Kostbarer Eros
20. Jan 2007
Pro:
schöne ästhetisch ansprechende Photos, feine Textauswahl
Kontra:
Nacktheit für jene, die sie nicht sehen mögen
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
mehr
 Fantomiss
Über sich:
Und sollte ich vergessen haben, jemanden zu beschimpfen, dann bitte ich um Verzeihung!
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An Eros Aus all dem Nachwuchs Von Himmel und Erde Ist Eros der Kostbarste
(Sappho) _________________________________________________ _____________ Wunderschön, was die Herausgeberinnen Linda Ferrer (verantwortlich für die Photographien) und Jane Lahr (Textauswahl) da zusammengestellt haben. Eine exklusive Sammlung erotischer Schwarz-Weiß-Photographien sowohl von bekanten Meistern ihres Fachs als auch von, zumindest mir, unbekannte(re)n Namen. Doch man denke nicht, dass das, was da unter dem Namen
~~~ Eros ~~~ zusammenkommt lediglich eine Ansammlung nackter Frauenkörper ist. Da werden verschlungene Beine zu Körperlandschaften und Hintern erscheinen pfirsichgleich, bestrumpfte Beine erheben sich von einem Bett und eine Nymphe versinkt in den Wundern des Wassers. Doch auch diese Männlein und Weiblein sind nicht stets nackt und oder doch in voller Pracht. Jan Saudek verhüllt etwa die Manneskraft unter nassem Tuch und macht damit erst aufregend wirklich sichtbar, was meist unseren Blicken verborgen bleibt ("Porträt eines Mannes", 1984). "Lisa Lyon" von Robert Mapplethorpe (1982) verbirgt ihr Gesicht hinter schweren Röcken und gibt gleichzeitig den Blick frei auf ihr Geheimstes. Stephanie Seymor öffnet für Ellen von Unwerth ihren BH, lustvoll mit zurückgeworfenem Kopf, während die unbekannte Dame aus den 1950ern auf Lillian Bassmans "Ohne Titel" beinahe schüchtern, doch ebenso hingebungsvoll, ihre Seidenstrümpfe glattstreicht. Die Lippen von Kiki (Man Ray, 1929) scheinen Süßes zu versprechen, und Kenro Izu macht aus einer gebogenen Rückenlinie, die in einen sanft gerundeten Po übergeht, ein "Stilleben 467" (1994). Manuel Alvarez Bravo enthüllt zwischen südamerikanischem Gewand und feinem Blattwerk eine wohlgeformte weibliche Brust und erklärt
sie so zur "Verbotenen Frucht" (1976). Auf Wynn Bullocks "Akt hinter Spinnwebenfenster" von 1955 verschwindet ein wohlgeformter weiblicher Torso hinter grauem Gewebe und überlässt den Rest der Phantasie des Betrachters. Und Barbara Bordnick zeigt, wie sinnlich ein züchtig verhülltes Dekolletée sein kann…durch die Finger der gesichtslosen Dame, die zart zwischen den Ausschnitt der weißen Bluse gleiten. Fast kann man sie seufzen hören…
Doch "Eros" ist nicht Bild allein. Zwischen den Photos finden sich immer wieder kleine Perlen erotischer Texte, Geschichten und Gedichte. Neben Auszügen aus Anais Nins "Delta der Venus" und D.H. Lawrences "Lady Chatterley" auch mir unbekannte Texte mir unbekannter Autoren, doch alle äußerst geschmackvoll ausgewählt. Gerade die kleinen Gedichte sind glitzernde Kleinode. So etwa neben Man Rays "Das Gebet" (1930) dieses: Einst kam es Zu einem Wettstreit Um die beste Darstellung eines Pfirsichs
in China Madame Ling oder hieß sie Ching setzte sich in gelbe Pollen
dann erneut, behutsam setzte sie sich auf ein Stück weißes
Papier (Siv Cedering. "Peaches", übersetzt von Mirko Bonné)
Charmant, dezent erotisch oder auch mal ein wenig mehr zur Sache gehend sind diese kleinen Auflockerungen zwischen den Bildern, die diese perfekt ergänzen. Gleichzeitig bleibt der Text jedoch auf eine angenehme Art zurückhaltend und nimmt es einem kein bisschen übel, wenn man ihn erstmal überblättert… Um dann wieder bei kleinen aber so feinen Höhepunkten hängen zu bleiben wie diesem aus Ägypten um 1500-1000 v. Chr.: Ich fand meinen Liebsten beim Fischen Nur seine Füße im Wasser.
Wir frühstücken zusammen, Trinken Bier. Ich eröffne ihm die Magie meiner Schenkel Der Zauber nimmt ihn gefangen.
~~~ Das Buch und ich ~~~ Seit Jahren steht dieses Buch in meinem Bücherschrank und immer wieder nehme ich es heraus und blättere durch, lese ein bisschen und stelle es zufrieden wieder zurück. Oder ich nutze es noch für etwas anderes. Nein, nicht, was so mancher schlüpfrige Charakter jetzt denken mag. Ich nutze die schönen und ästhetisch ansprechenden Photos als Vorlage für Kohlezeichnungen. Denn auch dafür eignet sich dieses Buch ganz fantastisch. Man hat ja nicht immer ein lebendes Modell, das sich zur Verfügung stellen möchte. Und Photos sind so unendlich geduldig. Dumm nur, dass ich durch die Zeichnerei schon jede Menge grauer Fingerabdrücke im Buch habe… es ist ein Jammer wenn ich mal zeichne: Schwarz verschmiert und voller Kohle bis über die Ellbogen…
Seinerzeit habe ich das Buch mal zum Geburtstag bekommen, sozusagen als "Gemeinschaftsprojekt" mehrerer Freunde. Denn da offenbart sich das einzige Manko: Es ist wirklich teuer. Ich glaube, damals waren es um die 50 DM. Gleichzeitig muss man aber auch bedenken: Man bekommt was für sein Geld. Bildbände sind niemals günstig, und dieser hier besticht durch eine hohe Qualität nicht nur bei der Auswahl der Bilder und Texte sondern auch bei Druckqualität und Papier. Das fühlt sich angenehm dick an und gibt beim Umblättern kleine Geräusche von sich. Schön. Gebunden ist es natürlich auch und hat noch einen extra Schutzumschlag. Huch! Gerade habe ich es bei buch.de für 9,99 Euro gesehen! Zugreifen!
~~~ Das Buch und ihr ~~~ Schaut es euch an und genießt diese Bandbreite erotischer Photographien des 20. Jahrhunderts. Lest die kleinen Texte oder lasst sie euch vorlesen und schwelgt darin. Schwelgt in zurückhaltend schüchterner Erotik und hemmungsloser Hingabe. Und lernt, dass Aktphotographie mehr ist, als das bloße Darstellen entblößter Körper…
~~~ Eine kleine Auswahl der Photographen ~~~ Man Ray, Imogen Cunningham, Greg Gorman, Howard Schatz, Edward Weston, Ellen von Unwerth, Robert Mapplethorpe, Frédérick Barzilay, John Dugdale, Jan Saudek, Karin Rosenthal, Andrew Eccles, Lisa Spindler, Andrew Brucker, John Schlesinger, Helmut Newton……
~~~ Texte u.a. von: ~~~ Henry Miller, Anais Nin, Sallie Tisdale, John Cleland, Walt Whitman, D.H. Lawrence, Noelle Caskey, Rick Kempa,……
~~~ Ich resümiere ~~~ Schön. Einfach nur schön. Gekonnt ausgewählt und geschmackvoll zusammengestellt. Es gibt nur eine winzige Sache, die ich bemängle: Die Präsenz Helmut Newtons. Ich finde, aber das ist eben meine persönliche Meinung, dass die Photos von ihm nicht immer ganz glücklich ausgewählt wurden, denn zwischen den anderen kunstvollen Photographien wirken sie teilweise fast billig - pornographisch anmutend. Da gibt es weitaus bessere. Finde ich. Aber dafür kann ich ja auch direkt in Berlin beim Bahnhof Zoo die Helmut Newton Stiftung im Museum für Photographie anschauen. Denn netterweise hat Herr Newton per Testament der Stadt Berlin ja seinen gesamten Nachlass vermacht.
Also: Anschauen, lesen, träumen oder inspirieren lassen. Alles ist erlaubt. Tu was du willst. Wenn wir uns liebten, oh Liebe Atemlos sind, blaß von der Liebe So verströmt deine Wange, oh Liebe, Den duftenden Schweiß, den ich liebe - Und wenn unsere Körper aus Liebe Nach der sie entkräftenden Liebe Nun ausruhn von ihrer Liebe, Stets bleibt meiner endlosen Liebe Der verwobene Hauch unserer Liebe.
(Sanskrit, übersetzt von Mirko Bonné)
~~~ Fakten ~~~ Bezieht sich auf die erwähnte Ausgabe bei buch.de:
ISBN: 3-8228-5246-5 Erschienen bei: Taschen Deutschland GmbH Reihe: Evergreen Herausgeber: Linda Ferrer Erscheinungstermin:05.2006 Einband: Kartoniert, zahlreiche Fototafeln 30,5 cm Seiten: 192 Gewicht: 1311 g Meine Ausgabe ist 1997 erschienen.
__________________________________ Leute, darf ich erstmal die Bilder hochladen, bevor iht klickt???!!! Ist ja nicht zum Aushalten!!!!!!!!!!!!!
Bilder von Eros / Ferrer, Linda / Lahr, Jane
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21.07.2007 18:11
holla! na das sieht mal lecker aus... ;-) gefällt mir. schwarz/weiß ist auch irgendwie eleganter und ästhetischer. das trifft nicht nur bei aktaufnahmen zu. bei portraitfotos ist es manchmal auch schöner. das spiel der schattierungen, das spiel von licht und schatten... lg
19.03.2007 21:38
Die Bilder sehen doch einfach klasse aus. Schwarz Weiß Fotos zeigen viel viel mehr. Will auch so`n Buch ;-)) LG humorig
27.01.2007 11:50
schööön... kann stepnwolf nur beipflichten s/w ist einfach ansprechender... lg, esther