Erlebnis Klassik Vol.2 - Various

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Erlebnis Klassik Vol.2 - Various

Various (Komponist) - 1 - CD - Deutsche G - Universal - 26. November 2001 - 028946532225

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100% positiv

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Erfahrungsbericht über "Erlebnis Klassik Vol.2 - Various"

veröffentlicht 06.04.2006 | NickAme
Mitglied seit : 15.02.2000
Erfahrungsberichte : 43
Vertrauende : 38
Über sich :
Achtung: Mangels Zeit ist mein CIS bis auf weiteres aus. LG Matthias
Ausgezeichnet
Pro sehr interessant, sehr gute Aufnahmen
Kontra keine easy listening
sehr hilfreich

"Renaissance bis Barockzeitalter"

Altkrummhorn

Altkrummhorn

1. Einleitung
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"1500 - 1700, Renaissance bis Barockzeitalter" ist die zweite CD der CD-Sammlung "Erlebnis Klassik".

Die Klangreise geht also weiter und führt uns durch ein Zeitalter, in welchem der Humanismus Leitbild und die Antike zum Ideal wird. In musikalischer Hinsicht wird die Einteilung in Sopran, Alt, Tenor und Bass abgeschlossen. Die Kompositionen werden "vermenschlicht", d.h. der subjektive Ausdruck bekommt mehr Spielraum. Die Orgel gewinnt in der Kirchenmusik an Bedeutung.
Der Barock, oder auch das Genrealbasszeitalter, bringen dann vor dem Hintergrund des zur Blüte gelangenden Absolutismus eine emanzipierte Instrumentalmusik, die Oper und das Oratorium hervor.

Was es mit dieser Sammlung auf sich hat und wie ich zu ihr gekommen bin, habe ich in dem Bericht "Tochter aus Elysium" zu dieser Sammlung geschrieben und muss hier nicht noch einmal wiederholt werden.

Wie die CD aussieht, sieht man auf dem obigen Bild. Die CD ist für 13 - 14 € im Handel erhältlich.


2. Die einzelnen Stücke
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a) Calata ala spagnola
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Komponist: Joan Ambrosio Dalza (um 1500)

Entstehungszeit: ca. 1508

Künstler: Piffaro

Wissenswertes: Der Komponist diese Stückes war ein italienischer Lautenist und Komponist. Frühere Lautenbücher bestanden noch überwiegend aus Bearbeitungen von franko-flämischer Vokalmusik. Dalza präsentierte dagegen ausschließlich originäre Instrumentalmusik - ein erstes Anzeichen für die beginnende Emanzipation dieser Gattung.

Klangqualität: •••••

Meinung: Ein Stück, das zweistimmig mit Flöten besetzt ist und von einer Laute dezent begleitet wird. Es wird in einem recht schnellen Tempo durchgängig gespielt. Lediglich die Melodien werden variiert, wobei Teile Refrainartig wiederholt werden.
Das Lied ist frisch. Man merkt ihm nicht seine 500 Jahre an. Vielmehr bekommt man beim Hören gleich gute Laune und möchte tanzen und springen.


b) Basse danse La brosse - Tripla - Tourdion
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Komponist: Pierre Attaignant (ca. 1490 - 1552)

Entstehungszeit: 1530

Künstler: Ulsamer Collegium, Ensemble Eduard Melkus

Wissenswertes: "Basse danse La brosse" stammt seiner Bezeichnung und der Quelle nach aus Frankreich und ist ein Beispiel für die Tanzmusik der Renaissance, in einer typischen Bläserbesetzung aus Sopranrauschpfeife, Altkrummhorn, Tenorposaune, Bassgambe und Schellentrommel. Für alle die, die nicht wissen, wie solche Instrumente aussehen, hab ich unten ein paar Bilder dazu getan.

Klangqualität: •••••

Meinung: Das Ganze hört sich pompös höfisch an. Man kann sich gut vorstellen, dass so ein Lied in einer doch recht kleinen Besetzung anlässlich einer Audienz beim König oder zur Eröffnung eines Banketts gespielt wurde. Als Begleitmusik zum Essen o.ä. erscheint mir die Instrumentenbesetzung zu aufdringlich. Ein Stück, dass alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.


c) Welscher Tanz Wascha Mesa - Hupfauff
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Komponist: Hans Neusiedler (1508 - 1563)

Entstehungszeit: 1536

Künstler: Konrad Ragossnif (Laute), Ulsamer Collegium, Josef Ulsamer

Wissenswertes: Hans Neusiedler war Lautenmacher und Lautenspieler in Nürnberg. Mit seinem Bruder Conrad und seinem Sohn Melchior gehörte die Familie Neusiedler zu den Begründern der deutschen Lautenschule. Er veröffentlichte in der Zeit von 1536-1549 insgesamt acht Lautenbücher, u. a. 1536 "Ein newgeordet kuenstlich Lautenbuch" mit Vokalwerken, Instrumentalstücken und Tänzen und 1540 "Ein Newes Lautenbüchelein". Der "Welsche Tanz Wascha mesa" zeigt eine deutsche Facette der in der Renaissance besonders vielfältigen Formen der Tanzmusik.

Klangqualität: •••••

Meinung: Welcher Tanz dazu getanzt werden soll, ist mir nicht bekannt. Das Stück ist nur 1:30 min lang aber trotzdem zweigeteilt. Der erste Teil ist relativ langsam und fein, hier wird man wohl nur sehr langsam tanzen können, beim zweiten wird das Tempo erhöht und es kann dazu ausgelassen herum gesprungen werden.
Auch so ein Gute-Laune-Lied.


d) Quant je suis au prez de mamye
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Komponist: Nicolas Gombert (ca. 1495 - 1560)

Entstehungszeit: 1544

Künstler: Piffaro

Wissenswertes: Von seinem Lehrer Josquin Desprez hatte Nicolas Gombert den typisch franco-flämischen Stil übernommen. Etwa um 1526 wurde Gombert Sänger der Hofkapelle Kaiser Karls V. und leitete dort bald den Knabenchor. Interessant ist, dass er 1538 aus den Diensten Karls V. entlassen wurde, weil er sich vermutlich sexuell an einem Chorknaben vergangen hatte. Er wurde deswegen zunächst auf eine Galeere verbannt, später jedoch begnadigt. Gombert war in seiner Satztechnik eher konservativ, und so ähneln seine Werke oftmals mehr den Kompositionen Ockeghems als denen Josquins.
Klangqualität: •••••

Meinung: Ein wohl typisch französisches Bläserstück. Welche Instrumente verwendet werden, kann ich nicht genau sagen. Es mutet von der Instrumentarisierung ähnlich wie "Basse danse La brosse" von Attaignant an. Ist jedoch nicht so rau, sondern feiner. Es scheint mir auch durchaus tanzbar, allerdings eher so wie ein formeller höfischer "Schreit-Tanz", obwohl das Tempo recht hoch ist.


e) Recuerde el alma dormida
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Komponist: Alonso Mudarra (ca. 1510 - 1580)

Entstehungszeit: 1546

Künstler: Piffaro

Wissenswertes: Alonso Mudarra galt als größter Virtuose der "Vihuela", einer Vorläuferin der heutigen Gitarre. Im Unterschied zur im übrigen Europa weitaus beliebteren Laute besitzt die spanische Vihuela einen geschweiften Korpus, flachen Boden, Zargen und eine bzw. mehrere Schallrosetten. Sie war ebenso wie die Renaissancelaute mit sechs Doppelsaiten (Chören) ausgestattet.
Auch Mudarra wurde beeinflusst von der franko-flämischen Schule, vor allem von Josqin und Gombert, deren Messvertonungen er in Ausschnitten auch für die Vihuela bearbeitete.

Klangqualität: •••••

Meinung: Obwohl er der Star an der "Gitarre" war, hat Mudarra hier ein sehr langsames, bedächtiges Bläserstück geschrieben, dass von mehren Posaunen in der Hauptrolle gespielt wird. Es scheint mir eher ein kirchliches Stück zu sein, da es wie ein Choral anmutet. Nach den "aufregenden" vorhergehenden Stücken, kommt man beim Hören ein wenig zur Ruhe.


f) Paradetas

Komponist: anonymus

Entstehungszeit: ??

Künstler: Piffaro

Wissenswertes: Bearbeitungen bekannter Musiken für verschiedene Instrumente und Besetzungen waren im 16. Jahrhundert eher die Regel als die Ausnahme. "Paradetas" (hier in Besetzung mit Vihuela und Drehleier) basiert auf einer beliebten spanischen Melodie, von der man nicht einmal den Komponisten kennt. Sie erscheint in zahlreichen Formen immer wieder in der Musik Spaniens und ist dadurch "volkstümlich" geworden.

Klangqualität: •••••

Meinung: Die Melodie kommt auch mir bekannt vor. Hat so ein bisschen was von der Titelmelodie von "Dornenvögel". Sehr schön. Die Melodie wird immer wiederholt und ein wenig varieirt.


g) Die Klagelieder Jeremias Daleth
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Komponist: Thomas Tallis (ca. 1505 - 1585)

Entstehungszeit: ca. 1575

Künstler: Pro Cantione Antiqha, Bruno Turner

Wissenswertes: Thomas Tallis lebte in England zur Zeit des Bruchs mit der römischen Kirche und damit für einen Kirchenmusikkomponisten in keiner einfachen Zeit. Von den ersten reformatorischen Ansätzen Heinrichs VIII. über den strengen Katholizismus unter Königin Mary I., die ihrem Glauben mit Scheiterhaufen zur Durchsetzung verhelfen wollte, bis zum klaren reformatorischen Konzept Königin Elisabeths I. - Tallis musste den unterschiedlichen Glaubensrichtungen und den damit verbundenen Stilerwartungen seiner jeweiligen Herrscher Rechnung tragen.
Tallis war zunächst Organist an der Benediktiner-Abtei Waltham nördlich von London für die Jahre 1532 bis 1540, dem Jahr der Auflösung des Klosters durch Heinrich VIII. Interessant ist die Ausrichtung seiner geistlichen Kompositionen während und nach der Reformation. Nachdem er vor dieser Zäsur lateinische Messen und Motetten für die katholische Liturgie geschaffen hatte, komponierte er nun zwar für den protestantischen Gottesdienst, fuhr aber dennoch fort, lateinische Motetten zu schreiben. Grund hierfür war die mit der religiösen Neuordnung durch Elisabeth I. verbundene veränderte Form des Gottesdienstes, die der Musik zwar einen festen Platz, aber nur wenig künstlerische Entfaltungsmöglichkeiten einräumte. Um weiter am technischen Anspruch und künstlerischen Reiz seiner Musik arbeiten zu können, blieb er zumindest der katholischen Motette treu. Für neue lateinische Messen hingegen gab es indes keine Verwendung mehr.
Die Klagelieder des Jeremias aus dem Alten Testament haben die Trauer über die Zerstörung Jerusalems im Jahr 586 v. Chr. zum Inhalt. Eine Anspielung auf die Plünderung und Zerstörung der katholischen Kirchen und Klöster???

Klangqualität: •••••

Meinung: Das erste reine Vokalstück auf dieser CD. Ausschließlich von Männern (Chor und Solisten) gesungen. Die Stimmung die erzeugt wird, ist in der Tat traurig. Wobei auch ein wenig "Trotz" und "fester Durchhaltewillen" dabei ist, finde ich. Die Stimmung die erzeugt wird, passt genau zum Thema.


h) Messe zu drei Stimmen: Gloria
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Komponist: William Byrd (1543 - 1623)

Entstehungszeit: zwischen 1592 - 1595

Künstler: Pro Cantione Antiqha, Bruno Turner

Wissenswertes: Neben Tallis gilt William Byrd als wichtiger Begründer der englischen Kirchenmusik - und als bedeutendster englischer Komponist zur Zeit Shakespeares. Mit Ausnahme der Laute schrieb Byrd für jedes Instrument und beinahe jede Besetzung. Byrds Messen wurden zwischen 1592 und 1595 gedruckt - und zwar ohne Titelseite. Es war zu dieser Zeit verboten, ja sogar lebensgefährlich, lateinische Messen zu singen oder zu publizieren. Schon aus der puren Veröffentlichung wird der Mut und der tiefe katholische Glaube Byrds erkenntlich.

Klangqualität: •••••

Meinung: "Gloria in exelsis deo", so fängt das Stück natürlich an. Die drei Stimmen harmonieren wunderbar. Wobei mir das Stück als Lobgesang ein wenig zu langsam bzw. zu gesetzt ist. Zwar schön, aber die Highlights fehlen für mich etwas.


i) Farewell, disdainful
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Komponist: Thomas Morley (1557 - 1602)

Entstehungszeit: zwischen 1592 - 1595

Künstler: Ambrosian Singers, Dennis Stevens

Wissenswertes: Wie Tallis und Byrd wurde auch Thomas Morley ein "Gentelman der Chapel Royal" - eine der höchsten Ehrungen für einen Musiker im damaligen England. Auch heute noch sind Morleys weltliche Canzonetten und vierstimmige Madrigale besonders beliebt. Das elegische "Farewell, disdainful" ("Leb´ wohl, Schmähende) ist ein Beispiel für Morleys im Verhältnis zur vergleichsweise nüchternen englischen Musizierweise beinahe südländischen Stil. So wurde Morley bewundertes Vorbild für nachfolgende Komponistengenerationen in England.

Klangqualität: •••••

Meinung: Ein reines Vokalstück. In der Besetzung Sopran, Alt und Tenor, soweit ich es heraushören kann. Beim Hören wird man etwas melancholisch. Es geht scheinbar um einen tief verletzten Menschen, der Adé sagt. Die Stimmung wird hervorragend eingefangen. Schade, dass hierzu kein Text im Booklet abgedruckt wurde…


j) Motette: Ave Regina caelorum
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Komponist: Orlando Di Lasso (ca. 1532 - 1594)

Entstehungszeit: 1585

Künstler: Pro Cantione Antiqha, Bruno Turner

Wissenswertes: Orlando Di Lasso wird zu den bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte gezählt. Seine Musik kennzeichnet das Ende der Renaissance und lässt bereits die aufkommende Epoche des Barocks aufscheinen. Mit über 2000 Kompositionen, davon allein etwa 1200 Motetten, zählt Lasso auch zu den produktivsten Komponisten der Musikgeschichte. Sein Spektrum reicht von Messen, Motetten und Madrigalen bis zu allen Formen von Chansons lyrischen, amourösen oder eher derben Inhalts.
Lassos Meisterschaft liegt in der von seinen Zeitgenossen viel bewunderten Ausdrucksmusik (auch Affektmusik genannt), die jeden Inhalt so darstellt, "als spiele er sich wirklich ab, so dass man im Zweifel sein kann, ob die Süße der Affekte den Tönen zum Schmuck gereicht oder die Töne der Süße der Affekte" (Lasso). In dieser Affektmusik - oder vielmehr in der sich dahinter verbergenden Haltung - liegt bereits die Keimzelle für den Subjektivismus der Romantik.

Klangqualität: •••••

Meinung: Bei "Ave Regina caelorum" trifft es wahrscheinlich sensibel am besten. Das Vokalstück für drei (?) Männerstimmen erscheint mir ausgesprochen virtuos. Die Stimmen greifen geradezu ineinander. Auch wenn mir die höchste Stimme mal wieder zu hoch für einen Mann erscheint, finde ich das sehr gut gelungen.


k) Missa: Aeterna Christi munera Kyrie
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Komponist: Giovanni Pierluigi Palestrina (ca. 1525 - 1594)

Entstehungszeit: ca. 1590

Künstler: Pro Cantione Antiqha, Bruno Turner

Wissenswertes: Giovanni Pierluigi Palestrina lebte fast zeitgleich mit Orlando die Lasso und war beinahe ebenso berühmt. Während Lasso die letzten 40 Jahre seines Lebens in München am bayerischen Herzogshof verbrachte und durch seine Musik des lebensbejahenden bayerischen Frühbarock verkörperte, war der Italiener Palestrina ganz Kind seines Landes - und seiner Kirche. Die Affektmusik Lassos ging den gegenreformatorischen Prälaten in Rom eindeutig zu weit, und so orientierte sich Plastrina an den Idealen der katholischen Kirche: Allzu starke Expressivität war unerwünscht. Die Musik sollte dem Text und damit ausschließlich der Vermittlung der christlichen Botschaft dienen. Dabei sind Palestrinas Werke, wie das aus der Messe "AeternaChristi munera" stammende "Kyrie", von einer gerade durch ihre Schlichtheit hervorgerufene ganz besondere Schönheit.

Klangqualität: ••••

Meinung: Schlicht trifft es hier nicht wirklich. Schön schon eher. Der mehrstimmige Männergesang mit dem wohl jedermann (der schon mal an einem Gottesdienst teilgenommen hat) bekannten Kyrie-Text lullt irgendwie ein. Er lässt mich zur Ruhe kommen. Wunderschön.
Die Aufnahme rauscht allerdings ein ganz klein wenig.


l) Amarilli mia bella
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Komponist: Guilio Caccini (ca. 1550 - 1618)

Entstehungszeit: 1602

Künstler: Nigel Rogers (Tenor), Anthony Bailes (Chitarrone)

Wissenswertes: Der Italiener Guilio Caccini war seiner Ausbildung nach Lautenist. Am Hof der Medici war er aber nicht als solcher, sondern als überaus virtuoser Tenorsänger engagiert. Caccini veröffentlichte 1602 eine Sammlung von Liedern für Stimme und Basso continuo (Generalbaß). Diese Sammlung war zwar nicht ganz so revolutionär, wie er selbst gerne behauptete, aber immerhin setzte Caccini der in der Renaissance überwiegenden mehrstimmigen, kontrapunktischen Schreibweise einzelne solistische Arien entgegen. Die Bevorzugung des Sologesangs lag sicherlich nicht zuletzt in seiner eigenen Person begründet: Schließlich waren Soloauftritte am Hofe am besten geeignet, seinen Ruhm zu mehren. "Amarilli mia bella" ist ein solches Schmuckstück.

Klangqualität: •••••

Meinung: Wenn man den Text verstehen könnte, wäre die Wirkungen dieses Stückes sicherlich besser, denn der Text scheint im Vordergrund zu stehen. Die Laute begleitet nur ganz wenig im Hintergrund. Von der Stimmung her scheint es um eine unerfüllte oder zumindest unglückliche Liebe zu gehen. Der Schluss ist ein bisschen merkwürdig, weil keine gebundene sondern eine sehr abgehakte Tonfolge gesungen wird. Erinnert ein wenig an die wesentlich älteren Minnesänger.


m) Music for San Rocco, Buccinate in neomenia turba
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Komponist: Giovanni Gabrielli (ca. 1556 - 1612)

Entstehungszeit: 1608

Künstler: Gabrielli Consort and Players, Paul McCreesh

Wissenswertes: Der Venezianer Giovanni Gabrielli wurde während seines Aufenthalts an der Münchner Hofkappele von Orlando di Lasso unterrichtet. Schon 1584 wurde er Erster Organist an San Marco in Venedig. "Buccinate in neomenia turba" ist ein Meisterwerk der für Gabrieli typischen Cori spezzati (Mehrchörigkeit): Vier verschiedene Chöre treten in einen Dialog, drei davon mit Solostimmen und Instrumenten besetzt, ein vierter als rein vokale Kapelle.

Klangqualität: ••••

Meinung: Das ist absolut interessant, die verschiedenen Stimmen klingen absolut perfekt und abwechslungsreich zusammen. Teilweise sehr pompös verspielt, teilweise aber auch zart. Eine Männersolostimme ist mir allerdings wieder zu hoch (Kastrat?), siehe Bericht zu CD 1.
Die Aufnahme rauscht an den leisen Stellen (hauptsächlich am Anfang) ein ganz klein wenig.


n) Sacrae symphoniae, Canzon septimi e octavi toni (à 12) Nr. 13
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Komponist: Giovanni Gabrielli (ca. 1556 - 1612)

Entstehungszeit: 1597

Künstler: The London Cornett and Sackbut Ensemble, Andrew Parrot

Wissenswertes: Auch dieses - bereits 1597 entstandene - Stück zeigt Gabrielis meisterhafte Beherrschung der dialogisierenden Gruppen in rein instrumentalen Werken.

Klangqualität: •••••

Meinung: Bläser und Streicher harmonieren wunderbar zu einem Ganzen. Die einzelnen Stimmen verfolgen dabei teilweise ihre jeweils eigene Melodie oder wiederholen jeweils den Schluss der anderen Stimme und treffen sich dann wieder zu einem gemeinsamen Ganzen. Hört sich schön an, hinterlässt aber nicht den stärksten Eindruck auf dieser CD.


o) Varietie of Lute Lessons, London 1610, Fantasia
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Komponist: John Dowland (1562 - 1626)

Entstehungszeit: 1610

Künstler: Konrad Ragossning (Laute)

Wissenswertes: Im England des ausklingenden 16. Jahrhunderts lebte der wohl bedeutendste Lautenist aller Zeiten: John Dowland war ein Virtuose auf seinem Instrument, was ihm ein Leben auf Reisen - und zwar ein besonders abenteuerliches - bescherte. Dowland stand zunächst in Diensten der englischen Gesandtschaft in Paris. Beeinflusst von nach Frankreich emigrierten Freunden, trat er zum Katholizismus über. Er kehrte nach Oxford zurück um zu studieren, bereiste dann die Höfe von Wolfenbüttel und Kassel, ging nach Rom und schließlich nach Florenz, wo er in ein Mordkomplott einer katholischen Gruppe gegen die englische Königin eingeweiht und vielleicht sogar verwickelt wurde.
Dowland verließ Italien - und das katholische Glaubensbekenntnis, um über nicht minder aufregende Stationen in Kassel und Kopenhagen wieder nach London zurückzukehren, wo er endlich 1612 die gebührende Anerkennung und eine angemessene Position als Lautenist am Hof erhielt. Dowlands Lautenlieder und Solostücke sind wahre Meisterwerke für dieses Instrument und gehören auch heute noch zu dessen Standardrepertoire.

Klangqualität: •••••

Meinung: Ein reines Lautenstück, das jedoch voll und ganz gefangen nimmt. Auch wenn diese Aufnahme naturgemäß nicht von dem ach so berühmten Komponisten selbst eingespielt wurde, ist es absolut bewundernswert, welche wunderschönen Melodien, Läufe und Harmonien aus einer einzigen Laute herausgeholt werden können. Das Tempo wird mehrmals gewechselt und lässt diese Fantasie nicht langweilig werden.


p) L´Orfeo, Arie des Orfeo: Orfeo son io
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Komponist: Claudio Monteverdi (1567 - 1643)

Entstehungszeit: 1607

Künstler: Anthony Rolfe Johnson (tenor), The English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner

Wissenswertes: Claudio Monteverdi gilt als der bedeutendste Komponist des frühen Barockzeitalters. Er wurde 1613 Kapellmeister am Dom von San Marco in Venedig - die beste Stellung, die ein Musiker in Italien zu jener Zeit bekommen konnte. Monteverdi bereicherte die Musik um zahlreiche Neuerungen, unter anderem die "Beförderung" der Violine zum Soloinstrument und die Erfindung des Tremolos (schnelle Wiederholung eines Tones oder schneller Wechsel zweier Töne) und des Pizzicatos (bei Streichinstrumenten werden die Saiten nicht mit dem Bogen gestrichen, sondern mit den Fingern gezupft); beide Effekte erstmals in "Tancredi e Clorinda", 1624.
Monteverdis erste Oper "Orfeo" aus dem Jahr 1607 wird häufig als erste wirkliche Oper der Musikgeschichte bezeichnet. Allerdings hatte der italienische Komponist Jacopo Peri schon einige Jahre früher ein Singspiel komponiert, dessen Thema Giulio Caccini aufgrund des großen Erfolges ebenfalls zu einer Vertonung anregte. Der Titel dieser beiden, vor Monteverdis "Orfeo" entstandenen Werke war "Euridice", womit alle drei Kompositionen dasselbe Thema behandelten: Die Liebesgeschichte von Eurydike und Orpheus, der mit seinem Gesang und seiner Leier die Unterwelt besiegt.

Klangqualität: •••••

Meinung: Oh Gott, wenn man den Anfang von diesem Stück hört, denkt man, da stirbt der Sänger gerade medienwirksam und begibt sich damit selbst in die Unterwelt, ohne dort jemanden zu besiegen. Nachdem dann aber die Begleitung durch das recht sparsam besetzte Orchester einsetzt geht es. Was genau dort gesungen wird, erschließt sich durch das bloße lauschen nicht… Nicht so mein Fall.


q) Marienvesper, 1. Versiculus & Responsorium: Deus in auditorium / Domine ad adiuvandum
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Komponist: Claudio Monteverdi (1567 - 1643)

Entstehungszeit: 1610

Künstler: Nigel Robson (Tenor), The Monteverdi Choir, The London Oratory Junior Choir, His Majesties Sagbutts & Cornetts, The English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner

Wissenswertes: Aus der wohl kürzesten Opernouvertüre der Musikgeschichte, der "Toccata" des "Orfeo", stammt die Fanfare, mit der Monteverdi auch seine "Marienvesper" beginnt. Geistliche und weltliche Musik (Vesper und Oper) können nicht ausdrücklicher zusammengeführt werden. Die kurzen Tanzabschnitte, die Monteverdi zwischen die einzelnen Textzeilen der "Marienvesper" setzt, tun ein übriges um zu demonstrieren, dass dieselben musikalischen Stilelemente sowohl für sakrale als auch profane Musik herangezogen werden können. Ein festlich-fröhliches "Alleluja" rundet dieses grandiose Stück zu einer Demonstration der Universalität der Musik ab.

Klangqualität: •••••

Meinung: "Deus in auditorium" singt ein Einzelner und dann steigen sowohl Orchestre als auch Chor bambastisch ein. Das Stück wirkt teilweise im MIttelteil ein wenig eintönig. Der Schluss ist aber wirklich toll.


r) In dulci jubilo (à 4)
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Komponist: Michael Praetorius (1571 - 1621)

Entstehungszeit: ???

Künstler: Pomerium

Wissenswertes: Der Name des deutschen Musikers Michael Praetorius wird heute vor allem mit seiner monumentalen Schrift Syntagma Musicum verbunden, die eines der wichtigsten Werke der enzyklopädischen Musikgeschichtsschreibung darstellt. Als Komponist bearbeitete Praetorius unter anderem alle in deutscher und lateinischer Sprache vorliegenden liturgischen Gesänge der lutherischen Kirche. Allein im deutschen Text sind über 1200 Stücke vorhanden. Basierend auf einer anonymen Vorlage bearbeitete Praetorius zum Beispiel "In dulci jubilo" - eines der bekanntesten Weihnachtslieder unserer Zeit - in verschiedenen Versionen.

Klangqualität: •••••

Meinung: Das Lied kennen wahrscheinlich viele Leute, deswegen muss ich es auch nicht groß beschreiben. Ein reines Chorstück, von dem leider nur die erste Strophe auf dieser CD ist. Die die Einspielung und die Aufnahme sind allerdings super.


s) Canzon Cornetto
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Komponist: Samuel Scheidt (1587 - 1654) (Arr. für 4 Trompeten: Klaus-Jürgen Weber)

Entstehungszeit: ???

Künstler: Berliner Philharmoniker Bläserensemble

Wissenswertes: Samuel Scheidt war einer der Begründer der deutschen Orgelmusik. Für sein dreibändiges Orgelwerk Tabulatura Nova entwickelte Scheidt eine neue Notationsform, die einen Meilenstein auf dem Weg zur heutigen Notation setzte. Das "Canzon Cornetto", - in einem Arrangement für vier Trompeten -, lässt deutlich den Organisten Scheidt durchklingen.

Klangqualität: •••••

Meinung: In der Tat könnte dieses Stück auch hervorragend auf der Orgel vorgetragen werden. Umso beachtenswerter ist es, dass vier Trompeten derart perfekt zusammen spielen können. Es würde wunderbar auf einen heimeligen Weihnachtsmarkt mit Turmbläsern passen. Allerdings würden dann die unten vor der Kirche Stehenden nicht soviel von dem wirklich filigranen Stück mitbekommen.


t) Musikalische Exequien Teil II: Motette: Herr, wenn ich nur dich habe
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Komponist: Heinrich Schütz (1585 - 1672)

Entstehungszeit: 1636

Künstler: The Monteverdi Choir, The English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner

Wissenswertes: Heinrich Schütz wurde, wie die meisten deutschen Musiker des 17. Jahrhunderts, durch den italienischen Stil beeinflusst. Schütz studierte bei Giovanni Gabrieli Komposition und Orgelspiel und machte sich auf einer späteren Reise nach Italien mit den Stilmitteln Monteverdis und mit der frühen Form der italienischen Oper vertraut. So verdanken wir ihm auch die erste deutsche Oper "Daphne" (1627). Schütz war jedoch in erster Linie Kirchenmusiker. Seine "Musikalischen Exequien" für Soli, Chor und Orgel aus dem Jahr 1636 sind das erste "Deutsche Requiem" der Musikgeschichte. Der zweite Abschnitt, die Motette " Herr, wenn ich nur dich habe", ist ganz im venezianischen Stil mit zwei zweistimmigen Chören gestaltet.

Klangqualität: •••••

Meinung: Bei diesem Stück werden sehr stark "dynamische Effekte" eingesetzt, wie zum Beispiel das Variieren von lauten und leiseren Passagen, zur Verdeutlichung des Textinhalts. "Herr wenn ich nur dich habe, so frage mich nicht nach Himmel und Erde!" Die Wiederholung der einzelnen Textpassagen und Steigerung der Lautstärke beim jeweils letzten Teil wirken geradezu fulminant.


u) Canon und Gigue D-Dur
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Komponist: Johann Pachelbel (1653 - 1706)

Entstehungszeit:???

Künstler: Musica Antiqua Köln, Reinhard Goebel

Wissenswertes: Johann Pachelbel war einer der bedeutendsten Organisten seiner Zeit. Von seinem Geburtsort Nürnberg aus führte ihn die Organistentätigkeit über den Stephansdom in Wien und Ämter in Eisenach - hier lernte er die Familie Bach kennen -, Erfurt, Stuttgart und Gotha zurück nach Nürnberg. " Canon und Gigue" - heute ein absoluter Klassik-Hit - wird manchmal als musikalische Visitenkarte Pachelbels bezeichnet - eine meisterhafte Kombination aus strenger deutscher Kontrapunktik und italienischer Melodienfreudigkeit und Virtuosität. Wobei das mit der Visitenkarte nicht korrekt ist, da dieser Kanon der einzige ist, den er je geschrieben hat.

Klangqualität: •••••

Meinung: Die Melodie des Canons wird fast jeder heutzutage kennen, denn sie wurde sehr oft in modernen Pop-Songs verarbeitet, z.B. in "Go West" von Village People bzw. Pet Shop Boys, "Basket Case" von Green Day, "Die Eine / Die Eine 2005" von Die Firma, "I see you when you get there" von Coolio …. Der "Erfinder" heißt also Pachelbel und das Originalstück muss sich hinter den neueren Versionen nicht verstecken. Die Melodie wird weitaus einfallsreicher variiert, als es in den Pop-Stücken der Fall ist.
Die Gigue ist für mich dann nur noch eine Draufgabe…


v) Präludium, Fuge und Ciacona C-Dur (BuxWV 137)
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Komponist: Dietrich Buxtehude (1637 - 1707)

Entstehungszeit:???

Künstler: Helmut Walcha (Orgel)

Wissenswertes: Die überragende Bedeutung der Orgel im Deutschland des 17. Jahrhunderts dokumentiert sich in den Biographien der wichtigsten Musiker, zu denen auch Dietrich Buxtehude gehört, der von seinen Zeitgenossen aufgrund seiner außergewöhnlichen Improvisationskunst "Magier des Nordes" genannt wurde. Er war zwar auch ein vielseitiger Komponist, die größere Anziehungskraft ging jedoch wohl von seinem Orgelspiel und seinen Orgelkompositionen aus. Durch Buxtehude wurde Lübeck, wo er bis zu seinem Tode (an der Marienkirche) tätig war, zur Pilgerstätte für die Musiker Europas. Neben Georg Friedrich Händel, Johann Mattheson und Georg Philipp Telemann gehörte auch Johann Sebastian Bach zu den Bewunderern Buxtehudes, über dessen Kunst Bach einmal sogar seinen Dienst (damals in Arnstadt) für einige Wochen vergaß - und damit seine Anstellung riskierte.

Klangqualität: •••

Meinung: Orgelaufnahmen leiden oftmals an einem etwas dumpfen Sound, da man sie nicht wirklich "naturgetreu" in einer Kirche aufnehmen kann. Das Instrument ist halt relativ groß.
Dieser etwas dumpfe Klang findet sich auch bei dieser Aufnahme und fällt als erstes auf. Trotzdem ist das Stück ziemlich gut. Dem gefälligen Melodienlauf lässt sich wunderbar folgen. Die drei Teilstücke nehmen insgesamt gute 5 Minuten ein und münden in ein großartiges Finale, da werden (fast) alle Register gezogen.


w) Trisonate g-moll op. 2 Nr. 6, Corrente - Giga
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Komponist: Arcangelo Corelli (1653 - 1712)

Entstehungszeit: 1685

Künstler: Simon Standage/Micaela Comberti (Violine), Anthony Pleeth, Violoncello), Trevor Pinnock, Cembalo)

Wissenswertes: Wie Buxtehudes Schaffen durch die Orgel, so war das Werk von Arcangelo Corelli durch sein Instrument, die Violine bestimmt. Corelli, der als Komponist, Kapellmeister, Violinist und Lehrer den den größten Teil seines Lebens in Rom verbrachte, liefert mit seinen Kompositionen herausragende Beispiele für die nun vollendete Emanzipation der Instrumentalmusik. Er veröffentlichte insgesamt fünf Sammlungen mit je zwölf Sonaten, davon allein 48 für zwei Violinen und Basso continuo. Die Sonaten sind überwiegend viersätzig und in der Abfolge langsam-schnell-langsam gestaltet. Corellis Sonaten, von denen einige später von seinem Schüler Francesco Geminiani auch für größere Besetzungen bearbeitet wurden, gehören zu den frühen Meisterwerken der Kammermusik.

Klangqualität: •••••

Meinung: Im Kontrast zu dem leicht "brummigen" vorhergehenden Orgelstück, ist diese Kammermusik leicht und beschwingt. Die Violinen stehen sehr im Vordergrund und werden von einem Spinett begleitet. Die Aufnahme endet leider etwas abrupt nach 2:48 min, obwohl dort generell wohl keine Pause vorgesehen ist.


x) Acis et Galatée, Ouvertüre
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Komponist: Jean-Baptiste Lully (1632-1687)

Entstehungszeit: 1686

Künstler: Les Musiciens du Louvre, Marc Minkowski

Wissenswertes: Der Florentiner Jean-Baptiste Lully verbrachte den größten Teil seines Lebens in Frankreich, wo er als hervorragender Geiger zu den "24 Violons de roy" von König Ludwig XIV. gehörte. Lullys kompositorisches Werk besteht zum größten Teil aus Opern und Balletten, bei denen er selbst auch als Tänzer auftrat. Für einige Zeit arbeitete er insbesondere mit Molière zusammen. Die für lange Jahre sehr enge Verbundenheit mit Ludwig XIV. führte unter anderem dazu, dass Lully für einige Zeit ein sehr einträgliches Monopol für die Aufführung von Opern in Paris hatte. Lully fiel jedoch nach Intrigen einer Geliebten des Königs aufgrund seiner öffentlich gewordenen Homosexualität bei Hof in Ungnade.
Er starb am 22.3.1687 in Paris an den Folgen eines tragischen, für uns heute jedoch eher tragikomischen Unfalls: Mit einem Dirigierstock, mit dem Lully auf den Boden stampfend den Takt vorzugeben pflegte, stieß er sich selbst in den Fuß und verstarb an dem folgenden Wundbrand.
Lullys Opernouvertüren beeinflussten die Musik Europas bis weit in das 18. Jahrhundert hinein. "Acis et Galatée" ist Lullys letzte vollständige Oper. In der Ouvertüre tritt Lullys ganz selbstbewusste Satzkunst und in den Tanzteilen seine Vorliebe für das Ballett zutage.
Die Grundlage für den Stoff dieser Oper bilden die mythologischen Figuren Acis und Galatea aus Ovids "Metamorphosen".

Klangqualität: •••••

Meinung: Nunja, was man zu dieser Musik für ein Ballett tanzen soll, kann ich mir nicht so recht vorstellen. Es dürfte eher etwas mit Hüpfen zu tun haben. Durchaus nicht uninteressant, aber nicht so interessant, dass man sich beim Hören dieses Stück gleich für die ganze Oper interessieren würde.
Sehr schade ist, dass das Stück einfach nach 3:07 min einfach ausgeblendet wird, ohne das hier schon Schluss wäre. Wenn das Stück allerdings so weiter geht, wie es diese ersten 3 Minuten schon war, hat man wahrscheinlich doch nicht soviel verpasst.


y) Dido and Aeneas, Whence could so much virtue spring - Fear no danger
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Komponist: Henry Purcell (1659-1695)

Entstehungszeit: 1689

Künstler: Anna Sofie von Otter (Mezzosopran), Lynne Dawson/Sarah Leonard (Sopran), Choir of the English Concert, Trevor Pinnock

Wissenswertes: Henry Purcell war der führende englische Komponist seiner Zeit, vor allem auf dem Gebiet der Schauspielmusiken. Neben etwas 50 so genannten "Masques" - einer englischen Besonderheit in der szenischen Form der Kombination von Musik und Tanz - ist "Dido und Aeneas" aus dem Jahr 1689 Purcells einzige richtige Oper. "Whence could so much virtue spring" ("Woraus kann so viel Tugend entspringen"), die Arie der Königin Dido aus dem ersten Akt, ist ein Beispiel für Purcells große Begabung für Textdeklamation und seine Vertonungskunst der englischen Sprache. Das anschließende "Fear no danger" ("Fürchtet nicht, dass Gefahren lauern") zeigt in seinem durchaus französisch anmutenden Satz den Einfluss Lullys.

Klangqualität: •••••

Meinung: Auch im Englischen kann man das R wie Karoline Reiber rollen. "…..sprrrrrrrrrring"… Beim ersten Teil, der Arie steht naturgemäß der Text absolut im Vordergrund. Ohne ihn zu kennen ist es zwar schöne Musik, aber man kann es nicht so recht einordnen. Der zweite Teil vom Chor gesungen ist hingegen leicht, ein wenig süßlich und beschwingt.


z) Te Deum, Prélude
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Komponist: Marc-Antoine Charpentier (1645-1704)

Entstehungszeit: 1690

Künstler: Les Musiciens du Louvre, Marc Minkowski

Wissenswertes: Als Zeitgenosse des alles überragenden Lully hatte der französische Komponist Marc-Antoine Charpentier kaum eine Chance, auf dem Gebiet der Oper hervorzutreten (Lully hatte ja das Monopol, siehe oben). Al Kirchenmusiker konnte er sich jedoch einen Namen machen: Mehr als 200 Kompositionen sind allein auf diesme Gebiet von ihm erhalten. Die Fanfare, mit der Charpentier im Jahr 1690 sein "Te Deum" eröffnete, dient seit 1954 als Eurovisions-Hymne.

Klangqualität: •••••

Meinung: Na dieses Stück kennt wohl auch jeder, der schon mal "Wetten dass…" oder Verstehen Sie Spass?" gesehen hat. Dass es zu der eingängig Melodie noch ein schönes Zwischenspiel gibt, ist da dann auch egal. Einfach klasse. Schmissig und mitreißend. Die Einspielung ist - glaug ich - in einem extra schnellen Tempo erfolgt. Witzigerweise hört man zu Beginn der Aufnahme die Bläser total laut Luft holen.
Diese Stück ist mein absolutes Highlight dieser CD.


ä) Trompetenkonzert D-dur, 1. Allegro
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Komponist: Guiseppe Torelli (1658-1709)

Entstehungszeit: 1696

Künstler: Maurice André (Trompete, English Chamber Orchestra, Sir Charles Mackerras

Wissenswertes: Torelli, der manchmal fälschlicherweise als Erfinder des Concerto Grosso bezeichnet wird, ist jedenfalls der Urvater des Violinkonzerts - und auch ein Großmeister des Solokonzerts für verschiedene andere Instrumente. Die Entwicklung des Solokonzerts an der wende zum 18. Jahrhundert als Kennzeichen zunehmenden Interesses and er Virtuosität in der Musik geht einher mit einer grundsätzlichen und weit reichenden Veränderung der musikalischen Form, einer Entwicklung von der vormals vorherrschenden Zweiteiligkeit zu der neuen und bis in das 19. Jahrhundert hinein überwiegenden Dreisätzigkeit.

Klangqualität: •••••

Meinung: Ein schöner Ausklang der CD. Die Trompete ist hier Soloinstrument. Sie wird von einem Streicherorchester und einem Spinett(?) wunderbar begleitet.
Leider rauscht die Aufnahme am Ende ein wenig.

3. Fazit
++++++++++++
Auch dies ist wieder eine sehr gelungene CD. Im Gegensatz zum ersten Teil der Klangreise sind einige Stücke dieser CD zumindest vom Hören schon mal bekannt gewesen. Auch der ein oder andere Komponist ist zumindest vom Namen her geläufig.

Man kann diese CD nicht so einfach nebenher hören, allerdings ist sie wesentlich gefälliger, als CD 1. Als Begleitung zu einem historischen Roman finde ich sie persönlich nicht so gut geeignet, wobei das überwiegend an den früheren Stücken liegt. Bei der Klangqualität sind bei ein paar Aufnahmen Abstriche zu verzeichnen. Diese sind jedoch so marginal, dass sie weder den Hörgenuss noch meine Bewertung beeinträchtigen.

Eine gelungene Fortsetzung der Klangreise durch eine überaus spannende historische Epoche und eine klare Kaufempfehlung.


© NickAme, 06.04.2006


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • morla59 veröffentlicht 08.11.2006
    und wieder ein super bericht. l. g. petra
  • sabine01854 veröffentlicht 20.09.2006
    Nicht nur eine gelungene CD - sondern auch ein gelungener Bericht!!! LG Bine
  • Wiciejowski veröffentlicht 19.07.2006
    Perfekt - Ecki
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Produktdaten : Erlebnis Klassik Vol.2 - Various

Produktbeschreibung des Herstellers

Various (Komponist) - 1 - CD - Deutsche G - Universal - 26. November 2001 - 028946532225

Haupteigenschaften

Titel: Erlebnis Klassik Vol.2

Künstler: Various

Komponist: Various

Genre: Kammermusik

Medium: CD

Set-Inhalt: 1

Veröffentlichungsdatum: 26. November 2001

Label: Deutsche G

Vertrieb: Universal

EAN: 028946532225

Titel auf CD 1

1.: Calata Ala Spagnola

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