Erfahrungen eines (Hobby-)Metalmusikers

4  06.11.2004 (07.11.2004)

Pro:
Musik machen ist geil !

Kontra:
Man investiert viel Arbeit, Geld und Nerven und man weiß nicht, was dabei rauskommt

Empfehlenswert: Ja 

lasthardman

Über sich: Sitze da und warte. Komme wieder. An einem anderen Tag.

Mitglied seit:01.07.2000

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Du willst rocken, Alter? Ja, verdammt – dann tu es!
Ich bin 29 Jahre alt und prügle immer noch Schlagzeug in einer Heavy Metal Band. Meine Mama wartet mitunter aus diesem Grund verzweifelt darauf, dass ihr Jüngster doch endlich mal erwachsen wird. Aber: Sorry Mama, ich gedenke nicht, in den nächsten Jahren meine Drumsticks an den Nagel zu hängen und ich gedenke auch nicht, in den nächsten Jahren meine musikalischen Fähigkeiten der Dorfblaskapelle eines nicht näher genannten bayerischen Voralpendorfes zu widmen. Würde ich nämlich in die Fußstapfen meines Opas treten – Kapellmeister und Meßmer dieses nicht weiter genannten Voralpendorfes – wäre mein Spaß an der Musik auch in meiner Familie akzeptiert und vor allem etabliert.
Aber eigentlich finde ich es besser, laut und heavy zu sein. Hua!

Die Sache mit dem Schlagzeug, bzw. die Sache mit den Bands mach’ ich nun seit mehr als 10 Jahren. Da geht es doch miteinander einher, daß wenn ich mich schon auf einer solchen Plattform herumtreiben muß, meine Erfahrungen und Tipps an jene weitergebe, die Mucke machen wollen. Also. Ich mach mal. Wer nicht will, der muß nicht lesen.

Als Kind hab ich mich schon auf allen möglichen Instrumenten versucht. Zur Jugendzeit stand aber fest, welchen Instrumenten ich wohl am meisten meine Aufmerksamkeit schenken werde: Gitarre, Schlagzeug und Keyboard. Letzteres Instrument legte den Grundstein für alles. Ich kaufte mir gelegentlich eine Keyboard Fachzeitschrift und füllte immer schön brav die Preisrätsel aus. Und eines Tages passierte tatsächlich das Unfassbare: ich gewann ein Akkordeon. Hurra!!!!
Ein Akkordeon? Was sollte ich damit? Meine Eltern schöpften schon Hoffnung, ich würde nun doch die Musik der bayerischen Heimat erlernen. Aber Pustekuchen: bei einem Musik Second Hand Laden tauschte ich das Ding gegen eine E-Gitarre samt Verstärker und: METAL Verzerrer.
Somit war also der Grundstein für meine erste Band gelegt. Ich weiß gar nicht mehr, wie wir die nannten. Kann sein, daß es "The Vision" war. Jedenfalls mein bester Freund damals und ich waren wild entschlossen, musikalisch das Oberland zu erobern. Zwei 15 jährige Knaben und ein 20 jähriger Alkoholiker, der kurz vor dem Rauswurf aus seiner Mietwohnung war, weil er in derselben auf seinem auf Pump finanzierten Schlagzeug übte.
Tipp 1: Wenn Du Schlagzeug spielst – Deine Mietwohnung ist kein guter Übungsraum!

Also: sämtlicher Plunder zu mir in die Garage auf dem großen Grundstück meiner Eltern. Ich konnte gerade mal etwas mehr als fünf Akkorde auf der Gitarre und versuchte mich ambitioniert aber leider unerfolgreich an Gitarrensoli. Aber: ich hatte zwei Songs geschrieben und die versuchte ich nun irgendwie, mit meinen musikalischen Mitstreitern zum klingen zu bringen. Mein bester Freund hatte noch nie ein Instrument in der Hand gehalten. Aber er versuchte zumindest, Bass zu spielen. Der Alki, der vor zwei Wochen das erste mal Drumsticks in den Fingern hatte drosch auf das Schlagzeug ein: irgendwie. In den etwa 10 Bandproben, in der die Band in dieser Besetzung existierte klangen die Songs „Teenage Revolution“ (den ich heute noch recht gerne spiele) und „Death Matrix“ immer – mal mehr, mal weniger furchtbar.
Davon abgesehen, dass wir nur proben konnten, wenn Mama beim Einkaufen war. Denn selbst sie hatte die Lautstärke des Schlagzeugs unterschätzt. Selbst wenn sie am anderen Ende des Grundstücks oder im Haus war, fühlte sie sich von dem Krach sehr genervt und es gab immer wieder Ärger.

Tipp 2: Bevor Du Dich mit Deinen Kumpels in den Proberaum wagst wäre es hilfreich, wenn ihr euch im stillen Kämmerlein ein paar Grundkenntnisse aneignet.
Tipp 3: Eltern taugen nur selten als Zuhörer für eine neu gegründete Heavy Metal Band.

Nun, als die anderen Jungs merkten, dass das Spielen in einer Band in erster Linie mit harter Arbeit zu tun hat, strichen diese die Segel. Ich kaufte dem Alki das Schlagzeug ab. Darin hatte ich meine neue Leidenschaft gefunden. Ich verbrachte die nächste Zeit vor allem mit üben. Die gelgentlichen Jam Sessions mit anderen Musikern führten zu nichts weiter.

Tipp 4: Üben üben üben! Auch wenn alleine Üben wenig Laune macht. Es macht aber umso mehr Spass, wenn z.B. zwei Gitarristen auf technisch gleichem Niveau ein Ziel gemeinsam erarbeiten. Ich habe gelegentlich in einem großen Proberaum zusammen mit einem anderen Schlagzeuger geübt. Das eigentlich gesteckte Ziel erreicht man dabei zwar nicht immer, aber man lernt auf den Umwegen dahin unsagbar viel dazu. Achtet drauf, dass der Proberaum für euch erreichbar ist. Ich musste immer mindestens 25 km fahren, um in den Proberaum zu kommen. Gerade zu den Zeiten, in denen ich kein Auto hatte, war das regelmäßige üben eine Glückssache. Dieser Umstand hat mich mit Sicherheit

Bilder von Entstehung einer neuen Band
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Live im Rockclub Garage - München
einiges an technischer Fähigkeit gekostet, die mir heute immer wieder fehlt. Noch heute ist die Fahrzeit von einer Dreiviertel Stunde zum Proberaum ein Problem, das mich hindert, öfter zu üben. Ich habe nun einen anstrengenden Job – danach hat man nicht immer Lust, einen ganzen Abend für eine Stunde üben zu opfern.

Mit 19 wurde mir dann das Angebot unterbreitet, in eine aufstrebende junge Grunge / Punk Band einzusteigen. Deren Drummer konnte aus zeitlichen und örtlichen Gründen nicht mehr. Da stand ich das erste mal richtig unter Druck und mir wurde bewusst, dass ich in Wirklichkeit gar nichts konnte, obwohl mir allerlei Kumpels immer wieder Honig ums Maul schmierten, wie toll ich doch trommeln konnte.
Plötzlich gings nämlich drum, den Rhythmus zu halten, den richtigen Rhythmus zur richtigen Zeit zu spielen, die richtigen Fills und die richtigen Betonungen zu spielen. Ich hatte all die Jahre komplett falsch geübt! Ich hatte schlichtweg nur vor mich hingetrommelt und nie mitgezählt. 1 – 2 – 3 – 4 – 1 – 2 – 3 – 4: Das ist das A und O von allem, wenn Du mit anderen rocken willst. Zum Anfang musst Du nur den Rhythmus halten, bzw. ihn variieren, um ihn an die entsprechenden Parts anzupassen. Ein noch so tolles Solo, ein noch so tolles Fill, zerstört den Song, wenn Du danach nicht mehr im Takt bist.
Ich machte mir dann eben Spickzettel, auf denen die Parts notiert waren. So spielte und übte ich eine Zeitlang nach meinen Notizen. So steuerte ich langsam aber sicher darauf zu, das erste mal mit einer Band auf der Bühne zu stehen.

Tipp 5: Stellt euch als junge Band ruhig auf eine Bühne, sobald ihr einigermaßen zusammenspielen könnt. Es werden eh nur Kumpels kommen. Und die verzeihen euch vieles. Vor allem kommen die nicht, weil die eure Musik analysieren wollen, sondern weil die einfach nur Party machen wollen. Verzweifelt nicht, wenn ihr beim Gig vor euren Kumpels auch mal murkst. Das passiert auch Profis mal. Wenn ihr ein Ziel wie einen Gig vor Augen habt, übt ihr mit einer ganz anderen Motivation und einer ganz anderen Intensität. Drückt irgendeinem Kumpel beim Konzert eine Videokamera in die Hand. Hört man sich mal von der anderen Seite spielen, entdeckt man völlig neue Schwächen und Fehler!


70 Leute kamen zum ersten Konzert von Sickness Bag!
(Tipp 6: Legt euch nen Namen zu, den sich die Leute merken können. „Sickness Bag (dt. Kotztüte) playin’!“ Alleine deswegen kamen zu unseren Konzerten immer wieder ein paar Amis aus den Kasernen in Garmisch.)
Nach dem ersten Song kam der zuständige Pfarrer rein – wir spielten im Gemeindesaal Mittenwald -, wir wären viel zu laut. Nach dem Konzert war ein Schaukasten kaputtgeschlagen und des Pfarrers Katze traute sich vom Baum nicht mehr runter. Das strikte Alkoholverbot im Gemeindesaal wurde, milde ausgedrückt, ignoriert. Im Mittenwalder Gemeindesaal darf NIE NIE NIE wieder eine Rockband spielen, hatte der Pfarrer gesagt. Ich fand, der Rock’n Roll hat seine Wirkung mal wieder nicht verfehlt. Muhaha!
Bei diesem ersten Konzert haben wir gemurkst wie die Weltmeister. Wir haben uns tierisch über unsere Fehler – meine allen voran – aufgeregt. Den Besuchern des Konzerts war’s egal. Die haben nichts bemerkt. Die lallten die ganze Zeit was von saugeilem Konzert.

Trotzdem: Selbst wenn es den Leuten gefallen hat. Man muß sich immer weiterentwickeln. Wir arbeiteten an unseren Schwächen und beim nächsten Konzert ein paar Monate später gab’s nicht mehr nur besoffenes Gegröhle als Applaus, sondern es gab zeitweise einen Moshpit und es kamen sogar Stagediver auf die Bühne. Wir spielten im Jugendzentrum im Kreisort zusammen mit einer anderen lokalen Rockband vor über 150 Leuten. Geil war’s. Das Video würde ich gerne mal wieder gucken, aber die kleine Sau von Gitarrist hat’s mir seit 7 Jahren nicht mehr zurückgegeben.
Am Rande: die menschlichen Beziehungen innerhalb einer Band. Freunde müsst ihr schon sein, aber es ist nicht zwingend, auch außerhalb der Band immer und überall zusammen zu sein. Hauptsache, ihr versteht euch im Proberaum. Unser Gitarrist brachte immer die besten Ideen. Wenn Du ihn außerhalb des Proberaums getroffen hast, hattest du danach entweder einen leeren Geldbeutel oder einen leeren Kühlschrank. Ganz zu schweigen davon, dass der so gut wie nie seinen Anteil an der Proberaummiete bezahlt hatte. Ja, auch so organisatorischer Mist kann zu einem richtigen Problem in einer Band werden. So sehr wir uns in musikalischer Hinsicht verbesserten, so sehr wir auch von den etablierten Bands des Landkreises akzeptiert wurden, umso mehr kamen bandinterne Querelen plötzlich auf. Der andere Gitarrist entdeckte plötzlich Cannabis für sich und als er zum x-ten mal die Bandprobe verpennte, ja – sogar einen Studiotermin verpennte – und dies immer mit meinem bekifften „hhhhey, was geeehhhtnn“ kommentierte, erhielt er die rote Karte: er wurde gefeuert. Der andere Gitarrist wollte auf einmal immer in letzter Minute seit Monaten ausgemachte Konzerte absagen. Wir hatten plötzlich zwei Lager in der Band: Vocals, Bass, Drums vs. Gitarristen. Zu dumm dass die einen ohne die anderen nicht konnten. Das Ende vom Lied war, dass sich die Gespräche nur noch auf ein „Hallo“ und ein „Tschüß“ reduzierten. Wir konnten während der Skisaison nie proben, da unser Proberaum eigentlich ein Lagerraum einer Skischule war. Nach der Entwicklung dieses einen Sommers haben wir uns im Frühling nur noch zweimal zum proben getroffen, weil wir von der Jugendbeauftragten des Gemeinderats gebeten wurden, auf der Eröffnung der Skateboardbahn zu spielen. Wir haben uns nie offiziell aufgelöst, aber wir haben das letzte mal vor sechs Jahren geprobt. Vom Punk / Grunge hatten wir uns zum NU School Death Metal entwickelt. Eine Mischung aus Pro-Pain, Bolt Thrower und den alten Paradise Lost. Zum Schluß haben wir meines Erachtens die besten Metal Songs aller Zeiten geschrieben. Finde ich echt – selbst wenn das Größenwahnsinnig klingt. Aber sie hatten Power, Leidenschaft, Groove, Harmonien die von Herzen kamen… es waren Nackenbrecher.
Wir hatten ungefähr 15 Konzerte, alle relativ gut besucht (zwischen 50 und 200 Leuten - nicht schlecht für ne Underground Combo). Theoretisch existieren irgendwo Aufnahmen von der Band. Irgendwer hat mir irgendwann gesteckt, daß ein Proberaummitschnitt (! bzw. ?!?!) auf irgendeinem Snowboardvideo gelandet ist. Desweiteren haben wir mal unsere Songs von einem Tontechniker aufnehmen lassen, der uns wohl mit einer Jazzband verwechselt hat. Ein Richtmikro für das komplette Schlagzeug... wo ich doch alleine für die beiden Basedrums zwei gebraucht hätte.
Wenn es mal so weit ist, stellt euch lieber eine Videokamera oder ein Taperecorder in den Proberaum, als daß ihr einem ahnungslosen ein paar Hunderter bezahlt, daß der verglich versucht euch vernünftig aufzunehmen. Das Ergebnis klingt vermutlich relativ gleich schlecht. Im Zweifelsfall immer Referenzen anhören. Wenn einer bisher nur Volksmusik aufgenommen, dürfte er ziemliche Schwierigkeiten mit lauten Gitarren, lautem Schlagzeug und Gebrüll haben.


Nach der Sickness Bag Ära ging es aber für fast alle von uns in anderen Bands weiter. Nur der Sänger macht soviel ich weiß heute nichts mehr. Einer der Gitarristen und der Bassist gründeten eine Skatepunkband, die mittlerweile semiprofessionell ganz hübsch in Mitteleuropa herumtourt und immer wieder viel beachtete CD’s veröffentlicht.

Ich stieg in die frisch gegründete Band Lounge Act ein. Mit beteiligt war der liebe Ciao User Gilliam. Wir spielten uns ein paar Proben mit Rockstandards wie "Paranoid" und "Knocking On Heaven's Door" aufeinander ein. Dann setzte ein Kreativprozess ein. Jeder kam mit irgendwelchen Ideen daher und schon bald hatten wir ein Repertoire von simplen, aber coolen und vor allem selbstgeschriebenen Songs. Recht schnell hatten wir schon unsere ersten Gigs und sogar ein Demotape, das eigentlich recht gut klang. Zumindest die zweite Aufnahme. Die erste Aufnahme wurde von einem selbsternannten Hi-Fi Audio Produzenten, der sich irgendwo Recording Equipment aus den 70er Jahren zusammengeschnorrt hat, nach allen Regeln der Kunst verbockt. Fortan wurde dieses Kerlchen von uns nur noch als „Die Wurst“ bezeichnet. Der zweite Versuch unseres Demos fand sogar in der allseits bekannten Zeitschrift Metal Hammer in der Demorubrik freundliche Beachtung. Diese Rezension brachte uns sogar Angeboten von Plattenfirmen. Allerdings waren diese sehr sehr dubios und vor allem mit nicht finanzierbaren Aufwand für uns verbunden.
Mit Lounge Act machten wir davon abgesehen unsere erste Erfahrung mit dem bösen Musikbusiness. Kaum waren wir im Internet präsent, erhielten wir schon eine böse Mail von einem Musiker, der uns aufforderte, unseren Namen zu ändern, weil er die Rechte auf den Namen Lounge Act hatte. Hätten wir das nicht getan, hätte er uns verklagen wollen. So hießen wir eben ein paar Wochen Teary Feather, später dann Bayroot. Was bis zum heutigen Tag so geblieben ist (allerdings seit 2 Jahren ohne mich).
Wenn ich mich recht erinnere, konnten wir Vier uns eigentlich nicht wirklich ausstehen. Aber wir hatten uns gegenseitig als „Nette Arschlöcher“, die gelegentlich recht gute Ideen hatten akzeptiert. Wir brüllten uns an, wir stiegen aus und wir stiegen wieder ein. Ja, auch so kann eine Band irgendwie funktionieren. Bis auf die Tatsache, dass wir zeitweise anderthalb Jahre auf keiner Bühne standen. Klar, da sinkt die Motivation. Zumal die Richtung, in die die Band sich bewegen wollte nicht klar war. Ich brachte irgendwann mal ne Sängerin mit, weil wir plötzlich ein paar softere melodische Songs im Repertoire hatten, die wir damals nicht singen konnten (Gilliam kann das aber mittlerweile verflucht gut). Eine Sängerin nach der anderen wurde aber wieder gefeuert. Die eine, weil sie ne Diva war und ihre „Black Voice“ nicht gut genug bei uns durchkam und wir nun Musik à la Ashanti machen sollten, die andere weil sie ne verblendete Hippie Braut war und Texte wie „That’s when I reach for my revolver“ nicht singen wollte, die andere weil sie ne Alkoholikerin ohne Stimme aber großer Klappe war, die nächste, weil sie mit der Tatsache nicht klar kam, dass in ner Band zu spielen weniger mit Glamour, aber eher mit Arbeit zu tun hat. Die, die dann blieb, war der Grund warum der Bassist ausgestiegen ist. Das heisst: zuvor habe ich aufgehört. Nicht unbedingt wegen ihr, aber es hatte mit ihr zu tun. Ich wollte nie Coverversionen spielen. Doch Coverversionen brachten Auftritte. So spielten wir nach dem Einstieg der letzten Sängerin fast nur noch Coverversionen. Und nein… ich konnte das Zeug fremder Leute nicht trommeln und ich wollte es nicht trommeln. So kam’s zu einer Trennung im Guten.

Wer einmal mit dem Musikvirus infiziert ist, der kann’s nicht lassen. Nach Bayroot war ich mir nicht sicher, ob ich noch mal Schlagzeug spielen werde. Es dauerte aber keine 5 Monate, da juckte es mich schon wieder. Nach weiteren vier Monaten las ich im Gästebuch der Bayroot Homepage, dass eine unserer Linktauschbands aus unserer Gegend einen Schlagzeuger suchten. Ich versuchte es einfach mal, und keine zwei Wochen später fand ich mich plötzlich völlig unvorbereitet in der Rolle des neuen Schlagzeugers der Metalband Camorristas.
Nun ging das Arbeiten von vorne los. Das war eine riesen Herausforderung. Ich musste nach einem Jahr ohne Schlagzeugtraining ziemlich eingerostet möglichst schnell 14 Songs lernen, die zu allem technisch auf einem mir bis dato unbekannt hohen Niveau waren. Nicht dass die Bandmitglieder allesamt Musikprofessoren sind, aber ich hatte die Bürde, das Erbe eines Trommlers anzutreten, der zwei Klassen besser spielt als ich. Ich übte also wieder, sofern es die Zeit erlaubte. Nun trommel ich seit fast anderthalb Jahren bei der Band und komme mittlerweile einigermaßen zurecht. Seit dem Frühjahr spielen wir regelmäßig Konzerte. Auch eine neue Erfahrung für mich, da die Camorristas schon vor meinem Einstieg relativ regelmäßig on stage zu sehen waren. Das nächste Etappenziel ist nun die Produktion einer Demo CD unter hoffentlich relativ professionellen Bedingungen.
So. Das klingt nun alles danach, als wären wir auch relativ professionell. Nix da! Ich verdiene keinen Cent damit! Sämtliche spärliche Gagen, die wir bekommen, refinanzieren das Benzingeld und werden in den Proberaum oder ins Bandeigene Equipment investiert. Weil es mit den Camorristas gut läuft und es trotz der wirklich harten Arbeit viel Spaß macht, habe ich neulich für 1500 € ein neues Schlagzeug gekauft, in das ich in absehbarer Zeit noch mal 500 € investieren muß. Klasse Aussichten, gell.

Das ist der momentane Stand der Dinge. Andere Musiker werden in jungen Jahren schon von Plattenfirmen entdeckt und haben die Möglichkeit, früh Platten zu veröffentlichen, herumzutouren und vielleicht sogar ein paar Euro zu verdienen. Ich bin Hobbymusiker. Ich bezahle nur. Finde ich aber auch gar nicht schlimm. Andere Leute stecken ihr Geld eben in nen Golf GTI oder in eine Tennisausrüstung. Mein größter Erfolg war, dass ich im Sommer mit den Camorristas im Vorpgramm einer relativ bekannten Thrash Metal Band gespielt habe. Da waren sehr viele Zuschauer und die waren recht angetan. Wie Öl runter ging das Kompliment des Hauptacts, wir sollen auf gar keinen Fall unseren Stil ändern, weil wir im positiven Sinne uns von anderen Metalbands unterscheiden.

Wer Musik machen will, der muß an sich arbeiten. Der muß üben, selbst wenn man eigentlich auch gar keine Lust hat. Wer in einer Band spielt, der muß auch mal in den Proberaum, selbst wenn das Wetter zum Baden einlädt, selbst wenn sich die Freundin vernachlässigt vorkommt, selbst wenn man aus irgendeinem anderen Grund keinen Bock hat. Wenn in einer Band auf Dauer ein Mitglied nicht mitzieht, wirkt sich das auf die ganze Band aus. Ein Mitglied, das auf Dauer nicht mitzieht muß ersetzt oder ausgeschlossen werden.
Wer sich entscheidet, in einer Band zu spielen, der sollte erstmal nicht mit Ruhm, Kohle, Mädels und Glamour rechnen. Von ein paar unrühmlichen Ausnahmen abgesehen steckt hinter jedem Musiker verflucht hartes Training, das immer wieder aufs Neue üben von Musikparts, die man schon nicht mehr hören kann, die aber immer noch nicht funktionieren. Die Zeiten, in denen man bewundert wird, weil man in einer Band spielt, sind längst vorbei. Fast jeder, der irgendwann mal ein Instrument in der Hand hatte, hat heutzutage schon mal in einer Band gespielt.
Ich habe mich oft genug gefragt, was es mir bringt, jetzt 40 km weit in den Proberaum zu fahren, 3 Stunden lang rumzuholzen bis zur Erschöpfung, wegen jeden Fehler von meinem Bandkameraden gerügt zu werden und das obwohl
- am Abend was gutes im Fernsehen kommt
- es im Biergarten auch gemütlich wäre
- ich ein Date haben könnte usw.


Umso besser fühlt man sich, wenn nach langem üben endlich mal ein komplizierter Song klappt oder man auf der Bühne steht und merkt, dass der Applaus, den man da bekommt über den Höflichkeitsapplaus hinausgeht.
Davon abgesehen macht meistens ziemlich viel Spaß, Krach zu machen. Wer Musik mag, dem empfehle ich natürlich eine Band zu gründen. Wer geil auf Ruhm ist, der soll’s bei Big Brother versuchen.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
sonarmaster

sonarmaster

25.05.2006 04:09

Ja Mann..., laß Dich nicht abhalten den Fellen Saures zu geben. Ich quäle mit 52 auch immer noch die Saiten meiner Paula - ws immer die Welt davon auch halten mag. Doch inzwischen ist sie davon sogar angetan. Rockige Grüße - Tom

LifeInSin

LifeInSin

07.02.2005 00:22

Äußerst sympathischer bericht...achja mach dir keinen Kopf übers Alter... bis auf mich un unseren Gitarristen ist die gesamte Band fast 30 oder drüber, und trotzdem scheuen wir uns nicht davor Death/Grind zu zocken. Für Musik ist man niemals zu alt!

Sunny-2000

Sunny-2000

12.01.2005 22:36

Klasse... da spürt man, wie Musik in deinen Adern pulsiert... ich hätt gern noch weiter gelesen... aber da stand nix mehr *gg*... ich liebe auch die Musik... hab es lang genug betrieben... LG und weiterhin viel Erfolg, Sunny.

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