Dieser Erfahrungsbericht wurde von 77 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
So, da ich hier bei ciao zufällig auf eine Aktion von BlankAttack und Espionne, nämlich den „Bücherfrühling“ gestoßen bin, dachte ich, dass ich dazu auch meinen Beitrag leisten könnte. Schließlich lesen wir doch alle gerne, nicht wahr?
In diesem Sinne möchte ich euch auch gleich mein Lieblingsbuch vorstellen; wer schon mal mein Profil gelesen hat (was leider wohl noch nicht so viele hier getan haben L), weiß vielleicht, dass mein Lieblingsautor eindeutig Stephen King ist. Und in denen vielen Jahren, in denen er als Schriftsteller tätig ist, hat King, der „Meister des Schreckens“ jede Menge Bestseller fabriziert, von denen ich aber bei weitem noch nicht alle gelesen habe. Mein absoluter Lieblingsroman von King ist wohl auch einer – wenn nicht sogar der Bekannteste:
„ES“
DIE STORY
Eine grausame Mordserie an Kindern hält die Kleinstadt Derry im US-Bundesstaat Maine in Atem; mehrere Kinder verschwinden auf mysteriöse Weise. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Vor allem weiß man nicht, wie man die Kinder der Stadt vor dem bestialischen Mörder schützen soll.
Einer der Einwohner, Mike Hanlon, der die Stadtbücherei leitet, weiß mehr über die Morde; er ist sich ziemlich sicher zu wissen, wer – oder vielmehr was – hinter den Morden steckt: ES, die Manifestation des Bösen, das sich in der Gestalt eines Clowns ungefähr alle 30 Jahre in der Stadt Derry blicken lässt, um zu „fressen“ – und so geschehen in diesen Zeitabständen immer wieder schreckliche Dinge in Derry, zumeist Morde, die dann letztlich durch ein schreckliches Ereignis anderer Natur (Großfeuer zum Beispiel) beendet werden. Diesmal müssen eben arme unschuldige Kinder sterben. Und schon erinnert sich Mike an seine Kindheit zurück...
...30 Jahre zuvor: Mike, Ben Hanscom (ein übergewichtiger,aber sehr schlauer Junge), William Denbrough (Stotter-Bill genannt, der heimliche Anführer der Gruppe, der wahnsinnig stolz auf sein Fahrrad ist), Richard Tozier (ein Spaßvogel, der glaubt, unheimlich gut Stimmen nachahmen zu können), Eddie Kaspbrak (an Asthma erkrankt – zumindest will ihm das seine Mutter einreden, die ihn am liebsten mit Samthandschuhen anfassen würde), Stanley Uris (ein jüdischer, sehr schlauer Junge) und Beverly Morgan (ein hübsches Mädchen, in das Ben heimlich verknallt ist – außerdem wird sie von ihrem brutalen Vater schikaniert und geschlagen) sind durch Zufälle zu den besten Freunden geworden. Sie verbringen fast ihre gesamte Freizeit zusammen, vorzugsweise in den Barrens, einem undurchdringlichen, fast schon dschungelartigen Gebiet mitten in Derry. Ihre Freundschaft ist hauptsächlich dadurch entstanden, dass sie alle Angst haben vor Henry Bowers und dessen Kumpanen. Henry ist ein berüchtigter Schläger und würde zu gerne Ben und die anderen tüchtig verprügeln.
Und außerdem verbindet die sieben Kinder auch noch die Furcht vor ES, der sich ihnen hauptsächlich als Clown, als Pennywise, zeigt. Alle haben ihre eigenen Visionen von ES, in verschiedenen Gestalten jagt das Böse den Kindern einzeln Angst ein. ES hat vor kurzem Stotter-Bills kleinen Bruder ermordet, und daher will sich Bill an ihm rächen.
ES hat Angst vor den Kindern. Ihr Freundschaft ist ihm ein Greuel, und so lässt er keine Gemeinheit aus, den Kindern Angst einzujagen. ES will sie davon abhalten, ihn zu jagen. Doch ES hat keine Chance, denn die Kinder kommen ihm bewaffnet mit einer Steinschleuder und ihrem kindlichen Mut in den Abwasserkanälen unter der Stadt auf die Schliche und verletzten ES schwer, können ES jedoch nicht töten.
Und genau aus diesem Grund erinnert sich Mike 30 Jahre später an einen alten Schwur, den er und die anderen damals geleistet haben: Sollte ES jemals wieder zurückkehren und das Morden von Neuem beginnen, so treffen die alten Freunde wieder in Derry zusammen und beenden das, was sie als Kinder angefangen haben...
EINIGE TROCKENE FAKTEN
Die Ausgabe, die ich hier vor mir liegen habe, umfasst sage und schreibe 1214 Seiten. Das Buch ist im Heyne-Verlag erschienen und kostete damals 19,46 D-Mark, umgerechnet genau 9,95 € (ja, ich habe es mir kurz vor der Euro-Einführung gekauft, deshalb der krumme DM-Preis). Die Aufmachung ist leider etwas lieblos: ein schlichter roter Einband, auf dem nur der Name von Buch und Autor und auf der Rückseite eine kurze Inhalszusammenfassung stehen.
Heute jedoch gibt es das Buch auch in anderen Versionen: vor kurzem habe ich eine deutliche liebevoller gestaltete Ausgabe vom Ulstein Verlag gesehen, die darüber hinaus nur 6 € gekostet hat.
Stephen King hat das Buch zwischen September 1981 und Dezember 1985 verfasst. Wie viele andere Romane von ihm wurde auch „ES“ verfilmt (die DVD zum Film gibt es seit einigen Wochen zu kaufen) – und zwar in den frühen 90er Jahren. Die Verfilmung halte ich persönlich für recht gelungen, auch wenn man einen solchen Wälzer niemals in zwei Stunden wirklich zufriedenstellend umsetzen kann.
MEINE MEINUNG
Völlig ohne Zweifel ist Stephern King mit „ES“ ein Klassiker der modernen Literatur gelungen. Eine unheimlich dichte Atmosphäre zeichnet diesen Roman aus.
Das liegt zum einen an der Charakterzeichnung, was ja eine Stärke Kings ist: die sieben Hauptcharakteres owie die Stadt Derry werden dem Leser wirklich so genau vorgestellt, dass man sie sich in Gedanken selbst vorstellen kann. Ihre Gedanken, ihre Handlungsweisen, ihre Eigenarten – all das vermittelt Stephen King dem Leser eindrucksvoll und ausführlich.
So lernt man im ersten Teil des Buches, das den Titel „erste Schatten“ trägt, zunächst einmal die Charaktere in der Gegenwart, also als Erwachsene kennen. Man erfährt, wie und was sie arbeiten oder wie sie leben. Beverly zum Beispiel wird von ihrem Mann tyrannisiert. Nach Mike’s anruf aus Derry schafft sie es endlich, zurückzuschlagen. Stan hat sich nach Mike’s Anruf umgebracht – er liegt tot in der Badewanne, hat jedoch zuvor mit seinem eigenen Blut „ES“ in verwackelten Buchstaben auf die weißen Kacheln geschrieben. Wer weiterliest, dem wird auch klar, dass Stan der labilste der sieben Freunde war, derjenige, der nie so richtig an ES geglaubt zu haben scheint – jetzt allerdings mit der Gewissheit, dass ES immer noch nicht getötet worden ist, nicht weiterleben kann.
Zwischen den einzelnen Teilen des Romans erscheinen sogenannte „Zwischenspiele“: sie wurden von Mike Hanlon verfasst und befassen sich alle mit der Stadt Derry und dem, was sich alle 30 Jahre in diesem Ort zuträgt.
Der zweite Teil „Juni 1958“ spielt – wie der Name schon vermuten lässt – in der Jugendzeit der sieben Hauptpersonen. Man lernt die Protagonisten ebenso kennen wie sie sich – in diesem Teil des Romans wird ihre unglaubliche Freundschaft, ja sogar Liebe zueinander, geboren.
Teil drei – „Erwachsene“ – erzählt vom Wiedertreffen in Derry – und was sich Pennywise für ihre Rückkehr einfallen lässt...
Danach werden wir wieder in die Jugendzeit der sieben zurückversetzt, diesmal in den „Juli 1958“. Hier schaffen es die sieben, Henry Bowers zu bezwingen und kämpfen gegen ES, was dann letztlich in den letzten Teil des Romans, „Das Ritual von Chüd“ mündet – hier nehmen die erwachsenen Freunde den letzten, entscheidenden Kampf gegen ES auf...
Geschickt verstrickt King schließlich die einzelnen Handlungsstränge. Henry Bowers zum Beispiel hat nicht nur in der Jugendzeit der Hauptpersonen eine wichtige Rolle...
Aha, das also geschieht auf 1200 Seiten. Aber ist das ganze auch spannend? Oder anders gefragt: sind 1200 Seiten nicht zu lang??
Nein, ganz sicher nicht. Denn King nimmt sich eben viel, viel Zeit, die Geschichte mit allen Facetten zu erzählen. Eine Geschichte, deren Kern völlig simpel ist: Gut gegen Böse. Auf der einen Seite die sieben (später sechs) Freunde, die alles für die Freunde in Kauf nehmen würden, auf der anderen Seite das Grauen, die Manifestation des Bösen – in Gestalt eines Clowns.
Keine der 1200 Seiten ist langweilig oder unnütz; wer allerdings Action bzw. Horror am laufenden Band vermutet, liegt sicher falsch: nach einer wirklich markerschütternden und sehr spannenden Exposition folgt nämlich erst einmal die Vorstellung der Charaktere – bis der Clown wieder auf der Bildfläche auftaucht, vergehen viele Seiten. Überhaupt sind die Schockeffekte sehr sparsam eingesetzt. Anders als in vielen Roman von Stephen King sind es hier auch nicht die spritzenden Blutfontänen, die den Leser schockieren. Der Autor spielt hier viel wirkungsvoller mit der Psyche des Lesers, mit dessen Angst vor dem Unbekannten, vor dem Bösen. Und manchmal ist das Geschehen wirklich so spannend, dass der Leser richtig angespannt dasitzt, sich sein Herzschlag beschleunigt, ihm eine Gänsehaut über den Rücken streicht – sprich: King hat sein Ziel erreicht.
Das Ende schließlich – von vielen Kritikern als zu harmlos/einfach/unspektakulär dargestellt – hat mir gut gefallen. Sicher hätte es noch spektakulärer ausfallen können, aber das hätte vielleicht nicht zum Stil des Romans gepasst, der ja eigentlich relativ ruhig ist.
Was bleibt mir noch zu sagen? Ach so, der Anspruch des Buches hält sich in Grenzen. Der Schreibstil ist einfach, aber sehr, sehr, sehr ausschmückend. Verständnisprobleme dürfte es allerdings überhaupt keine geben. Die Handlung ist auch nicht so verworren, wie man das von anderen King-Romanen kennt (das beste Beispiel hierfür ist gerade im Kino zu bestaunen), sondern relativ geradlinig (mit der Besonderheit, dass man eben zwei große Erzählstränge hat, nämlich Gegenwart und Vergangenheit). Die Wortwahl ist teilweise ziemlich rustikal. Insbesondere Henry Bowers und seine Kumpanen zeichnen sich durch eine derbe Ausdrucksweise aus, was aber auf Grund ihres sozialen Umfeldes durchaus verständlich ist.
Motiv des Buches ist natürlich die wahre Freundschaft. Sie ist stärker als alles andere. Wenn man zusammenhält, kann man alles schaffen! Eine wunderbare Hommage an echte Freundschaft...
FAZIT
„ES“ ist ein fantastisches Buch. Es ist spannend, unterhaltsam, wahnsinnig ausführlich, zu keiner Zeit langweilig und besitzt vor allem eine ungeheure Atmosphäre. Ich kann diese Buch wirklich jedem ans Herz legen – nicht nur denen, die sowieso gerne Stephen Kings Werke lesen.
Gerade seit 10 Jahren mal wieder den Film gesehen (Teil1)...das Buch habe ich (leider) nie gelesen. Bin gerade am nachdenken drüber und stöbere durch die Berichte. Freundschaft ist sicher ein Motiv...dadurch gelingt es ES ja nicht, die 7 zu töten. Aber auch dadurch, dass man sich seiner Angst stellt...glaube ich. Deswegen bringt sich Stan wohl auch um... Warum werden die 3 Bösewichte in der Kanalisation eigentlich von diesem Licht "aufgesaugt" (wird im Film so dargestellt)...soll das symbolisieren, daß ES sich durch die Bosheit der drei nährt, ES stärker wird? Hmm hmmm...
das buch habe ich nie geselesen, aber den film habe ich schon dreimal gesehen und fand ihn klasse. Ich lese Stephen King auch sehr gerne nur manchmal finde ich das er etwas kompliziert schreibt und man ein wenig braucht bis man sich eingelesen hat.
chim. Bearb. v. Anja HeppelmannGewicht: 845 gr / Abmessungen: 187 mm x 118 mmVon King, Stephen / Übersetzt v. Reinhardt, Alexandra von; Körber, Joachim / Erarb. v. Heppelmann,...
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01.09.2004 02:16
Gerade seit 10 Jahren mal wieder den Film gesehen (Teil1)...das Buch habe ich (leider) nie gelesen. Bin gerade am nachdenken drüber und stöbere durch die Berichte. Freundschaft ist sicher ein Motiv...dadurch gelingt es ES ja nicht, die 7 zu töten. Aber auch dadurch, dass man sich seiner Angst stellt...glaube ich. Deswegen bringt sich Stan wohl auch um... Warum werden die 3 Bösewichte in der Kanalisation eigentlich von diesem Licht "aufgesaugt" (wird im Film so dargestellt)...soll das symbolisieren, daß ES sich durch die Bosheit der drei nährt, ES stärker wird? Hmm hmmm...
27.03.2004 14:31
das buch habe ich nie geselesen, aber den film habe ich schon dreimal gesehen und fand ihn klasse. Ich lese Stephen King auch sehr gerne nur manchmal finde ich das er etwas kompliziert schreibt und man ein wenig braucht bis man sich eingelesen hat.
18.07.2003 00:19
wie schon gesagt.. king is einfach nix für mich.. die filme find ich ganz ok, aber seine bücher *kopfschüttel*