Englisch schadet niemandem

5  05.04.2002

Pro:
Weltsprache, gute Alternative zu anderen Fächer, nicht zu schwer

Kontra:
?

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Arbeitsaufwand:

Schwierigkeitsgrad der Ausbildung:

Prüfungsanforderungen:

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littlewiggle

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Nachdem ich schon über meinen Französisch-LK geschrieben habe, möchte ich euch heute noch etwas über den Englisch-Leistungskurs erzählen.

Für viele, die in der 11. Klasse vor der Entscheidung stehen, welche Leistungskurse sie wählen sollen, ist Englisch nicht mehr als eine Notlösung. Der typische Fall: Schüler, denen kein Fach besonders liegt oder die sich schlicht und einfach nicht entscheiden können, nehmen Englisch. Warum? Es wird gesagt, Englisch sei nicht soo wahnsinnig schwer und außerdem kann man die Sprache im Leben gut brauchen, kann also nicht schaden.

Dem kann ich nach über einem halben Jahr im E-LK eigentlich vollkommen zustimmen. Ich habe den Kurs gewählt, weil ich mich für Sprachen sehr interessiere und sie mir eher als andere Fächer liegen. Ich habe mir außerdem überlegt, dass man Englisch entweder bis zur 12. Klasse kann oder es dann im LK sowieso nicht mehr lernt. Vorteil: wenn man schon eine gewisse Basis in Englisch hat, wird das Abi auch nicht unbedingt ein Problem sein. Für mich war auch ausschlaggebend, dass man für Englisch eigentlich nicht viel lernen muss, weder für das Abitur noch - zumindest bei uns ist das so - für den Unterricht in der Kollegstufe.

Ja, zu dem möchte ich natürlich jetzt darlegen, wie er so abläuft und was euch eventuell erwartet:

~Aufbau des Unterrichts allgemein~

Zunächst muss ich noch erwähnen, dass es in der Kollegstufe normalerweise Doppelstunden gibt. Die sind recht praktisch, denn so kann man sich länger mit einem Fach beschäftigen. Man hat also z. B. nur 3 verschiedene Fächer am Tag; früher waren es bis zu 6 verschiedene Stunden, die man hatte und die meist recht wenig miteinander zu tun hatten.
Für den Englisch-LK sind 5 Wochenstunden vorgesehen, genauso wie für Französisch. Das ist nicht übermäßig viel und auch sicher nicht zu wenig.

Eine Unterrichtsstunde läuft bei uns meist so ab:

Zuerst wird Organisatorisches besprochen, falls etwas anliegt. So bei uns z. B. die Studienfahrt nach London, die für den Sommer geplant ist. (Ich habe mich aber abgesetzt und bei Geschichte -> Rom mit reingemogelt.... *g*) Außerdem gibt der Lehrer einen kurzen Überblick, was einen in der jeweiligen Stunde erwartet oder Informationen für kommende Klausuren oder zu lesende Lektüren.

Anschließend muss eine/r dran glauben: die Abfrage. Bei uns ist das ziemlich locker: meist wird über einen besprochenen Text abgefragt und wenn man sich dazu im Unterricht Notizen gemacht hat, darf man die sogar vor sich liegen haben, ebenso wie den Text. Also das ist echt überhaupt kein Problem, die Noten liegen zwischen 12 und 15 Punkten (also 2+ bis 1+!!).

Es werden Fragen gestellt zum Inhalt des Textes, zur Aussage des Autors, also, was mit dem Text eigentlich bezweckt werden soll. Dann gibt es noch Fragen, die sich auf die Sprache konzentrieren: beispielsweise kann ein Text sehr ironisch geschrieben sein; man muss das dann erwähnen und erklären warum es so ist. Manchmal wird auch noch nach dem Hintergrund gefragt, z. B. nach der Zeit oder Epoche in der das Stück geschrieben wurde. Es gibt echt viele Möglichkeiten, was der Lehrer alles wissen will! Dennoch ist das alles halb so schlimm und wenn man im Unterricht gut aufgepasst und idealerweise noch mitgearbeitet hat, dann ist die Abfrage wirklich kein Thema.

Anschließend geht es an die Hausaufgabenbesprechung. Meistens haben wir gar nichts auf, eben nur die besprochenen Texte wiederholen. Manchmal aber kommt es vor, dass wir ein paar Zeilen übersetzen müssen oder Aufgaben zu Texten bearbeiten. Aber auch das passiert meistens nur mündlich daheim, schriftlich wird es dann im Unterricht behandelt.

Dann folgt die eigentliche Arbeit im Unterricht: man beschäftigt sich, wie ich schon oft erwähnt habe, mit Textausschnitten. Im Allgemeinen müssen diese alle zu dem Thema passen, dass vom Lehrplan vorgeschrieben ist und im Unterricht durchgenommen wird. Wir hatten beispielsweise die USA und Einwanderer in den Staaten, Europa, Politik und momentan sind wir bei Irland. Zu den Texten erfährt man also vieles über die Hintergründe, was oft auch auf die Geschichte bezogen wird. Ein gutes Beispiel wäre hier also der Konflikt Irland und Nord-Irland, wie er geschichtlich entstanden ist und welche Konsequenzen man noch heute spürt. Wir haben dazu Essays aus verschiedenen Zeiten gelesen.

Zu den Texten bekommt man die Vokabeln erklärt, auf Englisch natürlich, so wie übrigens auch der gesamte Unterricht auf Englisch stattfindet. Die Textstücke werden dann in 2 bis 3 Unterrichtsstunden bis ins kleinste Details auseinandergenommen. Das nervt manchmal schon, wenn zum dritten Mal auf dieser oder jener Textaussage herumgeritten wird.


~Besonderheiten im Unterricht~

Das kann zum Beispiel eine Lektüre sein. Davon liest man in den zwei Jahren Kollegstufe mindestens zwei; eines davon sollte ein Drama sein. Wir lasen "Angela's Ashes" (dt. Die Asche meiner Mutter), was wirklich sehr interessant war. Probleme hatten manche mit dem Dialekt, aber das ist eine andere Geschichte. Die Lehrer achten schon darauf, dass die Bücher für die Schüler gut zu lesen sind und wenn möglich sollten sie auch verfilmt sein, denn dann kann man den Film im Unterricht mit dem Buch vergleichen. Auch hier gibt es wieder den geschichtlichen Hintergrund zu erwähnen, der anhand der Lektüre erarbeitet wird.

Diskussionen können den Unterricht auch etwas auflockern. Meistens beziehen sie sich nicht auf das aktuelle Unterrichtsthema, sondern werden mal so zwischendurch eingeschoben. Ich erinnere mich u. a. an das Thema Bulemie bei Teenagern oder Fast Food oder oder oder.... Dabei wird der Kurs in zwei Gruppen geteilt, die je Pro und Contra vertreten und einen Moderator. Geübt werden soll also die Kommunikation!

Wieder ein anderes Kapitel sind Referate. Auch da sind mindestens zwei verpflichtend. Für unsere ersten Referate bekamen wir einen Artikel aus der "Newsweek", einer englisch-sprachigen Zeitschrift, zugeteilt, der sich mit aktuellem Geschehen in Amerika befasste und mussten diesen zusammengefasst der Klasse präsentieren. Das Ganze natürlich möglichst frei und flüssig gesprochen.
Unsere nächste Referat-Reihe wird dann schon anspruchsvoller: Jede/r muss nämlich ein englisches Buch lesen und darüber eine ganze Unterrichtsstunde referieren! Das Besondere: man muss sich auch Aufgaben für den Kurs ausdenken und Fragen, die man dann mit dem Kurs erarbeitet. Alles in allem wirklich sehr anspruchsvoll und leider gibt es nur eine mickrige Note für den ganzen Aufwand, die nur einfach zählt. Das ärgert mich echt, denn mein Buch ist 400 Seiten lang und nur so nebenbei, ich habe noch nicht mal angefangen zu lesen....

Hmm, was gibt es sonst noch.... Manchmal sehen wir uns englische Nachrichten von CNN an, das kommt aber äußerst selten vor.


~Klausuren~

Für eine Klausur hat man eine Doppelstunde Zeit.
Die Klausuren bestehen aus einem Text (z. B. aus der "Newsweek"), Fragen zum Text und entweder einer Übersetzung oder einem sogenannten Comment.

Der Text....
....kann ein Newsweek-Artikel sein, ein Text eines zeitgenössischen Autors oder sonstige Textausschnitte. Natürlich muss sich wieder alles um das im Unterricht behandelte Thema drehen.

Die Fragen....
...zum Text sind verschiedener Art. Generell unterscheidet man zwischen den Fragen, die sich rein auf den Inhalt beziehen und solchen, die Interpretationen einzelner Textpassagen oder Aussagen verlangen.
Letztere fragen z. B. nach der Absicht des Autors, nach den Stilfiguren, die im Text verwendet werden oder nach dem aktuellen Bezug in der Politik/Geschichte usw.

Die Übersetzung...
....ist immer vom Englischen ins Deutsche. Verwendet werden darf das Oxford Advanced Learner's Dictionary (über das ich ja hier schon einen Bericht verfasst habe), wo man die englischen Wörter mit englischer Erklärung findet. Die Übersetzung kann ein eigenständiger, ca. 150 Wörter langer Text sein, oder ein Abschnitt des Textes zu dem man ja schon die Fragen beantwortet hat. Letzteres kann von Vorteil sein, denn dann hat man sich mit dem Textstück ja schon ausreichend befasst und es hoffentlich auch verstanden.

Der Comment....
....ist eine persönliche Stellungnahme zu einem bestimmten Thema. Beispiel: TV, radio, newspaper - mass media become more and more important. Nevertheless, theatre never lost its fascination. Explain why! (dt.: Fernsehen, Radio, Zeitung - Massenmedien werden immer wichtiger. Trotzdem hat das Theater nie seine Faszination verloren. Erklären Sie warum!)
Das Ganze ist also ein Aufsatz, der sehr gut strukturiert sein muss. Man gliedert ihn also in Einleitung, Hauptteil und Schluss, wobei im Hauptteil die Argumente dargelegt werden. Der Comment ist, wie schon erwähnt, ein sehr persönlicher Aufsatz, in dem die eigene Meinung (wie hier bei Ciao ;) ) gefragt ist. Es bietet sich also an, im Schluss eine abschließende Zusammenfassung der Argumente zu geben, die noch einmal die eigene Meinung deutlich macht.


~Unterrichtsmaterial~

Ein Buch haben wir zwar, ein Textbuch, aber wir benutzen es fast nie, wir bekommen immer kopierte Texte. Weiter haben wir eigentlich gar nichts, man benötigt nur einen Ordner zum abheften der Arbeitsblätter und für eigene Notizen. Hefteinträge machen wir in dem Sinne auch keine, was ich ziemlich blöd finde, denn man muss echt alles selber mitschreiben und wenn es schnell geht auch gut unterscheiden können, was jetzt eigentlich wichtig ist und was nicht.

~Noten~

... gibt?s erst mal für die Abfragen, wie schon gesagt! Dann natürlich auf die Klausuren; diese zählen doppelt. Außerdem benotet werden die Referate und extra noch einmal gibt es Mitarbeitsnoten. Wenn man sich oft meldet und gute Ideen hat, bringt einem das schnell mal 13 Punkte. Schlechte Mitarbeitsnoten vergeben die Lehrer eigentlich gar nicht, vor allem, weil ja in der Kollegstufe alle Noten auf den Abischnitt angerechnet werden.


~Meine Erfahrungen~

Den Leistungskurs Englisch kann man mit Sicherheit total interessant und abwechslungsreich gestalten. Man hat in einer Sprache dafür sehr viele Möglichkeiten, die man in anderen Fächern nicht hat. Bei uns im Kurs hat sich aber viel Langeweile eingeschlichen. Jede Stunde Texte, Texte, Texte und im Prinzip immer wieder dieselben Fragestellungen. Klar, das muss für's Abitur geübt werden, aber mit der Zeit nervt es schon.

Die Lektüre war eine interessante Abwechslung, allerdings war dabei der Haken, dass wir sie fast ausschließlich daheim lesen mussten. Das war auch viel Zeitaufwand und ziemlich anstrengend.

Ansonsten ist bei mir der Zeitaufwand minimal, man braucht auch kaum Vorbereitung für die Stunden, zumindest bei uns nicht.

Spaß macht mir Englisch schon noch und da man sich leicht gute Noten holen kann, habe ich meine Wahl auch bis heute nicht bereut. Ich hab's eben manchmal lieber langweilig als zu schwer und mit Sachen, die ich nicht verstehe....

~Fazit~

Der Englisch-LK ist nicht nur für Sprachbegeisterte absolut zu empfehlen. Englisch ist eine relativ leichte Sprache und wer gute Grundkenntnisse hat, kann sogar mit Note 4 noch in den LK gehen. Das Fach kann ? muss aber nicht ? sehr arbeitsintensiv sein, wenn der Lehrer z. B. dauernd Aufsätze schreiben lässt.
Alles in allem lassen sich die behandelten Themen aber gut lernen, denn vieles ist aktuell und zeitnah.

Wenn man den richtigen Lehrer erwischt, kann ich den Englisch-LK eigentlich uneingeschränkt für jeden empfehlen!

Ich vergebe 5 Sterne, obwohl ich dem LK mit meiner Lehrerin momentan einen Stern abziehen würde. Aber da es wirklich nur an unserer lahmen Lehrerin liegt und der Unterricht wirklich interessant und effektiv ist, bekommt der Englisch-LK von mir trotzdem die volle Punkt.... ähh Sternzahl!


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Minas_Tirit

Minas_Tirit

29.05.2002 11:20

Dein Englisch-LK und dein Lehrer scheinen sehr schwer in Ordnung zu sein. Wenn ich mich an meine Zeit im Englisch-LK erinnere, kommt das Grauen zurück. Jeden Tag Hausaufgaben, dafür aber keine Referate. Und fünf Seiten pro Doppelstunden mitschreiben, waren keine Seltenheit. Textauszüge gab es auch nicht, sondern nur Lektüre. Macbeth, Romea and Julia, Death of a salesman, Brave New World usw. Das war kein zuckerschlecken. Aber was solls. Es hat trotzdem einigermaßen Spaß gemacht. Dein Bericht war sehr interessant zu lesen. Gruß Minas_Tirit

der_dominator

der_dominator

26.05.2002 12:22

also ich habe mich für deutsch/geschichte entschieden und hoffe das ich damit gut fahre. habe lange überlegt ob ich nicht doch englisch nehme, letztendlich war der fehlerquotient mit dem ich mich all die jahre schon rumplage ausschlaggebend dafür das ich englisch ebend nicht gewählt habe. ein sehr schöner bericht, liebe grüße, dominik

Phoebee

Phoebee

18.05.2002 14:58

Schöner Bericht, ich hatte auch Englisch/Französisch LK. Gott sei Dank bei einem super Lehrer, einem Amerikaner, der nur aktuelle Sachen gemacht hat. In Französisch ist dann leider das genaue Gegenteil passiert, nur noch die "alten Franzosen" mit ihrem geschnörkelten Gefasel. Das Resultat ist, daß ich heute fließend Englisch spreche aber Schweißausbrüche bekomme wenn ich in Frankreich was zu essen bestellen soll. Wer vor der Wahl steht : seht Euch den Lehrer genau an, der diesen Kurs die nächsten zwei Jahre geben wird !!!

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