Equilibrium (Film)

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... "Equilibrium" funktioniert als Vision einer dunklen Zukunft ebenso wie als Märchen eines Mannes, der zu sich selbst als Mensch zurückfindet. Dass dabei die ein oder andere Ungereimtheit aufkommt und der Charme der Handlung hinter der Idee selbst zurückbleibt, fällt in einer abschließenden ... Bericht lesen





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Sentio Ergo Sum
Erfahrungsbericht von JerryMaguire über Equilibrium (Film)
08.08.2005


Produktbewertung des Autors:   

Humor kein Humor 
Spannung sehr spannend 
Anspruch anspruchsvoll 
Action: sehr viel 
Romantik: geht so 

Pro: Christian Bale, die inszenierte Action
Kontra: Anschlussfehler, inhaltiche Ungereimtheiten

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Zukunftsvisionen wie diese entstehen aus dem Mangel an Vertrauen, so wie sie den wiederkehrenden Zerstörungswut des Menschen aus der Vergangenheit, auf kommende Ereignisse projizieren. Die Zukunft im Film ist - bis auf wenige Ausnahmen, die meist komödiantischer Natur sind - eine dunkle Vorahnung, immer dem Gesetz der drohenden Apokalypse verschrieben oder gar einem postapokalyptischen Bild geschuldet. Was nicht zerstört ist, wird in Sterilität gelegt, Zukunft, das hat auch immer etwas Pessimistisches im Namen, gilt offenkundig als Brandherd für Depressionen, Albträume und Tod.

Den Verlust des Individuums, das dahinsiechende Sterben des Gefühls, der Ersatz menschlicher Schwächen durch computergenerierte Präzision. In Kurt Wimmers Vorstellung der Zukunft ergibt sich das eine durch das andere, stirbt der Bestandteil Mensch bis auf seine mathematischen Funktionen ab. Gefühle werden nicht geduldet in Libria, einem isolierten Stadtstaat, der nach den verheerenden Auswirkungen des dritten Weltkriegs nach einer Neuordnung der irdischen Gesetzmäßigkeiten sucht. Gewalt soll ausgeschaltet werden, als direkte Folge von Emotionen wird sie gesellschaftlich verdammt, zur Beseitigung der Feinde jedoch in ihrer Mortalität perfektioniert.

Denn nach wie vor weigern sich einige Rebellen die gefühlstötende Droge Prozium nach Willen der staatlichen Autorität einzunehmen. Sie ist es, die aus Menschen berechnende Wesen wie den Grammaton-Kleriker John Preston (Christian Bale) macht. Kleriker sind auch im futuristischen Libria noch im weitesten Sinne Geistliche, Mönche, Eremiten des Gefühls, die in ihrer asketischen Lebenshaltung und tödlichen Perfektion die effektivste Waffe der Behörden darstellen. Preston fühlt keine Trauer, keinen Hass, was er kennt sind Logik und Mathematik, Geometrie und Physik. Auf der Jagd nach den Rebellen machen ihn diese Eigenschaften zu einem geeigneten Werkzeug, die Absenz von Mitgefühl oder Empathie lassen das Bestreben nach einer klerikalen und sterilen Welt wahr werden.

Doch auch dort wo das Mensch-Sein auszusterben scheint, gibt es Hoffnung, ohne die keine Zukunftsvision, wie martialisch oder negierend sie auch aussehen mag, existiert. Das Fehlen von Emotionen wird resorbiert durch die Neugier weniger. Errol Partridge (Sean Bean) beispielsweise, Prestons Partner. Längst ist er dem Willen verfallen seinem eigenen Ethos als Kleriker zu entfliehen, es ist wohl nur ein Gefühl, das ihn leitet, doch bereits dies gilt als Strafe. Kunst wird ebenso zerstört wie Musik, Leidenschaft und Liebe gelten als unerhebliche und vollkommen überflüssige Relikte einer barbarischen Vergangenheit. Jeder, der seine Dosis Prozium absetzt und beginnt zu fühlen, kann nur eines erwarten: den Tod.

Der Film legt Wert auf seine kalte Welt, die in der Uniformität seiner Einwohner und deren Mangel an emotionaler Wärme ihre markanten Auswüchse findet. Das Leitbild Librias folgt den Prinzipien eines totalitären Regimes unter der Obhut des sogenannten "Vaters" (Sean Pertwee), der zwischen ferngesteuerter Kunstfigur und institutionalisiertem Mythos, für ein staatlich kontrolliertes Gleichgewicht sorgt. Keine Gefühle, bedeuten keine Kriege - nach dieser schlichten, aber zielgerichteten Maxime operiert der Staat, selbst wenn oder gerade weil dies einen Nährboden für Willkür des Regimes und eine absolute Einschränkung menschlicher Freiheit, sogar in den Gedanken, bedeutet.

Kurt Wimmer erzählt seine Geschichte auf dem Hintergrund theoretischer Ideen wie dieser, ist sich jedoch der Tatsache bewusst, dass sein Film in erster Linie aufgrund der effektvoll inszenierten Action Interesse weckt. Da fallen Anschlussfehler, die sich selbst dem ungeschulten Auge erschließen und die eine oder andere logische Schwäche, nicht sonderlich auf, belohnt doch das optische Spektakel für den ein oder anderen Patzer. Der Vergleich zu Filmen wie "Matrix" drängt sich insbesondere anhand der stilistischen Nähe auf, kann jedoch nicht mehr sein als das grobe Einordnen in ähnliche Genregefilde. Denn Wimmers Fiktion ist sich der schauspielerischen Klasse bewusst, die mit Bale in der Hauptrolle eine geradezu ideale Besetzung hat. Kernelemente der Handlung und emotionale Höhepunkte des gesamten Films sind da die ersten Gefühlsregungen des zur Gefühls-Askese Verdammten.

Wenn Preston der Musik von Beethoven ehrfürchtig lauscht und dabei deutlich wird mit welch restriktiver Kraft jegliche Empfindung über Jahre in ihm zurückgehalten wurde, dann wird aus einem Zukunftsthriller ein menschliches Drama, dann beweist der Film wie gekonnt er ein Szenario aus Konformität und Kontrolle erschaffen hat, um diese Fesseln nun langsam von ihrem Protagonisten aufsprengen zu lassen, der als ehemaliges Produkt des Regimes nun dessen grandiose Lüge bekämpft. "Equilibrium" funktioniert als Vision einer dunklen Zukunft ebenso wie als Märchen eines Mannes, der zu sich selbst als Mensch zurückfindet. Dass dabei die ein oder andere Ungereimtheit aufkommt und der Charme der Handlung hinter der Idee selbst zurückbleibt, fällt in einer abschließenden Betrachtung nicht so sehr ins Gewicht.
   

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