Eon - Ich bin on

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... Die Kategorie heißt ja „Eon – Ich bin on“ und bezieht sich daher meiner Ansicht nach nicht nur auf diesen Alex-ist-on-Spot. INTERPRETATION / MEINUNG °o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o° Ich äußere meine Meinung einfach mal direkt zu Beginn – mich nervt diese ... Bericht lesen





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ICH BIN ON, DU BIST ON, ER/SIE/ES IST ON...
Erfahrungsbericht von therealwebber über Eon - Ich bin on
04.12.2002


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Wir können immernoch konjugieren, manche können ihr Selbstwertgefühl aufbessern .  .  .
Kontra: .  .  . andere werden in eine tiefe Sinnkrise gestürzt, weil sie nicht on sind, ES NERVT .  .  .

Empfehlenswert? nein 

Kompletter Erfahrungsbericht

Liebe Leser/innen,
seit einigen Wochen werden wir im Fernsehen wieder in schöner Regelmäßigkeit von einer Serie von Werbespots genervt. Beworben werden die Stromzugänge des ja immer noch recht jungen Konzerns E.on, wie schon bei der „Mix-Aktion“ ist es wieder eine ganze Reihe von Spots mit dem selben Thema, die ausgestrahlt werden.


STORY
°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°
Wie erwähnt handelt es sich hier um eine Serie von Spots. Der Ablauf ist allerdings immer ziemlich gleich, denn meistens diskutieren zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts darüber, ob sie „on“ sind oder nicht. Der Dialog läuft meistens etwa so ab: „Ich bin on.“ - „Du bist nicht on!“ – „Ich bin on. Alex hat das auch gesagt.“ – „Wer ist Alex?“ – „Alex ist on...“ – beispielsweise während ein Pärchen über die Straße geht. Eine Person also ist davon überzeugt, „on“ zu sein, die andere ist eigentlich von dem „on“-Gerede genervt, versucht aber trotzdem, irgendwie als on zu gelten. Was „on“ in diesem Fall eigentlich bedeutet, wird nicht verraten. Zum Ende des Spots begrüßt aber ein vertrauter roter Bildschirm den Besucher, und als ich den Spot zum ersten Mal sah, wurde hier meine Vermutung bestätigt – Reklame wird für den Stromkonzern E.on gemacht. Eingeblendet wird noch eine Webadresse, allerdings nicht die der eigentlichen Konzernseite, eon.de, sondern passend zum Spot www.ich-bin-on.de.

Ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass ich im Folgenden nicht nur über diese ersten Spots, sondern auch über den Rest der Kampagne, der jetzt in die Medien gelangt, schreibe. Die Kategorie heißt ja „Eon – Ich bin on“ und bezieht sich daher meiner Ansicht nach nicht nur auf diesen Alex-ist-on-Spot.


INTERPRETATION / MEINUNG
°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°
Ich äußere meine Meinung einfach mal direkt zu Beginn – mich nervt diese Kampagne enorm. Es gab ja schon öfter Versuche, mit ausgedehnten Kampagnen die Bevölkerung zu „terrorisieren“, aber meistens waren es inhaltlich harmlose Slogans, wie etwa der des MediaMarkts („Ich bin doch nicht blöd.“). Aber hinter der „on“-Diskussion scheint ein anderer Ansatz zu stecken. „On“ ist hier meiner Ansicht nach einfach mit „in“ gleichzusetzen. Die Menschen werden in zwei Gruppen aufgeteilt, nicht Schwarz und Weiß, nicht Ost und West, sondern schlicht und einfach „on“ und „nicht on“. Das Prinzip dürfte vom Schulhof etc. bekannt sein...

Es gibt also die Guten, die, die on sind. Und die Schlechten, das sind die, die (noch) nicht on sind. Wie sich das aber ändern lässt, wird direkt nicht verraten. Wodurch wird man „on“? Durch den richtigen Stromanbieter? Das wäre weniger plausibel, denn den Energielieferanten hat kaum jemand auf der Stirn kleben. Die Internetadresse lässt vermuten, dass „on“ nicht nur mit „in“, sondern auch mit „online“ zu tun hat. Und tatsächlich, auf ich-bin-on.de findet man eine Community, in der sich Leute präsentieren dürfen, die sich für on halten. Dem Ruf sind immerhin schon gut 47.000 Menschen gefolgt – für mich völlig unverständlich. Das Webangebot habe ich mir auch gar nicht näher angeschaut.

Bevor ich auf die Kampagne und ihren weiteren Verlauf detaillierter eingehe, möchte ich noch mal den ursprünglichen Spot ansprechen, da der hier ja das Hauptthema darstellt. Durch seine häufige Ausstrahlung und die immer wieder gleichen Dialoge ist er in den letzten Wochen zur Nervensäge Nummer 1 im Fernsehen geworden. Alleine wenn ich irgendwie den Ausdruck „on“ höre, wandert die Hand zur Fernbedienung und stellt den Ton ab. Auf mich hat der Spot eine äußerst negative Wirkung, ich habe schon jetzt eine negative Einstellung zu der Sache – und das kann kaum im Sinne des Herstellers sein.

Die Darsteller, wie gesagt zumeist Mann und Frau, sind auch nicht sehr gelungen. Sie sind klischeehaft, Modell „Zicke“ und Modell „Ratloser“. Ich kann auch beim besten Willen nicht sagen, dass sie den Dialog auf irgendeine Weise ansprechend gestalten. Die Kameraführung ist auch nicht sehr gelungen, meistens sind die Protagonisten von oben oder schräg von der Seite zu sehen.

Ich hatte gleich die Befürchtung, dass die Sache mit Alex, der ja bekanntlich on ist, erst der Anfang ist. Und dem ist auch so, denn nun geht die Kampagne weiter. In den Medien werden Leute vorgestellt, die „on“ sind. Es sind keine Prominenten, sondern „ganz normale Menschen“, die sich um irgendetwas verdient gemacht haben (soziale Tätigkeiten o.ä.). Das mag ja ein recht löblicher Ansatz sein, aber mit dem Produkt hat er auf den ersten Blick nicht allzu viel zu tun. Die Assoziation der von diesen Menschen aufgebrachten Energie mit der Energie, die E.on liefert, gelingt sicher nicht jedem. Auch ich musste etwas nachdenken, bis ich darauf kam.

Die Wirkung auf die Zuschauer ist hier anscheinend von Typ zu Typ sehr unterschiedlich. Viel mehr als ich zu vermuten gewagt hätte klicken sofort die Website an, registrieren sich dort und finden es toll, jetzt auch „on“ zu sein. Die anderen – bei Ciao sind sie nach den bisherigen Berichten in der Überzahl – sind nur genervt und wollen von „on“ und „nicht on“ bzw. „off“ nichts mehr wissen.

Zum Slogan und zu der Aussage der Spots – so etwas Beklopptes habe ich in der Werbung wirklich selten erlebt. Die Bewertung von Menschen nach einzelnen Kriterien äußert sich in vielen verschiedenen Formen – manche richten sich nach der Hautfarbe, Rassismus also, in der heutigen Zeit ist die Beurteilung nach dem finanziellen Status bzw. nach Prestige-Symbolen (Markenkleidung, Elektronik...) weitaus verbreiteter. Und in die Kerbe schlägt Eon. Die einen sind on, was das überhaupt bedeutet ist ja auch zunächst sekundär, die anderen nicht – die sind schon mal wertlos. Die einen nehmen das so hin oder ärgern sich darüber, die anderen klicken die Website an und lassen sich schnellstens „onnen“, bevor jemand merkt, dass sie es zuvor noch nicht waren....


FAZIT
°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°o°
Diese Kampagne von E.on ist so ziemlich das Letzte. Menschen werden beleidigt, weil sie einen Fehler begangen haben – denn sie sind nicht „on“. Denen, die on sind, wird vorgegaukelt, nun etwas Besseres zu sein. Also, wer sich über seinen Stromanbieter definiert ist schon ziemlich arm...

Die ersten Spots selbst sind sehr nervig, die Dialoge kann man nach einiger Zeit nicht mehr hören. Auch die Darsteller sind nicht sehr gelungen. Der einzige positive Aspekt, die engagierten Menschen, die vorgestellt werden und mit Energie assoziiert werden können, fällt da auch nicht groß ins Gewicht. Einen Stern und sicher keine Empfehlung für diese Kampagne.

Vielen Dank fürs Lesen,

euer realwebber am 04.12.02


   

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