Erfahrungsbericht über "Epiphone Les Paul Ultra II Faded Cherry"

veröffentlicht 14.11.2009 | Ciaobock
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Bin ein manchmal netter aber immer ehrlicher Zeitgenosse... - ich bitte auf JEGLICHE Bewertung meiner Berichte ohne sinnvollen Kommentar zu verzichten und es gibt KEINE Gegenlesungen! "Beam me up Scotty... - there is no intelligent life down here..."
Sehr gut
Pro Klanglich enorm vielseitig, viele kluge Verbesserungen zum Original
Kontra Verarbeitungsqualität kann sehr schlecht sein, Tonregler sehr unsensibel
sehr hilfreich
Klangqualität:
Verarbeitung
Design
Bedienkomfort:
Zuverlässigkeit

"Vertraut aber irgendwie doch ganz anders..."

Epiphone Les Paul Ultra II Faded Cherry

Epiphone Les Paul Ultra II Faded Cherry

Weil sich in den letzten Jahren so viele Gitarren bei mir angesammelt haben seit ich das letzte Mal unter einem anderen Namen hier auf CIAO aktiv war, tue ich mal wieder was für die Plattform und schreibe den nächsten Bericht über eine meiner letzten Anschaffungen, eine Epiphone Les Paul Ultra II in Cherryburst. Auch mit mehr als 30 Jahren als Gitarrist auf dem Buckel hat es diese Gitarre geschafft mich heftig zu überraschen und meine bisherigen Hörerfahrungen ein wenig umzukrempeln.

Nun, so ganz neu ist diese Gitarre jetzt auch nicht mehr, bewohnt sie als Nummer 22 von 24 inzwischen doch schon seit einem guten Jahr mein Wohnzimmer oder Studio. So hatte ich wenigstens ausreichend Zeit, ihr ein wenig auf den Zahn zu fühlen...

Vortäuschung falscher Tatsachen:


Eigentlich sieht die Epiphone LesPaul im ersten Moment von vorne betrachtet aus wie jede normale Gibson Les Paul auch und ist doch ganz anders!
Okay, erstens wird sie von Gibson's auf preiswerte Nachbauten spezialisierten Tochterfirma Epiphone gebaut, was allerdings auch Vorteile hat. Wie man sieht entspricht die Form zu 100% dem klassischen Vorbild, inklusive des Headstock (also der Kopfform).
Andere Firmen dürfen sich der Originalform nur annähern, mehr aber auch nicht. Ansonsten würden sie die Gibson-Patente verletzen. Das hat zwar nichts mit Qualität zu tun, ist aber für Freunde der klassischen LesPaul Form doch ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Als ich die Gitarre zum ersten Mal im Laden sah, fiel mir sofort die wunderschöne Quilted Maple (Wölkchen-Ahorn) Decke auf, die die Gitarre unter Dutzenden ähnlicher LesPaul Modelle hervorstechen ließ. Das mußte ich mir näher anschauen, verwendet Gibson selber doch eigentlich meistens eher "klassisch-dezent" gemaserte Ahornhölzer oder bestenfalls mal geriegelten Ahorn für die Decken ihrer LesPauls.
Je länger ich die Gitarre betrachtete und untersuchte desto neugieriger wurde ich. Hier schien auf einmal im Detail fast gar nichts mehr zu passen.

Folgende Unterschiede irritierten mich:
  1. Die Gitarre hatte zwei Klinkenbuchsen für Audiokabel statt der normalen einfachen Buchse.
  2. Hinten auf dem Korpus sind ein ungewöhnliches Batteriefach und drei Regler (Gain, Treble, Bass) zusätzlich untergebracht, fast wie bei einer Akustikgitarre mit Tonabnehmer
  3. Der Hals ist mattlackiert, auch wenn der Rest der Gitarre hochglanzlackiert ist - sehr ungewöhnlich für Epiphone (und Gibson)
  4. Die Rückseite des Korpus wird oben von einer leichten Abschrägung zur Schonung der Rippen des Gitarristen geprägt (Contour-Shaping), was der Ergonomie sehr entgegenkommt, weil die Gitarre nicht wie sonst gewohnt auf Dauer hart in die Rippen (oder den Bierbauch) drückt. Bei Gibson wird dieses Feature normal nicht angeboten, bestenfalls im Gibson Custom Shop werden solche Wünsche für sehr viel Geld erfüllt.
  5. Die Abdeckplatte des Halseinstellstabes (Trussrod) wird von der unbescheidenen Inschrift Les Paul ULTRA verziert! Hmmm...
  6. Hinter dem letzten Bund auf dem Griffbrett schien das Holz des Griffbretts durch ein Plastikstück mit der Aufschrift Shadow nanoMAG ersetzt worden zu sein. Okay, Shadow sagt mir was, das ist ein deutsches Unternehmen, das international gefragte hochwertige Tonabnehmer für Instrumente baut. Aber was hat das auf einer Les Paul zu suchen???

Okay, diese Fragen - und weitere - werden ich weiter unten im Text beantworten, aber fangen wir mal von vorne an, beim Hersteller:

Wer ist Epiphone:


Epiphone ist ein klassischer und hochwertiger Gitarrenbauer aus den USA, der seit 1872 Saiteninstrumente baut (ursprünglich als "the House of Stathopoulo" für seine Violinen bekannt). 1928 wurde der Name dann nach Epi Stathopuolo in Epiphone umbenannt und die Ausrichtung mehr in Richtung Gitarren verlagert.
Über viele Jahre lieferte sich der "kleine" Gitarrenbauer teilweise sehr erfolgreiche Schlachten mit dem großen Rivalen Gibson, insbesondere im Bereich der Akustik- und Archtop-Gitarren, bis das Schicksal die Firma erst in völlig unbegabte Hände legte (1953 C.G.Conn Company) und dann letztlich 1957 - für den unglaublichen Magerpreis von 20.000$ !!! - in die Hände der CMI (Chicago Musical Instruments) spülte, die tragischerweise auch Inhaber der Firma Gibson geworden war und noch ist - beide Konkurrenten also unter einem Dach!

Jahrelang war Epiphone dann quasi die "Spardose" von Gibson und für die "Billigprodukte" zuständig, aber seit einiger Zeit scheinen sich insbesondere die Werkstätten in Japan, aber auch in Korea und Tschechien von diesem Druck freischwimmen zu wollen. Vor allem die in Japan gebaute Elitist Reihe hat noch die meisten mir bekannten Gibson Gitarren per Knockout in der ersten Runde auf die Bretter geschickt...

Was ist eine LES PAUL Gitarre?


Einfach --- zusammen mit der Fender Stratocaster ist die Gibson Les Paul die klassische Bauform für eine Rock- oder Bluesgitarre. Legionen großer und größter Gitarristen haben irgendwann in ihrer Karriere eine Gibson Les Paul Gitarre gespielt - oder nie etwas anderes.
Die Gitarre ist auf Grund ihres massiven Mahagoni-Korpus traditionell heftig schwer, der Hals ist eingeleimt und unterstützt damit ein langes Sustain, die beiden Humbucker sind bauartbedingt sehr nebengeräuscharm, klingen dafür aber nicht so perkussiv und offen wie die auf einer Fender Stratocaster eingesetzten Einspuler (SingleCoils). Jeder Pickup verfügt über einen eigenen Lautstärke- und Tonregler und die Tonabnehmer können über einen Dreiwege-Schalter einzeln oder zusammen geschaltet werden. Die Decke einer typischen LesPaul besteht aus einer auf auf den Mahagoni-Korpus aufgeleimten Ahorndecke, die leicht gewölbt geschnitzt ist, um Erinnerungen an die berühmten Gibson Archtop ( = gewölbte Decke) Jazzgitarren aufrecht zu erhalten.
Die Mensur (Saitenlänge zwischen den beiden Auflagepunkten am Kopf - dem Sattel - und dem Steg der Gitarre) ist mit typischerweise 628mm etwas kürzer als bei den Fender-Gitarren, was für eine etwas geringere Saitenspannung im Vergleich zu einer Fender sorgt.

Kleiner Exkurs in die Physik:
Die Tonhöhe einer Saite ergibt sich aus drei hauptsächlichen Faktoren: der Masse oder Stärke einer Saite, der Spannung der Saite (dem Saitenzug) und der Länge der freischwingenden Saite zwischen Sattel und Steg. Je höher der Saitenzug ist, desto schwerer ist es die Saiten zu "ziehen", also Bendings zu spielen wie der Anglophile sagen würde. Eine kürzere Mensur bedeutet also geringeren Kraftaufwand beim Ziehen der Saiten bei gleicher Saitenstärke. Natürlich kann man bei einer längeren Mensur als Kompensation auch dünnere Saiten aufziehen um die gleiche Tonhöhe bei geringerer Saitenspannung zu erhalten, damit klingt dann eine Gitarre aber auch leiser, 'magerer' und kurzatmiger als mit dickeren Saiten. Den Punkt 'leiser' könnte man wiederum durch lautere und leistungsstärkere Tonabnehmer kurieren, dies setzt aber wieder stärkere Magnete im Tonabnehmer voraus, die dann allerdings die ebenfalls magnetische Saite stärker anziehen und am freien Schwingen hindern, was die Gitarre noch "kurzatmiger" oder sustainärmer macht.
Wie ihr seht ist der "gute Ton" einer Gitarre eine sehr komplexe Geschichte, und dabei habe ich mit den Auswirkungen der Tonhölzer, Lackierungen, etc. noch nicht einmal angefangen... - auf die Sondereffekte eines Vibratohebels werde ich zu gegebener Zeit in einem späteren Bericht eingehen... ;o)

Zurück zur Les Paul Gitarre...
Die Les Paul kam erst 1952 als zweite serienmäßige Solid-Body E-Gitarre nach der Fender Telecaster auf den Markt. Der Name stammt vom legendären amerikanischen Gitarristen und Hobby-Erfinder Les Paul (bürgerlicher Name: Lester William Polfus).
Das Interessante daran ist, das Mr. Les Paul diese Bauweise bereits in den 40er Jahren erfunden und Gibson vorgestellt hatte, allerdings wurden die Gibson Bosse erst wach als Leo Fender mit seiner Telecaster Gitarre begann, Gibson in den 50er Jahren das Wasser abzugraben…

Das soll erstmal reichen an Hintergrundinfos, kommen wir zurück zur Gitarre, die ich hier vorstellen möchte:

Technische Daten:

  • Korpus: einteiliges Mahagoni mit ausgefrästen Tonkammern (tone chambers)
  • Decke: Wölkchenahorn (Quilted Maple)
  • Hals: Mahagoni, Kopfplatte angeschäftet
  • Griffbrett: Palisander, 12" Radius, 22 Medium Jumbo Bünde
  • Mechaniken: Grover, gekapselt, vergoldet
  • Mensur: 628mm (24,75")
  • Tonabnehmer: Alnico Classic in der Halsposition, Alnico Classic Plus am Steg, Shadow nanoMAG Tonabnehmer hinter dem 22 Bund im Griffbrett eingelassen
  • Brücke und Saitenhalter: Lock Tone Tune-O-Matic und Stopbar, vergoldet
  • Regler: 3 Lautstärkeregler (Hals, Steg und NanoMag), gemeinsamer Tonregler für alle Pickups, Gain, Treble und Bass separat für den NanoMag Tonabnehmer
  • Stromversorgung: 9V Blockzelle
  • Anschlüsse: 2 x 6,35mm Klinkenbuchse (1x Nanomag only, 1x Humbucker/Nanomag Mix)
  • Einlagiges altweißes Pickguard, passend zur Farbe der Tonabnehmer-Halterungen
  • Gebaut in Korea im Mai 2008

Okay, spätestens jetzt fällt auf, das diese LesPaul Ultra II nicht mehr viel mit dem Originalen LesPaul Design gemein hat.
Der Unterschied zwischen einer 'einfachen' Ultra und der Ultra II ist übrigens, das die erste Version nur über die klassische Tonabnehmerbestückung mit zwei Humbuckern verfügt ohne den Shadow nanoMAG Pickup, ansonsten ist sie quasi genauso aufgebaut wie die Ultra II.

Okay, drei Lautstärkeregler und nur einen Tonregler kennt der Gitarrenfreak noch von der legendären LesPaul Custom Black Beauty mit ihren drei Tonabnehmern, Tonkammern wurden bei der LesPaul Studio eingeführt um das teils mörderische Gewicht der Gitarre zu reduzieren, Stromversorgung benötigen auch die LesPaul HeavyMetal Gitarren mit ihren aktiven EMG-Pickups - aber sowas wie hier gab es noch nie!

Der grundlegende Unterschied in der Tonabnahme der Ultra II zu einer normalen Les Paul ist hier natürlich der Shadow NanoMag, ein eigentlich für Akustikgitarren konzipierter aktiver Tonabnehmer mit 3 ultrastarken Samarium-Kobalt Magneten, der hier auf Grund seiner winzigen Baumaße nahezu unsichtbar an einer tontechnisch idealen Position untergebracht werden kann, um obertonreiche Klangbilder abzunehmen.

Dieser hochwertige Ton kann nun nach Belieben stufenlos den "normalen" Humbucker-Tonabnehmern zugemischt werden oder auch alleine für quasi-akustische Klänge sorgen. Insbesondere wenn man den zweiten Ausgang, der ausschließlich für den NanoMag vorgesehen ist, direkt in einen Akustikgitarren-Verstärker oder ins Mischpult spielt, klingt diese LesPaul verblüffend nach Akustikgitarre.

Wenn man diesen NanoMag-Sound den "normalen" Humbucker-Sounds" zumischt, wird der Klang zunehmend "holziger" und akustischer - erst klingt es verblüffend nach einer Gibson ES-335 Semi-Akustik, dann wird das Klangbild im Extremfall sogar noch akustischer... - faszinierend, natürlich vor allem bei sauberen Verstärker-Einstellungen.
Wer den NanoMag bei Overdrive-Einstellungen benutzt, riskiert zwar kein Feedback, dafür aber wird das Klangbild doch durch die akustischen Anteile aufgeweicht und im Extremfall matschig und undefiniert.

Klang und Handhabung


Die beiden relativ neu entwickelten, oder besser vor ein paar Jahren modifizierten Epiphone Humbucker mit Alnico-Magneten sind bereits für sich genommen eine echte Alternative zu den neueren Gibson Pickups (zum Beispiel der 490/498 Serie) und bieten eine ähnlich kräftige Ausgangsleistung und einen ähnlich bissigen Klangcharakter, den man mit dem Lautstärke- und Tonregler aber gut kontrollieren kann. Also auch bei Röhrenamps mit empfindlicher Eingangsstufe sind wohlklingende Clean-Sounds möglich.
Der Hals Pickup steht für warme und eher weiche Töne, der deutlich lautere Stegpickup klingt zwar auch bei unverzerrter Verstärkereinstellung gut, mit aufgerissener Röhrenendstufe aber wird erst richtig klar, wie gut der Pickup eigentlich ist.

Vergleichen mit meinen beiden Gibson Les Paul Gitarren kann die Epiphone überraschend gut mithalten. Meine Les Paul Studio ist ja auch mit Tonkammern versehen und klingt deshalb ähnlich perkussiv wie die ULTRA II, allerdings klingt die Les Paul Studio insgesamt noch ein klein wenig offener und silbriger in den Höhen, was vor allem beim Halspickup deutlich wird. Die beiden Stegtonabnehmer sind sich hier qualitativ ähnlicher, die Studio hat bei cleanen Verstärkereinstellungen minimale Vorteile was die Lebendigkeit - also das schnelle Einschwingen der Töne angeht, mit zunehmender Übersteuerung gleichen sich die Gitarren aber immer mehr.
Meine Gibson Les Paul Faded klingt immer etwas fetziger und druckvoller als die Epiphone Les Paul Ultra II, allerdings wird das durch eine weniger perkussive und anspringende Tonentfaltung erkauft - das liegt vielleicht auch an den hier von Gibson verbauten Burstbucker Pro Pickups, ganz sicher aber am massiven Mahagonikorpus meiner Gibson Les Paul Faded.

Zusammen mit dem Nanomag ermöglicht die Epiphone Les Paul Ultra II aber völlig ungewohnte und inspirierende neue Klangfarben, was mit den beiden Gibson Les Paul einfach nicht geht. Insbesondere wenn man die variablen Anschlußmöglichkeiten mit den zwei Ausgangsbuchsen der Ultra II nutzt.
Bei Verwendung des MONO Ausgangs kann der Shadow nanoMAG Pickup den normalen Humbucker-Sounds einfach stufenlos zugemischt werden oder diese auch komplett ersetzen. Allerdings wird der Ton dann immer noch über den normalen Gitarren-Amp verstärkt.
Nutzt man nun den zweiten Ausgang dazu, der etwas irreführend als "Stereo" beschriftet ist, kann man das Signal des Shadow nonoMAG Pickups einem zweiten (Akustik-)Amp oder direkt dem Mischpult zuführen und damit noch einmal flexiblere und akustischere Sounds produzieren. Genial, wenn auch nicht ganz billig in der Umsetzung und auch nicht ganz einfach zum Abmischen für den Bühnen-Tontechniker - aber das ist ja nicht unser Problem, gelle? ;o))

Die Halsform ist für Gibson/Epiphone schon fast modern zu nennen. Er ist deutlich flacher und weniger dick als die meist bevorzugten dickeren 50er Jahre Hälse. Verglichen mit echten Shredder-Hälsen (Halsform für Gitarristen, die möglichst viele Noten pro Zeiteinheit spielen wollen...) ist der Hals trotzdem noch relativ massiv und bietet ausreichend Substanz für einen starken, charaktervollen Ton. Auf Grund seiner Abmessungen und auch der matten Lackierung wird der Hals aber definitiv auch Gitarristen ansprechen, die früher aus unterschiedlichen Gründen mit den typischen Les Paul Hälsen nicht klargekommen sind, zum Beispiel wenn starker Handschweiß dazu führte, das die Finger am Klarlack eines normalen Les Paul Halses quasi festklebten...

Die Gitarre ist ab Werk bereits sehr gut eingestellt gewesen. Die Saitenlage war gerade hoch genug um klirrfrei spielen zu können ohne zu lange Wege gehen zu müssen, die Längen-Kompensation der Saiten am Steg war optimal eingestellt, die Gitarre hat keine Dead-Spots (Töne wo der Ton einer Saite aus diversen Gründen nicht frei schwingen kann was dann dort zu einem leisen/stumpfen Klang führt) und auch die Bundierung ist sehr sorgfältig und gleichmäßig.

Ein Koffer oder Gigbag wird nicht mitgeliefert, man sollte also 30-50€ für einen guten Softbag oder ca. 100€ für einen Koffer mit einkalkulieren. Einziges mitgeliefertes Werkzeug ist ein Inbusschlüssel zum Einstellen des Halseinstellstabes (Truss-Rod).

Wo viel Licht ist...


...ist auch meistens Schatten. Leider. Ich musste auch einige Hürden nehmen, bevor ich eine passende Epiphone Les Paul Ultra II gefunden habe...
  1. Bei der ersten von mir gekauften Ultra II verweigerte die Elektronik nach zwei Wochen schon den Dienst und schaltete den Stegtonabnehmer stumm. Kein Signal mehr. Da ich keine Lust auf eine Bastelgitarre hatte bestand ich auf Wandlung des Kaufvertrages und bekam eine Woche später eine nagelneue Ultra zugeschickt.
  2. Diese Gitarre war leider sehr schlecht verarbeitet. Leimreste am Griffbrett, ungenau gesetzte Bindings und ein sehr unregelmäßig glatt geschliffener Hals haben zur nächsten Reklamation geführt.
  3. Gitarre Nr. 3 habe ich dann behalten. Die Halsbindings waren zwar auch ein wenig ungenau (ist zwar nur ein paar hundertstel Millimeter aber man spürt das als Gitarrist leider - gegen einen Gitarristen ist die Prinzessin auf der Erbe völlig unsensibel...), beim spielen aber sind diese Unsauberkeiten außerhalb des Griffbereichs und stören nicht. Ansonsten war diese Gitarre perfekt: tolles Holz mit wunderbarem, fast dreidimensionalem Muster des Wölckchenahorns, sehr gut klingenden Pickups und funktionierender Elektronik. Auch Saitenlage und Bundreinheit waren ab Werk optimal eingestellt. Das läßt sich zwar einfach nachstellen aber mir gefällt es immer sehr zu sehen, das sich auch der Hersteller hier schon Mühe gegeben hat.
  4. Der Tonregler arbeitet leider sehr "grobmotorisch". An eher hell klingenden Verstärkern ändert sich das Klangbild auf den ersten 3/4 des Regelweges kaum um dann auf dem letzten Millimeter kräftig abzuregeln. Das Einstellen eines brauchbaren mumpfigen "Jazz-Tons" erfordert deshalb sehr viel Gefühl und kann manchmal echt nerven! Sowas ist heutzutage leider auch im Mittelpreis-Segment völlig überflüssig und nur als Fehlkonstruktion zu bezeichnen. Schade darum!

Fazit:


Auf Grund des von mir gezahlten Preises von 525€ Ende letzten Jahres bewerte ich diese Gitarre gerade noch mit 4 von 5 Sternen. Für den Preis hätte ich eine etwas bessere Verarbeitung und ein Minimum an Kompetenz im Detail erwartet (Klangregelung), was letztlich einen Stern kostet.
Wem die Verarbeitung - die übrigens wie gesagt die Handhabung der Gitarre nicht erschwert - egal ist, der wird hier vielleicht sogar 5 Sterne vergeben. Immerhin ist diese Gitarre fast ohne Konkurrenz wenn es um die Klangflexibilität geht und auch rein 'elektrisch' gespielt ist sie ganz nah dran an meinen beiden Original Gibson Les Pauls.

Eine besondere Empfehlung bekommt diese Gitarre von mir für den Bühneneinsatz. Dort kommen die tollen Hölzer und der besonders variable Klang optimal zur Geltung und die leichten Verarbeitungsmängel, die den Sammler vielleicht nerven können, fallen dort nicht auf. Im Studio braucht man die Gitarre auch nicht unbedingt - dort gibt es andere Mittel und Wege ähnliche Klänge auf anderem Wege zu erzeugen.
Insgesamt ist die Epiphone Les Paul Ultra II für mich eine der interessanteren Gitarren in meiner Sammlung. Sie ist nicht so 'angepasst' und fühlt sich nicht so gewohnt an wie viele andere Gitarren.

Immer wenn ich sie in die Hand nehme kommt so ein kleines "Hoppla, was ist das" Gefühl wieder durch und inspiriert mich Dinge anders anzugehen als sonst.

Ich würde aber bei Epiphone mehr noch als sonst davon abraten die Gitarre "blind" zu kaufen, zu sehr streut bei preiswerten Gitarren doch die Fertigungsqualität. Das gilt allerdings leider nicht nur für Epiphone...

Ich hoffe, das euch dieser Bericht und die zugehörigen Fotos Spaß gemacht haben und vielleicht die eine oder andere bisher nicht gekannt Information vermitteln konnte.
Viel Spaß beim musizieren... und

"Wo Musik ist, da lass Dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder." (Johann Gottfried Seume; 1763 - 1810)

© 2009 Bernd Almstedt

Update vom 15.11.2009:
Ich habe gerade den neuen Newsletter eines weltbekannten Bass-Herstellers bekommen, der sich darin über Quilted Maple (Wölkchenahorn) ausläßt. Das will ich euch nicht vorenthalten. Hier also die Infos von Warwick zu diesem Thema - nicht das jemand denkt ich hätte mir das ausgedacht - so gut kenne ich mich dann leider doch nicht aus...

"Quilted Maple ist ein sehr seltene Wuchsform im Big Leaf Maple und zählt zu den Klassikern unter den Tonhölzern. Komplett aus Quilted Maple gefertigte Korpusse sind wegen der Seltenheit des Holzes und dem daraus resultierenden hohen Preis eher selten, meist wird das optisch ansprechende Quilted Maple als Deckenaufleimer in Verbindung mit anderen Tonhölzern verwendet, zum Beispiel mit Mahagoni als Korpusholz.

Wie schon oben angesprochen findet man solch außergewöhnliche Maserungen wie Wölkchen (oder `Quilt´) im Stamm des Ahorns nur sehr selten. Diese dekorative Spielart entsteht durch Wellenwuchs im Faserverlauf und einem zusätzlichen Wimmerwuchs. Diese Form des Wuchses entsteht nur sehr selten und kommt ausschließlich im amerikanischen Big Leaf Maple vor. Die Wölkchenmaserung sitzt meistens im äußeren Bereich des Holzes und reicht nur wenige Zentimeter in den Kern hinein. Die biologische Ursache für die Ausbildung des `Quilts´ liegt zum einem an den widrigen Wuchsbedingungen, zum anderen muss der Big Leaf Maple oft die Last großer Äste tragen und um diesem Gewicht entgegen zu wirken, setzt er im Achselbereich ein stützendes „Muskelholz“ an. Wegen seines seltenen Vorkomm ens ist Quilted Maple eine echte Rarität und dementsprechend teuer in der Anschaffung.

Ähnlich wie beim `Flamed Maple´ findet man unterschiedlich stark ausgeprägte Maserungen vor, die auch hier zu der Einführung von mehreren Güteklassen (A bis AAAAA) führte. Faustformel: Je stärker die Wölkchenmaserung, umso höher die Güteklasse. Das helle Quilted Ahornholz erhält durch seine Wölkchenmaserung eine einzigartige dreidimensionale Wirkung, die durch eine Beizung mit einer anschließenden transparenten Überlackierung noch verstärkt werden kann.

Das spezifische Gewicht des Quilted Maple liegt je nach Art zwischen 600 und 750 kg/m³."

Soviel von Warwick zu diesem Holz und diese Jungs verstehen verdammt viel von ihrem Handwerk!!!!


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • mima17 veröffentlicht 31.12.2009
    Supergeiles Teil für ernsthafte E-Gitarristen! <bh> für diesen ausführlichen bericht. LG, mima
  • hubbie veröffentlicht 26.12.2009
    und jetzt zum D-Cup einen zünftigen Riff ;-)
  • tapio-maunzi veröffentlicht 25.11.2009
    Und schon wieder ein BH für dich.... Gruß Doris
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Produktdaten : Epiphone Les Paul Ultra II Faded Cherry

Produktbeschreibung des Herstellers

Haupteigenschaften

Hersteller: Epiphone

Typ: E-Gitarre

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 08/09/2008