Ich existiere

4  30.09.2003 (24.11.2005)

Pro:
Entscheidungen alleine fällen, mit Glück ein gutes Einkommen, je nach Branche freie Zeiteinteilung

Kontra:
Risiko, Risiko, Risiko

Empfehlenswert: Ja 

schneeweisschen

Über sich: Ich schreibe hier nur noch, wenn mir etwas wirklich sehr am Herzen liegt - sei es positiver oder neg...

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Existenzgründung ist ein seltsames Wort. Ist die Geburt eines Menschen nicht die eigentlich ursprünglichste Form von Existenzgründung? Existiert man etwa nicht, wenn man für sich beschlossen hat, dass es vollkommen in Ordnung für einen selbst ist, zeitlebens als Angestellter oder Beamter seine Brötchen zu verdienen?

Als ich vor ca. 5 Jahren mit der Idee einer eigenen Firma schwanger ging (und kurze Zeit später auch mit einem Kind), stand ich vor einem riesigen Berg von Gesetzestexten, Bürokratie, gut gemeinten (aber nicht immer gut recherchierten) Fachbüchern zum Thema "Existenzgründung" und allerhand sowohl positiven als auch negativen Beispielen in Sachen Selbständigkeit.


Selbständigkeit
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Selbstständig (beide Schreibweisen sind inzwischen erlaubt) sein bedeutet "selbst" und "ständig". Das war einer der wichtigsten Sätze, die mir im Laufe der Jahre im Zusammenhang mit diesem Thema untergekommen sind. Und es ist eine der großen Wahrheiten, deren Ihr Euch bewusst sein müsst, wenn ihr auch plant Euch selbständig zu machen.

Ihr werdet keinen 8-Stunden-Tag mehr haben und - zumindest in der Anfangszeit - auch kein Wochenende mehr; und in den ersten Jahren wird das Wort Urlaub ein Fremdwort für Euch sein, weil selbst, wenn Ihr das Glück haben solltet, Euch ein paar Tage loseisen zu können - Ihr immer von unterwegs erreichbar sein wollt und müsst, und das kann den Erholungseffekt doch erheblich schmälern. Sicherlich bedeutet es nicht unbedingt, dass Ihr rund um die Uhr arbeiten müsst, es sei denn Ihr wollt den Namen Euer Firma spätestens fünf Jahre nach der Gründung im DAX notiert sehen.

Natürlich gibt es unterschiedliche Formen der Selbständigkeit. Ihr könnt nebenberuflich selbständig sein, indem ihr z.B. 5 Stunden pro Woche Eurem Handarbeitshobby frönt und Eure Strick-Ensembles meistbietend im Internet verkauft. Gerade bei dieser Form des Geldverdienens ist äußerste Vorsicht geboten. Während die Allgemeinheit von einem Hobby spricht, betrachtet der Staat inklusive seiner zahlreichen Behörden (insofern jemand davon Wind bekommt) fast jede Tätigkeit, mit der man Geld verdienen kann, als selbständige Arbeit, und so kann es leicht passieren, dass Euer schmales Nebeneinkommen durch Steuern und Abgaben zum Verlustgeschäft wird. Genau so gut kann es aber auch passieren, dass eine als Gewerbe angemeldete Tätigkeit "mangels Gewinnerzielungsabsicht" (Fachjargon) vom Finanzamt zum Hobby degradiert wird und man somit gewisse Vorteile aus der Selbständigkeit, wie z.B. den Vorsteuerabzug für geschäftliche Ausgaben, nicht mehr nutzen darf.

Die nebenberufliche Selbständigkeit heißt korrekt "geringfügige Selbständigkeit". Als geringfügig selbständig gilt man auch, wenn man - wie in meinem Falle - nicht mehr als eine bestimmte Anzahl von Stunden pro Woche im Rahmen eines eigenen Gewerbes bzw. einer selbständigen Tätigkeit arbeitet und ein gewisses Einkommen nicht überschreitet. Die genauen Vorschriften ändern sich sehr oft, Eure zuständige IHK hat die stets aktuellen Gesetzestexte dafür aber parat. Ein Anruf genügt.


Mein Chef ist blöd. Soll ich mich lieber selbständig machen?
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Zugegeben, der Hauptanlass für meinen Wunsch nach einem eigenen Reisebüro war der Gedanke: "ich will nie wieder als Angestellte in einem Reisebüro arbeiten". Zu eingeengt fühlte ich mich in meinen Ideen und Entscheidungen, zu abhängig von der Gnade meiner Chefs/Chefinnen und außerdem war ich deprimiert angesichts der extremen Fluktuation in meiner Branche. Ständig wechselnde Kollegen, schlechte Bezahlung, kaum Aussichten auf Besserung und immer weniger Zeit für die Kunden waren nicht gerade ein Lichtblick für meine Zukunft. Da ich aber meinen Beruf liebte und ihn nicht aufgeben wollte, war die logische Konsequenz ein eigenes Reisebüro.

Aber nur weil er mit dem Chef oder einem Kollegen nicht klar kommt, sollte sich niemand selbständig machen.
Vergesst nicht: es wird immer - wirklich IMMER - Menschen geben, die Euch das Leben schwer machen können (und werden) und von denen Ihr abhängig sein werdet. Ganz vornweg Eure Kunden, aber auch Eure Lieferanten und nicht zuletzt die lieben Behörden.

Der Wunsch nach Selbstverwirklichung, finanzieller Unabhängigkeit, freier Zeiteinteilung, die Umwandlung des Hobbys zur Berufung - all das (einzeln oder auch alle Wünsche zusammen) sind meistens ausschlaggebend für den Gedanken an Existenzgründung.


Voraussetzungen
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* Idee

Die Idee steht in der Regel am Anfang einer Existenzgründung. Von den ersten Gedanken bis zu Umsetzung können mitunter Monate oder sogar Jahre vergehen.
Und die meisten Ideen werden nie umgesetzt. Ich kenne niemanden, der nicht schon einmal gesagt hat: "Mensch, das ist eine tolle Geschäftsidee. Damit müsste man sich doch eigentlich selbständig machen.". Doch die wenigsten dieser Ideen werden tatsächlich zur Realität - und das ist auch gut so.

Sich Zeit lassen ist wichtig, um nicht im Eifer des Gefechts übers Ziel hinaus zu schießen und den Weg in die Selbständigkeit bitter zu bereuen. Lasst Euch von niemandem hetzen. Sicher: es gibt Ideen, die können nicht lange warten, aber ihr solltet immer wohlüberlegt vorgehen und vor einer großen Entscheidung möglichst noch ein paar Nächte bis zur Umsetzung verstreichen lassen.

* Informationen sammeln

Sammelt und archiviert alles, was Euch auch nur im entferntesten auf Eurem Weg in die Selbständigkeit helfen kann. Unterhaltet Euch mit Menschen, die den Weg in die Selbständigkeit bereits gewagt haben und fragt Ihnen nach Möglichkeit imaginäre Löcher in den Bauch. Erkundigt Euch bei der IHK nach sogenannten Existenzgründerseminaren. Diese gibt es sowohl als Seminare mit mehreren Veranstaltungen (meistens abends, in der Regel insgesamt 10 Mal) oder auch als 3-4 stündige Veranstaltung an einem Abend. Die Kosten variieren, ich habe für einen Informationsabend 35 € bezahlt, was ein absolut akzeptabler Preis ist, denn die Fülle an Informationen bekommt man sonst nirgendwo.

*Gewerbeschein & Co.

Der Gewerbeschein ist der Schlüssel und der offizielle Eröffnungsteil Euer Selbständigkeit. Ab dem Tag, an dem ihr ihn in den Händen haltet, seid ihr theoretisch frei und habt gleichzeitig enorm viel Verantwortung auf Euren Schultern. Ab sofort dürft und vor allen Dingen müsst Ihr nämlich die Konsequenzen für all Eure Entscheidungen (inkl. aller Fehler) selbst tragen.
Einen Gewerbeschein kann eigentlich jeder bekommen. Mehr als Euren Personalausweis und ca. 18 € Bargeld braucht ihr nicht. Für die meisten Branchen benötigt Ihr nicht einmal einen Nachweis Eurer Fähigkeiten, was ich persönlich in mancherlei Hinsicht für grob fahrlässig halte. Ein für mich naheliegendes Beispiel: jeder kann theoretisch ein Reisebüro eröffnen. Er benötigt dafür weder eine fundierte und sachbezogene Berufsausbildung noch sonstige Nachweise... nur den Gewerbeschein, und den hielt ich eine halbe Stunde nach meiner Vorsprache bei der zuständigen Behörde bereits freudestrahlend in den Händen. Nebenher: ich habe eine abgeschlossene Berufsausbildung zur Reiseverkehrskauffrau und insgesamt 8 Jahre Berufserfahrung auf diesem Gebiet. Und fühlte mich dennoch gerade am Anfang etwas überfordert.

Die einfache Erledigung mit dem Gewerbeschein gilt allerdings nur für die Gründung eines Einzelunternehmens. Wenn Ihr Euch zusammen mit anderen selbständig machen wollt, ist ein Gang zum Notar fast unumgänglich, schon alleine um Euch selbst im Falle von Streitigkeiten abzusichern. Die Gründung einer GmbH z.B. verlangt zahlreiche Voraussetzungen, z.B. ein bestimmtes Stammkapital.
Details zu den verschiedenen Rechtsformen und den entsprechenden Rechten/Pflichten findet Ihr im Internet oder sind bei der IHK zu erfragen.


* Kapital

Je nach Geschäftsidee und den entsprechend benötigten Firmenräumen sowie der Geschäftsausstattung ist es unvermeidlich, ein sicheres Finanzpolster im Rücken zu haben, dass Euch zumindest über die ersten Monate helfen kann.
Bevor Ihr Euer Geschäft wirklich beginnen könnt, wird nämlich im Normalfall erst einmal eine Menge Geld Euer Bankkonto verlassen.

Wobei es auch Ausnahmefälle gibt, so wie mich. Meine Selbständigkeit habe ich mit einem privaten Bankguthaben von - da schweige ich lieber - gestartet. Da ich während der Elternzeit (außer von meinem Mann) sowieso kein Geld bekam, war es für mich lediglich wichtig, mein Geschäft möglichst von Anfang an so zu führen, dass die Ausgaben die Einnahmen nicht überstiegen. Mein Mann war zu dieser Zeit Alleinverdiener, ich widmete mich hauptsächlich unserem Nachwuchs und stand nicht unbedingt unter dem Druck, sofort die große Kohle scheffeln zu müssen. Da ich von zu Hause aus arbeite und anfangs kaum mehr als einen PC mit Internetanschluss und ein Telefon brauchte, waren keine großartigen finanziellen Investitionen notwendig.

Das ist bei den meisten Firmen natürlich anders. Gewerberäume müssen angemietet sowie Waren/Rohstoffe eingekauft werden, Firmenfahrzeuge sind häufig auch eine notwendige Investition. Wer von Anfang an Personal benötigt, hat somit den größten finanziellen Aufwand einer Firma auch gleich dabei. In den meisten Fällen geht es daher nicht, ohne einen Kredit bzw. ein Darlehen aufzunehmen. Dafür gibt es die verschiedensten Mittel und Wege. Für Existenzgründer eine wichtige Anlaufstelle ist zum Beispiel die Deutsche Ausgleichsbank (DtA), die speziell für Neugründungen verschiedene Subventionen und Darlehensformen bereit hält.
Eine Übersicht der verschiedenen finanziellen Hilfen bekommt Ihr bei der IHK. Wenn Ihr den schon erwähnten Informationsabend der IHK besucht, erhaltet ihr umfangreiches Infomaterial, das Ihr Euch ansonsten mühsam zusammen sammeln müsstet.
WICHTIG für jede Form von Darlehen, Beihilfen und Krediten: erkundigt Euch VOR der Gründung, denn viele Finanzspritzen gibt es nur vor der Existenzgründung. Gewerbeschein holen, anfangen und dann finanzielle Hilfe beantragen - damit landet ihr meist auf dem Abstellgleis und oft im finanziellen Desaster, besonders wenn Ihr bestimmte Gelder in Eurem Finanzplan als vermeintlich sichere Einkommensquelle angegeben habt. Ich selbst kam für jegliche Art von Existenzgründer-Beihilfen nämlich zu spät.
Die Gründung einer so vielgepriesenen Ich-AG setzt übrigens voraus, dass man sich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbständig macht und will wohl überlegt sein. Die Wahl des richtigen Firmentyps hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf Gelingen oder nicht Gelingen.

Vergesst nicht, dass goldene Zeiten nicht auf Dauer sind und legt Euch unbedingt ein finanzielles Polster für einkommensschwache Zeiten, z.B. Konjunkturkrisen an. Als Selbständige bleiben Euch nämlich leider viele der staatlichen Beihilfen, die man als Angestellter in Notzeiten (wie z.B. Arbeitslosengeld) verwehrt. Das Scheitern einer eigenen Firma endet oft übergangslos in der Sozialhilfe bzw. den seit Hartz IV bestehenden Regelungen.


* Versicherungen

Es gibt allerdings Möglichkeiten, sich in Form verschiedener Versicherungen z.B. gegen Einkommensausfall bei Krankheit abzusichern. Diese Krankentagegeld-Versicherungen sind aber auch nicht unbedingt billig und bedeuten natürlich immer eine zusätzliche finanzielle Belastung.
Bei der Krankenversicherung hat man als Selbständiger die Wahl zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung. Es gibt kein Patentrezept, welche Versicherung man für sich wählen sollte. Die Beiträge sind sehr unterschiedlich und hängen von zahlreichen Faktoren wie Alter und Gesundheitszustand des Versicherungsnehmers ab. Ich selbst bin - bei Selbständigkeit eher ungewöhnlich - freiwillig in meiner gesetzlichen Krankenkasse versichert. Das hat diverse Gründe und soll Euch einfach nur zeigen, dass es nicht nur den vermeintlich einzigen Weg in die private Krankenversicherung gibt.
Je nach Branche und Art der Selbständigkeit gibt es Versicherungen, die zwingend vorgeschrieben sind, in vielen Geschäftsfeldern z.B. eine Haftpflichtversicherung.


* Kunden

Ohne Kunden könnt ihr Euer Geschäft nicht betreiben, dass gilt für eine Bäckerei genauso wie für ein Tätowierstudio oder einen Rechtsanwalt.
Je nach Branche heißen diese dann Kunden, Gäste, Klienten, Passagiere, Patienten oder auch Mandanten (ich übernehme hiermit ausdrücklich keine Garantie für eine vollständige Aufzählung).
Es ist daher sehr nützlich schon während der Zeit als Angestellter intensiv Kontakte zu knüpfen, und damit meine ich nicht, dass ihr Eurem (Noch)Arbeitgeber gezielt die Kunden wegnehmen sollt. Denn das ist verboten und Eurem Geschäftserfolg auch nicht zwingend zuträglich. Es ist allerdings nicht verboten dem Kunden von Euren Selbständigkeits-Plänen zu erzählen. Ihr dürft ihn nur nicht fragen, ob er zu Eurer Firma wechseln möchte. Kunden, die mit Euch und Euer Arbeit sehr zufrieden sind, kommen auf diese Idee auch von ganz allein.
Eines der effektivsten und erstaunlicherweise gleichzeitig einfachsten Mittel um Kunden zu gewinnen ist, seine bereits vorhandenen Kunden so zufrieden zustellen, dass sie Euch bzw. Eure Firma gerne und gezielt weiterempfehlen. Man kann es auch Mund-zu-Mund-Propaganda nennen, aus der ich z.B. bisher die meisten Kunden gewonnen habe.
Somit schlagt Ihr zwei Fliegen mit einer Klappe: zufriedene Kunden kommen wieder und haben gleich noch neue im Schlepptau.
Zum Thema Marketing gibt es zahlreiche gute Seiten im Internet, daher werde ich dieses Thema jetzt nicht weiter vertiefen. Insbesondere, weil ich bisher fast vollständig ohne Werbung ausgekommen bin. Nur soviel, eine ordentliche Homepage sollte früher oder später jedes Unternehmen haben, denn die Erfahrung zeigt, dass alleine die Existenz einer Firmenhomepage bei vielen Kunden einen gewissen Eindruck von Sicherheit und vor allen Dingen Kompetenz hinterlässt - warum auch immer. Aus ähnlich wichtigen Gründen sollte man sich wohlpositioniert im Telefonbuch und den Gelben Seiten verewigen lassen.

* Menschliche Voraussetzungen

Ein starker Wille, viel Disziplin (insbesondere gegen sich selbst), Mut und Ausdauer sind meiner Ansicht nach Grundvoraussetzungen für eine eigene Firma. Ihr seid für Euch und Eure eventuellen Angestellten verantwortlich und könnt Euch nicht einfach aus dieser Position zurückziehen. Sehr wichtig ist auch das eigene Lebensumfeld. Wenn die Familie kein Verständnis zeigt und Euch unterstützt, sind Probleme vorprogrammiert. Wenn Ihr also einen Lebenspartner habt, der von Eurer Geschäftsidee ebenso begeistert ist wie Ihr und alles tut, um Euch dabei zu unterstützen, dürft Ihr Euch selbst gratulieren.

* Gesundheit

Ich kann mich mit Sicherheit nicht als einen der gesündesten Menschen bezeichnen. Da ich aber selten wirklich mehrere Tage hintereinander krank im Bett verbringe, habe ich das Kapitel Gesundheit für mich als relativ unproblematisch eingeordnet. Wenn Ihr schon als Angestellte häufiger und/oder längere Fehlzeiten aufgrund gesundheitlicher Probleme habt, dann solltet Ihr Euch den Schritt in die Selbständigkeit gut überlegen. Denn sich einen Krankenschein vom Arzt holen und tagelang alles stehen und liegen zu lassen... das geht dann nicht mehr.


* Mehr als Kopfrechnen sollte man schon können

Von den fachspezifischen Kenntnissen mal abgesehen, ist es eigentlich unabdingbar, dass Ihr auch in Sachen Wirtschaft und Buchhaltung einen gewissen Grad an Fitness habt. Sicherlich könnt Ihr alle steuerrechtlichen / buchhalterischen Fragen einem Steueranwalt oder einem Buchhaltungsbüro überlassen, aber ein wenig Durchblick auf diesem Gebiet hat noch niemandem geschadet. Ich mache meine - recht komplexe - Buchhaltung nach wie vor allein, würde das aber niemandem empfehlen, der keinen Spaß am Belege buchen hat bzw. keine Ahnung davon. Viel eigenes Wissen kann viel Geld sparen. Und vor allen Dingen schützt Euch - gerade in der Selbständigkeit - Nichtwissen vor Schaden nicht.
Informiert Euch VOR der Existenzgründung genau über die rechtlichen und steuerlichen Pflichten, denn ein "aber das habe ich doch nicht gewusst", interessiert niemanden, schon gar nicht das Finanzamt.


Selbständigkeit aus meiner Sicht
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Des öfteren erreichen mich bei ciao.de Anfragen dahingehend, wie genau man sich denn meine Form der Selbständigkeit vorstellen kann.

Ein Reisebüro von zu Hause aus... so etwas geht doch nicht, denken viele. Und ich habe es bis vor einigen Jahren auch nicht geglaubt. Aber es geht.
Abgesehen von Laufkundschaft und starren Öffnungszeiten läuft bei mir das meiste wie in einem klassischen Reisebüro. Ich recherchiere und buche fast ausschließlich übers Internet, meine Kunden wenden sich in der Regel per Telefon, Email oder Fax an mich. Nur sehr selten kommt es vor, dass ein Kunde es wünscht, dass er mich persönlich sieht. Dann starte ich nach vorheriger Terminabsprache auch mal einen Hausbesuch. Der Vorteil an meinem Home-Office ist die Flexibilität, die ich in einem Ladenbüro niemals hätte.

Fast ohne Umsatzdruck, da ich ja nur wenige Fixkosten habe, kann ich mir die Zeit nehmen, die ich brauche, um meinen Kunden maßgeschneiderten Urlaub anzubieten. Da mein Sohn halbtags in den Kindergarten geht, lege ich meine Telefonate und wichtigen Ausarbeitungen auf den Vormittag und arbeite auch sehr viel spät am Abend. Feste Sprechzeiten habe ich nicht, viele meiner Kunden empfinden das als besonderen Vorteil, weil sie mich so auch am Wochenende ansprechen können, wenn alle anderen Reisebüros geschlossen haben.

Nicht jedem liegt Heimarbeit, da die Versuchung sich vor den Fernseher zu setzen, ins Bett zu legen, stundenlange Telefonate mit lieben Menschen zu führen oder shoppen zu gehen, natürlich mitunter groß ist. Es kontrolliert ja niemand. Selbstdisziplin ist daher das A&O für einen Arbeitsplatz zu Hause und die Fähigkeit mehrere Dinge parallel zu tun. Es gibt auch viele Menschen, die die Gegenwart von Kollegen benötigen, um kreativ und effektiv arbeiten zu können. Die würden zu Hause mit Sicherheit vor Einsamkeit zu Grunde gehen. Mir genügt der telefonische Kontakt zu meinen Kunden und den Reiseveranstaltern vollkommen. Wenn ich Menschen sehen will, habe ich meinen Sohn und auch meine Freunde, die ich auch mal tagsüber besuchen kann, was bei nine-to-five-Job ja eher selten möglich ist.

Wenn man diese Dinge beachtet und damit leben kann, ist die Arbeit von zu Hause aus eine ideale Möglichkeit, um Kind und Beruf unter einen Hut zu bringen und sich gleichzeitig unabhängig zu fühlen.

Nicht jeder ist für die Selbständigkeit geschaffen...
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leider auch nicht jeder, der schon eine eigene Firma hat. Sein eigener Herr (oder in meinem Fall: seine eigene Herrin zu sein) ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte und ich bin nach wie vor glücklich über den Schritt, den ich gewagt habe.
Dass aber viele ein neidisches Funkeln in den Augen bekommen, wenn ich erzähle, dass ich selbständig bin, kann ich nicht nachvollziehen. Denn die ganze Arbeit, das finanzielle Risiko, oftmals sehr geringe Einkommen und der Ärger, der bei einer eigenen Firma unausweichlich ist, wird von Ausstehenden meistens total außer Acht gelassen.


* Weiterführende Informationen

Bei der IHK

Im Internet:
www.gruenderstadt.de
www.steuernetz.de
www.e-lancer-nrw.de (Plattform für Selbständige im Multimedia und IT-Bereich)
www.selbstmarketing.de (mit einem sehr ausführlichen Bereich zum Thema Home-Office)

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
strubbelmiez_1975

strubbelmiez_1975

01.03.2008 02:28

Also, auch von mir: Kompliment, habe mich zu Beginn dieses Jahres auch selbständig gemacht und halt noch etwas nackig :-D Also, ich guckte nach solchen Kursen und die Preise waren Hammer :-)) hab aber wieder neue Qellen gefunden und klopf die wieder ab :-D und warum nicht von zu Hause aus? Ich finde es praktisch: Wenn man lange genug gesessen hat, eine Haushaltsaufgabe machen, dann sind die Glieder gelockert und weiter gehts :-)) Ich genehmige mir ein Schnattergespräch oder eine Schnatter-Mail , dann gehts wieder frisch ans Werk :-D Also von mir kommt auch noch ein nachzureichendes BH :-D jipp :-D

geistreich

geistreich

09.01.2008 03:53

Sehr informativer und ausführlicher Bericht.

sammlerfreund

sammlerfreund

13.08.2007 22:02

1 A-Bericht. Danke. Gruss Sammlerfreund

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