Hallo liebe Community,
im letzten Oktober starb mein lieber Opa und hinterließ meiner Schwester und mir alles, was besessen hat.Schon als Teenager wurde ich immer wieder von meinen Großeltern daran erinnert, daß alles was sie haben, irgendwann (wenn sie beiden gestorben sind) mal meiner Schwester und mir gehören würde.Damit beschäftigt man sich in dem Alter überhaupt nicht. Warum auch. Oma&Opa sind ja da und daran, daß sie irgendwann sterben werden, denkt man als Kind nicht.
Deshalb hatte ich die Tragweite nie begriffen.Was bedeutet denn erben?Im meinem Fall ist es so, daß meine Mutter und mein Onkel und meine Oma schon gestorben waren und es außer meiner Schwester und mir keine Verwandten mehr gibt.
Das Gefühl ist bis heute sehr seltsam, zu wissen, daß wir eigentlich gar nicht geerbt hätten...wenn, ja wenn meine Mutter oder mein Onkel noch leben würden.Am 17.10.2004 starb mein Opa auf einem Kreuzfahrtschiff. Er war vollkommen mit sich im Reinen. Gesundheitlich nicht mehr 100% ig fit, aber wer ist das mit 85 Jahren noch.
Ein wunderschöner Tod.Keine Schmerzen. Und noch ein paar sonnige Tage auf dem Meer. Ein kleiner Trost, zu wissen, daß er nicht mehr leiden mußte.Sofort an diesem Sonntag galt es erste Sachen zu regeln. Meine Schwester war dazu nicht in der Lage, sie war zu schockiert über den plötzlichen Tod unseres Opas. Natürlich ging es mir auch nicht gut, aber leider müssen gewisse Dinge sofort erledigt werden.
Die Überführung vom Schiff aufs Festland mußte veranlaßt werden und ich habe zig Sateliten-Telefonate mit der Schiffsleitung geführt. Es dauerte 9 Tage, bis mein Opa wieder in Deutschland war.
Natürlich muß auch die Beerdigung bzw. Trauerfeier geplant werden. Das ist ungeheuer schwer wenn man sowieso schon sehr traurig ist. Ich hab in der Zeit kaum geschlafen.Tja und dann gibt es viel Schriftkram. Ich mußte mehrere Behörden besuchen, Formulare beantragen,Fragebögen ausfüllen etc. Ich muß sagen, daß ich in meinen schlimmsten Träumen nie darauf gekommen wäre, wieviel Schriftverkehr man zu erledigen hat.
Meine Schwester und ich sind die Alleinerben. Das bedeutet, außer uns beiden ist niemand erbberechtigt. Mein Opa hat kein Testament hinterlassen, deshalb gilt hier die gesetzliche Erbfolge.
Gibt es ein Testament, dann wird darin geregelt, wer was und wieviel davon erbt, mal abgesehen vom Pflichtteil, der jedem direkten Verwandten zusteht.Das Erste was man tun sollte, wenn ein Verwandter gestorben ist, ist die Sterbeurkunde zu beantragen. Dafür ist im Normalfall die Gemeinde zuständig , in der der Verstorbene zuletzt wohnhaft war. Um eine Sterbeurkunde zu beantragen, braucht man einen Totenschein. Dieser wird von einem Amtsarzt ausgestellt. Sehr wichtig ist, daß man zu allen Ämtergängen den eigenen Personalausweis mitnimmt, sowie auch das Familienstammbuch, aus dem hervorgeht, daß man ein direkter Verwandter ist.
Hat man die Sterbeurkunde (am besten immer gleich mehrere Exemplare beantragen, man braucht sie für Kündigungen von Versicherungen z.B.), dann muß man einen Erbschein beantragen (ohne Sterbeurkunde kein Erbschein)und zwar beim Amtsgericht in dem Ort, in dem man selbst wohnt. Ich habe das von einem Notar erledigen lassen. Mir war, ganz ehrlich, die Lauferei zuviel und ich wußte, daß ein Notar mit dieser Materie sehr gut auskennt.In unserem Fall wurde also ein Erbschein als gesetzliche Erben beantragt. Mit diesem Erbschein haben wir nun den Nachweis, daß wir die gesetzlichen Erben sind. Alles, was mein Großvater hinterlassen hat, gehört damit offiziell uns. Je 50% meiner Schwester und mir.
Natürlich ist eine Erbschaft nicht nur mit Rechten verbunden, sondern auch mit jeder Menge Pflichten.
Ich hatte ja überhaupt keine Erfahrung und war für jeden Tipp dankbar. Ich kann hier nur jedem raten: fragen fragen fragen! Holt Euch Hilfe! Das Thema Nachlass/Erbschaft ist sehr kompliziert.Als Erbe ist man Ansprechpartner für alle Behörden. Zum Beispiel Versicherungen, die bezahlt werden müssen. Sollten Beträge ausstehen, hat man als Erbe dafür aufzukommen.
Hat man eine Erbschaft einmal angetreten, kann man sie später nicht mehr anfechten!!!!
(sehr gute Infos dazu bekommt man auf der Seite: http://www.internetratgeber-recht.de/Erbrecht/frameset.htm?http://www.internetratgeber-recht.de/Erbrecht/Annahme/an.htm)
Im Klartext muß man also auch der Forderungen Dritter nachkommen, das heißt alle ausstehende Zahlungen müssen beglichen werden. Man ist verpflichtet, Versicherungen des Verstorbenen zu kündigen und alle wichtigen Ämter und Behörden vom Tod der Verwandten zu informieren.Hilfe bekommt man auch vom Bestatter. Er kennt sich auch sehr gut mit diesem Thema aus und von ihm hatte ich jede Menge Hilfe bekommen. Einen Teil des Schriftverkehrs hat er übernommen und dafür bin ich bis heute dankbar.
Pfarrer kennen sich in der Regel auch sehr gut aus und helfen weiter wo sie können.Das Allerbeste ist aber, wenn man sich sich von einem Fachmann beraten läßt. In unseren Fall geht es um ein nicht so kleines Vermögen und ein bebautes Grundstück.
Meine Schwester und ich haben uns deshalb einen Rechtsanwalt für Erbrecht gesucht und gefunden. Dieser Herr ist zum Glück auch Steuerberater und regelt jetzt alles, was mit der Erbschaftssteuer zu tun hat. Damit wär ich auch niemals alleine zurechtgekommen.
Also hier nun mein Rat an alle,die die Erbschaft eines direkten Verwandten antreten, laßt Euch helfen! Der Formularkrieg ist wirklich anstrengend. Unglaublich wieviele Genehmigungen und Dokumente man benötigt. Das gibts unter Garantie nur in Deutschland.Erbschaft muß nicht zwangsläufig etwas positives (wenn man das so überhaupt sagen kann) sein.
Es gibt auch Menschen, die nur Schulden hinterlassen.In diesem Fall ist es ratsam, vom Erbe zurückzutreten!!!. Auch das erledigt man am besten bei einem Notar. Schulden muß man nicht übernehmen!!! Bitte in so einem Fall gut von einem Fachanwalt beraten lassen!!
Jetzt, ein halbes Jahr nach dem Tod meines Opas, bin ich viel schlauer was das Thema Nachlass/Erbschaft angeht. Dank vieler fähiger Leute die mich sehr gut beraten haben. Wenn hier irgendjemand noch Informationen braucht, bitte fragen! Ich werde, sofern es mir möglich ist,helfen.Nützliche Tipps bekommt man auch auf: http://www.erben-hilfe.de
Meine Schwester und ich haben Anfang diesen Jahres damit begonnen, Opas Haus auszuräumen, denn keine von uns beiden möchte dort einziehen. Vermieten kann man ein solches Haus nur sehr schlecht und somit wird es verkauft.Diese Ausräumarbeiten fallen mir sehr schwer, aber was muß das muß.Bis zum Sommer werden wir das geschafft haben und ich hoffe, wir tun das alles jetzt so wie mein Opa es gewollt hätte. Ich weiß, er hatte uns sehr lieb und wir ihn auch, aber momentan komm ich mir noch wie eine Schnüfflerin vor. Ja ich weiß, daß das nicht so ist. Es ist eben ein seltsames Gefühl.
Ja,ich habe geerbt und nun muß ich mir vorerst finanziell keine Sorgen machen. Das ist natürlich positiv. Aber mein Opa fehlt mir sehr und hätte gut und gerne noch lange auf diese Erbschaft verzichten können, wenn er noch ein paar Jahre bei uns geblieben wäre. Ich bin ihm sehr dankbar für alles was er für uns getan hat.Zu der Bewertung unten, ich habe 3 Sterne gewählt. Es kommt nunmal darauf an, wie die Umstände sind, ob eine Erbschaft positiv ist oder nicht.
17.01.2009 21:18
Ein wirklich schwieriges Thema. Noch komplizierter, wenn sich Erben nicht einig sind! LG Dini
11.09.2008 21:04
ja, ein sehr schwieriges Thema. Wenn es mal Probleme gibt, dann kann das Erbrecht sehr unübersichtlich und kompliziert werden. +++ Dein Bericht wird aber mit sh bewertet. ;) LG Placebo21
14.01.2007 00:27
*schnief*... aber trotzdem klasse Tipps!