Es geschah am hellichten Tag

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... „Es geschah am hellichten Tag” ist geprägt durch die Absicht der öffentlichen Warnung vor zunehmenden (Sexual-)Verbrechen an Kindern, also eine Art pädagogischer Aufklärungsfilm. Selbst in dieser Hinsicht kommt der Film allerdings nicht ohne Klischees aus – etwa der allzu simplen These vom ... Bericht lesen





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Es geschah am hellichten Tag Es geschah am hellichten Tag
Als Hausierer Jacquier der Polizei den Fund einer Mädchenleiche meldet, wird er ... mehr
selbst verdächtigt. Doch Kommisar
Matthäi glaubt an Jacquiers Unschuld. Er
unternimmt eigene Nachforschungen und stellt dem
tatsächlichen Kindermörder eine Falle. 
Der großartige Krimi-Klassiker mit Heinz
Rühmann und Gert Fröbe!FSK: ab 12
JahreSprache: DeutschUntertitel: DeutschRegie:
Ladislaus Vajda. Nach e. Drehbuch v. Friedrich
Dürrenamatt; Mit Heinz Rühmann, Gerd Fröbe, Berta
Drews u. a.
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Es geschah am hellichten Tag (DVD) Es geschah am hellichten Tag (DVD)
In einem Wald in der Nähe einer Strasse wird ein ermordetes Mädchen gefunden. Die Polizei ... mehr
ist nervös, denn zwei ähnliche Morde, die vor
einigen Jahren verübt worden waren, konnten bisher
nicht aufgeklärt werden. Der Hausierer Jacquier
wird sofort der Tat verdächtigt, obwohl er selbst
die Polizei auf die Leiche des Mädchens aufmerksam
gemacht hatte. Doch Kommissar Matthäi ist von
Jacquiers Unschuld überzeugt. Er hat den Eltern
der ermordeten Gritli Moser "bei seiner
Seeligkeit" versprochen, dass er den Mörder finden
wird. Er erinnert sich an eine Zeichnung des
ermordeten Kindes, auf der kleine stachelige
Bälle, ein sehr grosser Mann und ein Auto zu
erkennen waren. Es könnten Trüffel sein, die ein
Mann mit einem Auto dem Opfer geschenkt hat.
Matthäi mietet eine Tankstelle an der Strasse. Er
nimmt die junge Frau Heller und ihr Töchterchen
Annemarie als Lockvogel ins Haus. Aber sind seine
Schutzmassnahmen für das Kind ausreichend? Dann
wird Annemarie eines Tages von einem Fremden
angesprochen... Friedrich Dürrenmatt, schrieb das
Originaldrehbuch für den Film "Es geschah am
helllichten Tag". Seinen späteren vielschichtigen
Kriminalroman nannte er "Das Versprechen".
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Es geschah am hellichten Tag (DVD) Es geschah am hellichten Tag (DVD)
In Es geschah am hellichten Tag treffen mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe zwei deutsche ... mehr
Leinwandlegenden aufeinander. Die Geschichte des
unermüdlichen Polizeibeamten Matthäi auf den
Spuren eines notorischen Kindermörders ging in die
Filmgeschichte ein.  In einem Wald, unweit einer
Landstraße, wird ein ermordetes Mädchen gefunden.
Die Tat scheint an zwei ähnliche Morde anzuknüpfen
und setzt die Polizei unter öffentlichen Druck.
Kurz darauf kann man den Hausierer Jacquier
(Michel Simon) als Tatverdächtigen präsentieren.
Als sich der Mann wenige Tage später in seiner
Zelle erhängt scheint der Fall erledigt. Nur
Kommissar Matthäi (Heinz Rühmann) ist überzeugt,
dass sich der Täter weiter auf freiem Fuß
befindet. Mit unermüdlicher Energie und
kriminalistischem Gespür gelingt es ihm den Radius
des Täters zu lokalisieren. Schließlich quartiert
er sich sogar als Tankwart in einer Tankstelle ein
und benutzt eine junge Frau (Maria Rosa Salgado)
und ihr Töchterchen Annemarie (Anita von Ow) als
Köder.  Es geschah am hellichten Tag zählt
mittlerweile unumstritten zu den Klassikern des
deutschsprachigen Films. Durch seine nuancierte
Darstellung des "Mannes mit den Puppen" hat sich
Gerd Fröbe ins kollektive Bewusstsein nicht nur
deutscher Fernsehzuschauer gespielt.
Mitentscheidend für das Gelingen des Projekts war
aber auch die Entscheidung des Produzenten Lazar
Wechsler den berühmten Schweizer Romancier
Friedrich Dürrenmatt mit der Erstellung des
Drehbuchs zu beauftragen. Dürrenmatt war zwar
unzufrieden mit den ihm auferlegten
Einschränkungen, speziell was das Ende des Films
anbetraf, doch was Dürrenmatt als Manko empfand,
war vielleicht gerade das Erfolgsrezept von Es
geschah am hellichten Tag: die vergleichsweise
nüchterne Darstellung von Mattäis besessener
Suche, die ihn sehr viel stärker als klassische
Heldenfigur erfahrbar macht und das konventionelle
Happyend.  Dürrenmatt schrieb mit dem Roman Das
Versprechen eine Überarbeitung des Stoffes, der
erst jüngst, unter der Regie von Hollywoodstar
Sean Penn mit Jack Nicholson in der Hauptrolle,
verfilmt wurde. In den 90er-Jahren entstand im
Rahmen der German Classics ein aufwändig
gestaltetes TV-Movie-Remake (Joachim Krol in Gert
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Einschränkungen, speziell was das Ende des Films
anbetraf, doch was Dürrenmatt als Manko empfand,
war vielleicht gerade das Erfolgsrezept von Es
geschah am hellichten Tag: die vergleichsweise
nüchterne Darstellung von Mattäis besessener
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Heldenfigur erfahrbar macht und das konventionelle
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Versprechen eine Überarbeitung des Stoffes, der
erst jüngst, unter der Regie von Hollywoodstar
Sean Penn mit Jack Nicholson in der Hauptrolle,
verfilmt wurde. In den 90er-Jahren entstand im
Rahmen der German Classics ein aufwändig
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GR 9149
Erfahrungsbericht von Posdole über Es geschah am hellichten Tag
30.08.2004


Produktbewertung des Autors:   

Humor kein Humor 
Spannung ziemlich spannend 
Anspruch anspruchsvoll 
Action: wenig 
Romantik: null 

Pro: Guter Kriminalfilm, Fröbe, Rühmann, Simon
Kontra: .  .  .  allerdings weit von Dürrenmatts Intentionen entfernt

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht


„Neben der offenen Haustüre saß
ein alter Mann auf einer Steinbank.
Er war unrasiert und ungewaschen,
trug einen hellen Kittel, der schmuddelig
und verfleckt war... Er stierte vor
sich hin, verblödet, und ich roch
schon von weitem den Schnaps. ...
und hinter der Theke stand eine
hagere Frau. ... Die Frau begann zu
hantieren, und aus dem Nebenzimmer
kam eine schlampige Kellnerin, die ich
auf etwa dreißig schätzte. ‚Sie ist sechzehn’,
brummte der Kommandant.”
(aus: Das Versprechen)


Kein anderer als Friedrich Dürrenmatt selbst schrieb das Drehbuch zu einem der meist gefeierten deutschen Kriminalfilme aus dem Jahr 1958, bevor er im selben Jahr aus dem Stoff einen Roman schrieb, der den Untertitel „Requiem auf den Kriminalroman” trug. Offensichtlich unzufrieden nicht nur mit dem Ausgang des Films von Ladislao Vajda, sondern auch mit dem gängigen Krimi-Genre seiner Schriftstellerkollegen ließ Dürrenmatt seinen Roman nicht nur düster ausgehen (nämlich damit, dass die Hauptfigur im Wahnsinn endete). Er setzte auch andere Akzente bezüglich der entscheidenden Abschnitte der Geschichte, in der es vordergründig um die Suche nach dem Mörder mehrerer kleiner Mädchen geht.

Doch zunächst zur Handlung:


• I N H A L T •

Im Wald findet der Hausierer Jacquier (Michel Simon, in einer seiner phantastischen Rollen) die Leiche eines kleinen Mädchens. Er meldet dies den Behörden, und die Kriminalbeamten Feller (Siegfrit Steiner), Heinzi (Siegfried Lowitz) und Oberleutnant Matthäi (Heinz Rühmann), der eigentlich schon seinen Posten aufgeben wollte, beginnen mit den Ermittlungen. Gritli Moser heißt das Opfer, und Matthäi verspricht den entsetzten Eltern (Margrit Winter, Hans Gaugler), den Mörder zu finden.

Zunächst verdächtigen vor allem Heinzi und Feller den Hausierer, der die Tat jedoch abstreitet und verzweifelt seine Unschuld beteuert. Nur vage Indizien – etwa dass Jacquier Rasiermesser verkauft und Gritli mit einem solchen ermordet wurde – sprechen gegen ihn. Die Einwohner des Dorfes wollen der Polizei „die Arbeit abnehmen” und Jacquier lynchen. Für den alten Mann ist das alles zu viel. Eines Morgens finden ihn die Beamten erhängt in der Zelle, nachdem er tags zuvor gestanden hatte. Der Fall scheint klar. Doch Matthäi glaubt nicht an die Schuld Jacquiers.

Während sich die Dorfbewohner über den Selbstmord Jacquiers freuen, geht Matthäi etwas nicht mehr aus dem Kopf: eine Zeichnung der kleinen Gritli, die er im Klassenzimmer findet. Gritli malte einen großen, breitschultrigen Mann in dunkler Kleidung, der einem kleinen Mädchen „Igel” überreicht. Auf dem Bild ist zudem ein Tier gemalt, ein Steinbock. Matthäi glaubt, dass der wirkliche Mörder aus Graubünden stammt, weil der Steinbock das Wappentier des Kantons ist und auf jedem Autokennzeichen zu finden ist. Die „Igel” hält er für Schokolade, mit der der Unbekannte Gritli gelockt haben könnte.

Der Polizeikommandant (Heinrich Gretler) weigert sich, die Ermittlungen wieder aufzunehmen. Er hält wie alle anderen Jacquier für den Mörder. Und auch der Psychiater und Freund Matthäis, Prof. Manz, warnt den Oberleutnant, sich nicht in diese Sache zu verbeißen. Sonst lande Matthäi eines Tages bei ihm: als Patient. Andererseits hält es Prof. Manz für durchaus möglich, dass der Mörder ein Mann sein könne, der Frauen hasst – vielleicht weil er eine strenge, herrschsüchtige Mutter hatte oder mit einer solchen Frau verheiratet ist. Er könne Angst vor Frauen haben, und deshalb lasse er seinen Hass an wehrlosen kleinen Mädchen aus.

Matthäi ist entschlossen, den wirklichen Mörder zu suchen. Er mietet die Tankstelle eines Italieners an der Straße zwischen Chur und Zürich, nachdem er festgestellt hat, dass auch weitere Mädchenmorde in der Vergangenheit in der Nähe dieser Straße begangen worden und die ermordeten Mädchen sich ähnlich waren. Als er in der Nähe in einem Dorf die kleine Annemarie (Anita von Ow) trifft, die Gritli ähnlich sieht, ist er entschlossen, sie als Lockvogel für den Mörder einzusetzen. Er stellt ihre Mutter, Frau Heller (María Rosa Salgado), als Haushälterin ein. Von allen aus Graubünden kommenden Autos notiert sich Matthäi die Kennzeichen, um hernach zu erfahren, ob die Eigentümer Kinder haben. Prof. Manz hatte ihm erzählt, dass der Mörder wahrscheinlich keine Kinder habe. Matthäi wartet, überprüft Fahrzeuginhaber, wartet, freundet sich mit Annemarie an, die ihn mag. Doch eines Tages wird es ernst. Annemarie kommt aus dem Wald – mit schokoladeverschmierten Fingern ...


• I N S Z E N I E R U N G •

Das Anliegen der Produzenten des Films war es, die Öffentlichkeit für die zunehmenden Gewalttaten gegen Kinder in dieser Zeit zu sensibilisieren, Eltern zu warnen, ihre Kinder nicht allein durch einsame Straßen und dunkle Orte zu schicken. Dürrenmatt erklärte sich bereit, das Drehbuch für den Film zu schreiben. Heraus kam ein Streifen, der sicherlich als guter Kriminalfilm mit hervorragenden Schauspielern „durchgeht” und auch heute noch sehenswert ist. Dass der schweizerische Schriftsteller mit dem Ergebnis dennoch unzufrieden war, hat seine Gründe in den unterschiedlichen Intentionen der Filmemacher und des Schriftstellers. Der Film konzentriert sich auf die Aufklärung von Verbrechen eines Psychopathen an Kindern; der kurz darauf erschienene Roman „Das Versprechen” stellt den unzähmbaren Willen Matthäis ins Zentrum des Geschehens, die Wahrheit zu ergründen. An diesem Drang geht Matthäi letztlich zugrunde, fängt zu rauchen und zu trinken an und endet im Wahnsinn. Als die Polizei Jahre später von der sterbenden Frau des wirklichen Mörders erfährt, wer die Mädchen getötet hat, erreicht diese Information den kranken Matthäi nicht mehr. Er ist an seiner Gier nach „der Wahrheit” selbst zugrunde gegangen.

Im Film dagegen treffen wir auf einen Kommissar, der zwar auch nicht aufgeben will, den Mörder allerdings findet und nicht im Wahnsinn endet. „Es geschah am hellichten Tag” ist geprägt durch die Absicht der öffentlichen Warnung vor zunehmenden (Sexual-)Verbrechen an Kindern, also eine Art pädagogischer Aufklärungsfilm. Selbst in dieser Hinsicht kommt der Film allerdings nicht ohne Klischees aus – etwa der allzu simplen These vom von Frauen unterdrückten Mann, der seinen Hass an Kindern auslässt. Trotz der überzeugenden schauspielerischen Leistungen von Gert Fröbe und Rühmann, der hier endlich einmal in einer ernst zu nehmenden Rolle zu sehen war, fehlt dem Film das psychologische und, wenn man so will, auch philosophische Einfühlungsvermögen, das der Roman Dürrenmatts grandios verkörpert.

Die entscheidenden „Eckpunkte” der Geschichte werden samt und sonders visualisiert, aber derart verflacht, dass man dem Film nicht mehr (allerdings auch nicht weniger) als das Prädikat „guter Krimi” verleihen kann. Inwieweit Dürrenmatt selbst auf die Dreharbeiten Einfluss nehmen konnte, ist mir nicht bekannt. Seine Reaktion ist bekannt: „Das Versprechen.”


„Der Einzelne steht außerhalb
der Berechnung. Unsere krimi-
nalistischen Mittel sind unzulänglich,
und je mehr wir sie ausbauen,
desto unzulänglicher werden
sie im Grunde. Doch ihr von
der Schriftstellerei kümmert
euch nicht darum. Ihr versucht
nicht, euch mit einer Realität
rumzuschlagen, die sich uns
immer wieder entzieht, sondern
ihr stellt eine Welt auf, die zu
bewältigen ist. Diese Welt mag
vollkommen sein, möglich, aber
sie ist eine Lüge.”
(Fr. Dürrenmatt)

Zentral für die Geschichte sind u.a. folgende Gesichtspunkte:

1. Das Versprechen selbst. Es ist ein zentrales Moment, weil Matthäi dieses Versprechen nicht nur „so einfach” abgibt, sondern darin eine unabdingbare Verpflichtung gegenüber den Eltern sieht – und gegenüber sich selbst. Matthäi ist ein „Mann der Wahrheit”, einer der nicht aufgeben will, bis er sie gefunden hat. Das Versprechen verknüpft sich mit dieser inneren Verpflichtung eines Mannes, der voll und ganz von der kriminalistischen Methode überzeugt ist, die allein zur Wahrheit führe, wie er meint.

2. Die Kurzsichtigkeit. Die Vorurteile. Nur hauchdünn angedeutet im Film wird die klaustrophobische Enge dieses Örtchens, in dem die Bewohner sich der Mühe entziehen wollen, den wirklichen Täter zu fassen. Der Hausierer, der gemieden wird, der sowieso ein Outlaw ist, der schon oft mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist – das ist der optimale Täter, sozusagen der Täter par excellence. Und wenn man ihn gleich lynchen würde, wäre die Ordnung im Ort wiederhergestellt. Selbst die anderen Polizisten glauben fest an ihn als Täter. Ihren Glauben, der durch schwache Indizien kaum untermauert wird, stilisieren sie zur Wahrheit. Und was wahr ist, muss es bleiben und Konsequenzen nach sich ziehen. Wie wunderbar, dass Jacquier unter dem Druck des Verhörs gesteht, weil er nicht mehr kann, und wie noch wunderbarer, dass er sich selbst richtet. So entsteht Wahrheit.

3. Das Gespräch zwischen Matthäi und Prof. Manz. Das ist auch so eine Scheidelinie, eine Schneide-Linie, zwischen Wahrheit und Wahrheit, zwischen sich selbst zur Tugend erklärenden Kriminalistik und Wahrhaftigkeit. Es könnte ein Täter sein, der .... Aber Du könntest Dich verrennen.

4. Wahrheit und Märchen. Die kleine Gritli war zwar kein Rotkäppchen, aber ein Mädchen mit rotem Rock, das im Wald auf den „bösen Wolf” trifft. Ihr Mörder nutzte dies aus, dies, die kindliche Unschuld und die kindliche Wahrheit, die stark vom Märchen geprägt ist, aber auch von einem Fühlen und Denken, zu dem Erwachsene kaum noch Zugang zu haben scheinen. Auch Matthäi erzählt der kleinen Annemarie stundenlang Märchen, um es an sich zu binden, um Vertrauen zu schaffen, um es kontrollieren zu können. Demgegenüber steht eine Art erwachsene Kindlichkeit, dieses Hinschauen auf das Schreckliche, dann das Wegblicken vor Entsetzen und wieder das Hinschauen als Hinstarren, als Ausdruck des Unbegreiflichen. Im Film wird dies in einer Szene überzeugend inszeniert, ob mit Bedacht oder unbeabsichtigt, kann ich nicht beurteilen. Es ist die Szene, als Matthäi den Eltern die Nachricht von der Ermordung Gritlis überbringt. Der Vater kann es nicht glauben, die Mutter steht stumm und erstarrt in der Tür.

Mit dem Unfassbaren, dem Unbegreiflichen kommt weder Matthäi zurecht, noch irgendein anderer Erwachsener. Trotzdem muss er das Unbegreifliche, also das, was sich dem Verstand entzieht, überwinden, aus der Starrheit des Entsetzens fliehen. Wie? Der befreiende Akt besteht in der Instrumentalisierung der Situation. Das Kriminalistische wird zum Rettungsanker, zum Mittel dieser Instrumentalisierung – und auch Annemarie und ihre Mutter, vor allem diese beiden, werden im Namen der Wahrheit instrumentalisiert. Matthäi kommt es dabei recht, dass Frau Heller im Dorf gemieden wird, weil sie ein Kind hat und nicht verheiratet ist. Er nutzt diesen Umstand für seine Zwecke, wie er Annemarie als Köder benutzt.

Auch dieser Aspekt wird im Film zwar deutlich, aber nicht in seinen ganzen Ausmaßen, nicht als Ausdruck der Verselbständigung des Kriminalistischen, in dem die Wahrheit nicht mehr im Mittelpunkt steht, auch wenn Matthäi immer wieder als Mann dargestellt wird, dem es nur um die Wahrheit gehe. Wie schrieb Dürrenmatt? „Ihr versucht nicht, Euch mit einer Realität rumzuschlagen, die sich uns immer wieder entzieht, sondern ihr stellt eine Welt auf, die zu bewältigen ist.” Genau das – was Dürrenmatt hier seinen Kollegen Kriminalschriftstellern ins Stammbuch schreibt (der Untertitel des Romans lautet ja auch „Requiem auf den Kriminalroman”) – geschieht in Vajdas Film: Matthäi erreicht durch kriminalistisches Geschick die Lösung des Falls. Die Welt ist wieder in Ordnung, jedenfalls erst einmal. Er hat den Fall bewältigt, den Mörder gefunden. Die Motivation des Mörders ist „angesprochen” (Berta Drews in der Rolle der herrschsüchtigen Frau Schrott), das Kind Annemarie ist gerettet, die Dorfbewohner und seine Kollegen stehen vielleicht etwas dumm da – aber was zählt das noch? Der Mörder ist zum Schluss tot – aber was ist gewonnen?

Ist das alles „Wahrheit”? Welche Wahrheit? Die des Kindes Annemarie? Die seiner Mutter? Die Matthäis? Die seiner Kollegen und der Dorfbewohner? Die des Mörders? Die seiner Frau? Oder die Wahrheit der Kriminalistik? Und: Was haben diese Wahrheiten miteinander zu tun? Kreuzen sie sich, gibt es Schnittpunkte zwischen ihnen, Verbindungslinien? Oder bleibt jeder mit seiner Wahrheit allein? Welche Wahrheit zählt? Die des Hausierers? Wohl kaum. Die der Frau Heller? Wie wird es ihr ergehen, wenn sie ins Dorf zurückkehrt und wieder in der Fabrik arbeiten wird? Die Annemaries? ...

Jedenfalls scheint die Realität vertrackter und tückischer zu sein, als sich das mancher denkt.


• F A Z I T •

„Es geschah am hellichten Tag” ist ein guter Krimi. Alles andere steht in Dürrenmatts „Das Versprechen”, ein Roman, den es sich wirklich lohnt zu lesen. Auch Sean Penns Interpretation des Stoffs aus dem Jahr 2000 („Das Versprechen” mit Jack Nicholson in der Hauptrolle) kommt dem Anliegen Dürrenmatts übrigens nur stellenweise entgegen.

Wertung: 8,5 von 10 Punkten.

Es geschah am hellichten Tag
(US-Titel: It Happened in Broad Daylight)
Schweiz, Deutschland, Spanien 1958, 100 Minuten
Regie: Ladislao Vajda

Drehbuch: Friedrich Dürrenmatt, Hans Jacobi, Ladislao Vajda
Musik: Bruno Canfora
Director of Photography: Ernst Bolliger, Heinrich Gärtner
Schnitt: Hermann Haller, Julio Peñja
Produktionsdesign: Max Röthlisberger
Darsteller: Heinz Rühmann (Oberleutnant Matthäi), Siegfrit Steiner (Feller), Siegfried Lowitz (Heinzi), Michel Simon (Jacquier), Heinrich Gretler (Polizeikommandant), Gert Fröbe (Schrott), Berta Drews (Frau Schrott), Ewald Balser (Prof. Manz), María Rosa Salgado (Frau Heller), Anita von Ow (Annemarie Heller), Emil Hegetschweiler (Gemeindepräsident), Hans Gaugler (Herr Moser), Margrit Winter (Frau Moser), Anneliese Betschart (Lehrerin)

Internet Movie Database:
http://german.imdb.com/title/tt0051588

© Ulrich Behrens 2004

   

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Bewertung für Es geschah am hellichten Tag von masterfritte

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Kontra: nichts

Nur durch Zufall - eine Lernpause ließ mich den Fernseher einschalten - erwischte ich am Tag der Deutschen Einheit am späten Nachmittag das ZDF und fand mich in einem Film wieder, der mir von der ersten Szene an mehr als bekannt vorkam. Trotz dass ich ihn ... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
sehr hilfreich

05.10.2000
Ernstes Thema neu verfilmt
Bewertung für Es geschah am hellichten Tag von Volven

Pro: Gute Besetzung
Kontra: Kommt nicht ganz an das Original heran

Unter dem Obertitel „German Classics“ wurden Ende der 90er einige deutsche Filme neu verfilmt. Darunter eben auch der Rühmann-Klassiker „Es geschah am helllichten Tag“. Vorab kann ich schon mal sagen, dass die Neuverfilmung sehr ... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
Humor
Spannung
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sehr hilfreich

26.09.2001
Leider auch heute noch aktuell
Bewertung für Es geschah am hellichten Tag von bellastella

Pro: gute schauspielerische Leistung, spannend
Kontra: Kindermord ist leider auch heute noch ein Thema

Der Film "Es geschah am hellichten Tag" kenne ich noch von früher in der Version mit Heinz Rühmann als Kommissar. Diese alte Version ist für mich immer noch die spannendste und aufreibendste Version, die späteren Neuverfilmungen kamen an dieses Niveau nic ... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
Humor
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sehr hilfreich

11.10.2000
Es geschah am helllichten Tag
Bewertung für Es geschah am hellichten Tag von Raveaholic

Pro: Schöner altertümlicher Film
Kontra: ein wenig langweilig

In dieser Verfilmung von Friedrich Dürrenmatts Buches spielen Dr. Matthäi, Gritli Moser, und Jaquier die Hauptfiguren. Dieser Film spielt sich Ende der 50er Jahre in der Schweiz ab. Der Hausierer Jaquier geht gerade Richtung St. Gallen als er über die ... Bericht lesen

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Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
hilfreich

25.04.2002

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In sich stimmig
Bewertung für Es geschah am hellichten Tag (DVD) von  Eminencia

Pro: alles
Kontra: -

...Filmkritik zu: - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Es geschah am hellichten Tag (DVD) - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - ?In sich stimmig? Nachdem ich vor einiger Zeit ?Es geschah am hellichten Tag? aus dem Jahr 1996 gesehen hatte, habe ich mir nun auch den gleichnamigen Film aus dem Jahr 1958 angeschaut: Schnell merke ich, dass sich Ladislao Vajdas ?Es geschah am hellichten Tag? aus dem Jahr 1958 zumindest bild- und tontechnisch stark von dem 1996 gedrehten, gleichnamigen Film unter der Regie Nico Hofmanns unterscheidet. Während in der neueren Version grelle Farben und musikalische Klänge dominieren, sehe ich die Charaktere im alten Film durch triste Schwarz-Weiß-Szenen stapfen, die immer dann, wenn Unheil droht, mit kreischend-lautem Orchestral-Geknurre untermalt werden. Die... Bericht lesen

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sehr hilfreich
01.01.1970
Greller Klischee-Krimi
Bewertung für Es geschah am hellichten Tag - German Classics (DVD) von  Eminencia

Pro: Axel Milberg; Spannung
Kontra: grelle Farben; Klischees; Dialoge

...Filmbesprechung zu: - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG (DVD) - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Greller Klischee-Krimi Ein Film mit knallbunten Farben, von der satt-grünen Wiese bis hin zum schrill-gelben Hemd. Zu welchem Genre könnte solch ein buntes Werk wohl zählen? Handelt es sich vielleicht um einen fantasievollen Träum-Dich-Weg-Film á la ?Amélie?, um ein quietschiges Kult-Märchen á la ?Alice? oder etwa um das Remake eines Krimis - konkret des 1958 entstandenen Klassikers ?Es geschah am hellichten Tag?? Ja, tatsächlich, 1996 hat sich Produzent Bernd Eichinger an ein Remake des viel gelobten Kriminalfilms mit Rühmann und Fröbe gewagt. Unter der Regie von Nico Hofmann wurde eine Schar von ziemlich populären... Bericht lesen

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01.01.1970
Wir haben einen Sündenbock
Bewertung für Es geschah am hellichten Tag (DVD) von  XXLALF58

Pro: Einfach genial
Kontra: Nachteile sind mir keine bekannt

...So, und nochmals ein Krimi-Bericht. Nur diesmal las ich kein Buch, sondern wir sahen uns die DVD "Es geschah am helllichten Tag" an, weil ich das Thema, in dem die Staatsanwaltschaft einen Fall für abgeschlossen erklärt, sobald sie einen "Sündenbock" gefunden haben, nochmals aufgreifen wollte. Inspiriert dazu hat mich dazu mein vorheriger Buch-Bericht "Krieg!", dem ich die Überschrift "Krimi mit sozialkritischem Hintergrund" gab. Nun zuerst zum Filminhalt Mit einer recht düsteren und durchdringenden Musik fängt dieser Film "Es geschah am helllichten Tag" an, wobei der Hausierer Jacquier (Michel Simon) im Wald von Mägendorf, ganz zufällig auf die Leiche des kleinen Mädchen Gritli Moser stößt. Verängstigt und verstört rennt nun Jacquier ins nächste Gasthaus und alarmiert von dort aus die Polizei, genauer gesagt Kommissar Matthäi (Heinz... Bericht lesen

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01.01.1970

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    (+) interessante Story / starke Darsteller / durchgehend spannend inszeniert / erschreckende Bilder (-) Einbau von mehr surrealen Elemente wäre schön gewesen / Persönlichkeits-Wand lung des Jungen nicht ganz nachvollziehbar (*)
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