließ Ilana meine Haushaltspflichten klingen. Der Rest sollte daraus
bestehen, mit Woody zu spielen, ihn zu baden und ihn zur Nursery (Kita) zu bringen.
Hörte sich ganz gut an, und die Fotos der Familie sahen auch so nett aus - also
sagte ich zu.
Anreise
Die Anreise ist für jedes AuPair schon die erste Herausforderung. Ich hatte das Glück,
dass meine Eltern sehr England-erfahren sind und mich nach London gefahren
haben. Wir haben also das Auto bis zur Decke vollgepackt und sind nach Calais zur
Fähre gefahren. Nach einer Stunde und 45 Minuten waren wir in Dover und von da
aus dauerte es noch mal knapp zwei Stunden bis nach London.
Wir kauften noch zusammen in einem Vorort ein und fuhren dann gegen Abend
nach Crouch End, ein nördlicher Stadtteil von London, wo meine Gastfamilie
wohnte.
Erstes Kennenlernen
Mir war echt schwummerig als ich anklingelte, aber das Haus gefiel mir von
aussen. Es war groß, mit einem Erker zur Straße, durch den man das Wohnzimmer
sehen konnte. Die Tür war groß und schwer.
Geöffnet wurde mir von einer kleinen, dünnen, dunkel-haarigen Frau die mich
enthusiastisch begrüßte. Als ich mit meinen Eltern in die Wohnung eintrat kam
Phil, der Vater, mit Sohn Woody die Treppe herunter. Ich fand Woody furchtbar süß,
denn er sah mit den blonden, leicht lockigen Haaren wie ein Engelchen aus.
Die Familie hatte ein kleines Abendessen für uns zubereitet und wir saßen am
Tisch. Woody benahm sich nicht besonders gut, aber es war in Ordnung. Meine
Familie und ich gingen nochmal ins Zentrum von London und später vor der
Haustür der Familie verabschiedete ich mich brüsk von meinen Eltern - ich wollte
jetzt schnell in diese unbekannten Gewässer springen.
Ich kam rein und schlief nach dem aufregenden Tag schnell ein.
Mein Zimmer
Mein Zimmer war in der zweiten Etage. Man ging von der ersten Etage eine Treppe
hoch und stand praktisch schon in meinem Raum, denn mehr war da auch nicht.
Der Raum war sehr klein, ca. 10m², und hatte nur das nötigste an Möbeln. Die
Möbel waren alle ziemlich willkürlich zusammen gestellt - ein gelber Tisch, ein
komischer, steifer, roter Stuhl, eine rote Kiste die wohl als Nachtschränkchen
dienen sollte, ein Bett dass unten drinn nur Bretter anstatt ein Lattenross hatte,
eine Komode mit drei Fächern, ein Kleiderschrank der hinter einer Tür in der Wand
war und auch nicht breiter war als eben diese Tür. Auf dem Boden stand an die
Wand gelehnt ein Spiegel der nach zwei Monaten endlich von einem Handwerker
an der Schranktür befestigt wurde.
Sonst war das Zimmer recht trostlos und durch das Fenster zog es immer ein
bisschen. Das Bett ist schon nach drei Wochen das erste mal eingebrochen, ob-
wohl ich nicht schwer bin, und es wurde bis zu meiner Abreise nicht repariert.
Mein erster Tag ; Crouch End
Mein erster Tag war noch recht entspannt. Ich unternahm mit Ilana und Woody, der
mit seinen fast drei Jahren immer noch jede Strecke im Kinderwagen hinter sich
bringen musste, einen kleinen Gang durch Crouch End. Crouch End ist wie ein
kleines Dörfchen, nur modern und praktisch wie eine Aussparung von London
selbst. Dort gab es einen Woolworths, einen sehr kleinen Boots (Drogeriemarkt),
ein paar Charity Shops (Wohltätigkeitsläden), Zeitungsläden, Lifestyleläden mit
teuren Dekoartikeln, Restaurants und Cafés. Sogar Starbucks und Costa gab es.
Woody quäkte rum und jammerte im Geschäft, denn wir gingen in einen der zwei
Supermärkte die es gab. Ich sollte mir Müsli, Milch und weiteres aussuchen und
erntete schon kritische Blicke als ich die Milch mit dem roten Verschluss nahm, d.h.
die aller fettärmste. Ilana war nämlich versessen auf Biolebensmittel. Die Familie
war jüdisch, aß nur Biolebensmittel und keine Weizenprodukte.
Ich suchte mir noch den Brotaufstrich Philedelphia aus, wir tranken noch ein
Getränk bei Starbucks und gingen dann nach hause. Ich hatte erst ein halbwegs
gutes Gefühl, da wir diesen kleinen Ausflug unternommen hatte und Ilana doch
recht freundlich gewesen war.
Von dem Vater bekam ich wenig mit - er verließ um 7.20 spätestens das Haus und
tauchte erst wieder zwischen 19 und 22 Uhr auf.
Der Alltag und meine Pflichten
Wie ich schnell merkte, hatte der erste Tag nichts mit dem zu tun was auf mich zu
kommen würde.Am zweiten Tag machte ich einen (zu vor abgesprochenen) Ausflug
ins Zentrum von London. Ich kam zum vereinbarten Zeitpunkt zurück und bekam
schon das erste mal Stress mit Ilana, denn sie hatte die Waschmaschine offen
gelassen, ohne mir zu sagen dass ich die frisch gewaschene Wäsche aufhängen soll. Ich
entschuldigte mich und sagte, ich würde es jetzt tun, bekam darauf aber ein
schnippisches "Ich hab es jetzt selbst gemacht!" zu hören.
Ich war etwas schockiert, als Ilana mich nach zwei Wochen bereits 1 1/2 Wochen
allein mit Phil ließ um nach America zu fahren. Der Tripp schien zur Hälfte Business
und zur anderen Vergnügen zu sein und ich war schockiert, mit einem mir noch
wildfremden Mann alleine gelassen zu werden.
Ich versuchte mich beim Spielen mit Woody gut anzustellen und schaffte es auch,
ihn zu unterhalten. Woody war aber wirklich kein einfaches Kind, denn er sprang
mir verdammt oft von hinten in die Beine und biss mir in die Waden. Er hatte sehr
viele Spielzeuge, die seine Eltern ihm aus Verlegenheit mitbrachten, da runter auch
Metallflugzeuge, die er mir mit Vorliebe ins Gesicht oder in die Brust rammte. Einmal
biss er mir beim Spielen in den Finger, so dass es stark blutete. Als ich einmal mit
ihm schimpfen musste, jammerte er hinter her am Telefon als sein Vater anrief,
und gab vor, ich hätte ihn geschlagen.
Ich weiss, dass ich dieses Kind beschreibe als sei es ein verschlagener Teufel,
und so habe ich Woody auch wahrgenommen - aber mir ist bewusst, dass er
eigentlich das Opfer der Schuldgefühle seiner Eltern war. Mir wurde im Nachhinein,
als die blinde Wut über diese Familie überwunden war, klar, dass seine Eltern
ihm nie Grenzen und Verbote gesetzt haben, weil sie ihr schlechtes Gewissen
wegen ihrer ständigen Abwesenheit geplagt hat. Sie haben ihn verwöhnt und machen
lassen, weil sie wieder gut machen wollten, dass sie nie Zeit für ihn hatten. Der
Junge wurde hin und her geschoben - zwei Tage die Woche zu Jenny, einer
schwarzen Tagesmutter in der Nachbarschaft, die die Kinder entweder in ihrem
mit Spielzeugen vollgestopften Wohnzimmer Tina Turner Konzerte gucken ließ
oder sie ins nahegelegene Woodgreen mit zum einkaufen nahm.
Wodurch mein Alltag im Hause Jaffa/Abramovic wirklich gekennzeichnet war, war
aber leider das Putzen. Die Putzfrau, von der mir Ilana noch am Telefon erzählt
hatte, wurde scheinbar entlassen als klar war, dass ich komme, denn das ganze
Putzen musste fort an ich erledigen.
Montags sollte ich die Küche und den Essbereich säubern; Dienstags
Spielzimmer, Flur und Wohnzimmer; Mitwochs den oberen Flur, die Treppen und
das Arbeitszimmer, Donnerstags das Schlafzimmer der Eltern und Woodys Zimmer,
Freitags beide Badezimmer und nochmals die Küche. Alle Räume mussten
komplett gesaugt und gewischt werden. Ich sollte regelmäßig die Fenster putzen,
Schränke aufräumen, Mülleimer auswaschen und dann auch noch alle zwei Tage
bügeln. Ein bis zwei mal die Woche sollte ich auch das Ledersofa abwischen und
den Kühlschrank sollte ich regelmäßig auswischen.
Ich musste oft zur Reinigung laufen und Kleidung abholen, ab und zu etwas im
Supermarkt besorgen gehen und Woody täglich von der Nursery oder von Jenny
abholen. In zweiterem Fall war es nicht besonders schlimm, da Jenny nur ein
paar Häuser weiter wohnte - die Nursery war aber leider den ganzen Berg runter,
was wirklich anstrengend war.
Zu meinen Pflichten gehörte all dieses Putzen, Woody wegbringen und abholen
so wie auch mit ihm spielen wenn er wieder zuhause war, denn oft kamen seine
Eltern erst spät wieder.
Als Woody später begann, zur Vorschule zu gehen, wurde er morgens später abgeholt
und kam gegen 16.30 zurück, wo durch ich vorher und nachher auch noch Zeit mit
ihm verbrachte. In dieser Zeit gab es oft Weinerei und Schreien, aber ich gab mir
viel Mühe ihn zu bespaßen. Ich tanzte mit ihm, spielte ihm auf meiner Gitarre vor
und las Bücher mit ihm.
Probleme
Meine Bemühungen mit Woody blieben unhonoriert, denn Ilana war unzufrieden
mit meinen Reinigungskünsten. Nach dem ersten Monat berief sie ein "Meeting"
ein und erklärte mir, was ich gut und nicht gut machen würde. Dabei erklärte sie
mir, ich würde nicht schnell genug und auch nicht ausreichend gründlich putzen. Mit
meinen Bemühungen um Woody schien sie halbwegs zufrieden zu sein, erwähnte
es aber auch nicht unnötig lang.
Ich war zwar traurig und bei dem Gespräch kamen mir (wie so oft schon beim
Putzen des Hauses) die Tränen, was Ilana nicht verstand. Ich erklärte ihr, dass es
hart für mich sei weil ich meine Familie doch ein wenig vermissen würde und das
Putzen sehr Zeit intensiv und anstrengend sei. Sie gab sich zu erst verständnisvoll,
doch in den vollgenden Tagen musste ich noch mehr putzen und viele Abende
babysitten.
Einen Abend gingen Phil und Ilana zusammen zu einem Geburtstag und ließen
mich mit Woody zuhause. Phil sagte, ich könnte mir Videos ansehen wenn ich
Langeweile hätte, er hätte im Schlafzimmer eine Kiste für mich hingestellt. Als ich
nichts nettes im Fernsehn fand ging ich hoch und schaute die Kiste durch. Fight
Club, Platoon.. ein paar interessante Filme gingen durch meine Hände, und dann
war ich fast am Boden der Kiste angekommen und hatte Pornos vor der Nase!
Ich frage mich, ob der Herr wirklich erwartet hat, dass ich
Naughty Nurses oder
Jungle Babes gucke.
Beim Lebensmitteleinkauf durfte ich, abgesehen von meinem ersten Tag, kein
einziges mal mitkommen. Zuhause habe ich immer sehr viel Pepsi Light getrunken
und bat Ilana, mir doch welche mitzubringen. Zu erst weigerte sie sich, weil sie
meinte, so etwas ungesudes gäbe es in ihrem Haushalt nicht.
Meine Definition von 'gesund' war und ist allerdings 'fettarm' und 'zuckerarm', weil
ich davor sehr viel abgenommen hatte. Ohne Pepsi bekam ich furchtbaren Hunger
und erklärte dies Ilana unter aller Peinlichkeit. Sie sah es ein und brachte mir
zwei Flaschen für eine Woche mit. Beim übernächsten Einkauf hatte sie es wieder
vergessen und ich bekam ausser Philadelphia Light von meinen Lieblingssachen,
nach denen sie mich gefragt hatte, nichts mit. Zum Naschen gab es Knäckebrot und
Biorosinen. Dass ich Vegetarier war, interessierte die Familie auch nicht so recht.
Es wurde ein Hühnchen mit Kartoffeln drum herum im Ofen gemacht, und mir
wurde gesagt ich könnte mir ja aus dem Hähnchensud die Kartoffeln suchen.
Wenn ich nicht mitessen wollte und stattdessen Muesli oder Knäckebrot aß, war
schlechte Stimmung.
Sehr schnell realisierte ich, dass ich hier nicht als AuPair sondern als Putzfrau
eingestellt bin. Die Familie hatte keine Hemmungen mich nun ihre gesamte
Wäsche waschen zu lassen, gebrauchte Schwangerschaftstests aus dem Mülleimer
im Badezimmer entleeren zu lassen oder ihre Notizbücher mit selbstgeschriebenen
Befruchtungsmantras auf dem Esstisch liegen zu lassen.
Ich geriet immer öfter mit der Mutter aneinander, weil ich ihr nicht gründlich genug
sauber machte, sie enttäuscht war, dass ich die Familie nicht auch noch bekoche
und ich angeblich zu viel am Internet hang, zu viel telefonierte oder bei allem zu
langsam war.
Ich merkte immer mehr, was für ein Problemkind Woody war. Er trug mit drei
Jahren immer noch Windeln und musste im Kinderwagen sitzen, selbst in
ruhigen Fussgängerzonen, weil er biss und schrie wenn man ihn an der Hand halten
wollte (ich habe es einmal mit viel Gezeter geschafft, 20m mit ihm an der Hand
zu laufen).
Diese Probleme hatte nicht nur ich mit ihm, sondern auch seine Eltern.
Im Januar wurde ich zusehends unglücklicher und begann, meinen Lebenslauf
mit Bewerbungen im Internet herum zu schicken, wenn ich ein passendes Job-
Angebot sah. Als ich einmal in meinem Zimmer von einer Firma zurückgerufen
wurde (Gott sei Dank auf mein Handy) lauschte Ilana vom Treppenende und rief mich
5 Minuten später herunter und stellte mich zur Rede. Ich log und sagte, es sie für
einen Teilzeitjob, weil ich Angst hatte direkt vor die Tür gesetzt zu werden. Als ich
den Job sicher hatte, gestand ich es der Familie und sagte, ich würde sie in
einer Woche verlassen.
Ich erwähnte Ilana gegenüber, dass meine Arbeitszeiten und alles drum herum
sich nicht nach den offizielen, europäischen AuPair Richtlinien richten. Sie gab
zu, diese nie gelesen zu haben und alles so gemacht zu haben wie ihre Freundinnen
in Crouch End (ich muss wohl nicht erwähnen, dass die AuPairs die ich dort durch
Ilanas 'Freunde' kennenlernte regelrecht weggerannt sind).
Die Familie blieb recht ruhig, aber ich wurde natürlich eiskalt behandelt. Mir kam
es auch so vor, als ob Woody die passenden Gedanken im Bezug auf mein
Verschwinden eingepflanzt wurden, denn sein Schlagen und Beissen wurde
schlimmer. Im Gegenzug heulte er seinen Eltern jedes mal wenn sie anriefen vor,
ich hätte ihn geschlagen.
Kurz bevor ich auszog, ließ Phil dem Handwerker einen Zettel da, er solle versuchen
mein Bett zu reparieren - auf dem Zettel stand "Bertha's room". Dem Mann war
seit drei Monaten scheinbar nicht aufgefallen, dass mein Name "Birthe" und nicht
"Bertha" ist.
Als ich auszog verschwanden meine Lieblingsmütze und ein teures T-Shirt. Ich
denke mal, dass war eine Racheaktion, aber was sollte ich tun? Ich war froh, als
mein damaliger Freund mich samt meiner Sachen abholte und ich die Hölle für
immer hinter mir ließ - aber tief in mir ist immer noch der Wunsch, diese
Menschen zur Rede zu stellen.
Von meinem AuPair Aufenhalt hatte ich mir versprochen, bei einer Familie auszuhelfen
und an ihrem Leben teilzuhaben. Ich wollte für den Jungen eine große Schwester sein
und ihm etwas beibringen, doch statt dessen wurde ich als Putzfrau benutzt.
Die Familie war reich und wohlhabend und ich weis nicht warum sie sich nicht für das
bisschen Zusatzgeld eine Putzfrau dazu geleistet haben.
Ich habe pro Woche 70 Pfund erhalten, was 10 Pfund über dem empfohlenen Gehalt
liegt. Das Geld war für diese Famile ein Kleks.
Fazit
Viele Leute aus meiner Schule wissen, dass ich kurze Zeit AuPair war. Da wir jetzt
unsere Abiprüfungen hinter uns haben fragen mich viele, ob ich ihnen empfehlen
kann AuPair zu werden. Ich sage immer erst einmal Nein.
Ich weis, dass es junge Menschen gibt die als AuPair eine wundervolle Zeit haben
und Freunde fürs Leben gefunden haben. Meine persönlichen Erfahrungen haben
mich aber geprägt. Nicht nur die, die ich selber gemacht habe, sondern auch die
Erlebnisse der anderen Mädchen, die ich kennen gelernt habe.
Ich lernte eine Ungarin namens Bernadette kennen - sie wechselte drei mal die
Familie ehe sie sich von ihrem Vater abholen ließ und wieder nachhause ging,
obwohl sie schon Teilzeitkurse an der Sylvia Young Stage School machte. Ihre
Familie nutzte sie auch aus und beschimpfte sie. Als sie auszog, warfen sie ihre
Sachen auf die Straße.
Das AuPair von Ilanas bester Freundin litt ebenfalls. Die Familie wollte nichtmals
versuchen ihren Namen "Dominika" auszusprechen und haben ihr irgendeinen
frei gewählten Spitznamen gegeben. Sie ließen sie wirklich jeden Tag 10 Stunden arbeiten
und boten sie den Nachbarn als kostenlose Haushaltshilfe an, wenn sie 5 Minuten
nichts zu tun hatte. Dominika erfand einen Krankheitsfall in der Familie und ergriff
regelrecht über Nacht die Flucht.
Eine meiner besten Freundinnen war als AuPair in Irland und musste die Familie
ein mal wechseln, um etwas akzeptables zu finden. Die erste Familie hatte vier
oder fünf Kinder und ließ meine Freundin entgegen der Abmachung auf alle
aufpassen. Auch sie musste das ganze Haus putzen und bekam dann Tadel für
mangelnde Gründlichkeit.
Wenn du, lieber Leser, AuPair sein möchtest, such dir deine Familie entweder
mit Organisation oder mache einen kurzen Urlaub in deinem
Zielort oder fahre erst mal in eine billige Jugendherberge. Dann nehm dir Zeit
und stelle dich bei verschiedenen Familien vor die du vielleicht vorher kontaktiert
hast. Ich denke mir im Nachhinein, dass mit einer Familie, die jemanden übers
Internet oder Telefon nimmt ohne ihn je gesehen zu haben, nichts Gutes im
Schilde führen kann. Bei einem USA-Austausch ist es sicher etwas anderes, weil
man da nicht eben mal zur "Familienbesichtigung" hinfahren kann, aber bei
England oder Frankreich sollte es euch das Geld wert sein.
Eine Familie, die vor hat dich ausnutzen wirst du leichter erkennen können, wenn
du Leute 'live' triffst. Frag
genau danach, wieviel du im Haushalt tun musst und
setzte einen Vertrag mit der Familie auf, wo dies alles festgehalten ist.
Stelle sicher, dass sie die AuPair Richtlinien lesen und halten, was sie dir
versprechen.
Ich wünsche jedem, der diesen Weg bestreiten will, mehr Glück als ich es hatte.
Von mir bekommt der AuPair Job in GB leider nur einen Stern, vor allen Dingen
weil ich nicht die Einzige bin, der es so ergangen ist.
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