Fulminantes Historienepos der Spitzenklasse
26.03.2004
Pro:
grandios inszeniert, detailreiche Ausstattung, sehr symbolträchtig, beste Artus - Verfilmung, sehr passende Musik
Kontra:
wirkt etwas angestaubt und holprig
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
mehr
 carmen
Über sich:
manchmal da....
Mitglied seit:15.12.1999
Erfahrungsberichte:1045
Vertrauende:148
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 112 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Die beiden anderen Filmtips für heute und morgen Abend konnte ich ja gottseidank recyceln, aber für diesen hier hab ich mich gestern noch hingesetzt und mir diesen Schinken reingezogen, um euch adäquat beraten zu können. Der Film läuft am Sonnabend (27.3.) um 20.15 auf Kabel1. ** Die Geschichte ** "Die dunklen Jahre. Das Land war zerstückelt und ohne König. Und in diesen verlorenen Jahrhunderten entstand eine Legende... Vom Zauberer Merlin, vom neuen König, vom Schwert der Macht...Excalibur."
Wieder einmal führen britische Fürsten Krieg gegeneinander, unter ihnen Uther Pendragon (Gabriel Byrne), der um das Privileg kämpft, mit Hilfe des legendären Schwertes Excalibur der neue König zu werden, wie es Merlin (Nicol Williamson) ihm versprochen hat,. Doch der sähe Excalibur lieber als Friedensstifter denn als Kampfmittel. Dennoch vertraut er es Uther an, der damit als erstes den Fürsten Cornwall (Corin Redgrave) zum Untertanen gewinnt. Der Waffenstillstand wird anschließend auf dessen Burg gefeiert. Dort verliebt sich Uther leider unsterblich in Cornwalls Frau Igayrne (Katrine Boorman) und will sie unbedingt besitzen. Das Bündnis zerbricht und die beiden führen wieder Krieg. Jetzt kann nur noch eine List helfen. Merlin läßt in der Nacht den "Atem des Drachen", dichten Nebel, aufkommen, gibt Uther das Aussehen von Cornwall, um ihm eine Nacht mit Igayrne zu gewähren. Aber der Preis ist hoch, denn Uther mußte schwören, seinen ersten Sohn an Merlin auszuliefern. In dieser Nacht stirbt Cornwall genau in dem Moment, als es Uther - übrigens in voller Rüstung - mit der Frau des Feindes treibt. Nur Morgana, die Tochter bemerkt den Unterschied. In dieser Nacht wird ein Knabe gezeugt, Arthur. Doch der König muß ihn an Merlin abgeben wie geschworen. Kurze Zeit später gerät Uther in einen Hinterhalt. Kurz vor seinem Tode kann er jedoch Excalibur in Sicherheit bringen und rammt es in einen Stein. Nur der, der das Schwert aus dem Stein ziehen kann, wird einmal König sein.
Viele Jahre später befleißigen sich immer wieder Ritter bei Kampfspielen um die Gnade, den Versuch zu wagen, das Schwert aus dem Stein zu ziehen. Arthur (Nigel Terry) wurde von einem Fürsten adoptiert, weiß nichts von seiner adligen Herkunft und dient seinem Stiefbruder Kay als Knappe. Als ihm bei einem Turnier dessen Schwert verloren geht, läuft er kurzerhand in den Wald und zieht Excalibur aus dem Stein. Und wird - gegen den Widerstand einiger Fürsten - zum König ernannt. Es dauert eine Weile, bis er begreift, was es für ihn als König zu tun gibt. Schließlich schart er eine Reihe Ritter um sich, besiegt seine Gegner und schafft es zum ersten Mal, dem Land Frieden zu geben, weil die Ritter an ihn als König glauben. Nur ein einziger Ritter widersetzt sich ihm - Lancelot (Nicolas Clay), ein Ritter von jenseits des Meeres. Dank Excalibur besiegt Arthur auch ihn und macht ihn zum ersten Ritter. Er läßt einen runden Tisch bauen und gründet die Tafelrunde.
Es beginnen die sogenannten Goldenen Jahre für England. Doch das Unheil naht schon. Es beginnt, als Lancelot des Königs Braut Guenevere (Cherie Lunghi) zur Hochzeit geleiten soll und sich in sie verliebt. Außerdem ist da noch Morgana (Helen Mirren), die Halbschwester Arthurs, die sich mit Merlin ein Ringen liefert um dessen Zauberkünste und mit Artur um die Herrschaft und den Thron. Nun entbrannt ein dramatischer und erbitterter Kampf zwischen Gut und Böse, begleitet von Inzest, Verrat, Loyalität, Liebe und die Suche nach dem heiligen Gral.
** Darsteller ** Von den unzähligen Darstellern, die in diesem gewaltigen Epos mitwirken, sind dem Augenschein nach nur wenige bekannt. Einige erkennt man nicht einmal, weil sie noch jung sind und noch ganz anders aussehen als heute, wo sie bekannter sind. Doch schaut man sich die Besetzungsliste an, sind da schon einige Schauspieler vertreten, die jetzt einen Namen haben. Bezeichnenderweise sind dies alles die Nebendarsteller. Gabriel Byrne (Codename Nina, Stigmata) hat hier als König Uther nur einen kurzen Auftritt. Den hätte ich zum Beispiel nicht erkannt, obwohl mir sein Gesicht was sagte. Allerdings hatte er auch die ganze Zeit den Harnisch auf.
Für die Charakterdarstellerin Helen Mirren (TV-Reihe Heißer Verdacht, Tötet Mrs Tingle, Kalender Girls) hatte die Rolle der boshaften und intriganten Morgana etwas zu einseitiges, auch wenn sie überzeugend spielt. Liam Neeson (Suspect, Schindlers Liste, Star Wars) ist gelegentlich als Ritter Gawain zu sehen, Patrick Stewart (Star Trek, Fletchers Visionen) als Ritter Leondegrance und Corin Redgrave (Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Im Eishaus) als Fürst Cornwall.
Über Nigel Terry (Artur) habe ich nicht viel gefunden. Er spielte zwar noch in ein paar Filmen mit (Caravaggio, Der Löwe im Winter), blieb aber weitgehend unbekannt. Allerdings, wer genau hinsehen will, demnächst ist er zu sehen in Fear dot com. Auch Nicol Williamson (Merlin) sah man nur noch in ein paar Filmen, u. a. in "Robin und Marian" und "Spawn".
Nicholas Clay (Lancelot) kam ebenfalls nicht zu Ruhm, obwohl er in "Lady Chatterleys Liebhaber" von 1981 noch einmal eine große Rolle hatte. Zu Paul Geoffrey (Perceval) habe ich nur noch den Film "Greystoke" gefunden. ** Filmkritik ** Wer sich für Mythen, Legenden, Ritter und den Kampf Gut gegen Böse begeistern kann, der sollte sich diesen Film, der übrigens nach Sir Thomas von Malory's "Le Morte D'Arthur" von Rospo Pallenberg adaptiert wurde, ansehen.
Das erste Mal habe ich ihn sogar noch zu tiefsten DDR-Zeiten im Kino gesehen und auf Anhieb wegen der Musik gemocht. Dazu werde ich später noch was sagen. Allerdings war er für mich damals nicht leicht zu verstehen - ich war ja noch jung. Ich fand ihn kolossal, aber grausam und sehr rätselhaft. Dennoch zählte er seit dieser Zeit zu den Filmen, die ich mir immer wieder ansehe. Dennoch mache ich heute natürlich einige Abstriche, denn auch mein Geschmack hat sich verändert. Zunächst einmal bleibt ein Eindruck bestehen: Das Werk ist düster, gleichzeitig aber auch farbenprächtig, sehr blutig und mystisch. Ähnlich wie bei dem gerade von miss_varna spektakulär gut beschriebenen Jesus-Film zeigt auch dieser hier recht drastisch die Realität des Mittelalters: da wurde abgeschlachtet, was das Zeug hielt. Keiner war sicher und die Methoden der Feindesbekämpfung rigoros. Allerdings überwiegen diese Szenen nicht dermaßen ausufernd, dass einem zwangsläufig davon schlecht wird.
Allerdings, und das habe ich nun gestern wieder deutlich gemerkt, ist der Film mit seinen 23 Jahren schon etwas märchenhaft veranlagt. Die Texte sind nicht gerade tiefgründig, die Handlung hat eine sehr einfache Struktur, ist natürlich angesichts des enormen Zeitverlaufs der Legende sehr gestrafft und versimpelt; kurz, der Film mutet schon stellenweise etwas altmodisch an. Die Figuren haben keine Zeit, Tiefe zu entwickeln, weil in die reichlich 2 Stunden Film die ganze Artus-Sage hineinpassen muß. Viele der Dialoge sind für meinen Geschmack etwas zu theatralisch und sogar holprig, so dass es eher nach der Verfilmung eines alten Shakespeare-Stückes klingt. Kein Vergleich zu den geschliffenen Texten in den heutigen Filmen. Für Splatter- oder Explosions-Fans: Es gibt keine Tricks, allemal ein paar Stunts und keine Effekte außer ein wenig Nebel. Dafür ist der Streifen aber überaus prachtvoll und liebevoll kostümiert. Wie gesagt, mein eindeutiges Plus ist die grandiose Musik, die mich schon begeistert hat, als ich den Film vor Jahrzehnten im Kino sah, denn erst dort kommt sie durch die Lautsprecher richtig zur Geltung. Es sind die sehr kraftvollen Stücke von Carl Off aus Carmina Burana und von Richard Wagners "Tristan und Isolde", "Parzival" und "Rheingold, die da wirken. Aber ich kannte eines der wuchtigen Stücke ja auch auswendig, nämlich "O Fortuna" von Carl Orff. Dazu, und das hab ich im Abspann gelesen, wurden die Orff-Titel seinerzeit vom Leipzig Radio Symphony Orchester und dem dazugehörigen Chor eingespielt, was mich natürlich so im Nachhinein besonders stolz macht, denn immerhin wurde der Film noch zu tiefster DDR-Zeit gedreht. Jetzt verstehe ich auch, warum er dann auch im Kino gezeigt wurde.
Jetzt muß ich aber trotzdem noch was Philosophisches loswerden, was mit dieser ganzen Legende in Zusammenhang steht. "Die Suche nach dem heiligen Gral" ist auch hierzulande ein geflügeltes Wort und jeder weiß, dass dies aus der Artus-Sage stammt. Doch keiner weiß im Grunde genommen so richtig, was dieser Gral ist. Bei diesem Film habe ich zum ersten Mal eine Ahnung gehabt, was damit gemeint sein könnte. Sicher versteht das jeder anders, deshalb lasse ich meine Ansicht mal jetzt offen. Vielleicht sieht sich ja jemand den Film an und es entsteht eine Diskussion. Übrigens: Der Streifen entstand aus einer Verlegenheit heraus. Regisseur Boorman (Der Exorzist 2, Rangoon, Der Schneider von Panama) wollte eigentlich J. R. Tolkins "Herr der Ringe" verfilmen. Die Finanzierung blieb ihm aber versagt. Mit dem vorhandenen Geld inszeniert er dann "Excalibur". Dafür sind wir ihm heute dankbar, denn sonst wäre Peter Jacksons Trilogie vielleicht nicht entstanden.
Und für Sprüchesammler ein Ausspruch von Merlin: "Wenn ein Mensch lügt, tötet er damit einen Teil der Welt". ** Meine Meinung ** Auch wenn Excalibur heute angesichts effektestrotzender Ritterfilme etwas angestaubt wirkt, ist er meines Erachtens der authentischste aller Verfilmungen der Artus-Sage, die vor allem durch grandiose Bilder, tolle Musik und detailreiche Ausstattung wirkt.
Sehr ansehenswert. ** Daten ** USA 1981 Genre: Historienepos Regie: John Boorman Musik: Trevor Jones FSK 12
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
|
|
07.04.2004 06:50
Solche Filme mag ich. Auch wenn sie meist sehr lange sind. Kann man es sich schön gemütlich machen und den Schinken geniessen. Gruß Petra
30.03.2004 20:13
Tja, den haben wir ja verpaßt, aber nach deinem Bericht ist das fast wie doch gesehen.
29.03.2004 19:15
Bis darauf, dass ich den Bericht nun zu spät gelesen habe & den Film verpasst habe - ein wirklich gut gelungener Bericht! LG,Mirjam