Epilepsie

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Was ist nur passiert ?

1  09.12.2002 (03.04.2003)

Pro:
Man ist genauso wie jeder andere  !  !  !  !  !

Kontra:
gefährliche Situationen

Empfehlenswert: Nein 

IchLiebeMarco

Über sich:

Mitglied seit:09.08.2002

Erfahrungsberichte:537

Vertrauende:53

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 53 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Nun ist es über 4 Jahre her , dass ich meinen ersten und einzigen Anfall hat und ich kann es heut immer noch nicht fassen .

Es begann damit , dass ich abends in meinem Bett ein Buch las . Ich erinnere mich noch soweit , daran , dass ich es zuschlug und ins Wohnzimmer gehen wollte . Und dann folgte eine Phase aus Traum und Schlaf - ein Anfall . Meine Eltern fanden mich und da ich mit dem Kopf auf der Türschwelle bewusstlos lag wurde vermutet ich sei gestürzt . Ich hatte mir die Augenbraue ausgeschlagen , hatte mir auf die Zunge gebissen und Schaum vor dem Mund . Zu dem Zeitpunkt wusste niemand aus meiner Familie , dass die letzten beiden Dinge typische Anzeichen für Epilepsie sind . Sie fuhren mit mir zum Arzt , ich war immer noch bewusstlos . Dort kam ich langsam zu mir und sah auch Leute , aber ich schlief immer noch mehr als ich wach war .
Im Krankenwagen ging es mir wieder so wie immer und im Krankenhaus konnte ich schon wieder ganz allein gehen . Ich konnte gar nicht begreifen , was los war , denn meiner Meinung nach habe ich nur geschlafen . Von dem ganzen Anfall habe ich überhaupt gar nichts mitbekommen und war regelrecht erbost , dass ich ins Krankenhaus sollte . Meine Eltern dagegen waren total erschrocken und ängstlich .

Im Krankenhaus angekommen wurde mir Blut abgenommen , Urinprobe gemacht , EKG , Blutdruck und noch einige Untersuchungen . 48 stundenlang wurden mir jeweils in 2 Stundenabständen Blut abgenommen und der Blutdruck gemessen . Ich fühlte mich schrecklich dort , denn was sollte ich da ? Ich hatte ja "nur" geschlafen , wie ich die ganze Zeit sagte , es ist sehr typisch , dass Epileptiker mit Bewusstlosigkeit sich nicht an den Anfall erinnern können .
Nach Ultraschall und Ausdauertraining wurde festgestellt , dass ich Epilepsie habe . Oh gott - was hieß das nun für mich ? War ich verrückt , behindert oder sowas ?

Ich befasste mich sehr intensiv mit dieser Frage , so sehr , dass ich sogar eine Facharbeit darüber schrieb . Früher dachte ich immer solche Menschen sind behindert und mehr wusste ich darüber nicht , aber da ich nun selber betroffen bin reichte das nicht .

Zwangsläufig ist man als Epileptiker behindert . Aber weder körperlich noch geistig ! Was also dann ? Es ist oberste Priorität gefährlichen Situationen aus dem Weg zu gehen , dazu gehört zum Beispiel vermeiden allein schwimmen zu gehen , denn es besteht bei einem Anfall die Gefahr des Ertrinkens . Das Leben ist nun also anders zu führen , aber immer noch so , dass man allein und selbstständig leben kann . Auf keinen Fall sollte man sich von irgendwelchen Vorurteilen das Leben schwer machen lassen !! Denn die sind seit Jahrhunderten schon weitverbreitet . Oder wer hätte je gedacht , dass Menschen die Weltruhm erlangten , wie Dostojeweski , Van Gogh , Lenin , Nepoleon , Cäsar , Karl der Große , Richard Nobel und Alfred Nobel an Epilepsie litten ? Epilepsie ist somit KEINE Geisteskrankheit .
Mein Berufswunsch allerdings wurde mit Epielspie leider zu nichte gemacht , ich wollte Pilotin werden und das geht somit nicht .

Mir machen allerdings sehr die Tabletten zu schaffen , was mich manchmal sehr traurig stimmt , aber ich habe gelernt damit umzugehen und werde von allen unterstützt und behandelt wieder jeder andere auch . Zu meinen Nebenwirkungen zählen Müdigkeit , Abgeschlagenheit , Konzentrationsschwäche , Appetitlosigkeit , Kopfschmerzen , bei gezogenen Zähnen Zahnfleischentzündungen und noch vieles mehr .

Nach dem Krankenhausaufenthalt wechselte ich zu einer neurologischen Praxis . 2 mal im Jahr muss ich zum Schlafentzugs - EEG . Das bedeutet ich muss die ganze Nacht wach bleiben und am morgen zum EEG um zu testen , wie ich auf Stress reagiere . Und jedes Vierteljahr zum Blutabnehmen .

Mittlerweile wurde meine Tablettendosis 2 mal gesenkt und vielleicht muss ich in 2 Jahren keine Tabletten mehr nehmen . Gesund bin ich dann aber erst , wenn ich nach 5 Jahren ohne Tabletten keinen Anfall mehr hatte .

Zu Menschen mit Epielpsie kann ich nur sagen , dass sie sich nicht einreden lasse sollen , etwas schlechteres zu sein . Ihr seid mindestens genauso viel Wert . Und an den oben genannten Beispielen kann man ganz genau erkennen , dass man es trotzdem ganz weit bringen kann . Informiert euch ganz genau über das was ihr habt und wenn ihr jemanden mit Vorurteilen trefft , dann erklärt es ihm ganz genau . Mir ist noch nie jemand mit groben Vorurteilen begegnet , aber es hat mir trotzdem Freude gemacht Menschen mit meiner Facharbeit etwas mehr darüber aufzuklären . Man muss sich als Epileptiker hauptsächlich schützen , deswegen muss man nicht auf ein schönes Leben verzichten !!

Ich wünsche allen Betroffenen gute Besserung und toi toi toi :-)

Veröffentlicht bei www.ciao.com und www.yopi.de

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
MissKlamotte

MissKlamotte

01.10.2007 22:22

dein bericht ist sehr bewegend. mein sohn hat auch epilepsie und leidet unter genau diesen vorurteilen, wie du sie beschreibst. lg anja

Manuo

Manuo

08.09.2007 16:25

Ich hoffe, das ich auch einmal wieder anfallsfrei werde. Leider bin ich Medikamenten resistent und das macht es sehr schwer. Ich habe auch einen überdurchschnittlichen IQ, aber das wissen die Menschen nicht, die einem krampfend auf der Straße liegen sehen.... die Vorurteile sind noch enorm. LG Manuo

Jannie2511

Jannie2511

07.09.2005 11:21

Dein Bericht hat mir wirklich gut gefallen, aber deine Aussage über die Vorurteile kann ich nicht teilen. Ich glaube, diese Menschen wissen nur nicht genug über die Krankheit und haben Hemmungen, damit umzugehen. Ich leide nicht unter Epilepsie, hatte aber mal einen Freund, der darunter litt. Ich befand mich oft in Angst, daß er einen Anfall bekommt und ich nicht richtig damit umgehe oder nicht helfen kann (das ist jedoch nie passiert). Diese Ängste sind für Nichtbetroffene doch recht normal, glaube ich. Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und hoffe, daß du einen anderen Beruf findest, der dich glücklich macht! LG, Ilse

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