Ethisch denken und handeln
Von Hans-Günter Gruber
Einleitung. Dieser Bericht hat mit dem Essen und Trinken nichts zu tun. Es geht um ein Buch, das ich vor Kurzem von einer meinen Bekannten ausgeliehen habe. Wir handeln jeden Tag, treffen viele Entscheidung. Oft stellen wir uns die Frage: War das richtig oder falsch? Grundzüge der Ethik können uns dabei helfen.
Buchtitel:
Ethisch denken und handeln , Grundzüge einer Ethik der Sozialen Arbeit
Von Hans-Günter Gruber
250 Seiten
Lucius&Lucius Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart, 2005
ISBN 3-8282-0310-8
Inhalt
1. Kapitel: Ethik in der Sozialen Arbeit
2. Kapitel: Ethos der Sozialen Arbeit
3. Grundlagen und Kennzeichen ethisch verantwortlichen Handelns
4. Kapitel: Ethische Entscheidungsfindung in der Praxis Sozialer Arbeit
Das Aussehen.Auf der Vorderseite des Buches lese ich den Titel und den Autor, auch den Hinweis, dass dieses Buch von der Katholischen Stiftungsfachhochschule herausgegeben wurde. Es ist ein Bild drauf: zwei Personen stehen an einer Kreuzung und schauen auf die Richtungspfeile.
Auf der Rückseite ist eine kurze Zusammenfassung des Buches zu finden.
Zum Buch. Der Beruf der Sozialarbeiterinnen wird als "helfender Beruf" bezeichnet. Die Hilfeleistung kann Beratung, Betreuung, aber auch Kontrolle sein. In meinem Beruf muss ich das Personal auch beraten und kontrollieren. Deswegen war dieses Buch für mich von Interesse.
Kleiner Exkurs: Zuerst erkläre die beiden Fachbegriffe "Ethik" und "Moral", häufig werden die beiden Wörter in der Fachliteratur verwendet. Nun möchte ich deren sprachliche Herkunft beleuchten: das Wort "Ethik" stammt vom griechischen Wort "E´thos", das "gewöhnlichen Ort des Lebens, Charakter, Brauch, Gewohnheit und Sitte" bedeutet. (vgl. DUDEN 1998, 165) Das Wort "Moral" bedeutete in der lateinischen Sprache "Sitten, Charakter".
Gruber betont, dass "die Ethik ...ist eine praktische Wissenschaft, die Antwort zu geben versucht auf die Frage, wie der Mensch sein und handeln muss, damit sein Leben gelingt. Sie dient der Orientierung und Beratung von Handlungsträgern und -trägerinnen" (Gruber, 2005, 20)Die Ethik spielt in der Sozialen Arbeit eine wichtige Rolle: "indem sie der Sozialen Arbeit ihre wissenschaftlich fundierten Einsichten über lebenswichtige ethische Güter, Werte und Normen zur Verfügung stellt, hilft sie dieser, ihr Tun zu reflektieren und ihre Ziele vor sich und der Gesellschaft zu begründen" (Gruber, 2005, 22)
Werte und Normen Nun möchte ich die einzelnen ethischen Werte erläutern.
Solidarität Das Solidaritätsprinzip nimmt seinen Ursprung im 18. Jahrhundert, in Frankreich, bei der Entwicklung einer freien Gesellschaft, wo jeder Mensch als "Subjekt und Träger der politischen Herrschaft" angesehen war. (vgl. Gruber, 2996, 94) Was heute unter Solidarität verstanden wird, erläutert in seinem Buch Gruber : "Solidarität wird damit zu jener ethischen Haltung, die gekennzeichnet ist vom Füreinander-Einstehen im Aufbegehren gegen Lebensbedingung, die dem Menschen, die der persönlichen Würde und Entfaltung des Menschen entgegenstehen, seien diese Bedingungen nun politischer oder wissenschaftlicher Natur." (Gruber, 2006, 96) Es ist gegenseitige Haftung, und nicht nur in Gefahr und Notlagen; dieses "Füreinander-Einstehen" sind die Würde und freie Entfaltung jeder Einzelperson in der Gesellschaft sehr wichtig. Von der Solidarität wird kein ausgegrenzt, es heißt, dieses Prinzip beschränkt sich nicht auf bestimmte Gruppen, es gibt für alle Mitglieder der Gemeinschaft.
GerechtigkeitGruber betont, die Gerechtigkeit "ist jene Grundhaltung, die darauf abzielt, der einzelnen Person ihren Platz und ihre Würde in der Gesellschaft zu sichern. In der individualethischen Hinsicht ist damit die Bereitschaft gemeint, jedem Menschen von der Gemeinschaft her dazukommen zu lassen, worauf er kraft seiner Würde als Mensch Anspruch hat. Sozialethisch bedeutet dies seitens des Einzelnen wie der Gesellschaft als Ganzes, extreme Chancenungleichheiten zu beseitigen und gerechte gesellschaftliche Strukturen abzubauen." (Gruber, 2005, 89) Diese beiden Aspekte sind sehr wichtig im Bereich der Sozialen Arbeit: einerseits beschäftigen sich Sozialarbeiter mit der Beseitigung und Problemlösungen für benachteiligte Personen, andererseits sind die Sozialarbeiter beteiligt an der Gestaltung gesellschaftlicher Strukturen, die sozialer Gerechtigkeit entsprechen. (vgl. ebd.)
Was ich noch Wissenswertes im Buch "ethisch denken und handeln" von Hans-Günter Gruber gelesen habe. Gruber bezeichnet in seinem Buch Toleranz als Lösungsmodell im Umgang mit Überzeugungskonflikten. Der Mensch als Person ist das oberste Ziel und Richtmass allen Handelns in der Sozialen Arbeit. Ich finde, dieses Prinzip gilt nicht nur für die Soziale Arbeit, sondern für jeden Bereich, wo mit Menschen gearbeitet wird.
Im dritten Kapitel werden von Herrn Gruber einige Handlungsmodelle vorgestellt und bewertet. Zum Beispiel, das legalistische Modell einer reinen Gesetzesethik, das utilitaristische Modell einer einseitigen Folgenethik. Diese sind sehr gut erläutert und beschrieben. Auch in diesem Kapitel geht er auf das Thema "ethisch verantwortliches Handeln" ein. Er erläutert den Ansatz von Max Weber "die Verantwortungsethik".
Im letzten Kapitel legt er das Augenmerk auf das Thema "Handeln im Konflikt", "Kriterien und Orientierungshilfen ethischer Entscheidungsfindung". Gruber betont, wie wichtig es ist, üble Folgen abzuwägen. Auf der Seite 215 ist eine grafische Darstellung des Prozesses der ethischen Entscheidungsfindung zu finden. Es besteht aus vier Bausteinen: Gesinnung, eingesetzte Mittel, Zielen und Folgen. Dieses ethische Entscheidungsmodell kann, denke ich, jeder in seinem alltäglichen und beruflichen Leben anwenden.
Fallbeispiel (Seite 221)Ein Zivildienstleistender hat den Auftrag, einen Mann, der im Rollstuhl sitzt, mit dem VW-Transporter zu einer ärztlichen Untersuchung zu fahren. Beim Anschnallen des Rollstuhlfahrers weigert sich der Rollstuhlfahrer, angeschnallt zu werden. Der Zivildienstleistender gerät in eine ethische Konfliktsituation. Warum?
Der behinderte Mann pocht auf sein Selbstbestimmungsrecht - will nicht angeschnallt werden.
Andererseits ist der Zivildienstleistender für die Beförderung des Behinderten verantwortlich: laut der Straßenverkehrsordnung muss der Mann angeschnallt sein (da es die Gefahr besteht, bei einem Unfall würde sich der Behinderte tödliche Verletzung zufügen.)
Der Zivildienstleistender kann auf den Mann einreden und ihm erklären, dass er ihn anschnallt, weil seine Gesundheit im Vordergrund steht. Würde der Mann seine Entscheidung nicht ändern, ist der Zivildienstleistender gezwungen, diese Fahrt nicht anzutreten, weil der Zivildienstleistender für die Sicherheit des Transportes verantwortlich. Da der Fahrer bei einem Unfall alle negativen Folgen zu verantworten hätte.
Meine Einschätzung. Dieses Buch ist gut geschrieben: einfache Sprache, mit vielen Bespiele.
Ich habe in meinem Bericht nur die wichtigsten (für mich) Punkte aus diesem Buch erläutern. Dieses Werk ist sehr ausführlich. Ich hoffe, jeder findet etwas Nützliches für sich in diesem Buch.
Wir handeln jeden Tag, jeden Tag begegnen wir viele Menschen, treffen Entscheidungen ... und jeden Tag stellen wir uns die Frage: war unsere Handlung moralisch richtig oder falsch? Es gibt kein Muster, das wir in jeder Konfliktsituation anwenden können. Und die ethischen Werte und Normen können uns dabei helfen, ethisch richtige Entscheidungen zu treffen.
Vielen Dank für das Lesen, Bewerten und viele Kommentare!
22.01.2013 23:10
Klasse Bericht. LG Caudia =:o)
09.01.2013 16:21
Ein prima Erstbericht, dem ich aber dennoch die Höchstwertung versage: Offensichtlich sind weder der Buchautor noch die Berichtende in der modernen Philosophie, die eine berechtigte Kritik an ethischen (und anderen) Vorgaben beinhaltet, angekommen, sondern stecken immer noch im späten 19. / mittleren 20 Jahrhundert. Die Philosophie ist inzwischen weitergekommen, Vorschriften ("du sollst ...") sind unterm Strich schädlicher als sie von sich selbst denken. Besonders die Utilitaristen des agelsächsischen Denkraumes stecken da sowas von fest ...
30.03.2012 21:48
toller Bericht - schönes Erstlingswerk - LG mick