Erfahrungsbericht über

Sandman: Ewige Nächte / Neil Gaiman, Glenn Fabry, Milo Manara, Frank Quitely

Gesamtbewertung (1): Gesamtbewertung Sandman: Ewige Nächte / Neil Gaiman, Glenn Fabry, Milo Manara, Frank Quitely

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Sensationeller Nachschlag

5  04.06.2010

Pro:
unterhaltsam, interessant, ideenreich, fantasievoll

Kontra:
nix

Empfehlenswert: Ja 

templerthomas

Über sich: Nordkorea - eine Diktatur die weitaus brutaler ist als viele denken, Bericht dazu ist online

Mitglied seit:05.10.2007

Erfahrungsberichte:1224

Vertrauende:331

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 120 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Vorwort, Was ist der Sandman?:

Die Sandman Serie von Neil Gaiman gilt zu Recht als d a s Comic Meisterwerk des letzten Jahrhunderts. Ursprünglich in 75 monatliche Episoden erschienen kam sie im deutschsprachigen Raum in 10 Bänden heraus.

Der erste Band Preludes and Nocturnes (Präludien und Notturni) wurde mir von einem Freund empfohlen und ich war noch sehr skeptisch.
Bald war aber klar das der Sandman ein philosophisches und künstlerisches Meisterwerk in Comicform ist.

1916 wird der Herrscher über die Traumwelt Morpheus von einem Schwarzmagier Roderick Burgess gefangen genommen. Dieser wollte zuerst dessen Schwester - den Tod (! schon eine Vorstellung die ich gleich teilte, der Tod ist für mich auch mehr wie eine Schwester als wie ein übelgelaunter schwedischer Schachspieler) fangen bekam aber Morpheus in seinen Bannkreis. Morpheus ist in dem Kreis gefangen bis sein Peiniger stirbt und ihn an seinen Sohn "weitervererbt". Dank einem kurzen Schlaf eines seiner Wächter kann er fliehen und sich rächen. Nun muss er aber das Traumreich wieder ordnen.

In der Sandman Serie geht es auch um andere Ewige. Sie sind keine Götter - die laut Gaiman auch vergänglich sind sobald niemand mehr an sie glaubt - sondern immer da. So ist der neue Band allen Ewigen gewidmet. Die Zeichnungen sind sehr kunstvoll, die Story interessant und die Verknüpfungen mit der realen Welt gelungen. Nach dem ersten Band musste ich die Story einfach weiterverfolgen. Vor allem die Konzeption der "Ewigen" hat mich fasziniert. Gaiman schafft es in sein Universum vom Satan bis zu den altägyptischen Göttern über Hexen und Dämonen alles zu integrieren was Relgion und Fantasy zu bieten haben.
Aber noch kurz zum Sandman.

Weiter geht sie übrigens mit
The Doll's House (Das Puppenhaus) - dem Wiederaufbau des Traumreiches
Dream Country (Traumland)
Kurzgeschichten

und meiner Lieblingsgeschichte
Season of Mists (Die Zeit des Nebels)
in der Luzifer beschließt die Hölle zu verlassen und Morpheus die Schlüssel übergibt. Morpheus muss folglich einen Nachfolger finden...
und trifft eine überraschende Wahl.

Hier findet sich auch meine Lieblingsszene in der der Teufel (übrigens ein gutaussehender Mann) über Gott siniert und dabei mit einem Mann spricht der wenig Glück in seinem Leben hat. Am Schluß kommen sie beide zur Erkenntnis das Gott den Sonnenuntergang herrlich hinbekommen hat.

A Game of You (Über den See zum Himmel)
Fables and Reflections (Fabeln und Reflexionen)
Brief Lives (Kurze Leben)
Hier suchen Morpheus und seine immer verwirrte Schwester Delirium ihren Bruder Destruction (der eigentlich nicht gefunden werden will)
Worlds' End (World's End)
ist eine erstklassige Kurzgeschichtensammlung
The Kindly Ones (Die Gütigen)
The Wake (Das Erwachen)
sind der Ausklang der Serie... auch positiv da hier ein Comic auch mal ein Ende hat.
Autor:

Sandman war auch der Durchbruch für Gaiman. Zuvor studierte er Journalismus Er erhielt einen Auftrag von DC Comics und verfasste die Mini-Serie Black Orchid. Die ist insofern interessant als hier die Hauptperson schon zu Beginn stirbt und eine Art Doppelgängerin die HIntergründe von deren Ermordung klären muss. Mir hat auch dieses Comic sehr gefallen. Gelesen habe ich es freilich erst nachdem ich Sandman für mich entdeckte. Besonders gut gefallen hat mir als altem Batman Fan die konträre und doch respektvolle Sichtweise auf Batman. Zudem gibt es in dem Comic erstklassige Gedichte und Zitate. Ein Markenzeichen von Gaiman, er bringt immer wieder Gedichte und Zitate in seine Comics ein.

Die Sandman Serie ist absolut lesenswert. Von seinen anderen Comics habe ich wie erwähnt nur Black Orchid gelesen. Erfolgreich war noch Books of Magic in dem er schon Anfang der 90er eine Art Harry Potter Comic gestaltete.
Gaiman beendete den Sandman übrigens 1996. Nicht weil niemand mehr sie lesen wollte sondern weil er eine Ende finden wollte. Auch ein Vorteil dieses Autors, kommerzieller Erfolg steht für ihn nicht über seinen künstlerischen Ideen.

Mittlerweile ist Gaiman sehr erfolgreich. Seit seinem ersten Roman - Ein gutes Omen - schrieb er zuerst Kurzgeschichten. Der nächste Roman - Stardust - wurde verfilmt. Für mich war Stardust jedoch eher ein Abstieg. Ein gutes Buch aber nicht so bewegend wie seine Sandman Comics. Dann folgte der erstklassige Roman American Gods mit dem ihm auch der Durchbruch als Romanschreiber gelang. Derzeit rangiert er unter den Top-Ten der (noch lebenden) postmodernen Autoren im Dictionary of Literary Biography. Daneben schrieb Gaiman Kinderbücher wie The day I swapped my dad for two goldfish, Coraline und Wolves in the Walls.
Daten:

Broschiert: 164 Seiten
Verlag: Panini Manga und Comic; Auflage: 1 (17. Januar 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866072708
ISBN-13: 978-3866072701
Preis: 19,95 Euro bei amazon.de (ich kaufte das Buch bei der Buchhandlung Brunner um 20,40 Euro, wir Österreicher müssen sowieso dank unserem noch gierigeren Staat immer ein bischen mehr bezahlen)

Inhalt:

In Ewige Nächte kehrt Gaiman nochmals zu den Ewigen zurück. Der Band ist praktisch ein Nachschlag zur Sandman Serie. Er widmete diesen Band aber nicht nur dem Sandman sondern jedem Ewigen einen eigenen Abschnitt.
Der Band ist auch insofern gelungen als jeder ihn lesen kann. Auch Leser die keinen einzigen Sandman gelesen haben finden sich zurecht. Spannender ist der Band natürlich wenn man Sandman und die anderen Ewigen schon kennt.

Jedes der sieben Kapitel von Ewige Nächste ist einem der Ewigen gewidmet.

Tod in Venedig
beginnt verwirrend. Ein Graf lässt sich zu Beginn einer Feier von einem Elefant töten und alle aplaudieren amüsiert. Man fragt sich als Leser was dies soll und hat gleich auf der nächsten Seite eine anscheinend komplett andere Geschichte über einen amerikanischen Soldaten der in Venedig einer "Erscheinung" aus seiner Kindheit nachforscht.

Der Soldat traf als Kind auf einer einsamen Insel bei Venedig eine Frau die ihn bat ein Tor aufzubrechen. Er schaffte dies nicht, blieb aber Zeit seines Lebens von der Frau fasziniert. Diese Frau ist schlussendlich der Tod. Bei Gaiman eine sympathische, attraktive, humorvolle Frau. Als ihn seine Verwandten finden verschwindet sie, bleibt aber in seiner Erinnerung.

Darauf folgt verwirrenderweise eine weitere Geschichte mit dem Grafen und seiner Gesellschaft. Diesmal büßen sie.

Wieder auf der Insel trifft der Soldat den Tod wieder und schafft es diesmal das Tor aufzubrechen. Hinter dem Tor treffen sie auf den Grafen und auf seine Gesellschaft aus dem 18. Jahrhundert.
Sensationell. Die Geschichte ist gleich mein Favorit.

Nachdem ich von Gaimans Kurzgeschichten enttäuscht war zeigt sich hier wieder was er kann.

Die Zeichnungen von P. Craig Russel sind sehr gelungen. Die Geschichte hat Gaiman nach dem 11.9. geschrieben und bezieht sich auf Thomas Manns Tod in Venedig und auf Edgar Allan Poes Masque of the Red Death.
Die zwei Teile der Story verschmelzen zuletzt gekonnt. Gaiman schafft es wieder einmal dem Tod ein positives Image zu verpassen und der zuerst unlogisch anmutenden Story eine stimmige Handlung zu geben.

Die erste Geschichte ist damit schon ein Highlight des Bandes.

Der Geschmack der Begierde

handelt von einer jungen, keltischen Frau die sich nach dem Dorfhäuptling verzehrt. Desire (Verlangen) hilft ihr ihn zu erobern.
Milo Manaras Zeichnungen sind schon etwas ungewohnt für das Sandman Umfeld, aber die Geschichte kann auch auf ganzer Linie überzeugen. Zu Desire passt sie sehr gut, ebenso wie die ausschweifenden Zeichnungen von Senor Milo.
Hier hat sich nicht der Zeichner an den Autor sondern der Autor an den Zeichner angepasst.

Das Herz eines Sterns

Eine geniale Geschichte in der es um Dream geht bzw. um seine Freundin Kilalla. Die Geschichte zeigt auch wie es zur ewigen Animosität zwischen Dream und Desire kam. Zuletzt ist die Idee einer Konferenz der Sterne sehr fantasievoll.

15 Porträts von Despair (Verzweiflung)

Nachdem Despair schon in Das Herz eines Sterns kurz auftaucht und einem roten Riesen eine grausame Idee vorbringt wird ihr hier ein ganzes Kapitel gewidmet.
Darum geht es um Geschichten von Menschen denen schlimmes wiederfährt.
Dave McKean zeigt hier sein ganzes schöpferisches Können. Die Geschichten an sich sind sehr düster.

Nach Innen

Fünf Irre befreien Delirium (Irrsinn) aus einer Situation in die sich selbst brachte. Interessant ist hier wie Gaiman Irrsinn definiert. Verschwörungstheoretiker bekommen hier genauso ihr Fett ab wie selbsternannte esoterische Religionsstifter.
Aber sind wir mal ehrlich - bei diesen zwei Gruppen gibt es ausnahmslos viele Irre. Ich kann da Gaiman nur zustimmen. Es ist aber auch eine positive Geschichte da eine Kranke durch ihre selbstlose Tat gerettet wird.

Bill Sienkiewicz Zeichnungen haben mich verwirrt. Aber darum geht es in dieser Geschichte auch. Ein klarer Handlungsstrang bzw. schön geordnete Zeichnungen wären bei Delirium fehl am Platz gewesen.

Destruction: Auf der Halbinsel

Diese Geschichte handelt weniger vom Ewigen Destruction der sich hier mit Delirium auf einer italienischen Halbinsel
befindet sonder um die Archäologin Rachel die von einem Kollegen eine Ausgrabungseinladung genau auf diese Halbinsel erhält. Rätselhafterweise graben sie nicht die Vergangenheit sondern die vermeintliche Zukunft aus.
Glenn Fabrys Zeichnungen sind ebenso gelungen wie die Story.


Ewige Nächte
Diese Geschichte ist Destiny (Schicksal) gewidmet und insofern sehr philosophisch. Sie ist jedoch nicht unbedingt meine Lieblingsgeschichte sondern eher die schwächste Geschichte des Bandes. Das sie dennoch ein gut von mir erhält zeigt wie genial der Band geworden ist.

Fazit:
Ewige Nächte ist fantasiereich, hervorragend gezeichnet, sehr unterhaltsam, sehr stimmig und eine Fundgrube für alle Sandman-Fans. Ich kann Ewige Nächte aber auch allen empfehlen die den Sandman noch nicht kennen. Wer intelligente Fantasy und/oder außergewöhnliche Comics mag sollte Ewige Nächte lesen.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
skyex

skyex

14.06.2010 21:38

toller Bericht, DANKE für Deine Lesung, skyex

sunflower76

sunflower76

08.06.2010 22:42

Ich glaube fast, damit kann ich nichts anfangen! LG, Dani

greantea

greantea

08.06.2010 21:40

bh

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