Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Gute Lebenserfahrung, Sprache, Selbstständigkeit |
| Kontra: |
über konventionelle Anbieter sehr teuer |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Hallo liebe Lesenden,
beim Lesen in den Rubriken bin ich auf diese Kategorie gestoßen und gleich wurden ganz viele Erinnerungen wach, auch wenn mein Austausch schon 1989 war.
Ich habe kein volles Austauschjahr gemacht, war aber in der 11. Klasse drei Monate (einen Term) an unserer englischen Partnerschule in Dorset.
Dazu kurz zur Vorgeschichte:
mein Gymnasium (KFS in Bad Homburg) hat, auf Betreiben des Direktors hin, sehr enge Kontakte zur Deerfield Academy in Massachusetts, USA, und zur Bryanston School in Dorset, England. Beide Schulen sind Internate. Es gab sowohl einen mehrwöchigen Austausch auf dem bewährten Prinzip „Du wohnst bei mir, ich wohne bei Dir“, als auch die Möglichkeit, einen Term in Bryanston bzw. ein Jahr in Deerfield zu verbringen.
Hierbei war der Austausch so geregelt, dass der deutsche Schüler im Internat lebte, der Austauschschüler während dieser Zeit in der deutschen Familie. Die Eltern des Austauschschülers bezahlten die Schulkosten des Internates weiter, die deutschen Eltern hingegen übernahmen die Kosten, die beim Austauschschüler anfielen (Bus, Musikunterricht, Sportclubs, Taschengeld u.Ä.).
Für mich stand fest, dass ich nach England gehen wollte, hatte sich doch in der 10. Klasse die erste zarte Liebe mit einem Bryanstonian angebandelt, der drei Monate in Deutschland verbrachte ... (das waren noch Zeiten ...)
☼ Generelle Vorbereitung ☼
Bevor Ihr einen Austausch plant, solltet Ihr diese Idee ganz genau mit Euren Eltern besprechen, und ihnen schon von vorneherein so viele nützliche Pluspunkte aufzeigen können, wie möglich.
Weiterhin hilft es natürlich, wenn Ihr Euch schon über Anbieter informiert habt – sprecht ruhig auch mit Euren Lehrern und mit Schülern, die schon einen Austausch gemacht haben, fragt sie, wie die Betreuung durch ihren Anbieter war und welche Schwierigkeiten sie hatten.
Besprecht mit den Lehrern, ob bei einem „Ausfall“ von mehreren Wochen bis zu einem Jahr Eure schulischen Leistungen leiden würden, wie Ihr dies abfangen könnt, ob Ihr das Jahr wiederholen müsst oder durch eine Nachprüfung versetzt werden könnt.
Seid Euch bewusst, dass sich der Austausch zwar garantiert positiv auf Eure Sprachkenntnisse auswirken wird, vielleicht aber nicht auf die schulischen Leistungen insgesamt, und dass Ihr Euch von Eurer Familie und Euren Freunden auf längere Zeit verabschieden müsst.
☼ Meine Vorbereitung ☼
Zuallerst musste ich ersteinmal meine Eltern darauf vorbereiten, dass ich nach England wollte. Den Grund (und meinen Freund) kannten sie ja und konnten es natürlich auch verstehen, dass ich ihm so nahe wie möglich sein wollte. Außerdem hatte ich Englisch als Leistungskurs und somit ein hervorragendes Argument, dass ich meine Sprachkenntnisse aufbessern wolle.
Dann musste ich einen Platz organisieren, was nicht so einfach war. Diese Trimester Austauschplätze waren bei uns heißbegehrt (es waren immer so um die 5-7 Schüler, die das machten) und es gab keinen weiblichen Austauschpartner mehr. Allerdings stand noch ein dänisch/englischer Junge ohne deutsche Gastgeber da, und in einem Haus war auch noch ein Platz für ein Mädchen frei. So musste ich meine Eltern und meine Schwester nun überzeugen, dass es auch ganz toll wäre, mal drei Monate lang einen Sohn bzw. Bruder zu bekommen – das war nicht ganz so einfach ...
Nachdem aber alle Formalitäten abgeschlossen waren, begann ich, mich noch genauer über die Schule zu informieren. Durch meinen Freund wusste ich ja schon sehr viel, kannte aber nicht die Möglichkeiten der Fächerauswahl, noch die Internatsregeln – die erschienen allerdings bald darauf in Form einer Broschüre in der Post. („Kein Make-up, keine Röcke über das Knie, nur die Farben blau, grün, schwarz, grau, keine langen Ohrringe, ordentliche Frisur, keine bunten Haarfarben, keine Absätze, NATÜRLICH kein Sex, keine Zigaretten und so weiter und so weiter). Bücher sollten wir vor Ort kaufen, ich nahm aber meine deutschen Bücher mit, um den Anschluss ein bisschen zu behalten.
☼ Die Schule ☼
Bryanston School ist ein alter Landsitz und wurde zum Internat umgebaut. Es ist eine Co-Ed. Schule, also eine Schule für Jungs und Mädels, was in England immer noch nicht der Standard ist. Es hat im britischen Schul-Ranking einen sehr guten Ruf, verfügt über viele eigene Sportvereine, ein Schülertheater und vieles mehr. Wen diese Schule interessiert, der findet hier die Homepage: http://www.bryanston.co.uk/ . Die Schule feiert dieses Jahr übrigens ihr 75-jähriges Bestehen.
Es gibt für die Schüler verschiedene „Houses“, die nach Geschlechtern getrennt sind. Die Jungs wohnen hauptsächlich im Hauptgebäude, die Mädels in eigenen Häusern drum herum. Hierbei bestimmt die Klasse und das Alter die Größe der Schlafräume, die Kleinen schlafen zu mehreren, ab 10. Klasse hat man ein Doppelzimmer, in der 12. (und somit letzten) Klasse ein Einzelzimmer. Da meine Kombination des Austausches etwas ungewöhnlich war, hatte ich Glück und bekam ein Einzelzimmer neben zwei Freundinnen, die beide im Vorjahr zum Austausch in Deutschland gewesen waren.
Jedes Haus hat eine Hausmutter und/oder Vater. Dies sind Lehrer, die im Haus wohnen und bei Problemen Elternersatz, Kummerkastentante oder Krankenschwester sind. Ihnen obliegt auch die Einhaltung der Regeln und sie sind „Strafvollzugsberechtigte“ ;-) dazu komme ich später.
☼ Schulsystem ☼
In GB hat man nicht, wie in Deutschland, in der Oberstufe eine Vielzahl von Fächern, sondern man legt sich sehr früh entweder auf einen naturwissenschaftlichen oder einen geisteswissenschaftlichen Bereich fest. Unterstützt wird die Auswahl durch kontinuierliche Studienberatung bereits ab der 10. Klasse, so dass jeder in der 11. Klasse schon ungefähr weiss, was er studieren wird. Da das Abitur (A-Levels) bereits in der Regel mit 17 Jahren gemacht wird, nutzen viele auch das 18. Lebensjahr für ein „year out“, in welchem sie in einem Sozialprojekt im Ausland arbeiten, um die Welt reisen oder sich anderweitig ausserschulisch weiterbilden – das finde ich toll und ich wünsche allen Jüngeren, dass das deutsche Schulsystem diese Gelegenheit auch irgendwann bieten wird.
Zurück zu den Fächern. In Bryanston war es so, dass wir zwei Hauptfächer hatten, hier hatte ich meine LK Englisch und Erdkunde belegt – und drei Nebenfächer, dort hatte ich Latein, Geschichte und als Wahlfach „Australian Studies“. Australian Studies war ein Gag, wir hatten zwei australische Studenten als „Lehrer“, die wirklich schräg draufwaren und haben die ganze Zeit eigentlich mit Mad Max und anderen Filmen verbracht, gegrillt und über die Unterschiede zwischen englischem und australischem Bier diskutiert.
Latein und Geschichte waren ganz anders, als ich sie aus Deutschland kannte, der Stoff wurde sehr viel vertiefter durchgenommen. Wir haben also nicht nur übersetzt, sondern mussten Hausarbeiten zu den Gallischen Kriegen o.Ä. abgeben. Auch in Geschichte wurde der Stoff nicht nur durchgehudelt, sondern musste in Hausarbeiten vertiefend behandelt werden, was ich sehr gut fand, da man sich mit ihm richtig auseinander setzen musste. In Englisch behandelten wir Sylvia Plath, ihre Gedichte und ihr Leben, und für sie habe ich aus dieser Zeit immer noch einen Faible zurückbehalten. Geographie beschäftigte sich hauptsächlich mit der Entstehung der Südenglischen Küstenlandschaft und den Kreidefelsen, das fand ich nicht so spannend, weil es sehr regional geprägt war. Schön war aber, dass wir ca. alle zwei Wochen Exkursionen ans Meer unternahmen.
Weiterhin hatten wir jede Woche eine Stunde lang ein „Tutorial“, jedem Schüler wurde ein Lehrer als Tutor zugewiesen. Dort wurden die Noten und die Vorbereitungen der Essays besprochen, aber auch ganz privat geplaudert in einer entspannten Atmosphäre. Mein Tutor war supernett und freundlich.
☼ Freizeit ☼
Es gibt in Englischen Internaten verschiedene Formen von Freizeit...
- Zeit zwischen Unterrichtsstunden – Study-time. In dieser Zeit wurde erwartet, dass wir uns in den Studies aufhielten, kleine Bibliotheken, und unsere Hausarbeiten und Essays vorbereiteten. Es wurde überwacht, wer anwesend war und wer nicht, also keine wirkliche Freizeit.
- Zeit am Nachmittag. – Sports and Recreation. Auch diese Zeit war nicht wirklich selbst einteilbar, nur in sofern, dass man pro Term zwei Sportarten wählen konnte. Diese wurden zweimal die Woche unterrichtet, somit waren die Nachmittage ziemlich voll. Ich hatte Rudern und Reiten, und beides hat absolut viel Spass gemacht!
- Freizeit. Freizeit gab es an dem Nachmittag, der nicht durch Sport belegt war. Hier konnte man nach Blandford Forum (dem nächsten Ort) laufen oder mit dem Taxi fahren, einkaufen gehen, Hausaufgaben machen o.Ä. Die Freizeit an den Wochenenden war eigentlich zum großen Teil schon durch den (quasi Pflicht-)Besuch der Sportveranstaltungen am Samstag sowie wahlweise Kirchbesuch oder Besuch der Assembly am Sonntag größtenteils verplant.
- Abends nach dem Abendessen bis um 22:00 Uhr war auch Freizeit, hier wurde aber erwartet, dass man sich entweder in einer der Societies (AGs) engagierte oder Hausaufgaben machte und lernte. Meistens haben wir erst ein bisschen ferngesehen, bevor jeder sich an seine Arbeit machte.
☼ Disziplin ☼
Wenn 350 Menschen auf engstem Raum zusammenleben, müssen Regeln her, um das Zusammenleben für alle so angenehm wie möglich zu machen. Die Kleiderordnung hatte ich ja schon erwähnt.
Weitere Regeln waren beispielsweise das Rauchverbot (bei Erwischen Geldstrafe und Sozialarbeit), NO SEX (sonst Schulverweis), kein Alkohol (Strafkarte) usw. usw.
Die Strafen fand ich witzig. Während in Eton beispielsweise meines Wissens nach immer noch mit den Stock geschlagen werden darf, hatten wir in Bryanston andere muntere Dinge.
Kam man abends zu spät ins Haus, erhielt man einen Early Morning Run (EMR): Aufstehen, eine Stunde vor dem Frühstück zum Frühstücksraum und vom Headboy/Headgirl abzeichnen lassen.
Kam man zu spät zum Unterricht, gab’s einen Break-Run (BR): in der 20 Minuten Pause zum Haus, Sportklamotten anziehen, zum Bootshaus rennen (ca. 1,5 km), Zettel abzeichnen lassen, zurück den Berg hoch, umziehen, pünktlich wieder zum Unterricht.
Wurde man beim Rauchen oder Alkoholtrinken erwischt, gab es eine Woche lang täglich einen EMR, einen BR und man musste sich zu Beginn jeder Stunde die Strafkarte vom jeweiligen Lehrer abzeichnen lassen. In der eh knappen Freizeit wurden Sonderaufgaben verteilt, abends beispielsweise Babysitten bei Lehrern, den Lehrern Socken stopfen o.Ä. Am Wochenende sah man „Strafbatallione“ auf dem Schulgelände, die den Park säuberten, Unkraut jäteten oder Mauern bauten. Nicht sehr erbaulich, könnte ich mir vorstellen. Mich hat’s gottseidank nur einmal mit einem EMR wegen Zuspätkommens erwischt.
☼ Fazit ☼
Natürlich war der Austausch eine große Umstellung. Zum einen in einem anderen Land mit einer anderen Sprache, dann der Wechsel von Tages- auf Internatsschule, neue Freunde, neue Verhaltensregeln, keine Mama, kein Papa, keine Schwester, kein Hund.
Auch für meine Eltern, deren Tochter plötzlich weg war, war diese Zeit bestimmt nicht einfach, besonders, weil sie ja auch ein neues Haushaltsmitglied bekamen, das sie gar nicht kannten.
Persönlich hat mich die Austauschzeit damals wesentlich weiter gebracht und war ein wichtiger Schritt für mein „Erwachsenwerden“ (wird man das je?).
In einem fremden Land relativ allein auf sich gestellt fördert die eigene Selbstständigkeit enorm. Meine Sprachkenntnisse waren vorher schon relativ gut, aber ich habe hinterher im deutschen Englisch LK bemerkt, dass diejenigen von uns, die einen Austausch gemacht hatten (das Verhältnis war 3:4) wesentlich selbstsicherer mit der Sprache umgingen, als unsere Mitschüler und auch als unser Tutor.
Generell kann ich einen Austausch nur jedem empfehlen. Das einzige Kontra ist, dass ein Austausch meistens relativ viel Geld kostet, besonders, wenn man ihn über einen gewerblichen Anbieter bucht. Als Tipp würde ich daher vorschlagen, dass Interessierte ruhig das Gespräch in der Schule suchen. Die meisten Schulen bieten ja ein- oder zweiwöchige Austausche an. Ergreift die Initiative und schlagt einen mehrmonatigen Austausch mit dieser Schule vor – das ist auf alle Fälle wesentlich günstiger und ich kann kein Qualitätsmanko erkennen.
Persönlich bin ich sehr froh, dass ich diese Chance genutzt habe und möchte meine Erfahrungen in England auf keinen Fall missen. Klare Empfehlung!
Viel Erfolg bei Eurem Austausch wünscht Heksen.
© Heksen 2003
| weitere Erfahrungsberichte |
3000 Mark für fast nichts
Bewertung für England, Auslandsschuljahr von
Lars_
Pro: viel spaß
Kontra: oft wenig lernerfolg
Als ich 14 war, habe ich einen Schüleraustausch nach England gemacht.
Drei Wochen für 3000 DM plus Taschengeld. Das ist natürlich eine Menge Geld. Auf dem Programm stand jeden Tag Vormittags Unterricht. Ein Wochenende sollte es nach London gehen. ...
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sehr hilfreich
08.11.2000
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Erfahrung fürs Leben (Internat in England)
Bewertung für England, Auslandsschuljahr von
sir_max
Pro: Sehr viel Spaß, Englisch lernt man schnell, Erfahrung
Kontra: Teuer, Wetter,
Nachdem ich 10 Jahre in Deutschland zur Schule gegangen bin, hab ich mich entschieden nach England auf ein Internat zu gehen (2000). Zuerst hab ich mich total dagegen gestreubt, weil ich nur negative Sachen gehört habe. also diese üblichen verallgemeineru ...
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sehr hilfreich
25.09.2003
(26.09.2003)
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totaler reinfall
Bewertung für England, Auslandsschuljahr von
AMD_rulez
Pro: Sprache wird spielend gelernt
Kontra: Wetter, Kosten, people, bloede Gastfamilien
Anders als erwartet, war mein Auslandsjahr bis jetzt nich so doll.
Nach 3 Monaten hier auf der Insel, sehnt man sich irgendwie wieder nach Hause zu fliegen.
In die Clubs kommt man immer erst mit 18 rein, ein Pint Bier kostet umgerechnet ca. 9 DM, die Ma ...
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sehr hilfreich
15.11.2000
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Eine gute Erfahrung fürs Leben
Bewertung für England, Auslandsschuljahr von
Marc-Fabian
Pro: sehr gute Ausbildung, großes Freizeitangebot
Kontra: hoher Preis
Ich kann jedem nur raten, ein Auslandsschuljahr in England / Schottland oder Wales zu absolvieren. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten: einmal die traditionelle Gastfamilie und der Besuch einer staatlichen oder privaten Schule. Die andere Möglichkeit ...
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03.06.2000
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Studienfahrt London
Bewertung für England, Auslandsschuljahr von
benis
Pro: Super Stadt, viel zu sehen
Kontra: sehr teuer
Wer gerade in der 12. Klasse ist und sich für eine Studienfahrt entscheiden möchte, dem rate ich zu einer Reise nach London.
Mit ca. 12 Leuten und 2 Lehrern ging unserer Ausflug für 5 Tage per Flugzeug in diese gigantische europäische Stadt.
Nach einem ...
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18.11.2000
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