Als ich mein Abitur gemacht habe, habe ich mich für die Leistungskurse Deutsch und Englisch entschieden. Gerade auf Englisch habe ich Wert gelegt, denn ich denke kaum ein Fach ist für das moderne Berufsleben so wichtig wie Englisch. Vor dem Hintergrund, dass ich auch evtl. ein Auslandssemester an einer englischsprachigen Universität absolvieren möchte habe ich immer versucht mich bestes gehend fit zu halten und wie gut das mit dem Englisch LK funktioniert möchte ich hier bei Ciao nicht unerwähnt lassen.
Die Themen
Zwei Jahre lang hatte ich also 5 Stunden die Woche den Englisch LK. Genug Zeit um viele Themen durch zu sprechen, so viele, dass ich mich schon gar nicht mehr an alle erinnern kann. Angefangen haben wir mit den USA, die aber nur eine Nebenrolle spielten. Die Geschichte der USA spielte genauso eine Rolle wie die Entwicklung hin zur modernen Vielvölkergesellschaft, zum "Melting Pot" sozusagen. Die aktuelle Innen- und Außenpolitik war dabei genau wie der amerikanische Traum ein wesendlicher Bestandteil, der sich für viele aber nie erfüllt, wie wir am Beispiel des Stücks "Death of a salesman" von Arthur Miller analysieren mussten. Ich bin kein Fan von Dramen, die man in der Schule bespricht, aber dieses Drama gefiel mir ausnahmsweise sehr gut. Es sollte das letzte im LK sein, an dem ich Gefallen finden sollte. Danach kam das zentrale Thema des LKs an die Reihe, die Geschichte Englands. Besonderes Fokus wurde auf das Elisabethianische Zeitalter gelegt. Dazu mussten wir Shakesbears McBeth lesen. Das Stück ist von der Rahmenhandlung her eigentlich gar nicht übel, aber sich mit der damaligen Sprache auseinander zu setzen war das schlimmste, was einem im Englisch-LK passieren konnte.
Große Bedeutung kam auch der imperialistischen Bestrebung Englands zu, insbesondere Indien spielt hier eine große Rolle. Anhand von Kurzgeschichten sind wir auch in die Kolonialisierung Afrikas eingetaucht. Diese politisch-gesellschaftlichen Themen fand ich wesentlich interessanter als die englische Literatur, doch bald darauf ging es mit der Utopie "Handmaids Tale" weiter, der ich überhaupt nichts abgewinnen konnte. Die Geschichte wirkte wie an den Haaren herbeigezogen und auf wenn die klassischen Utopien, die früher unterrichtet wurden schon erheblich älter waren, so sollte man doch lieber bei 1984 oder Brave new world bleiben. Zum Schluss wurden die zwei Jahre dann mit dem Thema gefüllt, das mich am meisten interessierte, da ich starkes Interesse für Wirtschaft hege. Es ging um international agierende Konzerne und die Globalisierung. Leider war Business-Englisch, auf das man heute so dringend in der Wirtschaft angewiesen ist in der ganzen Zeit ein Fremdwort. Ich kann leider überhaupt nicht verstehen, wie sich die Bildungsminister dem nur entziehen können. Man sollte doch meinen, den Ansprüchen an moderne Studienabgänger sollte bereits in der Schule Rechnung getragen werden, aber wenn nicht im Englisch-Leistungskurs Business-Englisch unterrichtet wird, wo denn bitteschön dann? Hier besteht erheblicher Nachholbedarf.
Der Anspruch
Ich habe vorher gehört, dass jeder, der den Englisch LK wählt, direkt um etwa eine Note abfallen wird und auch ich pendelte mich sofort bei einer guten 3 ein, nachdem ich in den Jahren davor immer 2 stand. Man merkt deutlich, wie der Anspruch an Grammatik und Wortschatz steigt und meine 2- / 3+ konnte ich zunächst auch nur dank guter inhaltlicher Beiträge halten, sowohl in den Klausuren als auch im Mündlichen. Das galt auch für meine Abschlussklausur, die in einem von drei oder vier Auswahlthemen über die Abhängigkeit unserer Gesellschaften vom Öl handelte. Sprachlich lag ich wieder im 3er Bereich, doch ich hatte ein riesen Glück und war ein paar Tage vorher auf einer Wirtschaftskonferenz in Düsseldorf, wo Josef Ackermann und der saudische Ölminister zu genau diesem Thema referierten. Zu solchen Konferenzen, die vor Publikum stattfinden, kann übrigens jeder nach Anmeldung hingehen. Wer im Abi Sozialwissenschaften oder ähnliches hat kann dort viel lernen; nur zu empfehlen. Mir gelang es so durch Zufall eine 2 in der Abschlussklausur zu schreiben, obwohl der sprachliche Aspekt nochmals höher gedreht wurde, in dem ich nur auf eine 3- kam.
Wer also glaubt nur weil er gut Englisch sprechen kann, vielleicht aufgrund eines Auslandsjahres oder der Muttersprache kann noch lange nicht mit einer sehr guten Note rechnen, denn im Englisch LK wird auch eine hohe literarische und soziologische Auffassungsgabe vorausgesetzt.
Gruß,
NavySeall
21.06.2008 23:42
Ich hatte Englisch und Französisch als LK und hab die Sprache zum Beruf gemacht . LG Sabine
22.05.2008 18:52
würde ich nie als LK wählen, ist ein Horrorfach für mich. nein ich kann Englisch verstehen und auch halbwegs sprechen, nur die trockene Grammatik ist nix für mich.
22.05.2008 09:01
Da kann ich dir nur in allen Punkten zustimmen. Bei uns gings im Abi um Anti-Terror-Politik. LG Annika :)